todanz

Gestern abend noch auf einen kurzen Sprung in meine Buchhandlung und sofort sah ich im Bereich „Neu“ das obige Büchlein. Natürlich sprach es mich sofort an, und kaum aufgeschlagen, musste ich schon schallend lachen.

Welcher Anzeigentext es genau war, kann ich schon garnicht mehr sagen, zu viele davon:

Ich war der Bottich
Du drin der Hering.
und das Salz zwischen uns war die Liebe.

So die frischgebackene Witwe in der Anzeige. Und daß Gott ab und an auch einen Steinhäger zu sich nimmt, ist mir gestern auch klar geworden. Noch einen Leckerbissen aus der Kategorie: Knapp vorbei ist auch daneben:

Gott, dem Herrn, hat es gefallen, unsere geliebte Mutter

……………………….Ilse von Hinten

………………………………………………………zu sich zu nehmen.

Nun ja, seinen Namen kann man sich nicht aussuchen und eigene Textvorschläge auch nicht mehr einbringen…. aber trotzdem… der Hintersinn hätte eigentlich irgendjemandem auffallen sollen…

Abgesehen von dieser durch ihren Inhalt oder die Wortspiele frei- oder auch unfreiwilligen Komik spiegeln sich in vielen Anzeigen wie in einem Brennglas Schicksale. Aus den wenigen Zeilen geht nicht nur Trauer hervor, sonder auch Wut („Meinem leiblichen Vater XY, den ich suchen musste, da er nichts von meiner Existenz wusste, und den ich .. schwerkrank vorfand….„), zerrüttete Familienverhältnisse und Erleichterung („Jetzt wird gefeiert!„). Schuld wird verteilt, alte Rechnungen beglichen oder in die Öffentlichkeit getragen („Zum Tod von Dr. med. XY fällt mir nur ein Wort ein: Danke! Ein Patient.“), zum Teil bricht der schiere Hass durch, wenngleich aus rechtlichen Gründen um Verbrämung bemüht („Mein Schwiegervater … die Personifizierung geistigen Hochmuts und menschlichen Versagens.. ist gestorben…„). Von wegen, über Tote redet man nicht schlecht…. wenn im Leben nicht, dann vielleicht gerade jetzt, bei dieser letzten Gelegenheit, die Ungerechtigkeit, die einem im Leben vom Verstorbenen widerfahren ist, herauszulassen.

Facit: Trotzdem (oder gerade auch deswegen): wer ein wenig das Makabre, Skurrile mag, der ist mit diesem Buch sehr gut aufgehoben. Die Komik überwiegt dann doch die Tragik deutlich. Ich werde mir jedenfalls noch ein oder zwei ins Regal legen, zum Verschenken!

Ein letztes Zitat, weil es so schön ist:

Wie im Leben: Oma rief – Opa kam.

Und übrigens: „Ich bin dann mal wech…“ Das Zitat hat ja fast das Zeug zum Klassiker im Bereich der selbstformulierten (Umzugs)Anzeigen (Neue Adresse: XY-Friedhof……

Link: es geht auch etwas billiger als über das Druckwerk, eine Vielzahl der Anzeigen ist nämlich auf dieser Site zu bewundern:

http://www.todesanzeigensammlung.de/

Christian Sprang/ Matthias Nöllke
Aus die Maus
Kiepenheuer & Witsch, August 2009, Tb., 208 S.
ISBN-10: 3462041576
ISBN-13: 978-3462041576

boese

Ok, das Buch ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack und je nachdem, wo die persönliche Gürtellinie sich so befindet, ist auch mancher der Cartoons gewiss unterhalb angesiedelt. Bei dem einen halt mehr, bei dem anderen eben weniger….

