Laura Lay ist bei mir im Blog schon mit einer kleinen erotischen Erzählung vertreten, der “Flamingofrau”. Hier legt sie mit der “Pyromantischen Affäre” eine weitere Kostprobe ihrer erotischen Fantasie vor, auch wenn der Titel nur die halbe Wahrheit ist, denn es sind zwei Geschichten, die Lay parallel erzählt und im letzten Kapitel dann überraschenderweise miteinander verbindet.

Den nicht pyromentischen Teil könnte man “die Gelegenheit bei den Zöpfen packen” nennen, denn hier beschreibt sie ein Rollenspiel zwischen einer jungen Frau, genannt Lila, und einem Mann, über den wir nicht allzuviel erfahren, mit Namen Joe. Lila kleidet sich zu kindlich für ihr Alter, mit Kniestrümpfen, Lackschühchen und eben Zöpfen.. so gewandet holt sie Joe vom Flughafen ab. Leider hat Joe Grund, verärgert zu sein, kam doch ein Brief von der Schule, in der ihm berichtet wird, wie ungezogen Lila ist… Lila entschuldigt sich, doch ein “es tut mir leid” reicht Joe diesmal nicht und er erinnert Lila daran, was er ihr neulich beigebracht hat.

Berit – aus der Parallelgeschichte – dagegen ist Malerin und hat ein Stipendium, sie ist mit anderen Künstlern zusammen auf einem abseits gelegenen Hof einquartiert. Am rätselhaftesten von allen dort ist ihr Yui, die Pyromantikerin, die sich ein wenig abseits der Künstlerkolonie hält und sich auch spröde gibt, als Berit sie anspricht. Aber schließlich fahren sie doch eines Nachtss gemeinsam hinaus an den See, wo Yui ihre Raketen abschießt und Berit den Widerschein der Lichter auf der Oberfläche des Wassers filmen soll. Yui hilft ihr, indem sie ihr die richtige Standposition zeigt, damit die Aufnahmen nicht verwackelt werden. Dazu muss Yiu Berit allerdings berühren….

Von den beiden Geschichten ist besonders die Episode mit Lila und Joe geheimnisvoll, denn die Autorin ist sparsam mit Erklärungen. Sie beschreibt, schildert, aber für den Leser bleibt manches geheimnisvoll bzw. rätselhaft und klärt sich erst im Lauf der Handlung weiter auf. Es ist vllt sogar eine Stärke der Autorin, Fragen nur aufzuwerfen, sie aber nicht zu beantworten: dies hält die Spannung über die gesamte Geschichte aufrecht.

Dabei lebt diese erotische Geschichte nicht vom geschilderten Sex, obwohl Lay zumindest eine prickelnde Szene eingebaut hat. Es ist eher die unterschwellige Spannung, die Visualisierung des Geschriebenen in der eigenen Fantasie, mit der Lay es versteht, das erst einmal sexuell motivierte Rollenspiel zu einem auch erotischen zu gestalten, das trotz der deutlichen Sprache seine eigene Sensibilität bewahrt. Wer also “Ein-Hand-Literatur” sucht, ist bei Lay an der falschen Adresse. Wenn man einen Kritikpunkt an den Geschichten anbringen will, dann ist es der, daß sie zu kurz sind, dieses Lesevergnügen würde man sich länger wünschen….

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Die Bonusgeschichte handelt von “Mr. Wonderful”, einem dem äußeren Anschein nach wenig attraktiven Mann mit krummen Beinen, ohne Taille aber mit Bierbrüsten, auf den dessen ungeachtet die Frauen aber fliegen. Mag dies nun den meisten Männern vielleicht beneidenswert erscheinen, unserem Titelhelden ist eher lästig, denn all die armen Frauen in ihrem Begehren allein zu lassen, das bekommt er auch nicht übers Herz. Eigentlich, so meint, müssten seine Finger schon Hornhaut tragen bei all dem, was sie schon mitgemacht haben…. “Aber ich hab genug! Es reicht! Ich bin nicht verklemmt. Nein, wirklich nicht. Aber was zuviel ist, ist einfach zuviel.” .. wenn er sich da mal nicht täuscht…

Laura Lay läßt ihren “Adonis” sein Leid in einem großen Monolog schildern, er redet sich seinen Kummer von der Seele, schildert seine Erlebnisse und die Qual, die es heißt, Objekt der Begierde zu sein, zumal – wie gesagt – sein mildes, mitleidendes Herz keine Körbe verteilen kann…

“Mr. Wonderful” ist eine nette, kleine überspitzte Satire auf die durchsexualisierte Alltagskultur unserer Gesellschaft. Sind dort in realiter die “schönen” Menschen Projektion (auch) sexueller Sehnsüchte (bzw. definiert sich Schönheit oft erst dadurch, daß bestimmte Menschen oder Typen als Figuren prominent gemacht werden), stellt Lay dieses Prinzip in ihrer Erzählung auf den Kopf: ein völlig unattraktiver Mann (jetzt hätte ich fast geschrieben, jemand wie du und ich, aber mir selbst fehlt ja noch die fehlende Taille…) wird Objekt, denn das ist er, ein Objekt, auf das Frauen fliegen wie Fliegen auf den Klebstreifen. Die Schönen und das Biest…. das der Ausgang der Geschichte letztlich nicht völlig überraschend ist, tut dem Lesespaß keinen Abbruch.

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Website der Autorin: http://laura-lay.jimdo.com/. Über diese Seite kann das ebook auch erworben werden. Ferner bedanke ich mich bei Frau Lay für die Überlassung eines Rezensionsdateinfiles.

Mehr erotische Literatur ist im Themenblog zu finden.

