Laura Lay ist bei mir im Blog schon mit einer kleinen erotischen Erzählung vertreten, der “Flamingofrau”. Hier legt sie mit der “Pyromantischen Affäre” eine weitere Kostprobe ihrer erotischen Fantasie vor, auch wenn der Titel nur die halbe Wahrheit ist, denn es sind zwei Geschichten, die Lay parallel erzählt und im letzten Kapitel dann überraschenderweise miteinander verbindet.

Den nicht pyromentischen Teil könnte man “die Gelegenheit bei den Zöpfen packen” nennen, denn hier beschreibt sie ein Rollenspiel zwischen einer jungen Frau, genannt Lila, und einem Mann, über den wir nicht allzuviel erfahren, mit Namen Joe. Lila kleidet sich zu kindlich für ihr Alter, mit Kniestrümpfen, Lackschühchen und eben Zöpfen.. so gewandet holt sie Joe vom Flughafen ab. Leider hat Joe Grund, verärgert zu sein, kam doch ein Brief von der Schule, in der ihm berichtet wird, wie ungezogen Lila ist… Lila entschuldigt sich, doch ein “es tut mir leid” reicht Joe diesmal nicht und er erinnert Lila daran, was er ihr neulich beigebracht hat.

Berit – aus der Parallelgeschichte – dagegen ist Malerin und hat ein Stipendium, sie ist mit anderen Künstlern zusammen auf einem abseits gelegenen Hof einquartiert. Am rätselhaftesten von allen dort ist ihr Yui, die Pyromantikerin, die sich ein wenig abseits der Künstlerkolonie hält und sich auch spröde gibt, als Berit sie anspricht. Aber schließlich fahren sie doch eines Nachtss gemeinsam hinaus an den See, wo Yui ihre Raketen abschießt und Berit den Widerschein der Lichter auf der Oberfläche des Wassers filmen soll. Yui hilft ihr, indem sie ihr die richtige Standposition zeigt, damit die Aufnahmen nicht verwackelt werden. Dazu muss Yiu Berit allerdings berühren….

Von den beiden Geschichten ist besonders die Episode mit Lila und Joe geheimnisvoll, denn die Autorin ist sparsam mit Erklärungen. Sie beschreibt, schildert, aber für den Leser bleibt manches geheimnisvoll bzw. rätselhaft und klärt sich erst im Lauf der Handlung weiter auf. Es ist vllt sogar eine Stärke der Autorin, Fragen nur aufzuwerfen, sie aber nicht zu beantworten: dies hält die Spannung über die gesamte Geschichte aufrecht.

Dabei lebt diese erotische Geschichte nicht vom geschilderten Sex, obwohl Lay zumindest eine prickelnde Szene eingebaut hat. Es ist eher die unterschwellige Spannung, die Visualisierung des Geschriebenen in der eigenen Fantasie, mit der Lay es versteht, das erst einmal sexuell motivierte Rollenspiel zu einem auch erotischen zu gestalten, das trotz der deutlichen Sprache seine eigene Sensibilität bewahrt. Wer also “Ein-Hand-Literatur” sucht, ist bei Lay an der falschen Adresse. Wenn man einen Kritikpunkt an den Geschichten anbringen will, dann ist es der, daß sie zu kurz sind, dieses Lesevergnügen würde man sich länger wünschen….

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Die Bonusgeschichte handelt von “Mr. Wonderful”, einem dem äußeren Anschein nach wenig attraktiven Mann mit krummen Beinen, ohne Taille aber mit Bierbrüsten, auf den dessen ungeachtet die Frauen aber fliegen. Mag dies nun den meisten Männern vielleicht beneidenswert erscheinen, unserem Titelhelden ist eher lästig, denn all die armen Frauen in ihrem Begehren allein zu lassen, das bekommt er auch nicht übers Herz. Eigentlich, so meint, müssten seine Finger schon Hornhaut tragen bei all dem, was sie schon mitgemacht haben…. “Aber ich hab genug! Es reicht! Ich bin nicht verklemmt. Nein, wirklich nicht. Aber was zuviel ist, ist einfach zuviel.” .. wenn er sich da mal nicht täuscht…

Laura Lay läßt ihren “Adonis” sein Leid in einem großen Monolog schildern, er redet sich seinen Kummer von der Seele, schildert seine Erlebnisse und die Qual, die es heißt, Objekt der Begierde zu sein, zumal – wie gesagt – sein mildes, mitleidendes Herz keine Körbe verteilen kann…

“Mr. Wonderful” ist eine nette, kleine überspitzte Satire auf die durchsexualisierte Alltagskultur unserer Gesellschaft. Sind dort in realiter die “schönen” Menschen Projektion (auch) sexueller Sehnsüchte (bzw. definiert sich Schönheit oft erst dadurch, daß bestimmte Menschen oder Typen als Figuren prominent gemacht werden), stellt Lay dieses Prinzip in ihrer Erzählung auf den Kopf: ein völlig unattraktiver Mann (jetzt hätte ich fast geschrieben, jemand wie du und ich, aber mir selbst fehlt ja noch die fehlende Taille…) wird Objekt, denn das ist er, ein Objekt, auf das Frauen fliegen wie Fliegen auf den Klebstreifen. Die Schönen und das Biest…. das der Ausgang der Geschichte letztlich nicht völlig überraschend ist, tut dem Lesespaß keinen Abbruch.

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Website der Autorin: http://laura-lay.jimdo.com/. Über diese Seite kann das ebook auch erworben werden. Ferner bedanke ich mich bei Frau Lay für die Überlassung eines Rezensionsdateinfiles.

Mehr erotische Literatur ist im Themenblog zu finden.

Laura Lay
Eine pyromantische Affäre
Kindle-Edition, 42 S. (print)

Amy Sackville: Ruhepol

15. Juni 2013

“Ruhepol” ist ein von der Kritik hochgelobter, mehrfach ausgezeichneter Roman einer jungen britischen Schriftstellerin, Amy Sackville [1]. Diese schildert einen Tag im Leben eines jungen englischen Ehepaares, Julia und Simon, in deren Ehe es aber – dies wird am Anfang des Buches schon deutlich, es fallen Begriffe wie “Gestank” und “hassen” – Klippen gibt, auf die ihre Beziehung zuläuft und an denen sie kentern könnte. Im Mittelpunkt der Erzählung steht die Frau, Julia, die sich an diesem heißen, stickigen Augusttag darin gibt, das Erbe ihres in der retrograden Verklärung zum Helden aufgestiegenen Ahnen Edward Mackley zu sichten, zu ordnen und auszuwerten.

