Sarah: Ich bin gekommen

Die 20 jährige Sarah, Philosphiestudentin, ist auf der Suche nach ihrem „la petite mort“, auf den sie in ihrem bisherigen Leben noch nicht gestoßen ist. Man kann nicht behaupten, sie gäbe sich keine Mühe, im Gegenteil stürzt sie sich voller Entdeckerfreue in das Abenteuer (körperlicher) Liebe hinein. Und den Leser läßt sie daran teilhaben, ohne die Derbheit und Deftigkeit mancher Situationen durch ihre Wortwahl abzuschwächen.

Ihre Suche ist lange vergebens, nun ja, sonst wäre das Buch ja auch schnell zu Ende. Die Gleichaltrigen oder nur wenig älteren Jungs und Männer können ihr (und man kann ihnen mangelnden Einsatz nicht vorwerfen) nicht helfen, die letzte Stufe bleibt für sie, nicht für ihrer Begleiter, unerklommen. Schon fast verzweifelt lernt sie aber irgendwann André kennen, einen älteren Mann, ihren „Alten Lover“, der sie an die Hand nimmt und mit dem sie dann nach vielen Stationen an das Ziel ihrer Wünsche gelangt. Eine Geschichte mit Happy End also, ich denke, soviel darf ich hier schon verraten…

So in etwa der Inhalt des Romans, der mich im Stil unwillkürlich an die alten erotischen Romane wie „Therese philosphique“ oder auch „Gamiani“ erinnert: die offengelegten Selbstzweifel, die geschilderten Gedankengänge der (fiktiven?) Ich-Erzählerin werden immer wieder unterbrochen von den handfesten Beschreibungen der praktischen Ansätze Sarahs, ihr Problem zu lösen….. Der Verlag findet dafür im Klappentext eine etwas seriöser klingende Formulierungsvariante: „…ein faszinierender Einblick in die zerrissene Seele einer jungen Frau, die sich den Weg freikämpft in ein Leben in ein Leben ohne Konventionen und Tabus.“ Nun ja, so kann man es natürlich auch betrachten, aber ganz so tiefgründig wie hier angedroht ist das Werk dann doch nicht….

Natürlich habe ich auch in die Kundenkritiken bei amazon geschaut, die im wesentlichen negativ sind. Das Buch sei ein Fake (nun ja, auf welchen Roman träfe dieser Vorwurf nicht zu…), er bediene im wesentlichen Männerphantasien in der auch Art, in der Sex beschrieben wird (das ist wohl nicht zu leugnen, aber auch ein Allgemeinplatz, denn im Endeffekt richtet sich jedes Buch an ein bestimmtes Publikum, einen bestimmten Personenkreis), „Zielgruppe sind pädophile 60-jährige Männer mit Tochter-Komplex, und nicht Teens oder Twens die etwas über die spannende Entdeckung ihres eingenen und fremder Körper und den manchmal ratlos machenden Weg zum Orgasmus erfahren wollen.“ Na hoppla, man kann dem Büchlein ja viel vorwerfen, aber nicht, daß es daher kommt und behauptet, es sei eine soziologische Studie… aber in dieser zitierten Aussage tritt natürlich ein anderes Phänomen zu Tage: der Leser erotischer Literatur ist automatisch jemand, der es nötig hat, der abartig ist oder es sonst sowieso nicht bringt. Ein Vorwurf, den ich übrigens noch kaum einem Krimiliebhaber (zur Erinnerung: in Krimis geht es um Mord, Schlechtigkeit, das „Böse“ im Menschen) gegenüber geäußert gehört habe…. aber letztlich muss das jeder mit sich selbst ausmachen, ob er solche Bücher einfach nur „Bähh..“ findet oder ob er sie als das nimmt, was sie sind: in Schrift gebrachte Phantasien wie viele andere Geschichten auch.

Facit: leichte Literatur, schnell zu lesen, kurzweilig. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Gewarnt sei nur der, der eine sexualwissenschaftliche Studie über das Gefühlsleben einer 20jährigen erwartet.

Sarah
Ich bin gekommen
Goldmann 2002
ISBN-10: 3442309980
ISBN-13: 978-3442309986

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