Philippe Djian: Schwarze Tage, weiße Nächte

Djian ist mir mal von einem (Blog)Freund empfohlen worden, vor geraumer Zeit.. seit diesen Tagen steht das Buch im Regal, ich hatte angefangen und schnell wieder aufgehört. Vielleicht geht es nicht nur mir so, mit französischen Autoren (genauso wie mit Filmen) habe ich meine Probleme, ich bekomme nur schwer Zugang, verstehe die Bilder nicht, all das, was unterschwellig an Botschaften übermittelt wird, erschließt sich mir nur schwer. Wahrscheinlich eine Folge der Übersättigung mit amerikanischen Werken, die einen über viele Jahre hinweg geprägt haben und in ihrer Art, zumindest, was die populäreren Bücher angeht, ja so völlig anders sind als z.B. französische.

Nun gut, jetzt aber doch, Djian entkommt mir nicht! Voilá!

Nachdem ich das Buch jetzt gelesen habe, habe ich erstmal geschaut, was die anderen so über das Werk schreiben. Nun ja, die meisten der Besprechungen sind ja recht negativ, insbesondere wenn der (mir nicht mögliche) Vergleich gezogen wird Djians früheren Veröffentlichungen.

Um was geht es in dem Buch? Die Hauptperson ist Francis, ein ehemaliger Erfolgsschriftsteller, jetzt etwas heruntergekommen und im Visier der Steuerfahndung. Er verdient sein Geld hauptsächlich durch den Verkauf obskurer Gesundheitspülverchen („Haben schon die alten Inkas genommen“), von Bundeswehrunterhemden und chinesischen Turnhosen. Im Verlauf der Geschichte bildet sich zusätzlich noch ein veritabler Verfolgungswahn heraus.

Zu Hause hat er sich seine (Traum)Welt eingerichtet, in der er mit Edith, seiner Frau, seinen Ruhepol hat. Leider ist Edith schon gestorben (seine zwei Kinder, für die er spart, auch – so behauptet zumindestens eine Buchbesprechung, aus dem Buch selbst geht für mich nämlich weder das eine noch das andere hervor.. zu flüchtig gelesen, wieder mal??), ich nehme an, seine Flugangst ist ein Hinweis darauf, wie dies geschah.

Besteht die Geschichte anfänglich noch eher aus Versatzstücken, Momentaufnahmen aus Francis Leben, so bildet sich dann doch ein roter Faden aus, denn Francis wird von seinem Verleger beauftragt, den neuen Stern am Himmel der Literatur, Patrick Vandhoeren, zu betreuen. Beide reisen nach Toronto, wo Francis über alte Connections ein Treffen mit der von Patrick verehrten Madonna arrangieren kann, eine schöne Szene. Ferner gibt es in Toronto auch eine Begegnung mit drei jungen Japanerinnen: und was machen zwei Männer mit 3 Japanerinnen? Richtig. Und dies in jeder Lage, Stellung und Variation, bis zum körperlichen Zusammenbruch. Plastisch und drastisch geschildert vom Autor, der im übrigen eine ganze Menge phantasievoller Idee auf diesem Sektor in seinem Buch in Worte gefasst hat, Stichwort Nawa Shibari.

Die Welt von Francis läuft immer weiter aus dem Ruder, er fängt ein Verhältnis mit Nicole, der Frau von Patrick, an, während Patrick sich von einem Konkurrenzverlag abwerben läßt. Francis führt dies auf eine Verschwörung mächtiger Gestalten im Hintergrund zurück, seine Gedankenwelt wird immer abwegiger, Einbildungen und Wirklichkeit gehen immer mehr ineinander über.

Zwar bietet das Buch eine Menge Handlung und Geschehen, zwischendurch aber auch monologartige Ergüsse von Francis, in denen er sich über Gott, die Welt und insbesondere die Literatur und den Literaturbetrieb ausläßt. Hier sind sicherlich eine Menge Seitenhiebe auf den real existierenden Lit-Betrieb untergebracht, aber wohl eher für den Kenner ersichtlich, nicht so sehr für mich. Diese Passagen sind etwas langatmig und wolkig, inwieweit hier wirklich mit Substanz analysiert wird, kann ich nicht beurteilen.

Facit: ich schwanke.k Möchte ich das Buch noch mal lesen? Nein, ich glaube nicht. Obwohl es sich gut gelesen hat, flüssig und unterhaltsam. Ob es oberflächlich ist oder Tiefgang hat, who knows. Ich im Moment jedenfalls nicht. Ihr seht, ihr müsst euch selbst eine Meinung bilden…

p.s.: jetzt habe ich ganz vergessen, Olga zu erwähnen: „Alles, nur keine Penetrationen“. Ach, was könnte die Welt so einfach sein….

Linkssammlung über/zu Djian

Philippe Djian
Schwarze Tage, weiße Nächte
Diogenes, 2002, TB
ISBN-10: 3257233647
ISBN-13: 978-3257233643

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