Dieser Edward Mackley, dessen Urgroßnichte Julia ist und in dessen Haus sie und Simon seit kurzem wohnen, war ein berühmter (fiktiver) Polarforscher, der an der Wende des vorletzten Jahrhunderts sein großes Ziel zu erreichen suchte: den Punkt als erster zu erobern, an dem sich die Welt unter den Füßen dreht, den Nordpol. Kurz vor dem Aufbruch zu dieser Expedition heiratete er Emily, eine junge Frau, die – das sah er bei der ersten Begegnung – seine Begeisterung teilen, seinen Ehrgeiz verstehen könnte.. die beiden unternahmen ihre Hochzeitsreise in den hohen Norden, dort, in Vardø verbrachten sie die letzte Nacht zusammen, bevor Emily wieder zurück nach England reiste und Edward sich anschickte, seinem großen Ziel immer näher zu kommen und als erster Mensch den Pol zu erreichen, diesen imaginären Punkt im Eis, der sich durch nichts aus der Landschaft hervorhebt…

Julia also, die Mittdreißigerin, in einer leicht kriselnden kinderlosen Ehe lebend, wird uns als leicht weltfremde, Tagträumen verhaftete junge Frau beschrieben, die ein wenig vergesslich, unaufmerksam – da in abschweifenden eigenen Gedankenwelten versunken – und unkonzentriert ist. Ganz der Gegensatz dazu ist der korrekte (bis hin zum pedantischen) Simon, ein Schmetterlingssammler und -präparator (sicherlich sind die aufgespiessten Schmetterlinge auch viel ordentlicher als die lebenden, erratisch herumflatternden). Symptomatisch für ihn ist, daß er nicht, so wie sein Vater, von dem er diese Leidenschaft übernahm, die bunten, schillernden Tagfalter vorzieht, sondern eher die unscheinbaren Nachtfalter, die nicht mit ihrer Farbfülle, ihren Mustern prahlen, sondern die Nuancen aufweisen, die “etwas” unterschiedliche Färbung, das “etwas” unterschiedliche Muster… Über diese aufgespießten Schmetterlinge haben sie sich seinerzeit übrigens kennen gelernt, eine Begegnung, die den jungen Simon sofort in Liebe entflammen ließ.

Heute jedoch sitzt Simon in seinem Architekturbüro über den exakten Plänen für seine Projekte. Am Abend steht ihm noch ein besonderes Ereignis bevor. Es kam vor ein paar Tagen zu einer unbedachten, spontanen Gefühlsäußerung, lud sich dort die Frustrierung, das aufgestaute, in sich hinein Gefressene der eigenen Ehe ab? Jedenfalls gab es einen Kuss, einen leichten, nicht einen der intimen Art mit der Nachbarin und anstatt das sich vllt jetzt Anbahnende im Keim zu ersticken, ist er heute mir ihr nach Dienstschluss verabredet… ein ihm immer unangenehmer werdender Termin, erkennt er doch beim Grübeln, wie sehr er seine Julia liebt…

.. auch Julia läßt ihre Gedanken schweifen.. sie treiben zurück in die lang vergangene Zeit, in der Emily und Edward ein Paar waren, dem nur wenige Wochen der Zweisamkeit vergönnt waren. Oben, im hohen Norden, gaben sie sich ein Versprechen: “Ich komme zurück.” und “Ich werde warten!” Und Emily wartete… sie wartete sechzig Jahre lang im Haus ihres Schwagers und seiner Ehefrau (dasselbige, in dem jetzt Julia und Simon leben) auf ihren Edward, so lange, bis die Nachricht kam, sein Grab sei gefunden mit einigen Habseligkeiten, die die Zeit überdauert hätten. Einer dieser Gegenstände war das Notizbuch Edwards, die Aufzeichnungen, in denen Emily die Zuversicht und die Verzweiflung, die Sehnsucht und die Ängste ihres Mannes nacherleben konnte, die Aufzeichnungen, die an dem heutigen Tag Julia liest, inmitten der museumsartigen Ansammlung von Exponaten aus der damaligen Zeit, inmitten einer Atmosphäre, auf die sich die Erinnerungen legen wie in anderen Häusern der Staub….

Für Julia sind die beiden Helden, sind Projektionen eigener Sehnsüchte. Emily, die unerschütterlich wartende, die nicht abließ von ihrer Hoffnung, Edward käme zurück und Edward, der männliche Held, unbefleckt von der schnöden Alltagsrealität, der er entschwand, bevor sie ihn auf ein menschliches Mass beschränkte. Und so verschwimmen für die tagträumende Julia die Grenzen, liegt sie auf dem weißen Laken mutiert dieses zum Schnee, durch den Edward stapft auf seinem Weg zur Unsterblichkeit, wird es zum Eis, durch das sein Schiff treibt, über das er mit seinen Hundeschlitten gleitet…

Jäh wird sie aus diesen Vorstellungen, diesen Bilder gerissen, als sie von ihrem zufällig in der Stadt weilenden Cousin Jonathan besucht wird, der im Gespräch mit ihr ein Geheimnis lüftet (ein Geheimnis nur für Julia, sonst hätte Jonathan, der das nicht ahnte, nicht so unbedacht davon gesprochen), das ihr gesamtes Bild von Emily erschüttert und sie unsanft wieder in ihre eigene Realitität, ihre eigene Ehe (denn Emily war mit einem Schlag kein Hafen mehr, an dem sie anlegen konnte) zurück holte….

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Sackville erzählt uns also mehrere, natürlich miteinander verknüpfte Geschichten. Zum einen ist dies die Geschichte dieses einen, besonderen Tages in der Ehe von Julia und Simon, zum anderen nutzt sie das Tagebuch ihres Ahnen, um dessen Fahrt und Expedition zum Nordpol zu schildern. Das sind starke Passagen, die in ihren besten Momenten durchaus an Ransmayr erinnern, die tödliche Schönheit der Eislandschaft, das Licht, die Dunkelheit, der Nebel, die gleissende Sonne, die beissende Kälte, der alles übertreffende Hunger, die Schilderung von Eis und Schnee, von den Löchern angefüllt mit schwappendem, fast sieht es so aus: nach den Männern schnappendem, schwarzem Meerwasser… das anfängliche Hurra und gute Leben, das sie die Expedition auf ihrem Schiff, der Persephone (ein seltsamer Name im Rahmen einer solche Unternehmung, ist Persephone doch eine griechische Göttin der Toten- und Unterwelt), mit ins Eis gebracht hat, verliert sich langsam und der Hunger betritt die Bühne und wird immer mächtiger, der Schmerz, der so stark wird, daß man ihn nicht mehr wahrnimmt, weil man selbst zum Schmerz geworden ist… die Anstrengungen, die unmenschlichen Anstrengungen der vor Dreck und Entbehrung schwarz gewordenen Männern, aus deren hautüberzogenen Totenköpfen milchig gewordene Reste der Augen blinzeln soweit es das verzehrende Licht der gleißenden Sonne zuläßt.. orientierungslos im Nebel, geblendet von der Sonne, mit einem Totentuch bedeckt in der Dunkelheit… nur vier Leute der Mannschaft noch werden viele Monate später aufgelesen und können berichten was geschah und was nur vermutet werden kann…. und Jahrzehnte später dann auf einem umtosten Eiland im eisigen Ozean die zufällige Entdeckung einer behelfsmäßigen Unterkunft mit einer Mumie und vier Gräbern, eins davon das von Edward…

Ist diese Schilderung der Expedition durchweg spannend und packend, hält uns Sackville, konzentriert sie sich auf Julia und Simon, auf Distanz. Es passt durchaus zum Stil des alten viktorianischen Hauses, daß es wie ein Museum wirkt und man wie durch ein Museum geführt wird, trotzdem hat mich diese direkte Ansprache im Stile eines Museumsführers: “Stellen Sie sich vor, daß…”, “Wir folgen ihr…” oder “Denken Sie daran..” irritiert und auf Abstand gehalten. Manchmal sogar gewann ich das Gefühl, wie mit einer Kamerafahrt über der Szenerie zu schweben, die ein allwissendes Off mir en Detail erklärte. So wirkten diese Stellen auf mich etwas gekünstelt und in der Formulierung bemüht. Sehr ausführlich bis hin zu einer gewissen Zähigkeit der Sprache legt die Autorin auch die Gedankengänge ihrer Protagonisten dar…  speziell bei Julia schafft sie immer wieder diese Querverbindungen, mit denen diese quasi in die Rollen Emilys und Edwards schlüpft. Dies wirkt betulich, ist ein wenig ermüdend, soll aber wohl die innere Entwicklung Julias (und Simons) plausibel machen. Wohlmeinender ausgedrückt könnte man sagen, sie bemüht sich, ihre Charktere psychologisch genau zu zeichnen.

