Jasper Fforde: Im Brunnen der Manuskripte

Nachdem ich die ersten beiden Bände mit dem Abenteuern von Thursday Next (unten bei den Links) verschlungen hatte, brauchte ich doch eine kleine Pause. Es ist so ähnlich wie mit Schwarzwälderkirschtorte: wenn man mal zwei Stück gegessen hat, muss man einfach mal was anderes zwischendurch haben. Aber jetzt am Wochenende war die Zeit reif geworden für den „Brunnen der Manuskripte“….

Thursday Next hatte ja bei Miss Havisham die Ausbildung für die Übernahme in den Dienst der Jurisfiction angefangen. Gleichzeitig war es für sie sehr sinnvoll, abzutauchen, um in Ruhe vor ihren Feinden ihr Kind auszutragen. So taucht sie in einen drittklassigen Krimi ein und lebt in einem umgebauten Flug-/Hausboot. (Aber auch das ist mit Gefahren verbunden, denn hoffnungslose Literatur ist potentiell immer davon bedroht, im Textsee recycliert zu werden….).

Ihre Ausbildung erhält Thursday im Brunnen mit seinen 26 Stockwerken, für jeden Buchstaben eines. Und die erste Hälfte des Buches ist ein einziges Feuerwerk der Ideen und der Fantasie, mit der Fforde seine Geschichte bereichert. Na ja, Geschichte ist gut, das Buch zeichnet sich eigentlich eher dadurch aus, daß es durch eine Handlung nicht weiter gestört wird, es existiert nämlich erst mal keine….. Erst spät im Buch deutet sich an, daß irgendwas im Umfeld des neuen Programms: „Ultra World TM“ bzw. „BOOK version 9“, dem neuen Literatur-Betriebssystem nicht stimmt. Wunderbar die Genealogie der ErzählSysteme, angefangen von alten OralTrad bzw. einige Jahrzehntausende später OralTradePlus (mit Reimen) bis hin zu den verschiedenen Versionen von BOOK…. Nun ja, jedenfalls geschehen seltsame Dinge, Todesfälle gar, die Existenz eines Verräters in den Reihen von JurisFiction wird immer wahrscheinlicher und Thursday selbst muss manchen Gefahren trotzen.

Von den Grammasiten, den Verboiden, dem Mispeling Vyrus oder dem Minotaurus, der seit Jahren mit Yoghurt gefüttert wird, und die im Brunnen gehörig von sich reden machen, ganz zu schweigen…

Neben diesen mehr dienstlichen Belangen wird Thursday aber auch „privat“ gefordert. Aornis, die Schwester von Acheron, lebt und wirkt in ihrem Gedächtnis, verändert es, löscht Erinnerungen (wir erinnern uns: Aornis war ein Mnemonomorph, und ein böser dazu….), selbst die an Landen wird blasser und blasser.

Und das sind alles nur die Hauptbaustellen. Kleinere Zwischenfälle aufzuzählen, hieße praktisch das Buch abschreiben… ein Feuerwerk an Ideen eben.

In dieser farbenprächtigen Gedankenwelt erscheint mir dagegen der Showdown zwischen Thursday und Aornis seltsam blass, als hätte Fforde da Schreibhemmung gehabt und in seiner Fantasie nichts adäquates gefunden. Ebenso das tragische Ende von Miss Havisham, aus die Maus, ratzfatz, ihrer eigentlich unwürdig kurz und trocken.

Seite 206 zitier ich noch mal, weil ich an dieser Stelle schallend lachen musste:

„Ich [i.e. Thursday]… stieß auf einen Raum, der nichts enthielt als einen Mann, dem ein Frosch aus dem blanken Kopf wuchs.
„Du meine Güte!“, sagte ich. „Wie ist denn das passiert?“
„Keine Ahnung“, sagte der Frosch. „Es fing alles mit einem Pickel an meinem Arsch an.“

Facit: ein herrlicher Lesespaß. Leider muss man davon ausgehen, daß man von den ganzen literarischen Anspielungen, die Fforde macht, allenfalls einen Bruchteil erfassen wird. Aber das kann man ja dem Buch nicht anlasten…

Links zu den Buchbesprechungen der anderen Bände:

1: Der Fall Jane Eyre
2: In einem anderen Buch
3: Im Brunnen der Manuskripte
4: Es ist was faul
5: Irgendwo ganz anders (demnächst)

Jasper Fforde
Im Brunnen der Manuskripte
dtv, Februar 2008, 416 S.
ISBN-10: 3423210494
ISBN-13: 978-3423210492

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