Wer zufällig Bücher á la „Was tun mit toten Katzen?“ (ISBN: 3498004743), „Selbstmord für Katzen“ (ISBN: 3821833068) oder das „KatzenhasserBuch“ (ISBN: 3887250958) kennt oder gar aufgrund seiner charakterlichen Mängel sein eigen nennt, kann sich ungefähr vorstellen, was in diesem kleinen Büchlein mit „lustig“ so gemeint ist. Manchmal pubertär („Im Supermannkostüm zum Vorstellungsgespräch“), manchmal politisch äußerst unkorrekt und ein wenig peinlich („Eine Schnauzbartparty für die jüdschen Mitbürger geben“) sind einige Sachen dabei, die einfach nur spontane Lacher hervorrufen, vor allem, wenn man die dazu gehörigen Cartoons vor Augen hat („Dachbodenfunde bei ebay versteigern“ .. wie gesagt, ohne Cartoon nur halb so lustig…)

Es ist also für oder gegen jeden Geschmack was dabei und damit ein ideales Mitbringsel, wenn man die Schmerzgrenze des zu Beschenkenden einstufen kann. Und bei mir konnte man das wohl…..

Einzig der Preis im Verhältnis zum Büchlein ist recht hoch, dafür ist es aber auch ziemlich schwarz…..

Facit: es wird nicht jeder drüber lachen können und es ist etwas teuer, aber sonst….

Andrea Senzel (Hrsg)
Lustige Dinge, die man aber nicht machen darf
Onkel & Onkel, März 2008, broschiert, 96 S.
ISBN-10: 3940029246
ISBN-13: 978-3940029249

Maria Sveland: Bitterfotze

August 26, 2009

b-fotz

Sara nimmt eine Auszeit und fliegt für ein paar Tage nach Teneriffa. So weit, so gut. Der springende Punkt ist, daß sie alleine fliegt und ihren kleinen Sohn bei ihrem Mann zu Hause läßt. Damit stößt sie bei ihrer Umgebung auf Unverständnis.

Im weiteren Verlauf des Buches läßt Sara ihr bisheriges Leben, in dem sie sich benachteiligt fühlt, und zwar weil sie eine Frau ist, Revue passieren. Die z.T. schwierige Kindheit bei den Eltern, die sich nicht lieben, ihre Ehe mit Johann, die Schwangerschaft und die emotional sehr belastende Zeit nach der Geburt ihres Sohnes Sigge (das Kapitel, das mich noch am meisten beeindruckt hat), die Probleme, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. Insbesondere die Tatsache, daß sich Männer in der Gesellschaft bei solchen Problemen sehr viel leichter tun bzw. diese bei ihnen garnicht erst auftreten, ruft ihren Zorn hervor. Die Bitterfotzigkeit, wie sie dieses Gefühl in sich nennt, und wo sie garnicht müde wird, es immer und immer wieder hinzuschreiben..

Ich habe das Buch nach ca. der Hälfte weggelegt. Der Ton ist mir zu weinerlich, zu viel Selbstmitleid schwingt mit, sie fühlt sich benachteiligt und neidet dies den Männern. Ich will damit nicht absprechen, daß es für Frauen in der Tat problematischer, viel problematischer ist, Familie und Beruf zu koordinieren und daß wir Männer da auch viel mehr zur Entlastung der Frau tun könnten/müssten, aber Sveland spult in ihren Ausführungen, die sie Sara in den Mund legt einfach nur einen immer wieder auf Neid und Selbstmitleid reduzierbaren Sermon ab. Irgendwann hat es mich einfach genervt…. da gibt es sicherlich bessere Bücher zum Thema „Gleichberechtigung“ von Frau und Mann als diesen….

Eine ausführlichere Rezension mit kontroverser Diskussion findet sich bei amazon, wer also mehr wissen will….

Maria Sveland
Bitterfotze
Kiepenheuer & Witsch, Tb, 2009, 272 S.
ISBN-10: 3462040839
ISBN-13: 978-3462040838

Im November, die Karten sind schon eingetroffen!!