Natürlich kommt man um den Versuch nicht umhin, die beiden Geschichten, die beiden Paare Emily und Edward einerseits, Julia und Simon andererseits, zueinander in Beziehung zu setzen.

Zum einen sind Emily und Edwads für Julia zu einer Art idealisiertem Paar geworden, der Sphäre des Alltags mit ihren tödlichen Routinen und Klippen enthoben. Diese dagegen stellen sich dem Paarglück in der Gegenwart entgegen, aber das realisiert Julia erst, nachdem das Bild Emilys zu ihrer großen Enttäuschung zersplittert.

Das gemeinsame Leben beider Paare ist in gewisser Weise an einem Ruhepol angelangt, zwischen den Partnern herrscht eine große Entfernung, geographisch oder im übertragenen Sinn. Es bedarf eines oder mehrerer aufrüttelnder Ereignisse, Julias Selbstfesselung an Emily zu beenden und auch Simon muss erkennen, daß Liebe aktiv am Leben erhalten werden muss. Das aufgelöste Familiengeheimnis und das schlechte Gewissen ob des verbotenen Kusses vermögen dies….

Emilys Schicksal ist tragisch. Es passt im Grunde nicht – für mein Verständnis – zu der Frau, als die sie uns Sackville anfangs vorstellte: eine intelligente, lebhafte, starke Frau voller Gefühl und Begeisterungsfähigkeit. Hatte sie wirklich – wie Sackville eine ihrer Figuren sagen läßt – keine andere Wahl als zu warten? Und auf was hat sie gewartet? Auf Edward sicher nicht…. oder wollte sie nur diesen einen Menschen nicht verlassen? Oder ist der viele Gin die Jahre über die Erklärung für ihr stummes Verharren in der Vergangenheit? Ich weiß es nicht…

Die ganz große Begeisterung über den Roman teile ich nicht, dazu waren mir einige Passagen zu betulich und konstruiert. Da mir aber die Schilderung der Expedition Edwards und deren Schicksal gut gefallen hat, so spannend und anschaulich, wie die Autorin es beschrieb, habe ich das Buch dann doch gerne gelesen und kann es – mit dem obigen Vorbehalt – auch ruhigen Gewissens weiter empfehlen.

weiterführendes:

website der Autorin: http://www.amysackville.co.uk/

Amy Sackville
Ruhepol
Übersetzt aus dem Englischen von Eva Bonné
Originalausgabe bei
diese Ausgabe: Luchterhand Literaturverlag, HC, ca. 350 S., 2012

Will Schwalbe beschreibt in diesem Buch die letzten knapp zwei Jahre, die er mit seiner Mutter erlebt, nachdem diese die Diagnose: Pankreastumor [1] erhalten hat. Tumore der Bauchspeicheldrüse sind eine schlimme Sache. Sie verlaufen die erste Zeit ohne besondere Schmerzen, die Symptome sind unspezifisch und werden leicht mit anderen Krankheitsbildern verwechselt, wie auch anfänglich bei Mary Anne Schwalbe. Werden sie entdeckt, sind sie oft schon metastasiert, so daß eine operative Entfernung unmöglich ist. Die 5-Jahres-Überlebensrate ist gering, oft bleibt zwischen Diagnose und Tod nur ein Zeitraum im Rahmen weniger Monate. Dies bedeutet letztlich, daß die Diagnose Bauchspeicheldrüse beinhaltet, daß man mit hoher Wahrscheinlichkeit bald sterben wird. Als therapeutische Verfahren kommt bei einem metastasierten Tumor nur noch die Chemotherapie mit all ihren Nebenwirkungen in Frage, die im wesentlichen eine Lebensverlängerung bewirken kann.

Mary Anne Schwalbes Erkrankung entspricht diesem groben Schema. Sie, die äußerst umtriebig und energiegeladen ihre zahlreichen Verpflichtungen und Engagements betreibt und viel reist, kommt wieder krank von einer dieser Reisen nach Hause, das ist die Familie gewohnt. Müde, schlapp, mit Ikterus, wird auf eine Hepatitisinfektion behandelt, was aber nicht hilft. Schließlich führt ein bildgebendes Verfahren auf die richtige Diagnose, ein großer Teil der Leber ist schon mit Metastasen befallen.

Lesen ist das Gegenteil von Sterben

Das in etwa ist die Ausgangssituation, in der Will Schwalbe seine Erinnerungen beginnen läßt. Die Eingangsszene spielt in der Ambulanz des Memorial Sloan Kettering Hospital [2], Will und seine Mutter warten dort und kommen ins Gespräch über Bücher. Bücher sind für beide ein konstituierender Bestandteil des Lebens, es sind für beide nicht nur einfach Geschichten, mit denen man sich unterhalten kann, sondern es sind Beispiele für Schicksale und Lebensentwürfe, an denen man sich orientieren kann, aus denen man lernen kann und die man für das eigene Leben nutzen kann. Die beiden beschliessen, einen privaten Leseclub zu gründen mit nur zwei Mitgliedern, sie wollen viel lesen und darüber diskutieren, denn über Bücher, so hoffen sie, können Dinge angesprochen und diskutiert werden, die jetzt durch Moms Krankheit akut geworden sind.

Das Buch ist in viele kleiner Abschnitte aufgeteilt, die meist einem bestimmten Buch gewidmet sind. Es sollen noch viele Titel werden, Schwalbe gibt am Schluss des Buches eine Liste aller erwähnten Bücher und Autoren [3]. Bemerkenswert für mich war, daß Thomas Mann offensichtlich eine große Rolle als Autor spielte, an “Joseph und seine Brüder” scheitert der Sohn, während die Mutter es in toto liest – die Einnahme des krankheitsbedingt notwendigen Ritalins (ein Amphetamin-Derivat) hat ihr da wohl geholfen, vermutet der Sohn… auch Grass mit seiner Blechtrommel findet Erwähnung, viele europäische Literaten sind vertreten. Vllt sollte ich erwähnen, daß der Autor zu dieser Zeit noch als Lektor und Journalist arbeitet, in der Bücherwelt also zuhause ist.

