M.A. Theimuras: Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern
Ich gebe zu, das ist jetzt ein eher ungewöhnlicher Beitrag für diesen Blog (ich gehorche meinem ureigenen Sprachgefühl und behandele das Wort Blog maskulin und nicht neutral…), aber durch den Beitrag zu Roches “Feuchtgebieten” bin ich auf diese Dissertation (Verlinkung der Arbeit in dieser Quelle) aufmerksam geworden und habe sie (zumindest quer) gelesen (Als Nicht-Mediziner kann ich mit den rein medizinischen Fakten nicht so viel anfangen, ich gebe es zu: sie interessierten mich auch nicht so übermäßig.). Der Inhalt ist - läßt man mal das rein medizinische beiseite - einfach … tja, was? erstaunlich, köstlich, umwerfend, verblüffend? Jedenfalls ließ er mich kopfschüttelnd und ratlos zurück.. Ich kann mir die Lesungen von Herbst/Roche gut vorstellen, das muss in dem Saal so richtig “abgegangen” sein. Ich weiß nicht, die (staub)gesaugten Hauptpersonen werden das wahrscheinlich anders sehen, aber ich habe an einigen Stellen schallend gelacht, manchmal schlägt die Realität die Phantasie um Längen.
Im folgenden soll nach einer Übersicht über die Anatomie des Penis, die Beschreibung des benutzten Staubsaugers und eine kurze Abhandlung der Masturbation, anhand von 8 Fällen…. das Krankengut vorgestellt und ausgewertet werden.
Allein dieser Satz… “.. die Beschreibung des benutzten Staubsaugers… ” (Singular!! Muss man sich jetzt vorstellen, dieser eine, besagte Sauger ist in der Republik rumgereicht worden???) und auch “.. eine kurze Abhandlung der Masturbation…” .. sehr, sehr schön….

Aber im Ernst, wie intelligent muss man sein (oder ausgehungert oder aufgegeilt…), sein bestes Stück (auch, wenn es im nicht im prachtvollsten Zustand sein darf…) in einen Ansaugstutzen zu halten, der gerade mal 11 cm bis zum rotierenden Propeller Platz bietet? Zeugt das nur von mangelndem Selbstbewusstsein, oder hat “Mann” dann einfach nur Längen bzw. Entfernungen falsch eingeschätzt? Hätte man in der Schule seinerzeit doch mehr Wert auf einen soliden, praxisorientierten Mathematik-Unterricht legen sollen? Am skurrilsten ist die Fallbeschreibung, in der ein junger Mann, dessen Frau abwesend war, sich eine solche Verletzung zuzog, ihm sein Vater dies nicht glaubte (sondern ihn des Ehebruchs (Bissverletzung!) beschuldigte) und dann sozusagen die Fallbeschreibung überprüfend das Arrangement “Penis - Kobold” an sich selbst nachstellte. Mit zu erwartendem Ergebnis…. soll man hier lachen oder weinen?
Da in der Beschreibung so häufig der Vorwerk “Kobold” genannt wird, sollte festgehalten werden:
Theoretisch könnten solche Unfälle auch mit anderen Staubsaugermarken, bei denen ebenfalls der Propeller unmittelbar hinter dem Ansaugstutzen eingebaut ist, entstehen. Es ist jedoch meistens
ein Saugschlauch von 1 - 2 m Länge vorhanden…..
Akzeptiert, 1 bis 2 m Länge Saugschlauch sollten ein ausreichender Schutzabstand sein.. …und als ein Facit der Untersuchung wird in der Diskussion hervorgehoben, daß man davon ausgehen kann,
….daß ein solcher Versuch einmalig bleibt, nachdem die Verwendung von Staubsaugern des Types Kobold massive Verletzungen zur Folge hat und die Verwendung anderer Fabrikate nicht zu dem erhofften Lustgewinn führen dürfte.
Nun ja, das denke ich auch.
