Es ist ein düsterer Roman den Le Callet hier vorlegt, Ballade nennt sie ihn, ein Tanzlied, im übertragenen Sinn vielleicht ein Totentanz auf die Gesellschaft, die wir kennen, ein Roman mit durchaus dystopischen Zügen, eine Ballade auch im Sinne der Suche nach der Liebe und ihrem Verlust, nach dem Warten auf die Erfüllung der großen Sehnsucht und der Kraft, die sie spendet.

Die Geschichte setzt mit einer Erinnerung ein. Ein 6jähriges Mädchen, es wird Lila genannt ohne daß wir uns sicher sein können, daß dies auch ihr Name ist, erinnert sich daran, daß schwarz vermummte Männer zu ihr und ihrer Mutter in die Wohnung eingedrungen sind, ihre Mutter schlugen und mit Gewalt aus der Wohnung schleppten. Nur noch durch wenige Gesten können sich die beiden sich signalisieren, daß sie sich lieb haben und das alles gut wird. Das Mädchen selbst kam in das Zentralheim, ein Erziehungsheim, das uns mit seinen Überwachungsmöglichkeiten eher an ein Gefängnis erinnert und in dem Kinder und Jugendliche auf ein späteres Leben in der Gesellschaft vorbereitet werden. Wo die Mutter hingebracht wird, bleibt im Dunkeln.

Die Geschichte wird konsequent aus der Sicht des Mädchens erzählt. Wir erfahren, wie sie zum Essen gezwungen wird, wie sie am Bett festgebunden wird, wie man ihr das Laufen beibringt und ihr abgewöhnt, nach ihrer Mama zu rufen. Sie bekommt sedierende Medikamente und wird im steten Halbschlaf gehalten. Le Callet liebt es, den Leser zu verstören. Irgendwas stimmt nicht an der Geschichte, man stutzt bei den unvermittelt und zusammenhangslos eingeschobenen Sätzen wie den, daß sich Lila nach dem wunderbaren Essen sehnt, das sie immer aus der Dose bekommen hat, daß man sie an der Hand operiert hat und ihre Finger jetzt wieder getrennt sind… Lila wehrt sich gegen fast alles, vor allem Berührungen sind ihr ein Graus, sind das Schlimmste, was man ihr antun kann. Das helle Licht des Tages schmerzt sie, sie trägt fast immer eine dunkle Brille. Sie will allein sein, nicht mit anderen Kindern spielen, ein Versuch des Heims, dies einfach durchzusetzen, endet mit einem Fiasko. Sie verträgt keine frische Luft, sehnt sich nach dunklen Ecken und schläft unter dem Bett anstatt in ihm….

Aber Lila ist auch hochintelligent, sie merkt und lernt, daß es für sie Vorteile bringt, Erleichterungen, wenn sie ihren Widerstand aufgibt oder wenigstens reduziert. So lernt sie langsam wieder sprechen, auch wenn ihr der Mundgeruch der Logopädin weh tut, ebenso vertraut sie sich irgendwann nach endlosen Stunden wieder ihren Beinen an und fängt wieder an zu laufen, nur Berührungen kann sie nicht aushalten, sie ekelt sich vor diesen und sie behält ihre Überempfindlichkeit gegen helles Licht. Sie darf es nicht sagen, aber sie sehnt sich zurück nach ihrem Wandschrank, nach dessen stickiger Luft, die sie einhüllte wie ein Kokon…..

Kaufmann wird als Verantwortlicher für ihre Erziehung eingesetzt. Er ist ein Mensch ganz anders wie die anderen, die er “Engstirner” nennt: es ist ihm wichtig, die Besonderheiten und die Individualität seiner Zöglinge zu fördern (wundert es da, daß er selbst immer in Gefahr schwebt, als Außenseiter auffällig zu werden?). Zu ihm, von dem sie viel lernt, faßt Lila Vertrauen, ihn wagt sie es eines Tages nach ihrer Mutter zu fragen. Doch Kaufmann weiß nichts von ihr, aber er verspricht ihr, ihr – egal, was passiert! – immer zur Seite zu stehen. Und noch eins macht Kaufmann: er bringt sie mit Büchern in Kontakt, mit wirklichem Papier, bedruckten Seiten, mit einem Phänomen, das in diesen Zeiten aus gesundheitlichen Gründen schon längst abgeschafft und durch elektronische Medien ersetzt ist.