Immer wieder streut Will Schwalbe Anekdoten und Erlebnisse aus dem Leben seiner Mutter ein, im Lauf des Buches entwickelt sich so ein, denke ich, recht vollständiger Überblick über das Leben von Mary Anne Schwalbe [4], ein Leben, das durch viel Engagement und Arbeit, durch eine unbändige Energie und eine ebenso unbändige Freude, immer neue Menschen kennen zu lernen, geprägt ist. Mary Anne Schwalbe entstammte der ersten Frauengeneration, der es möglich war, unabhängig von Männern Karriere zu machen und sie machte Karriere. In ihren eigenen Worten klingt das so [S. 281/2 u. 284]: “…. als ihr drei Kinder klein wart, und ich versuchte, zu all euren Schulveranstaltungen zu kommen und etwas für den Kuchenverkauf an euren Schulen zu backen und meinen Vollzeitjob zu machen und euch zu pflegen, wenn ihr krank wart, und für euren Vater da zu sein und das Abendessen zu kochen und darauf zu achten, dass der Haushalt funktionierte und alles andere…. und machte einfach weiter, obwohl ich oft enorm erschöpft war. … und egal, wie müde ich bin, lesen kann ich immer. … Hätte ich darauf gewartet, richtig ausgeruht zu sein, dann hätte ich wahrscheinlich nie auch nur eine Zeile gelesen.

Mutter und Sohn lesen, sie diskutieren während der langen Stunden, in denen die Chemo in Mary Annes Venen tropft. Sie, und das finde ich bewundernswert, sieht sich trotz ihrer Krebserkrankung nicht als Sterbende, als Patient, sondern auch diese Zeit ist Leben für sie. In dieser Hinsicht hat sie mich an Noll  erinnert, der in seinem Tagebuch ja auch beschrieben hat, daß er – insofern radikaler noch als Schwalbe – sich völlig einer Therapie verweigert hat, u.a. auch, weil er sich nicht dem Diktat des Patientenseins ausliefern wollte. Mary Anne Schwalbe lebte ihr geliebtes Leben weiter, sie organisierte, traf sich mit ihren Freunden, mit der Familie, bestärkte diese auch darin, ihr eigenes Leben weiter zu führen, auch auf ihre Reisen verzichtete sie nicht, selbst wenn diese zeitweise zu Krisen führten. In ihrer Ärztin [5] hat sie jemanden gefunden, dem sie völlig vertraut und der sie unterstützt in ihren Vorhaben.

Die angewendete Chemo war durchaus erfolgreich, das Tumorwachstum wurde in der ersten Zeit deutlich zurückgedrängt, bevor diese Verbesserung dann wieder stockte und sich ins Gegenteil verkehrte. Die Nebenwirkungen der Therapie ertrug Mary Anne Schwalbe mit viel Mut und Selbstdisziplin, kaum einmal ließ sie sich Schwäche oder Schmerzen anmerken. Infektionen, u.a. mit Krankenhauskeimen machten den einen oder anderen (kurzen) Klinikaufenthalt notwendig. Immer wieder setzte sie sich Ziele, die sie noch erleben wollte: Geburtstage, Thanksgiving-Feiern, Jubiläen….. Schließlich war Mary Anne Schwalbe aber doch an dem Punkt angekommen, an dem sie austherapiert war. Eine experimentelle Therapie, die möglich gewesen wäre, lehnte sie ab. Sie starb am 14. September 2009 im Kreis ihrer Familie, fast zwei Jahre nach der Erstdiagnose und damit einer weit über der Erwartung liegenden Restlebenszeit. Dieser Nachruf von Marina Vaizey [6] würdigt ihr Leben, ich habe ihn hier verlinkt, weil Will Schwalbe ihn auch in seinem Buch erwähnt.

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“An diesem Tage lasen wir nicht weiter” sind die Erinnerungen eines Sohnes an seine Mutter, deren letzten Lebensabschnitt er intensiv begleitet. Die Ruhe und die Kraft, die die Mutter in Kenntnis ihres abzusehenden Todes ausstrahlte, haben sich auf diesen Text übertragen. Dabei muss man anmerken, daß das Buch keine explizite Kranken- oder gar Sterbegeschichte ist, es ist die erinnerte Geschichte eines ausgefüllten, erfüllten Lebens und die Aufzeichnungen darüber, wie Will Schwalbe versucht, die letzte Zeit, die er mit seiner Mutter verleben darf, intensiv zu nutzen.

Betrachtet man das Verhältnis von Sohn und Mutter und die Reaktion von beiden auf die infauste Diagnose, stellt man große Unterschiede fest. Der Sohn ist unsicher, weiß nicht richtig wie er sich verhalten soll, muss sich (und richtigerweise macht er dies) über den angemessenen Umgang mit Todkranken informieren, zweifelt häufig, ob er dies oder jenes sagen, machen soll oder darf…. die Mutter gibt ihm im Grunde wenig Hilfestellung oder Ermutigung zum Reden über den eigenen Tod und ihm fehlt ein wenig das Vertrauen in die Stärke seiner Mutter, die auch bei eine evtl (subjektiv) “falschen” Reaktion seinerseits ver”kraften” würde: Will Schwalbe ist sehr bemüht, keinen Fehler zu machen.

Auch für die Mutter ist die eigene Krankheit und der in wenigen Monaten zu erwartende eigene Tod kaum ein “öffentliches” Thema, die beiden sprechen über dieses Faktum fast ausschließlich, indem sie das Medium der Bücher gebrauchen, die sie lesen. Auch hier wieder die Zweifel des Sohnes: hätte er dieses, evtl schwierige, pessimistische, deprimierende Buch überhaupt empfehlenn dürfen, ist jenes Buch jetzt wirklich u.a.m….?

Scheint mir also die Auseinandersetzung des Sohnes mit dem Muttertod zögerlich zu sein, befasst sich die Mutter selbst intensiv damit – aber eben nicht in der Diskussion, dem Gespräch, dem Anvertrauen mit/zu anderen. Es sind Momente wie der, in dem sie ihrem Sohn zum Beispiel unvermittelt einen Entwurf für die Karten gibt, mit denen er sich für die Kondolenzpost bedanken soll, die zeigen, daß sie ganz klar ihren Tod für und mit sich selbst organisiert und durchdenkt: “.. Wenn ich mit dieser Behandlung aufhöre, dann weil es an der Zeit ist, damit aufzuhören.” sagt sie zu Will, als sie über Beckets “Mord im Dom” sprechen [S. 205].

Aus dem Text läßt sich meiner Meinung nach herauslesen, daß Will Schwalbe noch sehr unter dem Einfluss seiner Mutter stand. Explizit will er noch von ihr lernen, die Zeit, die ihm bleibt, dazu nutzen. Es gab beim Lesen Momente, in denen ich dachte, eine Art Hagiographie vor mir zu haben, ich kann nach der Lektüre des Buches nicht eine einzige negative Eigenschaft von Mary Anne Schwalbe benennen… selbst da, wo spontan Kritik entsteht, wird diese wieder zurückgenommen, etwa da, wo sie ihm einen Pullover schenkt, der ihm gar nicht so gut gefällt, heißt es dann ein paar Seiten weiter: “… natürlich hatte sie mit diesem Geschenk goldrichtig gelegen – es ist der mit Abstand hübscheste und am besten sitzende Pullover, den ich besitze. …” [S. 365]. Auch bei der Diskussion der gelesenen Literatur, bei der es oft um grundlegende menschliche Eigenschaften geht wie Mut, Besonnenheit, Güte läßt der Sohn der Mutter meist das letzte Wort, abweichende Ansichten äußert er nur selten – und wenn, ist das schlechte Gewissen spürbar.