Natürlich nicht zum Lachen ist die Tatsache, daß bei diversen Nachuntersuchungen noch nach Jahren aufgrund der massiven Verletzungen (Warnung vor den Bildern!) des Penis schwerwiegende und irreversible Beeinträchtigungen festzustellen waren. Die entsprechenden Beschreibungen lassen schon an der einen oder anderen Stelle einen Kloß im Hals entstehen. Und die Bilder tun ihr übriges….
Facit: ein Dokument männlicher Dummheit, anders kann man es nicht bezeichnen. Und als solches vielleicht ein kleines Puzzlestück zur Zeitgeschichte.
M.A. Theimuras
Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern
Dissertation, TU München, 1978
Nachtrag: Daß Staubsauger dem Penis auch auf andere Art und Weise gefährlich werden können, verdeutlicht dieses Beispiel….
Im Moment ist es wie verhext….
…mir fehlt einfach die Zeit, mich mal wieder ein Stündchen oder so mit einem Buch hinzusetzen und zu lesen. Gut, ich habe im Moment zwei Bücher mit Kurzgeschichten (Miranda July und T.C.Boyle), da geht dann immer noch mal in einer kurzen Pause ein Geschichtchen, aber ich merke schon, daß es nicht so ist, als wenn ich mit mehr Zeit lesen kann. Es vergehen immer ein paar Absätze (es muss schnell gehen, Seiten kann man bei diesen kurzen Geschichten sich nicht erlauben… ), bis ich mich wieder auf den Stil, die Atmosphäre der Stories eingestellt habe und dann - sind sie auch schon wieder vorbei. pfffffft…..
Na ja, wird wieder besser werden. Mal so, mal so.
Charlotte Roche: Feuchtgebiete. Ein paar Gedanken…

… anläßlich eines Beitrages in dem ZEIT-Magazin “Leben” von dieser Woche (Nr. 22 vom 22. Mai 2008 ). Dort wird Frau Roche (in der Pose u.a. Cranachs Lucretia ähnelnd) als “messy girl” abgelichtet, die voll frohen Mutes eine Capri Sonne aus dem Bach fischt und mit dem dort gleich miterfischten Strohhalm mit hörbarem Genuss einschlürft.
Ihr Buch Feuchtgebiete, DER “deutschsprachige Hämmorrhoiden-Roman” schlechthin, diese “mastdarmfixierte Stellenprosa” par excellence, ist ja nun wirklich ein Phänomen. Literarisch kaum mit Qualitäten gesegnet, befindet sich das Werk nun seit Wochen auf Platz eins der Spiegel-Liste und auch bei Amazon lag es als erstes deutsches Werk an Platz 1 der Hitliste der verkauften Bücher. Das ist schon eine Leistung.
Liest man aber das Porträts Roches in der ZEIT, bekommt aber doch das Gefühl, Frau Roche wird der Erfolg, oder besser, die Folgen des Erfolges, langsam unheimlich. Von den anfänglich kolportierten 70 % biographischen Anteil, die der Roman haben sollte, ist nicht mehr die Rede, als biographisch werden jetzt nur noch Einzelheiten anerkannt. Zwar kann man jetzt die Aussage glauben, die man glauben will, aber letzteres scheint mir persönlich doch wahrscheinlicher, macht Frau Roche, wenn man sie sieht, doch einen durchaus “gepflegten” Eindruck, und der von Helen so favorisierte Intimgeruch auch durch die Kleidung hindurch wurde wohl bei Frau Roche noch nicht gerochen, ich bin sicher, dies wäre nicht unerwähnt geblieben. Außerdem und sogar soll sie - so steht geschrieben - epiliert sein, sich also selbst durchaus den von ihr angeprangerten Zwängen einer auf schön, hygienisch und jung gestylten Gesellschaft unterwerfen.
Also doch alles nur eine extrem erfolgreiche PR-Kampagne?
Es steht zu vermuten. Nach er sehr erfolgreichen (Kult)Lesung der Dissertation eines Münchner Urologen: (hier auch Berichte über die Lesung) “Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern” hat sie wohl ihr Thema gefunden, Tabuthemen ohne jedes Zögern anzugehen. Und folgerichtig schuf sie Helen, ihre Romanheldin, die geradezu ihr Selbstbewusstsein daraus schöpft, daß ihr nichts peinlich ist.