Ja, riesig freu ich mich, Hesse war für mich einige Jahre lang ein sehr intensiver Begleiter. Siddartha, Steppenwolf, Unterm Rad, Das Glasperlenspiel (das besonders….) … die Gedichte… der Knulp, Demian.. ich könnte noch so viele aufzählen…

zur Homepage

Nachtrag:

aus einer Mail vom 5. September:

Hesse Projekt LIVE leider abgesagt
Die Tournee des HESSE PROJEKT Live „Die Welt unser Traum“, geplant vom 31.10.-06.12.2009, muss leider aus produktionstechnischen Gründen abgesagt werden. Bereits erworbene Karten müssen an den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden, wo sie erworben wurden. Die Produzenten erwägen dennoch eine Neukonzeption der Bühnenumsetzung des erfolgreichen Tonträger-Projekts von Schönherz & Fleer für einen späteren Zeitpunkt.

Sch**sse!

Durch einen Zufall bin ich auf den Blog von Dünenwanderer gekommen und habe dort den Hinweis auf diesen Preis:

Kuriosester Buchtitel 2009

gefunden. Wie Martenstein schon sagte: „Der Titel ist die halbe Miete„. Nie war es wahrer wie heute! Ich werde meine Augen offenhalten! Obwohl ich mir kaum vorstellen kann, wie man einen Titel á la „Das große Buch lesbischer Pferdegeschichten“ (Fragen über Fragen….*) toppen sollte… Aber entscheidend ist bekanntermassen aufm Platz, bzw hier aufm Kawwa.

—–

* ok. ich gebe es zu. Ein älterer Titel zumal noch aus dem englischen Wettbewerb. Also sozusagen ausser Konkurrenz. Gefällt mir trotzdem. Und diese Inhaltsbeschreibung macht doch auch Lust: „When these Sapphic sisters saddle up, ecstasy if only a hoofbeat away!“

rain-klein

„Now, I am become Death, the destroyer of worlds.“
(Robert Oppenheimer, aus der Bhagavadgita)

Am 6. August 1945 warfen die Vereinigten Staaten von Amerika über Hiroshima die erste Atombombe ab, 3 Tage später folgte der zweite Abwurf einer Bombe durch eben denselben Staat auf Nagasaki. Am 15. August kapitulierte Japan.

Der Roman von Ibuse spielt in der Zeit zwischen der Bombadierung Hiroshimas und der Kapitulation Japans. Er ist in eine Rahmenhandlung gebettet: Shigematsu beherbergt seine Nichte Yasuko, die er zu verheiraten sucht. Dies gelingt ihm aber nicht, da jeder Heiratskandidat befürchtet, Yasuko, die sich zur Zeit des Abwurfs in Hiroshima aufhielt, sei strahlenkrank. Da kommen Shigematsu und seine Frau auf die Idee, der Heiratsvermittlerin das Tagebuch Yasukos aus dieser Zeit mitzugeben. Da sich die Nichte einige Kilometer vom Explosionsort entfernt aufgehalten hat, glauben sie, so den schädlichen Gerüchten entgegentreten zu können. Als Untermauerung und um die Kontrast hervorzuheben, geben sie auch das Tagebuch von Shigematsu, der sich sehr nahe am Explosionsort befand, bei.

Das Buch gibt nun im wesentlichen Shigematsus Aufzeichnungen wieder, streut an der einen oder anderen Stelle auch Tagebucheinträge anderer Opfer ein, wie dies die fiktive Handlung erfordert. Die Tagebucheinträge selbst beruhen weitgehend auf originalen Aufzeichnungen von Menschen, die Ibuse im Buch zum Teil nur leicht verändert auftreten läßt.

Textprobe01

Die neun Handlungstage des Romans beschreiben eine Reise durch das Inferno, durch die Hölle. Was dort geschehen ist, ist für die Menschen unfassbar. Die Bombe hat nicht beschreibbares Leid gebracht, nicht fassbares, nicht verstehbares. Ibuse wird dieser Ungeheuerlichkeit gerecht, indem er praktisch jede Emotion vermeidet. Eine einzige Stelle habe ich mir markiert, in der er seinen Helden mal aus sich herausgehen läßt. Beim Anblick eines Toten, aus dessen Augen, Mund und Nase Heerscharen von Maden kriechen, fällt ihm eine Zeile eines Dichters ein, in der es heißt: „O Wurm, Freund Wurm!“ Textprobe02 und er ereifert sich: „Zu welcher Idiotie kann man nur fähig sein. Er [i.e. der Dichter] hätte hier sein sollen um 8.15 uhr, am sechsten August, als sich alles erfüllte: als der Himmel zerriss von oben bis unten, die Erde brannte und Menschen starben. …. Am liebsten hätte ich mein Bündel in den Fluss geschleudert. Ich haßte den Krieg. Was machte es letzten Endes aus, welche Seite siegte. Wichtig war nur, alles so schnell wie möglich zu beenden. Lieber einen ungerechten Frieden als einen „gerechten“ Krieg!„. Die nüchterne Distanz, aus der Ibuse ansonsten seinen Helden das Grauen schildern läßt, kann man hier beispielhaft an zwei beliebig herausgegriffenen Textstellen sehen.

