Richard Ford: Wild leben

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Der 16jährige Joe erzählt die Geschichte seiner Eltern, die während weniger Tage in Great Falls, Montana, sich ereignete. Er war mit ihnen von Idaho dorthin gezogen, da ein kleiner Ölboom dem Vater als Möglichkeit erschien, sein Glück zu machen. Sein Vater Jerry ist Golfer, zu schlecht, um in der Profiliga mitzuspielen, aber ausreichend gut genug, um als Golflehrer zu arbeiten. Seine Mutter Jeanette ist zu Hause. Eines Tages wird dem Vater von einer Stunde auf die andere aufgrund einer Denunziation gekündigt.

Es war ein trockener, heißer Sommer, in den Bergen um Great Falls toben Waldbrände, die unlöschbar sind. Überall riecht man den Rauch, der sich auf die Lungen schlägt. Joes Vater, der keine andere Arbeit findet, schließt sich den Löscharbeitern an, sehr zum Missfallen seiner Frau. Joe bringt ihn zum Bus und sein Vater fährt in den Wäldern, zu den Feuern.

Es ist ein deprimierendes Buch, ein Buch voller Grautöne, voller Resignation, Ernüchterung, Verzweifelung und Depression. Einsam, jeder in diesem Buch ist einsam, keine Freunde, die einen auffangen in schwierigen Situation, jede der Personen lebt in ihrem eigenen Kosmos, unfähig, sich über diese Grenze hinweg mit anderen zu verständigen. Joe erlebt während der Geschichte, wie die Ehe seiner Eltern zerbricht, auch nach außen zerbricht.

Seine Mutter flirtet mit Warren Miller, einem örtlichen Unternehmer und läßt ihren Sohn an dieser Liasion teilhaben. Dieser ist hin- und hergerissen zwischen der Loyalität zu seiner Mutter und dem Gefühl, daß hier etwas falsch läuft, etwas passiert, das seine Welt zerstört, ist er unfähig, etwas zu tun. So wird er zum passiven Beobachter, zum Verzweifelnden, zum Grübelnden, der ausserstande ist, das Böse, das seine Welt angreift, zu verstehen, noch gar es zu Vertreiben.

Nach drei Tagen, nur drei Tagen, kommt sein Vater aus den Feuern zurück. Der einbrechende Winter hat geholfen, die Brände einzudämmen, zum Teil zu löschen. Die Mutter sagt dem Vater, daß sie ihn verlassen will, daß sie sich in diesen Mann, mit dem Jerry früher mal Golf gespielt hat, verliebt hat. Hilflos vor diesem Geständnis stehend fahren Vater und Sohn durch die Stadt, gehen in Bars, essen unterwegs, tanken das Auto auf. Die Gespräche sind abgehackt, erratisch, die Sätze rudimentär. Schließlich kommt es zur Kurzschlusshandlung eines nicht mehr zurechnungsfähigen Mannes, fast so, als wolle er provozieren, getötet zu werden….

Die Menschen in Fords Buch können einem leid tun. Sie kennen keine Geborgenheit, Zuneigung, sie sind im Herzen verhärtet, zumindest aber vereinsamt. Hilflos muss der Sohn miterleben, wie sein Elternhaus zerbricht, wie er von seinen Eltern zum Zeugen gemacht wird für diese Tragödie, wie er als Blitzableiter benutzt wird, er, der selbst noch nicht in der Lage ist, gut von böse zu unterscheiden. Obwohl von Bränden umzingelt, ist die Welt Fords kalt und hart, eine Ansammlung einsamer Menschen mit lakonisch formulierten resignierten Gedanken.

Facit: Keine einfache Lektüre für zwischendurch, aber sehr lohnend!

Richard Ford
Wild leben
S. Fischer 1990
ISBN 3100211235

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