T.C. Boyle: Grün ist die Hoffnung

16. Dezember 2008

boylegruen

Yepp, ein Buch der „Les-ich-in-einem-Rutsch-durch“-Klasse: gut geschrieben, spannend, intelligent, schräg, voller Humor und vieler Fremdwörter…..

Die Story ist recht einfach: der Ich-Erzähler, Felix, wird von seinem alten Kumpel Vogelsang gefragt, ob er eine halbe Million Dollar verdienen will. Klar, will er. Doch vor den Preis haben die Götter den Fleiß gesetzt, denn um an das Geld heranzukommen, muss er (zusammen mit noch zwei Freunden) in den Bergen Nordkaliforniens eine (natürlich illegale) Marihuana-Plantage anlegen. Fünfter im Bund ist der „Experte“, nämlich der Biologe Dowst, der die notwendig Anzucht der Setzlinge übernimmt und dann alle paar Tage vorbeikommen will, um nach dem Rechten zu sehen. Vogelsang selbst hält sich als Investor weitgehend im Hintergrund, so daß die Arbeit selbst bei Felix, Phil und Gesh verbleibt. Von den anderen schrägen Typen, die in dem Buch noch auftreten, ganz zu schweigen.

Das ganze Projekt ist – wie nicht anders zu erwarten – eine angewandte Übung in McMurphy: Was schief gehen kann, geht schief. Bis hin zu der Tatsache, daß sich Gesh zur Abreaktion aufgestauter libidonöser Bedürfnisse ohne es zu erkennen in eine Transsexuellenbar verirrt … („Er ist nur ganz klein, 2 cm“ was ihn dann aber auch nicht beruhigt…..). Was ist ansonsten los? Nun, Ärger mit der Polizei, mit den Nachbarn, dem Wetter, Lagerkoller und Bären, Ratten und .. ach, alles mögliche. Und der zu erwartende Gewinn aus der Aktion schrumpft von Tag zu Tag….

Trotzdem geben die drei nicht auf, im Lauf der Zeit wird die Pflanzung eine Aktion, die sie um ihrer selbst willen durchführen, als Art Übung in Selbstdisziplin, eben nicht hinzuschmeissen, sondern durchzuhalten. Und genau das schaffen sie auch, sie ziehen alles bis zum bitteren Ende durch und Felix fährt zum Schluss wie weiland der Held nach gewonnener Schlacht mit seinem alten Toyota ohne Gewinn, aber gereift zu der Frau seines Herzens, denn auch die tritt in der Geschichte auf und in Felixs Leben ein. Hach, wie romantisch….

Facit: Wie eingangs schon geschrieben: einfach ein gutes, unterhaltsames Buch, das sich fast wie von selbst liest. Boyle findet wieder mal tolle Bilder, die mich eingefangen haben. An manchen Stellen meint man förmlich, zusammen mit den Felix, Phil oder Gesh die schlammigen Abhänge hinunter zu rutschen und unten dann im Stacheldraht hängen zu bleiben…. Und dieses Tempo hält Boyle über die gesamte Zeit durch, mit einem Wort: ein klasse Buch!

Mehr von T.C. Boyle hier im Blog:

Talk Talk
– Tod durch Ertrinken
– Wassermusik
Zähne und Klauen
Hart auf Hart
Der Samurai von Savannah

T.C. Boyle
Grün ist die Hoffnung
dtv, Februar 2005, 441 S.
ISBN-10: 3423207744
ISBN-13: 978-3423207744

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3 Responses to “T.C. Boyle: Grün ist die Hoffnung”

  1. mulliner Says:

    Ein guter Schmöker, stimmt. Hast du auch schon von Boyles neuem Buch gehört, „Die Frauen“?

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  2. flattersatz Says:

    Nein, habe ich nicht. Aber das kann sich ja ändern…..

    „Schmöker“… lange nicht mehr gehört das Wort…

    danke für deinen Kommentar!

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  3. boyle Says:

    hammergeiles buch

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