Es geht, wenn die Menschen überhaupt noch denken können, ums nackte Überleben – Essen und Wasser. Ärzte und Medikamente werden gebraucht, die Schmerzen sind ohne Ende. Die Haut schält sich, alles schwillt an, nacktes Fleisch an allen Körperteilen. An jeder Ecke Tote, so viele, daß sie einfach im Flussbett zusammengetragen und verbrannt werden. Niemand weiß, was geschehen ist, was das für eine Bombe war. Verwandte werden gesucht, die Familien sind oft auseinander gerissen. Wo schläft man die Nacht, wo und wie versorgt man sich? Zielloses Herumirren allenthalben. Man hat zusätzlich noch Angst vor dem Militär, aber auch dessen Strukturen sind zerstört. Erst nach zwei, drei Tagen beginnt langsam wieder ein etwas organisierteres Leben: Kranke und Überlebende werden gesammelt, in notdürftigste Lazarette gebracht. Man braucht Kohlen, um Fabriken am Laufen zu halten, muss Beerdigungen organisieren, das Überleben sichern……

Was soll ich hier noch weiterschreiben, es ist das Grauen schlechthin.

Im Gegensatz zu anderen Grausamkeiten des Krieges (z.B. die Feuerstürme in Hamburg oder auch Desden) hat der Abwurf der Atombomben durch die Strahlenkrankheit langfristige Folgen für die Menschen ganz neuer Art. Dies deutet Ibuse in seiner Rahmenhandlung an: es ist schwierig, einen Ehepartner zu finden, da Strahlenkranke sich nicht anstrengen können, dürfen sie nicht arbeiten und werden sozial als Faulenzer geächtet…. man hat schnell vergessen, was die Ursache ist für die Betroffenen…..

Der geschichtliche Fortgang ist bekannt. Diese zwei Bomben sind die einzigen, die je eingesetzt worden sind. Jedoch ist die Zahl der Staaten, die über Atombomben als Waffen verfügen, stetig gewachsen… USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien, Israel, Pakistan, Indien, Nordkorea… zumindest.. vielleicht noch einige mehr. Und was sagt einem der gesunde Menschenverstand? Irgendwann…… nein, ich will es nicht denken, aber irgendwann wird es wieder so sein.

Facit: ein erschütterndes Buch.

Masuji Ibuse
Schwarzer Regen
Fischer TB, 1985, 372 S.
ISBN: 3596258464

Links:

Natürlich findet man mit einer Suchmaschine (ich mach jetzt keine Reklame für irgendeine…) eine Unzahl von Quellen zum Thema „Atombombenabwurf“, ebenso natürlich gibt es Gedrucktes zuhauf in Form von Büchern, Zeitschriftenartikeln etc pp…

einen Überblick mit sehr vielen weiterführenden Links gibt (wie so oft) die Wiki

Was ich mir persönlich jetzt noch notiert habe, sind ist dieser Link:

http://www.aktivepolitik.de/hiroshima.htm

hier ist u.a. der Einsatzbefehl wiedergegeben und eine Fotostrecke verlinkt, die einen optischen Eindruck von dem gibt, was Ibuse in seinem Roman in Worte gefasst hat.

Natürlich führt auch die Bildersuche nach „Hiroshima Opfer“ zu einem (erschütterndem) Ergebnis…

Ibuses Buch wurde auch verfilmt.

