Jill Gregory, Karen Tintori: Das Buch der Namen

Die Welt steht kurz vor ihrer Vernichtung. Ein mächtiger, gnostischer Geheimbund ist auf der Jagd nach den Lamedwowniks, den 36 Gerechen, der jüdischen Mystik. Sie allein sind dafür verantwortlich, daß die Welt nicht zu existieren aufhört, sterben sie, wird auch die Welt vernichtet. Genau dies zu erreichen, ist das Ziel des Geheimbundes (um derat die Seelen von ihrem materiellem Ballast zu befreien) und bis auf No. 33 ist er auch schon vorgerückt. Es gilt also zu handeln. Die Namen der 36 Gerechten hat Adam nach dem Diktat Gottes in seinem Buch niedergelegt, doch unglücklicherweise in chiffrierter Form. Nur Shepherd, der amerikanische Professor, der nach einer Nahtod-Erfahrung als Kind von Visionen gequält wird, kennt diese Namen noch – ohne sich jedoch deren Bedeutung bewusst zu sein.

Das „Buch der Namen“ ist getreu dem Muster nachempfunden, das Dan Brown in seinem „Sakrileg“ schon entworfen hat:

Wir finden also sowohl den ledigen amerikanischen Professor wieder, die intelligente, junge, schöne Dame, die ihn durch alle Abenteuer begleitet, es existiert ein großes Geheimnis, das der Professor lösen muss, der wiederum seinerseits von dem fast unbezwingbar erscheinende Geheimbund gejagt wird. Dies alles verpackt mit Mystik, Symbolik, dem einen oder anderen Mord ist ein Buch herausgekommen, das sich gut liest, spannend ist, auch wenn es an Originalität zu wünschen übrig läßt.

Das Buch ist – stärker noch als das Sakrileg – mit einem Schnittchenbuffet vergleichbar: bei knapp 400 Seiten 63 Kapitel stark ist es sehr in kleine Häppchen unterteilt, die man sich ohne Probleme auch zwischendurch mal einverleiben kann, ohne daß man erneut nach einem Faden suchen muss. Der ideale Begleiter also auf eine Bahnfahrt, auf der einen der Schaffner dauern stört oder das quengelnde Kind von der Sitzreihe gegenüber. Auch am Strand sollte es lesbar sein, unabhängig von der Anzahl der Nickerchen, in die einen die gleissende Sonne schicken mag.

Doch zurück zum Buch: In den Nachrichten überschlagen sich die Katastrophenmeldungen, der Geheimbund trifft Vorkehrungen zur letzten Reise, die ihren Ausgangspunkt (und damit auch ihren Show-down in den Katakomben von London hat), Shepherd und seine Begleiterin hetzen um die Welt, einerseits auf der Flucht, andererseits auf der Suche nach dem Geheimnis…. Die Welt existiert noch, von daher ist zu vermuten, daß auch die Autoren in letzter Minute (Nr. 36 steht ganz kurz vorm Ende) noch einen Dreh gefunden haben, das Blatt zu wenden. Diese Wendung macht zwar einen etwas arg gekünstelten Eindruck, aber wer wird sich daran schon stören?

Facit: Wer ein gut lesbares, nicht allzu anspruchsvolles Buch mit einiger Spannung sucht, liegt bei diesem Werk bestimmt nicht verkehrt. Man sollte die Erwartungen nur nicht zu hoch hängen, aber für ein paar vergnügliche Stunden ist es allemal gut.

Jill Gregory, Karen Tintori
Das Buch der Namen
Rowohlt 2007
ISBN 9783499244810

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