Bei einer anderen Gelegenheit schildert er, wie ihn die Frage von Freunden, wie es ihm denn gehe, aus dem Konzept bringt, denn er weiß nicht, was seine Mutter wohl als richtige Antwort ansehe: “… also antwortete ich darauf so, wie ich meinte, dass Mom es sich wünschen würde. ..” [S. 242]. Daß er als Sohn durchaus eigene Gefühle hat und haben darf, akzeptiert er anscheinend nicht bzw es macht ihm ein schlechtes Gewissen: “”… Meistens jedoch wirkte schon die einfachste Unterhaltung zum Thema, wie es mir mit Moms Gesundheitszustand ginge, gezwungen und ängstlich und befangen, weshalb ich von mir aus so schnell wie möglich auf etwas anderes zu sprechen kam…” [S. 245].

Will Schwalbe bemerkt diese Unsicherheit natürlich auch selbst: “Diese Befangenheit hatte viele Ursachen: Sie war todkrank, aber noch nicht tot – erlaubte ich mir also zu große Trauer, dann kam ich mir vor, als würde ich sie vorzeitig bereits im Grab sehen….” [S. 243]. Interessant sind auch die Rationalisierungen, die Will anführt und mit denen er eigene Ansichten begründet. Es gibt mehrere solcher Stellen, ich möchte hier (da sie im selben Zusammenhang beschrieben wird wie die schon zitierten Aussagen) eine anführen. Schwalbe diskutiert die Frage, wie Ärzte ihren Patienten infauste Diagnosen überbringen können oder sollten, ihnen unter Umständen sagen müssen, daß eine weitere Therapie nicht sinnvoll sei. Nun gäbe es zwar Patienten, die ihren Ärzten gegenüber auf Offenheit bestünden, aber gerade diese seien (nach Schwalbe) oft diejenigen, die “…die Wahrheit nicht ertragen könnten und am Ende alles Mögliche auf sich nähmen… um den Tod hinauszuzögern, ...” [S. 206]. Mit dieser (meiner Meinung nach) falschen Behauptung bekundet Will Schwalbe nach meiner Meinung, daß er persönlich eine solche Diagnose eigentlich gar nicht hören möchte, da sie keineswegs dazu angetan sei, zu beruhigen, er im Gegenteil damit überfordert ist.

Zum Abschluss will ich noch eine Stelle aufführen, die mir aufgefallen ist, weil ich sie irgendwie absurd fand. Auf S. 243 redet er von einem “Schulhof-Stigma“, das derjenige trägt, der “zu eng mit seiner Mutter verbandelt ist” und dem er, so lese ich es zwischen den Zeilen, wohl unterworfen war. Für die heutige Zeit leitet der Autor daraus ab, daß es Männern kein Problem macht, zu Büchern zu stehen, in denen Vater-Sohn-Verhältnisse thematisiert werden, dieselben Männer aber “ein wenig beschämt”  seien, gefielen ihnen Bücher wie McBrides “Die Farbe von Wasser“, in denen es um Mutter-Sohn-Verhältnisse geht. “Dieses Thema gilt, offen gesagt, als ein bischen schwul.” Über diesen Gedankengang des (homosexuellen) Autors habe ich mich dann doch gewundert.

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Die obigen Äußerungen mögen bitte nicht als Kritik am Buch verstanden werden. “An diesem Tag lasen wir nicht weiter” ist im Gegenteil eine berührender, sensibler, sehr schön geschriebener Bericht über eine intensive Mutter-Sohn Beziehung, die in den letzten zwei Jahren, im Wissen um den nur allzu wahrscheinlichen Tod der Mutter, noch einmal an Intensität zugenommen hat. Diese Erinnerungen sind voller Liebe und auch Wehmut, sie zeugen davon, wie sehr Will Schwalbe seine Mutter vermisst. Und ebenso ist das Buch Zeugnis einer bemerkenswerten Frau voller Tatendrang, Elan, Kraft und auch Erfolg, die viel in ihrem Leben erreicht hat.

Aber aus diesem Buch läßt sich eben auch viel Lernen für das eigene Leben, betrachtet man es durch die Erfahrungen des Autoren. Jeder von uns kann von heute auf morgen in diese Situation kommen, daß ein guter Freund, ein naher Verwandter, ein geliebter Mensch todkrank wird oder einen Unfall hat. Dann sehen wir nolens volens vor ähnliche Fragen gestellt wie der Autor: was sage ich wie, kann ich dies und jenes machen…

So war das Lesen dieser Geschichte über Bücher, über einen besonderen Leseclub, in dem sich das Schicksal zweier Menschen spiegelte, ein großer Gewinn und ganz sicher hat dieses Buch noch viel mehr Leser verdient. Schließen möchte ich meine Buchvorstellung mit den zwei Zeilen aus Masha Kalekos bekannten Gedicht, die so gut zu der Geschichte der zwei Schwalben passt:

Bedenkt den eigenen Tod, den stirbt man nur,
doch mit dem Tod der andern muss man leben.

Links und Anmerkungen:

[1] Wiki-Artikel zum Pankreastumor
[2] Diese private Einrichtung gehört wohl zu den besten Krebskliniken weltweit, sie begegnet einem immer wieder, wenn man Bücher über Krebs(kranke) liest, die in NYC spielen: http://www.mskcc.org/
[3] ich selbst habe davon folgende hier im blog vorgestellt:
- Khaled Hosseini: – Drachenläufer und – Tausend strahlende Sonnen [S. 53/4]
- Ian McEwan: Am Strand [S. 28]
- James McBride: Die Farbe von Wasser [S. 243]
- Erica Jong: Die Angst vorm Fliegen [S. 52]
- Geraldine Brooks: Die Hochzeitsgabe [S. 129/30]
- Iréne Némirovsky: Suite francaise [S. 287]
- Stieg Larsson: Verblendung [S. 320]
Daneben gibt es noch eine ganze Menge von Titeln, die (noch) nicht oder schon vor langer Zeit gelesen habe und die sowohl bei Schwalbe als auch bei mir im Regal stehen…. es war ein schönes Gefühl, zu sehen, daß bei all den vielen -zig Tausenden von Titeln, die auf beiden Seiten des Atlantiks (und Pazifiks) erscheinen, so viel Übereinstimmung zu finden war.
[4] Erstaunlicherweise scheint es keinen Eintrag in der Wikipedia zu geben, was bei den vielen beruflichen und ehrenamtlichen Aktivitäten durchaus bemerkenswert ist. Unter anderem war sie Gründungsvorsitzende der “Women’s Refugee Commission”, sie besuchte und arbeitete in vielen Flüchtlingscamps, zu der Zeit des Buches war sie damit befasst, in Afghanistan eine Bibliothek aufzubauen.
[5] Wenn die google-Bildersuche mich  nicht in die Irre geführt hat, macht diese einen sehr sympathischen Eindruck, ich kann sehr gut nachvollziehen, daß Mary Anne Schwalbe viel Vertrauen zu Dr. O´Reilly gefasst hatte.
[6] Nachruf von Marina Vaizey: Mary Anne Schwalbe obituary, The Guardian, Sunday 25 October 2009

Mehr Buchvorstellungen zum Thema “Sterben, Tod, Trauer” im Themenblog

Will Schwalbe
An diesem Tage lasen wir nicht weiter
Das letzte Jahr mit meiner Mutter
Aus dem Englischen übersetzt von Henriette Zeltner
diese Ausgabe: List, HC, ca. 380 S., 2012

Ich bin kein Opernliebhaber, das kann ich nicht behaupten. Und auch eine Behauptung derart, ich wäre überhaupt ein Liebhaber von Musik triebe mir als bekennenden Video- und Audioverweigerer die Schamesröte ins Gesicht. Warum also und überhaupt dann auch noch gerade den “Ring der Nibelungen”, diese monumentale Werk, das jährlich in dekadenter Selbstzerfleischung auf den Hügeln Bayreuths zelebriert wird?