Im Rahmen der Mittelrhein-Musikmomente 2009 habe ich gestern mit Freunden die Lesung von Martenstein im Besucherzentrum der Loreley besucht. Aber nicht nur Martenstein hat gelesen, sondern auch das Twintett der Vanacek-Brüder hat gespielt, unterstützt von Erwin Ditzner am Schlagzeug. Wenn ich hier so schreibe, als wüßte ich wovon, täuscht das, zumindest die Musiker kannte ich natürlich nicht.

mart1

Martenstein schon. Klar. Schließlich bin ich bekennender Leser der ZEIT, in der der gute Mann seine wöchentliche Kolumne hat, die immer als erstes dran glauben muss. Da geht es dann schon ab und an ziemlich „böse“, sprich: giftig und politisch unkorrekt her. Dabei sind das besondere nicht die Themen an sich, sondern das offene Augen und die offenen Ohren für all das Absurde um uns herum.

Aber, Martenstein wird es verkraften, das wirklich schöne am Abend waren die Musiker mit ihren Beiträgen. Ohne Ahnung von Musik zu haben, das war einfach klasse.

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Und da alle im Saal geklatscht und gejubelt haben, denke ich, daß ich mit meiner Einschätzung garnicht so falsch liege… ist ja ein wenig wie beim Weintrinken: gefällt, gefällt nicht… ;-) Jedenfalls hätte ich nie gedacht, daß man mit zwei Blechblasinstrumenten so eine starke Musik machen kann (auf dem Bild rechts wird übrigens gerade die Posaune als Streichinstrument „missbraucht“) …. und der Schlagzeuger einfach geil.. oder sagt man jetzt porno .. jedenfalls nicht schwul. Um mal Martensteins Erfahrungen zur deutschen Sprache hier einfließen zu lassen.

Wenn es jetzt ein wenig so klingt, als sei dies für mich in erster Linie ein Musikereignis gewesen.. nun ja, Martenstein hat halt das „Pech“ (was bei Mehrfachverwertungen nicht selten sein dürfte), daß ich seine Texte, die er sehr spannungsreich und pointiert vortrug, schon kannte, das Überraschungsmoment also fehlte. mart3 Trotzdem: Gehört ist immer noch was anderes als Gelesen, die Schwerpunkte liegen einfach anders. Und den „Meister“ persönlich erlebt zu haben, das zählt selbstverständlich auch zum Besseren….

Die Veranstaltung in recht intimen Rahmen, vielleicht 10 Stuhlreihen á 8 Stühlen im Besucherzentrum (Bistrobereich) an der Loreley statt, anschließend noch in einem für mich neuen, wunderschönen Lokal an einem völlig unvermutetem Ort Pfifferlinge mit Brotnokken (jedenfalls so ähnlich….) gegessen.. also, ein toller Abend!

Hier jetzt der Link zu der offiziellen

Bildergalerie,

deren Bilder natürlich vieeel besser sind als meine, aber meine hier verletzen das copyright wenigstens nicht… witzig, ich bin übrigens auch auf den Bildern zu sehen, zumindest, wenn man weiß, wo… ;-)

musikmCorinna Harfouch liest Andersens Märchen: „Die kleine Meerjungfrau“ und wird dabei begleitet von Hideyo Harada, die auf dem Flügel aus den „Lyrischen Stücke„n von Grieg vorträgt.

Veranstaltungsort: St.Barbara-Kirche in Braubach am Rhein.

Ich empfinde diese (ehemalige) Kirche von aussen wirklich nicht als sehr schön, wuchtig und dunkel der Turm, auch wenn das Gebäude selbst durch sein Weiß heller daherkommt. Zudem liegt sie noch recht eng eingekeilt zwischen anderen Häuser und der direkt vorbeilaufenden Bahnlinie am Rand der Braubacher Altstadt. Innen ist sie viel netter, der Kirchenraum mit seiner umlaufenden Empore, die alten Holzpfeiler, es macht einen gemütlichen Eindruck

Leider/umständehalber sitze ich ohne Brille in der letzten Reihe, so daß ich von der Pianistin eigentlich garnichts sehe (gut, daß es die Bildergalerie gibt) und von Frau Harfouch auch nicht viel. Aber es ist ja eine Hörveranstaltung und das klappt noch ganz gut….

