Isolde Ohlbaum: Denn alle Lust will Ewigkeit

friedhof

Mir kam der Tag nicht, der mich sagen ließ
Du könntest anders nicht als irdisch sein.
Du gleichst ihm allzusehr, dem Paradies,
Und dem, was man als ewig glaubt allein!
– Doch heute abend, in der Luft, die strich
Feucht durch den leeren Park, hab ichs gespürt:
Den erdgen Duft der Astern, der entwich
Und an die welken Chrysanthemen rührt…..
Wie! Du kannst sterben! – und ich liebe dich!

Comtesse Anne de Noailles

Lebenshunger und Todessehnsucht, Eros und Thanatos sind die Antipoden, die unsere Existenz bestimmen. Nirgends wird dies deutlicher als auf Friedhöfen. Hier hat Thanatos, der griechische Gott des Todes, den Lebenskreis vollendet, die Erde holt sich den Menschen wieder zurück, der für kurze Zeit, dank Eros, hervortrat in seine Existenz, lebte – und liebte und so den Kreis des Lebens ewig hielt.

Friedhöfe sind Orte der Ruhe, der Besinnung, der Erinnerung und der Einkehr. Leider sorgen, so Ohlbaum, Friedhofsordnungen und behördliche Vorschriften immer mehr dafür, daß diese Oasen der Seele gleichförmiger und neutraler werden, Wie schön dagegen alte Friedhöfe wie St. Marx in Wien, den ich leider nur von (wunderschönen) Bildern und als Buch kenne…..

In ihrem kleinen Bildband sucht Ohlbaum Friedhöfe in ganz Europa auf und porträtiert dort erotische Skulpturen, „verführerische, laszive, aufreizende“ Figuren, die sie dort zu ihrerem Erstaunen fand. Es ist ein wunderschönes Buch daraus entstanden, sehr stimmungsvoll, mit Gedichten und Texten zum Thema Tod, Liebe und Verlust versehen. Vielleicht, so schreibt sie, hat es „…den Schmerz des Verlustes erträglicher gemacht, glauben zu können, daß man sich einst wiedersehen wird, wieder lieben wird: denn alle Lust will Ewigkeit…

… in einem anderen Leben….

Isolde Ohlbaum
Denn alle Lust will Ewigkeit
Knesebeck, 2000
ISBN-10: 3896600680
ISBN-13: 978-3896600684

6 Kommentare zu „Isolde Ohlbaum: Denn alle Lust will Ewigkeit

    1. ahhh.. da kommt etwas neid auf bei mir, wien liegt für mich nicht gerade vor der haustür. eine gute, sehr gute freundin, dich ich in wien habe, hat für mich mal schöne aufnahmen von st.marx gemacht… wobei das ja jetzt kein friedhof mehr ist, auf dem noch bestattungen stattfinden… trotzdem, wenn du dir den anschaust, ich wünsch dir viel – was sagt man da jetzt? achtsamkeit, um ihn zu erfassen…
      lg
      fs

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  1. es ist auf jeden Fall ein empfehlenswertes Buch und eignet sich auch für den weihnachtlichen Gabentisch…..
    ich gestatte mir, zwei weitere Fotobände von ihr zu empfehlen: für Blumenliebhaber: Frau Faltermeiers Blumenladen und bei ars vivendi Lesen und der andere Prachtband Aus Licht und Schatten.
    Für Friedhofliebhaber (als Besucher) sei noch auf ein Buch von Peter Andreas hingewiesen: Im letzten Garten Besuch bei toten Dichtern, bei Gerstenberg erschienen, jedem Foto vom Grab ist ein Gedicht des jeweiligen Dichters beigesellt.

    wie immer: vom Hölzchen aufs Stöckchen …..

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