Bücherleben: Ein Wort gefunden….

23. Oktober 2008

Heute mittag habe ich mit der naiven Freude eines Laien, der nicht wirklich weiß, was er tut, vergleichbar vielleicht mit einem Kind, das sich in unschuldiger Seele an einem Käfer erfreut, den es zufällig auf der Mauer findet und der es durch seine Bläue schier fasziniert, heute mittag also fand ich durch den Zufall, der mich führte, als ich willkürlich und ohne Plan aus meinem Bücherregal das Büchlein Hemingwas „Schnee auf dem Kilimandscharo“ zog, das Wort „Glast“. Nun ist an dem Wort Glast nicht wirklich was erwähnenswertes, außer der Tatsache, daß man es kaum geschrieben noch gesagt findet, es gehört zweifelsohne zu den aussterbenden Worten, mag sein, daß es schon ausgestorben ist und die wenigen Male, die man es in der Literatur findet, nur den Nachgesang auf diesen Begriff darstellen.
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Ein zweites Buch ist mir bekannt, in dem das Wort auftaucht: Hesses „Unterm Rad“. Seit ich dieses Buch gelesen habe, immerhin schon Jahrzehnte sind seit dieser Zeit ins Land gezogen, verbinde ich mit glastend einen durch eine weite, mit einzelnen Baumgruppen bestandene Landschaft, in der gelbe Getreidefelder mit Wiesen abwechseln, über allem eine Hitzeglocke, die in einer am hohen Himmel stehenden Sonne ihren Ursprung hat. Ein Weg schlängelt sich durch diese Landschaft, auf dem Weg wandert hitzemüde ein Mann mit einem Stecken in der Hand, in meiner Imagination sucht er eine Bank unter einem Baum, um zu ruhen…

Dieses Bild war heute mittag sofort wieder lebendig, als ich Hemingway anlas, auf der ersten Seite schon….
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Er kenne seinen Helmut. Daß den das im Sonnenglast auf- und niedersteigende Grün nicht unberührt lasse….“ Ha. Noch mal Glast. Ich freu mich. Danke Martin (S. 41)
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Nicht ganz „Glast“, dafür aber das Wort „Glost“ fand ich in einem kleinen Gedicht im Rahmen der Veröffentlichung zur Verleihung des Menantes-Preises 2008. Dort ist von Johann Peter das Gedicht „Wintermärchen“ abgedruckt, in dem es heißt:

Der Rotdorn starrt mit Raureifblüte
das tat der Frost in einer Nacht.
Da noch ein Glost im Ofen glühte
war schnell ein neuer Brand entfacht.

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Auch wenn schon Jahre jetzt (Oktober 2012) ins Land gezogen, so ist doch mein Auge noch programmiert auf dieses Wörtlein… in der 1992er Ausgabe des Romans von M. Ondaatje: Es liegt in der Familie (Hanser), nach dem ich – zog mich wer? – zielgerichtet griff im Bücherladen, schaute ich den Klappentext und sah es: „.., das dunkle Gelb der Kokospalme. Zehn Minuten später der Glast tropischer Sonne, tausend Geräusche…. “ Ondaatje übrigens selbst verwendet dieses Wort in seinem Text nicht. Was das „Glast“ des Klappentextes uns sagen soll, umschreibt er mit „flimmernder Hitze„…

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2 Responses to “Bücherleben: Ein Wort gefunden….”

  1. bartimaeus Says:

    Ich hatte deine Vorliebe für das Wort Glast schon amüsiert verfolgt – mir ist das Wort bisher nie untergekommen. Vor kurzem allerdings habe ich es zum ersten Mal in gedruckter Form entdeckt, in einem Kinderbuch namens „Seidenraupenträume“:

    „Josefin fühlt sich müde. Das sanfte Schaukeln des Bootes und die leisen Klatscher, wenn Li Po den langen Stab ins Wasser sticht, sind angenehm einschläfernd. Der Lärm der Stadt um sie herum scheint weit weg. Der Sonnenglast, durch den sie gleiten, schirmt sie von der Hektik des Alltags ab. Josefin blinzelt und schläft ein.“
    (Schweder, Å./Dörries, M. (Übers.): Seidenraupenträume. Stuttgart 2008, S.70)

    Liebe Grüße,
    bartimaeus

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  2. flattersatz Says:

    Ach, das freut mich jetzt aber, ganz herzlichen Dank für dieses Zitat!

    Ja, es ist so eine kleine Spinnerei von mir, erinnert mich an eine bewegte Zeit in meinem Leben, in der mir dieses Wort damals zum ersten Mal unterkam….

    liebe grüße
    fs

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