Mikael Niemi: Der Mann, der starb wie ein Lachs

Dieses Buch ist von allem etwas, ein Art Kriminalroman, eine kleine Liebesgeschichte, ein verbales Bilderbuch und – und das vor allem – ein Buch über die Sprache, mit der ein Mensch aufwächst.

Die Handlung ist einfach. Sie spielt im schwedischen Norden, im Tornedal (der Heimat des Autors), einer Region, die oftmals Zankapfel war zwischen Schweden, Finnland und Russland. Dort wird Martin Udde in seinem Haus auf recht brutale Weise ermordet, nämlich aufgeschlitzt wie ein Lachs. Die Stockholmer Polizistin Therese Forsness soll das Verbrechen aufklären. In den Hauptverdächtigen dieses Mordes, Esaias, verliebt sie sich, langsam und zögerlich wächst dieses Gefühl der Verbundenheit in den beiden sich so fremden Menschen.

Im Verlauf der Ermittlungen musste Esaias wieder freigelassen werden, man kommt aber nicht so recht voran. Über den Toten dagegen kommen langsam aber sicher immer mehr schlimme Details ans Licht und viele davon sind mit der Sprache der Menschen da oben verknüpft. Insofern ist Niemis Buch ein Buch über die Sprache der Menschen.

In seiner Heimatregion sprechen die Menschen ursprünglich ihre eigene Sprache, einen finnischen Dialekt, das „Meänkieli“, mit dem sie aufwachsen, in dem sie sich ausdrücken können. In Schweden wird jedoch schwedisch gesprochen und so wachsen viele Familien in absurden Konstellationen wie bei Eisaia auf: die Eltern reden untereinander Meänkieli, mit dem Sohn dagegen wird nur schwedisch gesprochen:

Er sollte ein echter Schwede werden, etwas, was ihr nie gelungen war. Schließlich war das Torndedalfinnisch ja ihre Muttersprache. In ihm hatte sich die Wärme befunden. Die Gefühle, die Intensität, die Nähe im Leben.

So tobt quer durch die Region ein zum Teil mit Verbitterung geführter Sprachenstreit. Die einen wollten normale Schweden werden, die anderen die Tradition bewahren, um ihre Identität nicht zu verlieren.

Aber auch als politische Waffe wurde die Sprache in der Vergangenheit genutzt. So unterstützte Russland im 19. Jhdt. die Ausbreitung der finnischen Sprache nach Westen und Süden, um in Schweden agitieren zu können und so: „..zu gegebener Zeit das Feuer in dem gesammelten Brennstoff zu entfachen.

Niemi malt wunderschöne Bilder mit seinen Worten. Wenn er die Landschaften beschreibt, die Menschen, ihre Gefühle, ihre Träume.. Bei ihm sind Kartoffeln bleiche Glühbirnen, die in sandbrauner Erde Kraft und Saft gesammelt haben, um sich auf dem Teller in eine dampfende Sonnenfrucht zu verwandeln, mit einer Schale, dünn wie Seide, einer frischen Süße, die Seligkeit hervorruft, einen Geschmacksrausch, die einen die Augen verdrehen läßt und mit geblähten Nasenflügeln schnauben…..

Liest man dies, meint man förmlich Geschmack dieser Kartoffeln auf der Zunge zu fühlen. Und mit ebenso schönen Bildern nimmt Niemi den Leser mit in seine Heimat, zeigt ihm die Seen, die Flüsse, die Wälder, die Tiere und die Menschen.

Ein Buch, in dem die Menschen im Mittelpunkt stehen, nicht die Handlung, obwohl es auch das eine oder andere Mal turbulent zu geht. Die Menschen sind Niemi wichtig, wie sie verwurzelt sind in ihrer Heimat durch ihre Sprache, wie sie unsicher werden, schwankend, wenn ihnen die Sprache genommen wird. Landschaft, Kultur, Sprache, Heimat und Mensch bedingen, formen sich bei Niemi gegenseitig. Wer das ignoriert oder verkennt, findet seine Mitte nicht.

Facit: Ein Lesespaß, der nachdenklich macht und Lust auf weitere Niemis

Mikael Niemi
Der Mann, der starb wie ein Lachs
btb Verlag, 2008
ISBN-10: 3442751985
ISBN-13: 978-3442751983

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