J.J.Jadway: Die wirklichen Sieben Minuten

Ein Zufallstreffer, dieses Buch… In fremden Städten, in denen ich zu Besuch bin, streife ich gerne mal ziellos durch die Straßen, besuche auch die eine oder andere Buchhandlung, die sich auf meinem Weg befindet (obwohl sich die Sortimente doch überall sehr gleichen). Immer jedoch sichte ich Antiquariate, an denen ich vorbeikomme, geniesse diesen typischen Geruch nach alten Büchern, leicht muffig, angestaubt.

So auch neulich in ****. Ich schlendere durch die Regalreihen und komme irgendwann in die Abteilung, in der die Bücher für die fleischlichen Gelüste stehen (womit ich jetzt nicht die Kochbücher meine…). Die kleine Sammlung enthielt nichts außergewöhnliches, ein paar der Bücher schaute ich mir an und den Jadway nahm ich mir wegen des ungewöhnlichen Nachworts, mit dem ich wenig anfangen konnte, das mich nur verwirrte, mit.

In der Tat, die Recherche bei Big Brother google hat gezeigt, daß dieses Buch eine kleine Geschichte hat, die mich amüsiert.

1969 veröffentlicht der amerikanische Schriftsteller Irving Wallace das Buch „Die sieben Minuten“ des fiktiven Autors J.J.Jadway. Inhalt des Buches war ein Notzuchtprozess gegen einen (labilen) Leser eben dieses Romanes, der durch den Inhalt etc pp…, Wallace orientierte sich bei den agierenden Personen an realen Persönlichkeiten, wenig verwunderlich ist, daß (wie Wallace selbst sagt) das Vorbild für den angeblichen Schriftsteller Jadway Henry Miller sein soll. In dem „schmierig und charaktermies“ dargestellten Verleger Leroux erkennt sich dagegen Maurice Girodias wieder, der ebenso wie sein Vater (Jack Kahane), der seinerzeit Verleger Millers war (Obelisk-Press), in seinem Verlag „Olympia-Press“ u.a. erotische Literatur verlegt.

Der lange Rede kurzer Sinn: der verärgerte Girodias machte sich einen Spaß daraus, von einem seiner Schriftsteller unter dem (von Wallace vorgegebenen) Pseudonym „J.J.Jadway“ eine erotischen Roman „Die wirklichen sieben Minuten“ schreiben zu lassen, eben jenes Büchlein, dessen deutsche Übersetzung ich in dem Antiquariat erstanden habe.

Anzumerken ist vielleicht noch, daß diese Vorgänge in Amerika ein juristischen Nachspiel hatten, da Wallace vor Gericht gegen die Auslieferung der „.. wirklichen sieben Minuten“ wehrte, mit dem Argument, hier wolle sich jemand auf seinen Erfolg draufsatteln. Das zuständige Gericht gab diesem Antrag, so kann man den Zeitungsausschnitten auf den inneren Umschlagseiten des Buches entnehmen, statt.

Ach ja, das Buch.. ein paar Worte auch dazu…

An der in Paris lebenden Cathleen zieht während eines (eben diese titelgebenden) sieben Minuten dauernden Aktes ihr gesamtes Sexualleben vor ihrem geistigen Auge vorbei. Und das ist immerhin so umfangreich, daß damit 244 Buchseiten gefüllt werden können. Immer für neue Erfahrungen aufgeschlossen, kommt das Wort „Ich will nicht“ in ihrem Wortschatz nicht vor, im Gegenteil…. Ist Millet, an die man sich unwillkürlich erinnert fühlt, die passive, nüchterne, analysierende, so öffnet sich Cathleen ihrer Sexualität mit vollster Hingabe und Freude, wie – ohne verschämt zu Umschreibungen zu greifen – offen und ausführlich dargestellt wird. Trotzdem ist das Buch kein plumper por n.ograp hi.scher Exzess, denn (und hier zitier ich einfach mal eine andere Quelle): „..In diesem Buch werden literarische Ausdrucksformen gefunden für körperliche und seelische Vorgänge, von denen man normalerweise sagt, dies sei nicht auszudrücken, dafür habe die Sprache keine Begriffe….“ Hach, wie schön… besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können…. Jedenfalls seien alle, die üblicherweise keinen Gefallen finden an allzu plastischen Schilderungen körperliche(r) … Vorgänge dieser Art, gewarnt, das Buch in die Hand zu nehmen… trotz dieser gefundenen literarische(n) Ausdrucksformen ist es mehr als … hmmm… eindeutig.. aber, um noch mal die obige Quelle zu bemühen: „..eines der aufregendsten Bücher…“ die sie (i.e. der Händler) anbieten kann bzw wie Publishers´Weekly zitiert wird: „Wir berichten nur widerstrebend: Das Buch ist fabelhaft, eines der besten erotischen Bücher, die jemals geschrieben wurden.“ Lassen wir es so stehen….

Facit: ein netter Zufallsfund mit interessanter und amüsanter Geschichte für ein paar recht nette Stündchen…

J.J.Jadway
Die wirklichen sieben Minuten
März-Verlag, 1970

2 Kommentare zu „J.J.Jadway: Die wirklichen Sieben Minuten

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