Harfouch liest das Märchen, man kann sich so richtig schön in ihre Stimme fallen lassen und das, was sie liest, in der Phantasie zu Figuren formen, zu Szenen, so daß sich das Märchen vor dem eigenen geistigen Auge wie auf einer Bühne abspielt. Nach jeweils einigem Minuten macht sie eine Lesepause, in der dann aus Griegs Lyrischen Stücken gespielt wird, mal lautere, mal leisere, passend zur vorher gelesenen Passage.

Insgesamt ein sehr schöner Abend, eine sehr harmonisch Vorstellung.

Einige Bilder von der Veranstaltung.

Veranstaltungsreihe: Mittelrhein-Musikmomente 2009

Seit langem wieder einmal ein Buch in meine Kategorie „aus.sortiert“: nach dem Lesen von gut der Hälfte habe ich den Rest noch überflogen und das Buch dann weggelegt. Ich will damit nicht sagen, es sei ein schlechtes Buch, nur – für mich eben ein falsches.

Schlafanzug

Worum geht es in diesem Buch, das vom Verlag als „Fabel“ bezeichnet wird (im Grunde hat damit die Irritation bei mir schon angefangen, denn es kommen ja überhaupt keine Tiere drin vor… ;-) [1]) und welches in einer einfachen, in der Tat fast an ein Märchen erinnernden Sprache, also offensichtlich für jüngere Leser, geschrieben ist?

Bruno, ein neunjähriger Junge, lebt mit seiner Schwester Grete, der Mutter und dem Vater in einem wunderschönen, interessanten Haus in Berlin. Eines Tages kommt er nach Hause und sieht, daß alle Sachen gepackt werden und die Familie umzieht.

Das neue Haus ist bei weitem nicht so interessant, es liegt einsam irgendwo bei Aus-Wisch, Bruno hat dort keine Spielkameraden, er kann nirgendswo hin gehen und ist garnicht glücklich. Wenn er aus dem Fenster seines Zimmer schaut, sieht er ein großes Areal, das eingezäunt ist und in dem viele Menschen wohnen, die alles gleich angezogen sind.

Nach einigen Monaten dort will Bruno seine Umgebung erforschen und geht am Zaun entlang. Irgendwann trifft er dort auf einen Jungen auf der anderen Seite der Absperrung, mit dem er sich anfreundet. Daraus entwickelt sich eine Freundschaft, die aber (wir ahnen es) nicht glücklich enden wird, denn auch dieser Junge mit dem seltsamen Namen Schmuel hat diesen gestreiften Anzug an.

So weit, so gut? schlecht?…..

Bruno ist in dem Buch ein neunjähriger Junge, die Erzählung spielt 1943 (in diesem Jahr hat in den Lagern in der Tat der Kommandant gewechselt [2]), mithin hat Bruno seine Kindheit in der „Hochzeit“ des Nationalsozialismus erlebt. Und trotzdem – so will es Boyne – kennt er den Führer (im Buch: den „Furor“) nicht, weiß nicht, wie er aussieht, kann mit dem gelben Davidsstern nichts anfangen, ich glaube, er weiß noch nicht einmal, was Juden sind….. und auch im Handlungsverlauf selbst ist er bemerkenswert lernrestistent, die Situation, die er in Aus-Wisch erlebt, durchschaut er nicht im geringsten. Daß sich in einem Lager, in dem sich Tausende Menschen befinden, die – so kann er beobachten – von Soldaten bewacht und schikaniert werden, irgendwas Schlimmes ereignet – auf die Idee kommt er offensichtlich selbst durch die Gesprächen mit Schmuel nicht….. Das war mir dann doch zu unrealistisch und gekünstelt.