Nun, zum einen dem diffus begrifflichem der Allgemeinbildung wegen und zum anderen gehört der Autor Frieling aka Prinz Rupi zu den Blogfreunden, die mir schon seit vielen Jahren bekannt sind, in der schnelllebigen Internetzeit sind dies ja nicht viele… wohlan, schauen wir, ob das Werk gelingt!

Frieling jedenfalls unternimmt in dem kleinen Bändchen den Versuch, das komplexe Libretto des umfangreichen Klangwerks aus der verquasten Kunstsprache Wagners mit ihren vielen Stabreimen herunter zu brechen einerseits auf eine logisch nachvollziehbare Prosageschichte, den roten Faden gewissermaßen, der sich durch die Handlung zieht, andererseits ist es sein Anliegen, die Sprache der heute gebräuchlichen anzunähern, wobei er sich nicht scheut, auch hin und wieder “jungsprech”, meint Umgangssprache, zu verwenden.

Wohlan, Walküren, wie wird wohl des weisen Writers Werk wollbracht?

Aber bevor ich dies verrate – obwohl es schon etwas skurril ist, eine Zusammenfassung noch einmal zu einer Inhaltsübersicht zu straffen – noch einen kurzen Einblick in das, was mir im Hirne haften blieb von der Geschichte….

Ich hab´ den Vater Rhein in seinem Bett geseh´n, in seinem Bett, das Gold, das glänzte schön. Und wird bewacht von den drei Töchtern des Urvaters Rhein, die sich einen Spaß daraus machen, den Schwarzalben Alberich, den gnomigen Herrscher aus der Dunkelheit, der scharf wie Nachbars Lumpi darauf ist, die Girlies  .. (ich greif mal auf Gräfin Gloria zurück): zu schnackseln. Zwar gelingt ihm dies nicht (zu flink sind die glitschigen Mädels in ihrem feuchten Element für ihn), er sieht jedoch den Glanz des Goldes aus der Tiefe des Flusses glitzern, aus dem – so dessen Geheimnis – ein Ring geschmiedet werden kann, ein Ring der Macht verleiht, und zwar dem, der der Liebe abschwört (Fluch 1). Und in seinem Frust unterwirft sich der Schwarzalbe diesem Schwur um der Macht willen, die er gewinnt. Ein Verhalten, das auch in heutigen Zeiten nicht selten ist, für Geld, Gold und Macht wird das zwischenmenschliche nur zu leicht geopfert….

Alberich ist also der neue Besitzer des Goldes und er läßt seinen Bruder, den Schmiede Mime schmieden den Ring und eine Tarnkappe, die den Träger unsichtbar macht und ihm erlaubt, jede Gestalt anzunehmen und blitzschnell von einem Ort zum anderen zu gelangen. Der Gnom glaubt sich am Ziel… doch dann wäre der Ring des Niebelungen ja schon am Ende und das kann nicht sein….

So wie das Geschlecht der Schwarzalben in der Unterwelt, in Nibelheim, existiert, so leben die Weißalben unter Leitung des Göttervaters Wotan im Licht.. wie auch immer, Wotan erfährt von dem Gold und da sein Feind Alberich den Ring hat, sieht er sich und das Geschlecht der Götter (das muss man sich von Reich-Ranicki ausgesprochen vorstellen: den Mund etwas verziehen und dann mit Vervé: derrrr Göttterrrr) in Gefahr, außerdem schimpft Fricka, des Wotans Weib und wahre Herrscherin der Götterschar ihn des Leichtsinns, er muss etwas geschehen! Hurtig also schnappt er sich Kollegen Loge und besucht Alberich. Und in der Tat, sie schmeicheln ihm, sie schmieren ihn Honig um den Bart, sie stacheln seinen Ehrgeiz an und spielen Zäpfchen … aber dann: packen sie ihn, zerren ihm Kappe und Ring vom Leib, den Schatz nehmen sie naturalemente auch mit. Ein erneuter Fluch (Fluch 2), diesmal flucht der Alberich, bestimmt er doch düster und todesschwanger, daß der Träger des Rings fortan dem Untergang geweiht ist. uhaaa…..

Zu Hause erwartet Wotan Ungemach. Fasolt und Fafner, die beiden letzten des Geschlechts der Riesen sind mit ihrer Arbeit fertig, die nichts weniger war als der Bau des Götterburg Walhall. Sie wollen ihren vereinbarten Lohn holen, nämlich Freia, der Fricka schöne Schwester. Porca miseria! Na jedenfalls einigt man sich nach einigem Hin und Her darauf, anstelle der Dame den Schatz als Lohn zu geben – nur muss Freia dazu völlig vom Gold bedeckt sein. Man ahnt es und so kommt es: dieses Ansinnen gelingt nur, wenn auch Tarnkappe und Ring auf den Haufen geworfen werden. Ha! Wotan ist den Ring wieder los, Fafner (Fluch 2!) schlägt seinem Bruder erst einmal den Schädel ein, schleppt das Gold in eine Höhle und dank Tarnkappe wandelt bzw. hockt er fortan als Drache im Höhleneingang und bewacht den Schatz.

Tamtarata … Musik …. Frieling begnügt sich nämlich nicht mit einer reinen Inhaltsangabe, er erzählt auch von der Musik, die die Handlung begleitet, sie führt, sie leitet, untermalt, auch gibt er Kostproben des Wagnerschen Textes in Zitaten. Aber back to the roots, zurück zum Inhalt:

Dem Problem (rettet dem Dativ!) ist, daß jetzt irgendjemand a) Fafner töten muss (Fluch 2!) und b) irgendjemand den Ring holen muss. Sonst geht die Handlung ja nicht weiter…. wir kommen also zu einem zweiten Handlungsstrang.

