T.C.Boyle: Tod durch Ertrinken

An dieses dtv-Bändchen, schon 1997 erschienen, bin ich mehr oder weniger durch Zufall gekommen. Bei der Sichtung in der Buchhandlung meines Vertrauens (Buchstabe „B“) legte ich meinen Finger auf die Bücher von Boyle, von dem ich ja bis dato nur „Zähne und Klauen“ kenne. „Ach, das ist gut, das hat mir gut gefallen“ ruft mir meine Buchhändlerin zu – und warum nicht? Gehört, gekauft…

Insgesamt 17 Erzählungen, durch die das Buch ideal dafür geeignet ist, einfach auf dem Tisch zu legen und in einer kleinen Pause zur Hand genommen zu werden… Die Geschichten selbst haben mir unterschiedlich gefallen. Richtig nahegegangen ist mir die kurze „Geschichten vom Aussterben“, die damit beginnt, daß ein ornithologisch interessierter Leuchtturmwärter auf eine einsame Insel seine Katze mitnimmt, diese ihm einen ihm unbekannten Vogel bringt, er diesen Vogel zur Bestimmung weitergibt und dieser sich als eine bis dato unbekannte Vogelart entpuppt. Insgesamt bringt ihm die Katze 14 solcher Bälger, bevor sie damit aufhört. Einen lebenden Vogel der Art hat er nie gesehen. Derart lakonisch und beiläufig beschrieben wird die Ungeheuerlichkeit des Gelesenen erst langsam klar.

Die Erzählung von der Frau, die in einer Affenstation arbeitet und sich dort in einen Schimpansen verliebt – sie hat vom Grundgedanken her an die Hundefrau aus „Zähnen und Klauen“ erinnert, was aber natürlich nicht zu kritisieren ist, schließlich liegt zwischen den Büchern ein ganzes Jahrzehnt.

Die Geschichten sind voller Skurrilitäten, voller Einfälle und Unmöglichkeiten. Ob nun die Sammelleidenschaft nach aztekischen Bierdosen den Sammler ins Unglück führt, der Fresschampion in der letzten Runde des Titelkampfes durch eine extreme Speisewahl doch noch gewinnt oder ein Blutregen eine Landschaft unter „Blut“ setzt – der Einfallsreichtum von Boyle ist schon erstaunlich und in wenigen Worten führt er uns aus alltäglichken Situationen mitten hinein in eine surreal anmutende Szenerie, die einen entweder alptraumhaft verfolgt (z.B. „Die große Werkstatt“, „Grüne Hölle“, „Blutregen“) oder mit beissendem Spott zum Kopfschütteln bringt wie sein Weiterspinnen der Geschichte von Tim und Lassie („Ein Herz und eine Seele“).

Es fasziniert mich an vielen dieser Erzählungen, daß Boyle dort mit der Schilderung einer ganz alltäglichen Alltagssituation anfängt und der letzte Satz im Beschreibung mit einem Schwung hinüberwechselt in eine skurrile, absurde, surreale Nebenwelt.

Facit: Natürlich gefallen nicht alles Geschichten des Buches gleich gut, wie könnten sie das. Aber ein kurzweiliges Lesevergnügen sind sie allemal.

T.C.Boyle
Tod durch Ertrinken
dtv, 1997
ISBN-10: 342312329X
ISBN-13: 978-3423123297

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