Liza Marklund: Nobels Testament

Annika Bengtzon ist Journalistin und soll über die Feierlichkeiten zur Verleihung der Nobelpreise in Stockholm berichten. Doch erstens kommt es anders…. Als sie auf der Tanzfläche steht, wird sie von einem Gast angerempelt, kurz danach knickt einer der Tänzer neben ihr in die Knie und seine Partner schaut Annika an. Annika sieht, wie aus einer kleinen Öffnung in der Brust der Tänzerin Blut herausspritzt und danach bricht auf der Veranstaltung das Chaos aus.

Annika ist Augenzeugin des Mordes an Caroline von Behring, der Vorsitzenden des Preiskomitees geworden, deren Tanzpartner einer der Preisträger des Medizinnobelpreises war und dem die Attentäterin in das Bein geschossen hatte.

Wenig überraschend handelt die Geschichte nun davon, den Fall aufzuklären, d.h., den Täter zu finden und dessen Hintermänner, aber und gerade auch das Motiv für diesen Anschlag. Marklung reisst dabei eine ganze Menge von Themen an, die zum Teil nicht nur für Schweden spezifisch sind:

(i) übereilt werden Verbrechen zu einem terroristischen Anschlag erklärt
(ii) der Verdacht eines terroristischen Anschlags rechtfertigt rechtsstaatlich zweifelhafte Methoden bei der Suche nach Verdächtigen und erst recht bei der Behandlung (siehe z.B. hier)
(iii) terroristische Anschläge werden benutzt, um durch Gesetzesinitiativen demokratische Grundrechte auszuhöhlen („Lauschangriff“)

(iv) der Konkurrenzdruck im Wissenschaftsbetrieb
(v) (Ver)Fälschen von Forschungsergebnissen

(vi) Grenzen und Probleme im Familienleben, wenn beide Partner berufstätig und ehrgeizig sind

… um nur einige zu nennen.

Die Handlung der Geschichte wird im Wesentlichen aus der Sicht von Annika Bengtzon dargestellt, die gleich an mehreren Fronten herausgefordert wird: als wichtigste Zeugin hat ihr die Polizei Redeverbot auferlegt. Dadurch bekommt sie berufliche Schwierigkeiten und wird auf unbestimmte Zeit aus der Redaktion verbannt. Sie kann die Zeit zwar nutzen, um den Umzug in das neue Haus der Familie zu organisieren, aber in ihrer neuen Nachbarschaft sind sie nur bedingt willkommen. Die Dreifachbelastung Beruf/Kinder/Haushalt kostet sie viel Kraft und auch ihre Ehe mit Thomas kriselt heftig, während sie selbst vor einem Seitensprung zurückscheut. Kein einfaches Leben also und zu allem Überfluss quälen sie Albträume, in denen sie die sterbende Caroline vor Augen hat, die ihr, Annika, im Augenblick des Sterbens noch etwas zuruft…. So fängt sie an, auf eigene Faust zu recherchieren, und langsam, sehr langsam tastet sie sich an die Hintergründe dieses Tat (und weiterer, die im Zuge der Geschichte noch geschehen) heran.

Was kann man sonst noch sagen über diesen Krimi, ohne zu viel zu verraten? Nun, dieses Bild der Beatrice Cenci spielt eine gewissen Rolle, das Messer auf dem Cover des Buches täuscht und an manchen Stellen scheint mir Marklund etwas dick aufgetragen zu haben. Oder geht es im Nobelpreiskomitee wirklich so turbulent zu? Na ja, vielleicht doch… und dann die Nachbarn und die leidige Kindererziehung, bei der man offensichtlich nur noch alles falsch machen kann….

Geschrieben jedenfalls ist das Buch gut lesbar, über weite Passagen hin sogar spannend und kurzweilig. Die Darstellung des Kätzchens erscheint mir etwas schablonenhaft, und warum sie keine Kontaktlinsen trägt, ist mir ehrlich gesagt, schleierhaft… dagegen sind die Dialoge und Zusammentreffen mit Q an manchen Stellen direkt witzig und einer Art verdeckter Sympathie zwischen beiden angemessen…

Facit: gute Unterhaltung, die den angerissenen Themenkreis über die eigentliche Krimihandlung hinaus ausdehnt, in weiten Teilen läßt sich das Buch auch als Geschichte einer scheiternden Beziehung lesen.

Liza Marklund
Nobels Testament
Rowohlt TB-Verlag, September 2008, 444 S.
ISBN-10: 3499232995
ISBN-13: 978-3499232992

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