Zwar ist Alberich als Schwarzalbenkönig etwas derrangiert, aber ebenso wie Wotan hat er dafür gesorgt, daß ein Sohn auf der Erde wandelt (käuflicher Sex, denn der Liebe hat er ja abgeschworen, Fluch 1), der für ihn den Ring wiederholen soll. Das ist der (nicht das!) finstere Hagen. Aber widmen wir uns dem anderen Filius, der einer (Fürstin Gloria!) inzestuöen und heißen Schnackselei zwischen Sieglinde und Siegmund entspringen wird. Vorher sorgt noch ein übler Familienkrach dafür, daß a) Fricka ihren Wotan ordentlich in den Senkel stellt, dieser daraufhin b) seine Tochter, das Walkürchen mit dem hübschen Figürchen Brünnhilde ebenfalls in den Senkel stellt und wegen Gehorsamsverweigerung auf einen flammenumtosten Felsen bannt, wo sie im Tiefschlaf desjenigen harrt, der keine Furcht kennt und die Flammenwand durchschreitet, um sie zu dann erst einmal richtig durchzu…. genau! Man sieht, Wagner wusste, worauf es ankam…

.. aber noch ein Weilchen bis dahin … zuvor bringt Sieglinde den Sproß aus dem Geschlecht der Wälslinge zur Welt, es hilft ihr dabei der verstoßene Mime, und verscheidet. Also stirbt meine ich. Also Sieglinde natürlich. Der kecke Knabe wird erzogen jetzt vom Schmied, sieht sein Leben lang nix anderes als Mime und Bäume, wobei unklar bleibt, womit die feuchten Träume der Pubertät gefüttert werden… na jedenfalls kennt unser Held namens Siegfried weder Angst noch Furcht, er lacht des Mimen Sein und Können, er schmiedet aus dem Stahl des zerbrochenen Notungs, an dem Mime schmählich scheiterte ein neues Schwert, ein drachentötendes. Holladiho! Die Schonzeit für Drachen ist beendet! (Jetzt den Ritt der Walküren imaginieren, los!! tamtarata-taa… da läuft es einem wirklich kalt den Rücken herunter…) Wo bin ich stehen geblieben? Ach ja, also: Drache tot, Siegfried, der natürlich nix peilt, nimmt die Tarnkappe und den Ring, das Gold achtet er gering.

Eins jedoch passiert. Durch dem Drachenblut nämlich kann er die Sprache der Vögel verstehen und so erfährt er von einem Weib in einem Flammenkranz und nix hat er eiligeres zu tun als dortenhin zu fahren, die Maid zu (be)freien und erst einmal zu … genau! Zwei Jungfrauen, die das Regen- und Wasserspiel für sich entdecken, das wird ein spaßiges Gerangel gewesen sein…. aber für´s Publikum schickt Wagner den Vorhang…

Ewige Treue schwören sich Brünnhilde, die Ex-Walküre und Siegfried, der blonde Held. Das ist auch notwendig, da dieser auf dem Rhein treidelt oder stakt, na eher stakt und zu den Gibichungen fährt. Deren König ist der dröge Gunther, sein Berater der finstere Hagen! Man merkt, der Ring schließt sich…. Es wird munter intrigiert, Siegfried peilt wieder nix (wobei man ihm zubilligen muss, daß Hagen sein Gedächtnis per Zaubertrunk ausgeschaltet und die Blondhelden-Penis-Navigation aber zu 100 pro aktiviert hat). Den Rest, glaube ich, kann ich abkürzen: der Held wird hinterrücks ermordet vom Hagen, bei der Feuerbestattung macht Brünnhilde einen auf indisch und springt mit Ring und Pferd ins Flammenmeer, woraufhin Vater Rhein den Scheiterhaufen überschwemmt und die Asche mit Ring zurück in den Rhein spült…

Da nicht nur der Scheiterhaufen brennt, sondern auch der Götter Burg Walhall ist die Macht der Götter gebrochen, ebenso die der anderen Geschlechter. Am Horizont taucht jetzt das Geschlecht der Menschen auf und wird fortan die Geschicke auf Erden bestimmen.

Puhhhh. Klappe zu. Habe fertig. Ring leer.

Vielleicht hat man es meiner Schreibe angemerkt, daß ich Spaß dabei gehabt habe. Und so ist auch das Büchlein von Frieling: unterhaltsam, schnell zu lesen, dabei nicht trivial, weil er wie gesagt auch einiges über die Musik erzählt, über die Wirkung auf das Publikum. Ebenso wird an einigen Stellen etwas zur Entstehungsgeschichte der Oper berichtet, die zwischen 1869 und 1876 in ihren einzelnen Teilen uraufgeführt worden ist. Damit liegt sie natürlich zeitlich weit vor dem Auftauchen des 3. Reichs, in dem die Wagnersche Musik ja eine große Rolle spielte. Angesichts der Nordischen Figurenwelt, der Bedeutung des Blutes, der Geschlechter ist der Sprung zum Mythos der Rasse, wie er ein paar Jahrzehnte geschah, nicht allzu weit, zumal Wagners Antisemitismus kein heimlicher war (vgl. Marcus Dick: Zu Richard Wagners Antisemitismus und dessen Wirkungsgeschichte, marcusdick.net/wagner.htm). Auf diesem Punkt (der auch, wenn man wie Frieling den Inhalt und die Handlung der Oper wiedergeben will, dafür nicht wichtig ist) geht der Autor aber nicht weiter ein, im Nachwort von Horst A. Bruno wird es erwähnt.

Interessant ist natürlich die Frage, inwieweit es legitim ist, ein derartiges Kulturgut auf eine teilweise doch recht lockerer Sprache herunter zu brechen. Deswegen darf man sich nicht täuschen, wenn man das Büchlein gelesen hat, hat man die Handlung des Zyklus parat, vom “Ring….” selber aber noch kein bischen, denn dazu gehören sowohl die Musik als auch die Sprache Wagners. Wenn man sich dies vor Augen hält, ist auch die Reduzierung des komplexen Kunstwerks auf eine schmale Nacherzählung meines Erachtens erlaubt und ganz sicher hilfreich, es ist eine Art Übersetzung, eine Übertragung von etwas nur schwer Verständlichem in den Alltag.

Zusammenfassend kann ich sagen, daß Frielings Versuch, die Ringhandlung in eine allgemein verständlichen Prosafassung zu übertragen, gelungen ist: kurzweilig, zuweilen witzig, unterhaltsam und informativ möbelt der Text wohl fast eines jeden Lesers Allgemeinbildung gehörig auf…

Hoho! Hahei!

Wilhelm Ruprecht Frieling
Der Ring des Nibelungen
Internet-Buchverlag, TB, ca. 192 S., 2013

Matteo, einst Kardiologe an einem Krankenhaus, hat sich zurückgezogen aus dem Leben der Menschen. Allein haust er einem Eremiten gleich in einer einsamen Schäferhütte am Berg, er lebt von dem, was er selbst anbaut, herstellt und bereitet. Seit ungefähr 15 Jahren lebt er dort in der Hütte, die er damals verfallen kaufte und mit eigenen Händen wieder herrichtete. Ein Schicksalsschlag hat ihn in die Stille getrieben, nur hier fand er die Möglichkeit, wieder zu sich selbst zu finden und zu leben.

Wanderern, die zufällig oder auch mit Absicht zu ihm kommen, bietet er gerne von dem, was er hat, an. Und für jeden von ihnen hat er ein Wort, eine Weisheit, die ihm in den Jahren der Stille und Zurückgezogenheit zugewachsen ist: “Der Weg ist das Leben.” dieser Art sind die Weisheiten und man ist sich beim Lesen jetzt nicht sicher, ob dies wirklich weise ist oder einfach nur unsäglich platt….