Der Vermarktung und der Werbung kommt Frau Roche zugute, daß sie über ihren Mann zum Dunstkreis von Raab, Pocher und Engelke gehört, zumindest die ersten beiden ja durchaus auch kämpferisch, was Fettnäpfe angeht. Auftritte in Shows waren also kein Problem und zusammen mit dem Ekelfaktor und der Tatsache, daß es hier eine Frau ist, die mühelos jedes Niveau unterschreitet (man stelle sich mal vor, Harald Schmidt oder unser Haribo-Werber hätten das Buch geschrieben….), wurde das Buch quasi zum Selbstläufer. Mit ihren erfolgreichen Lesungen hält sie die Flamme unter dem Bucherfolg leise, aber stetig am Köcheln.
Daß “Feuchtgebiete” gerade von jungen Frauen oft nicht abgelehnt wird, mag damit zusammen hängen, daß man in eine Art Trotzreaktion “Hier ist eine, die es euch zeigt” gerät, daß wirklich das Lebensgefühl einer 20 jährigen abgebildet wird, weigere ich mich einfach, zu glauben.
Schreibt man einen Fussballroman, so wird man sein Publikum vorwiegend unter Fussballfreunden finden, thematisiert man die Rosenzucht, werden Rosenliebhaber der bevorzugte Käuferkreis sein. Doch wer - außer einigen begeisterten Intellektuellen á la Willemsen - fühlt sich durch eine solch sekret- und Körperflüssigkeitenfixierte Literatur angesprochen? Offensichtlich (auch) das Klientel, dessen Fanbriefe Frau Roche nicht sehen will, die man ihr garnicht erst zeigt. Mich würde mal interessieren, was da so drin steht. Oder - eigentlich will ich es auch wieder garnicht wissen, meine Vorstellung, was das sein könnte, reicht mir im Grunde schon. Frau Roche ist, so ihr Verleger, mit der Veröffentlichung des Buches ein großes Risiko eingegangen. Ob ihr das vorher klar war?
Zu meiner Buchbesprechung
10. Mai 1933
ausgelesen - in einem ganz anderen Sinn. Erinnern will ich daran, auch mich selbst, schreiben dazu nichts, denn hier sprechen die Täter für sich selbst:
1. Rufer:
“Gegen Klassenkampf und Materialismus, für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Marx und Kautsky.”
2. Rufer:
“Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner. “
3. Rufer:
“Gegen Gesinnungslumperei und politischen Verrat, für Hingabe an Volk und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Friedrich Wilhelm Förster.”
4. Rufer:
“Gegen seelenzerfasernde Überschätzung des Trieblebens, für den Adel der menschlichen Seele! Ich übergebe der Flamme die Schriften des Sigmund Freud.”
5. Rufer:
“Gegen Verfälschung unserer Geschichte und Herabwürdigung ihrer großen Gestalten, für Ehrfurcht vor unserer Vergangenheit! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Emil Ludwig und Werner Hegemann.”
6. Rufer:
“Gegen volksfremden Journalismus demokratisch-jüdischer Prägung, für verantwortungsbewußte Mitarbeit am Werk des nationalen Aufbaus! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Theodor Wolff und Georg Bernhard.”
7. Rufer:
“Gegen literarischen Verrat am Soldaten des Weltkrieges, für Erziehung des Volkes im Geist der Wahrhaftigkeit! Ich, übergebe der Flamme die Schriften von Erich Maria Remarque.”
8. Rufer:
“Gegen dünkelhafte Verhunzung der deutschen Sprache, für Pflege des kostbarsten Gutes unseres Volkes! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Alfred Kerr.”
9. Rufer:
“Gegen Frechheit und Anmaßung, für Achtung und Ehrfurcht vor dem unsterblichen deutschen Volksgeist! Verschlinge, Flamme, auch die Schriften der Tucholsky und Ossietzky!”
