Maggie Callanan, Patricia Kelley: Mit Würde aus dem Leben gehen

callanan

Callanan und Kelley sind zwei Krankenschwestern, die sich aus dem Bereich Notfallmedizin und Pflege kommend in der Hospizbewegung engagiert haben.

Ihre Arbeit kreist um den Begriff des „Todesbewusstseins“, mit dem sie das außergewöhnliches Wissen um den Prozess des Sterbens meinen, daß sich bei Menschen entwickelt, die langsam sterben und die wissen, was sie brauchen, um in Frieden sterben zu können.

Ein wesentlicher und schwieriger Punkt ist die Kommunikation zwischen dem Sterbenden und den ihn pflegenden Menschen. Da der Sterbende oft andere Kommunikationsformen entwickelt, als wir sie gewohnt sind, kommt es hier oft zu Missverständnissen, da man sein Verhalten, seine Äußerungen als verwirrt, durcheinander oder konfus deutet. Dabei redet er oft einfach nur in einer symbolischen Sprache (alles was mit „R(r)eisen“ zu tun hat (Koffer packen, Taxi rufen, Fahrkahrten kaufen) kann z.B. darauf hindeuten, daß sein Tod (= die letzte Reise) unmittelbar bevorsteht, die Suche nach Plänen, Karten oder Grundrissen kann bedeuten, daß er noch Ordnung schaffen will, aufräumen will (hat er in seinem Leben Streit gehabt mit z.B. Geschwistern?) etc pp. Wichtig sind auch Träume und Traumbilder, in den der Sterbende seine Wünsche verpackt, Gesten mit denen er bedeutet, was ihm fehlt, was er vermisst. Oft sieht er Personen, die ihm im Leben wichtig waren und fühlt sich von ihnen behütet und geborgen, während die Umstehenden nichts wahrnehmen.

Das Buch ist sehr praxisnahe gehalten. Nach dem einleitende Kapitel über das „Todesbewusstsein“ erläutern die beiden Autorinnen die einzelnen Faktoren, die für dieses Bewusstsein eine Rolle spielen an einer Vielzahl oft sehr zu Herzen gehender Fälle aus ihrer täglichen Arbeit. Sie zeigen deutlich, wie man sich als Begleiter, Verwandter oder Pflegender auf diese symbolhafte Sprache des Sterbenden einlassen muss und auch oft die eigenen Begrenztheiten erkennen und überwinden muss. Die meisten der Beispiele enden positiv, d. h., der Sterbende geht in Frieden und hinterläßt Verwandte, die Trost in diesem friedlichen Sterben finden. Aber es gibt auch Beispiele, in denen sie zeigen, daß es den Pflegenden nicht immer möglich ist, die Wünsche des Sterbenden zu erkennen oder – wenn sie sie erkennen – ihnen nachzukommen. In der Regel wird der Sterbeprozess dadurch verlängert und unfriedlich, der Sterbende ist unruhig, aufgewühlt, gequält, die Pflegenden (Verwandten) sind verzweifelt, oft von Schuldgefühlen geplagt.

„Mit Würde aus dem Leben gehen“ ist kein Buch zum Durchlesen, oft muss man nach ein paar Seiten wieder aufhören, um das Gelesene zu verarbeiten. Der Tod ist der radikalste Übergang, den ein Wesen zu bewältigen hat, radikaler noch als die Geburt, die uns zwar alle auf die Welt gebracht hat, die aber auch gleichzeitig unabänderlich bedeutet, daß wir diese welt wieder verlassen werden und wir damit den Übergang ins Leben wieder rückgängig machen. Diese Unwiderruflichkeit des Todes, das Nichtwissen über das, was uns nach diesem Übergang erwartet, verlangt uns große Kraft ab. Die beiden Autorinnen zeigen mit ihren Fallbeispielen, daß wir, wenn wir uns auf diese Begleitung Sterbender einlassen, von diesen lernen können, um die Bedeutung unseres eigenen Lebens zu erkennen und uns mit der eigenen Sterblichkeit auseinander zu setzen.

Maggie Callanan, Patricia Kelley
Mit Würde aus dem Leben gehen
Droemer Knaur, Tb, 1993, 298 S.
ISBN-10: 3426840219
ISBN-13: 978-3426840214

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