Vor vielen Jahren hatte seine Frau Nora einen tödlichen Unfall, in Zwiegesprächen mit ihr breitet der Witwer sein bisherigen Leben vor uns aus. So war sein aus Kroatien stammender Vater schon als Junge unter tragischen Umständen erblindet, die Mutter litt unter einem Sauberkeitswahn, nachdem sie ihrerseits dem Bauernhof ihrer Eltern entkommen war. Bei diesen Großeltern hielt sich dagegen der junge Matteo gerne auf, dort hatte er Freiheiten und das Landleben gefiel ihm.

Matteo studiert Medizin. Als er Nora trifft, weiß er, daß dies der Mensch ist, der den freien, leeren Raum in ihm ausfüllen kann: es ist Liebe auf den ersten Blick. Nora empfindet ähnlich, sie ist die stärkere von beiden, sie ist leicht esoterisch orientiert und weiß ihren Matteo, der eher pragmatischer Natur ist, zu lenken. Das Glück ist vollkommen, als ihnen mit Davide ein Sohn geboren wird.

Der Unfall wirft Matteo aus der Bahn, er ist die völlige Zerstörung seiner Existenz, die er einzig und allein durch die Liebe zu Nora und seines Kindes definiert hat. So ist mit dem Tod der beiden die Basis seines Lebens verschwunden und da er nicht lernt, diesen Verlust in sein eigenes (welches ist das?) Leben zu integrieren, beginnt für ihn ein sich immer weiter beschleunigender Abstieg. Über die Jahre hinweg isoliert er sich, Frauenbekanntschaften bleiben für ihn reine Bettgeschichten, er lügt, wird zum Alkoholiker bis hin zum Rauswurf aus der Klinik. In Larissa tritt eine Frau in sein Leben, die ihn liebt ohne daß er diese Liebe erwidern kann. Zwar entwickelt sich ein (von seiner Seite her sehr brüchiges) “Liebes”verhältnis, aber die Freude Larissas über das in ihr heranwachsende neue Leben kann er nicht teilen. Nur zu gerne erliegt er den Einflüsterungen falscher Freunde, die ihm einreden, Larissa wolle ihn nur ausnutzen, ihn an sich binden. Und so nutzt er seine Stellung als Arzt aus, um Larissa zur Abtreibung zu überreden. Es ist eine absolut widerliche Lüge, die Tamaro ihrem Protagonisten da in den Mund legt, sie stellt den Tiefpunkt einer zerbrochenen menschlichen Existenz dar.

Die Eltern Matteos sterben [1], nach dem Tod des Vaters findet der Sohn einen Brief, in dem der Vater sehr liebevoll, aber deutlich die Leviten liest. Daraufhin ändert Matteo sein Leben, geht in die Berge und findet tatsächlich nach einigen Jahren in der Stille seine Ruhe. Und ganz zum Schluß des Romans gönnt die Autorin ihrem Matteo, dem Tränenlosen, auch noch die erleichternden Tränen, mit denen zwar nicht seine Schuld weg gewaschen werden kann, die aber seine Seele erleichtern.

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Tamaro präsentiert mit “Mein Herz ruft deinen Namen” ein etwas rührseliges Stück, Claudio Campagna benutzt in seiner Buchvorstellung [2] den Begriff der Weinerlichkeit, die den Roman durchzieht. In der Tat ist das dem Protagonisten auferlegte Selbstmitleid manchmal nur schwer zu ertragen, die Romanhandlung durchzieht stetig ein Hauch von Schmerz und Leid, den der Held erst dann lichten kann, nachdem er “ganz unten” angekommen und dort zur Besinnung gelangt ist. In der Stille des einsamen Bergwaldes findet er seine Erkenntnisse, die Menschen im Tal dagegen, die ihn besuchen oder aufsuchen, betäuben sich und ihre Lebenszweifel mit allerlei Ablenkungen und Müßiggang, ja, der weise gewordene Matteo ist manchem von ihnen sogar ein Dorn im Auge und wird beschimpft.

Lese ich solche Geschichten großer Lieben, die nach dem Tod des/r Partners/in (fast) mit einer Katastrophe für den Zurückbleibenden enden (oder auch Biographien wie neulich die tragischen Lebenskatastrophen von Connie Palmen), denke ich oft an Erich Fromm, der in seiner “Kunst des Liebens” [3] auch diese Ausbildung der Liebe zu ausschließlich einem Menschen analysierte. Fehlt diesen Menschen die fundamentale Liebe zu allen Menschen und damit vor allem auch die Liebe zu sich selbst, handelt es sich bei dieser ausschließlichen Liebe zu einem anderen nicht um die wahre Liebe, sondern um die Flucht aus einer Einsamkeit in eine Einsamkeit zu zweit. Wird diese Zweiereinsamkeit zerstört, bedeutet das für den Zurückgebliebenen die Katastrophe seines Lebens, so wie Tamaro es hier erzählt.

Grundlegende Weisheiten sind oft einfach, trotzdem wirken sie hier im Buch in der geballten Häufigkeit, in der die Autorin sie uns auftischt, ein wenig flach bzw. trivial und – da wir ja alle nicht in der Stille des Berges leben – auch aufdringlich, da sich beim Lesen immer das Gefühl einstellt, man sei als Leser selbst angesprochen.

An einer Stelle jedoch des Buches ist Tamaro etwas tiefergehendes gelungen: sie hat ihren Helden erkennen lassen, daß sich im Laufe der Jahre der Schmerz verselbstständigt hat und zum Selbstzweck geworden ist. Matteo hat sich in der Opferrolle eingerichtet, Opfer sein war ihm zum Lebensinhalt geworden. Die Erkenntnis dieser Entwicklung ist vllt der entscheidende Schritt, um den inneren Teufelskreis aus Schmerz und Selbstmitleid zu durchbrechen, weil sie den Blick wieder nach außen, in die Welt hinein, wendet.

So läßt sich als Facit des Romans festhalten, daß die Autorin mit “Mein Herz ruft deinen Namen” ein leicht lesbares, leidlich unterhaltsames, aber leider nicht tiefer gehendes Büchlein geschrieben hat, das an der Oberfläches eines seichten Sees aus Lebensweisheiten dahin dümpelt. Und wieder einmal drängt sich die Frage auf: wie nur kommen die ganzen, zum Teil fast euphorisch klingenden Pressestimmen zustande, die auf dem Portal eines großen online-Versandhamazons aufgelistet sind. Und dem Lesern, den anderen als mir, scheint´s ja auch zu gefallen… nehmen wir´s zur Kenntnis und lassen es dabei bewenden.

Links und Anmerkungen:

[1] Tamaro läßt die Mutter an Knochenkrebs sterben, sie bricht einfach zusammen, danach wird der Krebs diagnostiziert und sie stirbt ein paar Wochen später. Da Knochenkrebs sehr schmerzhaft ist, erscheint mir dieses Szenario, daß er sich unbemerkt entwickelt hat, nicht sehr glaubhaft. Mir sind noch ein paar andere Stellen aufgefallen, an denen ich gestutzt habe, aber ich will hier auch nicht in die Beckmesserei abrutschen…
[2] Claudio Campagna: Lernen in der Einsamkeit, ndr kultur, 18.03.2013
[3] Erich Fromm: Die Kunst des Liebens, Besprechung hier bei aus.gelesen

Susanna Tamaro
Mein Herz ruft deinen Namen
Aus dem Italienischen übersetzt von Maja Pflug
diese Ausgabe: Piper, HC, ca. 224 S., 2013

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