Hans-Christoph Piper: Gespräche mit Sterbenden

piper

Im Gegensatz zu Kübler-Ross, die ihre „Interviews mit Sterbenden“ in „gestellten“ Situationen vor Publikum (Studenten) geführt hat, stellt Piper hier eine Sammlung von „echten“ Gesprächen vor, die so in Krankenhäusern stattgefunden haben. Das Buch ist nicht neu, die mir vorliegende Ausgabe stammt von 1980, von daher sind einige der dargestellten Situaionen nicht mehr aktuell für unsere Zeit, aber die in den Gesprächsanalysen herausgearbeiteten Probleme der Seelsorger im Gespräch mit den Sterbenden dürften trotzdem weiterhin gültig sein.

Es ist erstaunlich, wie wenige der Gespräche sich nachher in den Analysen als „gelungen“ erweisen. In den meisten Fällen reden die Partner aneinander vorbei, der Seelsorger bleibt an der Oberfläche, erfasst nicht das symbolhafte der Sprache des Sterbenden oder ist auch von den Emotionen überwältigt und weiß ihnen nicht begegnen. Oft stockten die Gespräche, sobald der Seelsorger versuchte, sie in eine bestimmte Richtung zu lenken. An vielen Stellen sprechen die Seelsorger davon, daß sie unsicher geworden sind, Ängste aufgetreten sind oder sie einfach nicht mehr wussten, wie sie reagieren sollten.

Ein weiterer „Grund“fehler“ ist ganz offensichtlich, daß überhaupt so viel geredet wird. Es scheint oft angebrachter, einfach zuzuhören und teilnzunehmen, als auf eine interaktive Unterhaltung abzuzielen. Sterbende wollen sich nicht mehr unterhalten, sie wollen die letzten Dinge regeln, noch einmal (auch verbal) Ordnung schaffen und brauchen jemanden, der sie dabei ernst nimmt und der auch ihre Situation akzeptiert.

Was ich ein wenig schade fand, war, daß ich mich beim Lesen so ein bischen fühlte wie beim Arzt, der mir zwar eine Diagnose stellt, aber keine Therapie anbietet. Soll heißen, daß in den Gesprächsanalysen zwar beschrieben wird, was dies und jenes bedeutet und was hie und da wohl ungünstig gelaufen ist, aber leider wird kein Vorschlag gemacht, wie man adäquater hätte reagieren können. An manchen Stellen wäre das (für mich) hilfreich gewesen.

Das Buch wird von einem Aufsatz Pipers zu den Problemen bei der Begleitung Sterbender abgeschlossen, die nach Piper im wesentlichen Kommunikationsprobleme sind, weil es uns oft nicht gelingt, zu verstehen, was uns Menschen „mit abnehmender Lebenserwartung“ mitteilen wollen [vgl auch hier].

Links: Das Buch ist sehr intensiv in den Gesprächen und den Analysen. Glücklich, wer jemanden hat, mit dem er darüber diskutieren kann.

Über den Autoren: http://www.v-r.de/de/autoren/433638/
In memoriam H.-Ch. Piper: http://www.pastoralklinikum.de/formulare/in%20memoriam.pdf

Hans-Christoph Piper
Gespräche mit Sterbenden
Vandenhoek & Ruprecht, Göttingen; 1977, 166 S.
ISBN 3525621639

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