Die Rufer waren: junge Leute in braunen Uniformen. Es waren: Studenten. Ort der Handlung: Opernplatz, 10. Mai 1933
“Das war ein Vorspiel nur. Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen” (H. Heine, 1823)
entnommen aus: Graf von Krokow: Scheiterhaufen, Größe und Elend des deutschen Geistes, Berlin, 1983
am Rande: im Juni 2006 wurde auf einem Dorffest in Sachsen-Anhalt das Tagebuch der Anne Frank öffentlich verbrannt…..
Dilek Güngör: Das Geheimnis meiner türkischen Großmutter

Zeynep ist eine junge Frau um die 30 aus Berlin. Nach der Trennung von ihrem Freund, der auch ihr Vorgesetzter war, gibt sie ihre Arbeit als Journalisten auf und wohnt vorübergehend wieder bei ihren türkischen Eltern in der deutschen Provinz.
In dieser Situation erreicht die Familie ein Anruf von Onkel Mehmet aus dem anatolischen Heimatdorf, Zeyneps Großmutter liegt offensichtlich im Sterben. Sofort brechen die drei auf, eher aus Pflichtgefühl, denn aus wirklicher Sorge, insbesondere Zeynep hat ihre Großmutter schon lange nicht mehr gesehen und weiß nicht, was sie mit der alten Frau anfangen soll.
Die ersten Tage bei der Familie sind für Zeynep geprägt durch Fremdheit, Berührungsängste, Unkenntnis der Sitten und Gebräuche. Doch nach ein paar Tagen merkt sie, dass ihre Großmutter zwar eine Bäuerin ist, die ihr Dorf nie verlassen hat, dass dies jedoch nicht heißt, dass sie nichts vom Leben wüsste.
Es ist ihre Großmutter, die ihr sagt, dass eine Beziehung zu einem Mann, die im Bett nicht gut läuft, nicht gut enden kann, es ist ihre Großmutter, die ihr klarmacht, dass auch in Anatolien die jungen Leute Mittel und Wege kennen, sich kennen zu lernen. Und so wächst allmählich Vertrauen zwischen den beiden unterschiedlichen Frauen heran, so dass Zeynep die Pflege ihrer Großmutter, die sie im Lauf der Geschichte immer mehr übernimmt, nicht als Pflicht, sonder als ihr Recht ansieht.
Mit ihrem bislang sorgsam gehüteten Familienschicksal wird Zeynep durch Dördü konfrontiert, der verstossenen Witwe ihres erschossenen Onkels Yusuf. Von Dördü erfährt sie die Familiengeschichte, und ihr wird klar, dass sie auch im fernen Deutschland immer Mitglied dieser ihr weitgehend fremden anatolischen Familie war.
Güngör hat ein leises, unaufgeregtes Buch geschrieben, in dem nur wenig geschieht. Kontinuierlich fließt der Strom der Tage am Leser vorbei, nur selten finden sich Gefühle, Gefühlsausbrüche im Duktus des Buches wieder. Trotzdem ist das Buch nicht langweilig, es zieht den Leser in seinen Bann, Güngör gelingt es, die Vorkommnisse, die sie schildert, miterlebbar zu machen.
Das Buch ist wie ein Mosaik aufgebaut. Eingeteilt in zum Teil nur kurze Abschnitte, in denen abgeschlossenen Gedankengänge widergegeben werden, Gespräche, Ereignisse, Reflexionen, entsteht aus der Summe dieser Steinchen ein schlüssiges Bild einer Familie, die vom Schicksal und von ihrer eigenen Schwäche geschlagen ist.
Und ganz nebenbei gelingt es der Autorin auch noch, dem Leser Einblicke in das Alltagsleben einer patriarchalischen anatolischen Familie zu vermitteln.
Mein Facit: ein sehr schönes, lohnendes Leseerlebnis, eines meiner Lieblingsbücher..
Dilek Güngör
Das Geheimnis meiner türkischen Großmutter
Piper 2007
ISBN 978-3492049719
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