Warum Boyne so wohl geschrieben hat? Ich denke mal, weil er wirklich ein Publikum im Blickwinkel hat, das mit den Vorgängen im Tausendjährigen Reich absolut unvertraut ist, wo er tatsächlich bei Null anfangen muss. Die Leserschaft in Deutschland fällt meiner Meinung nach nicht in diese Gruppe [3], wahrscheinlich zielt Boyne dann doch eher auf den angelsächsische Sprachraum ab.

Was ich für sogar kritisch halte, ist folgendes: wenn ein neunjähriger Junge (es gibt Weltgegenden, in denen Kinder dieses Alters schon für die Familie mitsorgen müssen.. in dem Alter ist ein Kind also schon in der Lage, Situationen zu beurteilen und einzuschätzen), nicht merkt, was im 3. Reich vor seiner Haustür (und nicht nur dort, sondern im Grunde ja sogar in seinem eigenen Haus) geschieht, ja, dann kann es ja nicht so schlimm gewesen sein…. und diesen Eindruck ggf. hervorzurufen, halte ich für gefährlich.

Nachtrag: heute ist mir der Gedanke gekommen, daß man das übernaive Nichtwahrnehmen wollen von Bruno natürlich auch als Bild sehen kann für den normalen Deutschen, von denen im 3. Reich ja auch keiner was gewusst hat….

Facit: ein sehr zwiespältiger Eindruck: als Erwachsenen hat mich die permanent zur Schau gestellte Ahnungslosigkeit von Bruno einfach mit der Zeit genervt und Kinder sollten das Buch sicher nicht ohne Begleitung durch Erwachsene lesen, damit nicht falsche Eindrücke entstehen.

John Boyne
Der Junge im gestreiften Pyjama
Fischer (Tb.), Frankfurt, 2009, 269 S.
ISBN-10: 3596806836
ISBN-13: 978-3596806836

[1] Begriffsbestimmung Fabel
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Personal_im_KZ_Auschwitz
[3] Jugend und Holocaust

1000

Am 9. November 1967 erschien die erste Ausgabe des nachmalig wohl wichtigsten und einflussreichsten Musikmagazins der USA, des Rolling Stone. Das Titelblatt der damals noch auf Zeitungspapier gedruckten Ausgabe zeigt John Lennon mit einem Foto aus „Wie ich den Krieg gewann“.

Ich habe mir das Buch besorgt, weil ich durch das Lesen der „Stadtgeschichten“ von Maupin wieder so ein wenig auf diese Zeit neugierig geworden bin, der nostalgische Touch eben… und da passte es ganz gut, daß ich diesen umfangreichen Bildband in einem Prospekt gesehen habe.

Natürlich ist das Buch auf den englisch sprechenden Teil dieser Welt konzentriert, vor allem eben die USA und Großbritannien (Claudia Schiffer ist die einzige Deutsche, die ich gefunden habe, in Ausgabe RS 578, 5/90). Die Beatles und die Stones sind oft abgebildet (Mick Jagger hält, wenn ich mich recht erinnere, den Rekord mit 27 Titelbildern) und im Lauf der Jahre kann man wunderschöne „Vorher – Nachher“ Vergleiche anstellen (Bono hatte mal lange Haare und Old Slowhand ist in seinen frühen Jahren kaum zu erkennen….von Iggy Pop ganz zu schweigen…. Jacko). Die ganzen Heroen der Jugend, ob Creedence Clearwater Revival (Oh „Suzi Q„..), Sly and the Family Stone („…higher… “ Gänsehaut pur….). Die Achselbehaarung von (damals noch) Prince ist ebenso zu bewundern wie Alice Cooper in seiner Schrillheit….

Um es abzukürzen: viele, viele bunte Bildchen mit vielen Erinnerungen, auch einiges an interessanten Textauszügen. Ein richtig toller Trip durch 40 Jahre (vorwiegend angelsächsische) (Rock)Kulturgeschichte…

Links:

Homepage des Rolling Stone
Homepage derdeutschen Ausgabe des RS
Kurzer Wiki-Beitrag zum Thema

Rolling Stone
1000 Cover
Schwarzkopf & Schwarzkopf, Oktober 2006, 567 S
ISBN-10: 3896027360
ISBN-13: 978-3896027368