Laura Lay
Eine pyromantische Affäre
Kindle-Edition, 42 S. (print)

Lay legt hier eine kleine erotische Erzählung vor, die sie als Geschichte innerhalb einer anderen Geschichte konzipiert hat. Den Rahmen bildet die Situation eines materiell auf die Nulllösung abgesunkenen, erfolglosen Schriftstellers, der eines Tages von einer unbkannten Schönen das Angebot bekommt, eine auf Seitenbasis großzügig entlohnte erotische Geschichte zu schreiben [1], bei der sich die Auftraggeberin aber Anweisungen vorbehält, in welche Richtung diese zu laufen hat. Was bleibt ihm übrig, unserem Autoren? Ganz genau…

Und so folgt er der ersten dieser Anweisungen und geht mit seinem Laptop in den Zoo und setzt sich dort auf eine Bank, fängt an zu schreiben und wird immer wieder abgelenkt durch eine junge Frau, die am Flamingogehege steht und seine Aufmerksamkeit auf sich lenkt, seine Aufmerksamkeit und auch seine Fantasie. Jedenfalls bringt ihn der Anblick dieser jungen Frau, die seine Neugier weckt,  auf die Idee, einen Text um eine lesbische S/M Beziehung mit einer dominierenden, kühlen, unnahbaren Frau und einer ihr ergebenen jungen Partnerin zu schreiben, in dessen Handlung seine männliche Figur langsam, aber sicher hinein gezogen wird [2]. Dieser, ein Lehrer an der örtlichen Schule und Freizeitjournalist des regionalen Blättchens “Flinker Bote” (diesen Zeitungsnamen muss man nicht kommentieren, oder?) trifft immer wieder mal auf dieses Frauenpaar oder auch nur auf die Unnahbare, die auf ihn eine zunehmende Faszination ausübt/en. Er versucht mit ihr/ihnen ins Gespräch zu kommen, was ihm aber nicht nicht gelingt, bis ihm die Dominierende eines Tages auf einer Festivität, bei der sie sich treffen, zu sich einlädt und ihm das Mädchen anbietet….

“Die Flamingofrau” ist eine kurze Erzählung, kaum 50 Seiten lang. Die ersten Seiten erschienen mir etwas angestrengt, dann aber, nach ein paar Seiten, hatte die Autorin ihren Rhythmus gefunden, den sie dann im weiteren Verlauf des Textes schön weiter entwickelte. Natürlich kann man in der Kürze dieser Geschichte keine psychologisch ausformulierten Charaktere schaffen und so bleiben die Figuren eher dem Stereotyp entsprechend: so die kühle, unnahbare Frau, unter deren Oberfläche es brodelt (wo wir aber ein Fragezeichen setzen müssen, denn das verrät uns Lay leider nicht, aber wir können es uns gut vorstellen…), dann die ihr ergebene, submissive Partnerin, deren Erziehung wohl in beiderseitigem Interesse noch lange nicht beendet ist sowie ferner die männliche Figur, die sich im Grunde auch dominieren läßt und solcherart zum eigenen Vergnügen, aber auch zum Gefallen der Dame(n) agiert.

Es ist nicht zuviel verraten, wenn ich sage, daß die Geschichte mit der erwähnten Einladung auf ihren Höhepunkt hinsteuert, den die Autorin recht zurückhaltend schildert, vor allem, was das verwendete Vokabular angeht. Umso reger arbeitet dagegen die Fantasie des Lesers, das Beschriebene in Bilder umzusetzen, die die Szenerie vor dem inneren Auge darstellen. Als Leser, der in erotischen Geschichten ja immer auch zum Voyeur wird, wird er hier daher ebenso zum Akteur, zwar nicht auf der Bühne der Erzählung, aber in der Umsetzung, in seiner Imagination, der Lay genügend Raum gibt für ein individuelles Arrangement des Stücks… wie schon erwähnt, die Autorin findet ihren Rhythmus in der Geschichte und hier, zum Schluss, trägt er vollends.. in dieser letzten Szene packt er, hier findet Lay mit großer Sensibilität zu einem aussergewöhnlichen Maß an Fingerspitzengefühl, das lange nachhallt….

Es ist schade, daß diese erotische und, ja doch, schön geschriebene Erzählung mit dieser Stelle, die einen ersten, leider einsamen Höhepunkt markiert, dann aufhört. Andererseits – würde man die Geschichte z.B. seinem/r Partner/in vorlesen, käme man vielleicht sowieso nicht weiter, weil….. ach, wer weiß das schon so genau, aber man hat ja den Versuch frei… ;-)

Anmerkungen:

[1] auf die Art und Weise haben schon ganz andere Schriftsteller ihren Unterhalt verdient, Anais Nin und Henry Miller beispielsweise haben seinerzeit in Paris für einen Auftraggeber pro Seite einen Dollar erhalten. Nins “Delta der Venus” zum Beispiel hat so das Licht der Welt erblickt…
[2] diese Konstellation scheint reizvoll zu sein, mir fällt jetzt spontan Jean de Berg ein, der sie in seiner Erzählung “Das Bild” auch gewählt hat….

Diese Besprechung ist in gewisser Weise eine Premiere für mich. Es handelt sich bei der “Flamingofrau” um das erste Buch, nein, die erste Geschichte, die ich hier vorgestelle und die ich nicht als Buch in den Händen gehabt habe. Eine erotische Geschichte, mir von der Autorin mit dem Wunsch einer Besprechung übersandt… voilá, es war mir ein Vergnügen!

Laura Lay
Das Geheimnis der Flamingofrau
Kindle Edition, 2012 (zu beziehen über amazon)

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