Wider die Natur: wenn Kinder vor den Eltern sterben

Der Tod eines Kindes ist für die Eltern, aber auch für die Geschwister, für Verwandte wie Oma und Opa ein furchtbarer Einschnitt im Leben, ein katastrophales Ereignis. Entsprechend heftig und ausgeprägt ist die Trauer der Hinterbliebenen, die oft genug diese Trauer nicht aushalten, sondern verdrängen, ganz tief im Innern einschließen. So ist es keine Seltenheit, wenn in Beratungsstellen Eltern sich melden, deren Kinder schon vor Jahren verstorben sind und die erst nach so langer Zeit Trauer zulassen.

Verlasse dich nicht!
Begrabe den Schmeez,
der doch der deine ist,
nicht unter Felsgestein
der Vergessenheit,
denn unbeweint
kann er nicht Hoffnung gebären,
dich nicht
zu verborgener Quelle führen,
die dir Leben verheißt.

(Antje Sabine Naegerli)

von Stülpnagel sagt in ihrem Buch „Ohne dich“ nach dem völlig unerwarteten Suizid ihres 18jährigen Sohnes: „Von einer Minute auf die andere brach unsere Welt zusammen.“ Es ist ein Schmerz, der vielleicht niemals aufhört, mit dieser riesigen Wunde in der Seele ein neues Gleichgewicht zu finden, einen Sinn im Leben, kann Jahre dauern, mag sein, sogar ein Leben lang:

Der Tod eines Kindes stürzt Eltern in tiefste Verzweiflung. Die Gefühle, die sie in voller Intensität erleben, sind schier unerträglich. Trauer und Angst, Schuldgefühle, aber auch Wut und Ohnmachtsgefühle angesichts der Endgültigkeit des Todes prägen den Alltag. Alle Hoffnungen und Träume für die Zukunft werden jäh zerstört. Der Sinn des Lebens scheint plötzlich verloren gegangen.

Der Verlust eines Kindes wird als so einschneidend erlebt, dass Eltern meinen, es wäre ein Stück von ihnen gestorben. Es ist ein Schmerz, der niemals aufhört.

Jeder Mensch trauert anders. Dennoch gibt es Ähnlichkeiten: Die Eltern erstarren direkt nach dem Tod des Kindes wie in einem Schock. Es wirkt ein Schutzmechanismus, der die zerstörerische Wirklichkeit von der Seele fern hält.

Erst nach längerer Zeit können Eltern beginnen, sich mit dem Verlust auseinander zu setzen. Meist dauert dies so lange, dass Menschen in ihrer Umgebung erwarten, dass der Tod langsam verarbeitet sein müsste. Das Gegenteil ist der Fall. Den Tod eines Kindes zu verkraften, dauert für manche Eltern ein Leben lang.

Viele Eltern ziehen sich zurück und isolieren sich. Sie fühlen sich unendlich einsam. Erst nach einiger Zeit können sie wieder auf andere Menschen zugehen und am Leben teilnehmen.

Es dauert viele Jahre, bis Eltern wieder einen Sinn in ihrem Leben sehen – bis sie spüren, dass ihr eigenes Leben weitergehen kann. Sie gewinnen ein neues inneres Gleichgewicht.

Das bedeutet nicht, dass sie ihr Kind vergessen haben. Die Geburtstage des verstorbenen Kindes werden weitergezählt. Erleben Eltern andere Kinder im Alter ihres toten Kindes, denken sie unwillkürlich daran, wie es nun wohl aussähe, welche Fähigkeiten es hätte … Das gestorbene Kind fehlt in der Familie. Das bleibt so.

Quelle

Mittlerweile sind überall in Deutschland Vereine und Organisationen entstanden, in denen (oft selbst betroffene Eltern) Menschen sich zusammengetan haben, um einander bei diese Verwundungen der Seele zu helfen. Neulich war ich auf einem Vortrag des langjährigen Vorsitzenden des Vereins „Trauernde Eltern & Kinder Rhein-Main e.V.„, ein sehr eindringlicher, bewegender und erschütternder Vortrag (von dem ich den Titel dieses Postings übernommen habe). Da der Referent bei seinem Vortrag auch erwähnte, daß viele über diese Hilfsangebote nicht informiert sind oder Hemmungen haben, sie anzunehmen, will ich an dieser Stelle einfach darauf hinweisen, daß es solche Vereine überall in Deutschland gibt. Die Ansprechpartner lassen sich über das Internet finden, gutsortierte Buchhandlungen haben mittlerweile auch Bücher zum Thema (wie das oben erwähnte von Stülpnagel), in denen entsprechende Adressen angegeben sind. Sicherlich, in der Trauer neigt man eher zum Rückzug als sich nach außen zu öffnen und aktiv einen solchen Ansprechpartner zu suchen, trotzdem, und da könnten Verwandte und Bekannte eine Hilfe sein, sollte man solche Angebot annehmen. Es ist kein Zeichen von Schwäche, im Gegenteil: es ist ein Zeichen dafür, daß man erkannt und akzeptiert hat, daß es einen Schmerz gibt, der zu stark ist, um ihn allein zu tragen.

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