Lilas Lebensziel wird es immer deutlicher, ihre Mutter zu finden und damit auch ihre eigene Geschichte. Diese Unterfangen gibt ihr die Kraft, auch Dinge zu tun, vor denen sie Angst hat (und das sind nicht wenige), gibt ihr die Kraft, sich zu verstellen, zu tun als ob: immer hat sie vor Augen, daß sie ihre Mutter finden muss.

Nicht zuletzt wegen dieser Anpassung an die realen Verhältnisse wird sie nach dem Erreichen der Volljährigkeit aus dem Heim entlassen, nicht aber aus der Überwachung, die total ist bis hin zur automatisierten morgendlichen Urinanalyse auf dem eigenen Klo und der Orgasmuskontrolle, da ein zweimaliger Höhepunkt wöchentlich als der Gesundheit zuträglich angesehen wird. Entsprechendes Gerät zur Stimulation wird gestellt.

An diesem Tag, an dem sie eine entsprechende Einstufung bekomt und aus dem Heim entlassen wird, bekommt sie auch Einsicht in ihre zensierte Akte. Sie erfährt, daß sie unterernährt, misshandelt, mit unbehandelten Frakturen, Blutergüssen, unfähig zu laufen und zu sprechen, mit Händen, an denen die Finger beim Abheilen von Brandwunden zusammengewachsen waren, ins Heim eingeliefert worden war. Sie glich mehr einem Tier als einen Menschen, sie, das Mädchen, das wenige Jahre zuvor in einem Dokument derselben Akte als vital und sehr gut entwickelt beschrieben worden war. Was Lila in den Akten sieht, ist kaum zu ertragen und doch – sie spürt immer noch, daß ihre Mutter sie liebte, daß die Akten die Wahrheit sagen, aber gleichzeitig die andere Wahrheit verschweigen. So wird ihr Wunsch, die Mutter, die damals zu einer hohen Gefängnisstrafe verurteilt worden ist, zu finden, immer drängender.

Auf ihrem Weg trifft Lila immer wieder Menschen, die ihr helfen, zum Teil unter großen Risiken für sich selbst. Milo ist so einer, Milo, von dem wir annehmen müssen, daß er selber Opfer wurde seiner Bereitschaft, alles für Lila zu tun. Ihm, dessen Berührung der jungen Frau zum ersten Mal nicht eklig war, sondern angenehm warm und bergend, erzählt Lila die Geschichte, ihm und nur ihm allein, geborgen in ihrem Schrank…

“Die Ballade der Lila K” ist ein Buch, über das man viel schreiben könnte. Wieviel Assoziationen gehen einem beim Lesen durch den Kopf, angefangen vom “Big Brother” Orwells bis hin zu Deckards Suche nach seiner Identität im “Blade Runner”. Die Stadt, in der die Handlung spielt (es müsste das Paris sein um den nächsten Jahrhundertwechsel, auf der Champs Elysee wogen die Weizenfelder im Sommerwind…) ist durch eine Mauer mit Checkpoints in zwei Bereiche geteilt: intra und extra muros. intra muros leben die Bevorzugten, es ist der Orwell´sche Überwachungsstaat, die totale Kontrolle incl. Kameras in den Wohnungen unter dem Deckmantel des Schutzes und der Vorsorge. Alles, was nicht den Empfehlungen und Ansichten des Staates entspricht, ist nicht normal und damit behandlungswürdig….. Außerhalb der Mauern wohnen die Verteufelten, die Wilden, die Unangepassten, die Störenfriede, die Terroristen, deren Aufstände man blutig niedergeschlagen hat. Teile der Bezirke extra muros liegen in Trümmern, sind brach, abgeschnitten von Versorgung, ÖPNV und auch Überwachung. Die Menschen dürfen die Checkpoints passieren, man braucht ihre Arbeitskraft, mehr aber auch nicht. Wer dächte bei diesen Bildern nicht an andere Regionen, in denen aktuell Mauern Städte und Landschaften in innen und außerhalb trennen?

Die Kontrolle über die Gesellschaft wird von einer anonym bleibenden Regierung ausgeübt, die die Wahrheit in ihrem Sinn manipuliert. Lila, die in der Bibliothek arbeitet und alte Papierdokumente einscannen muss erkennt, wie die Streichungen den Sinn der Texte ins Gegenteil verkehren oder wie unbequeme Wahrheiten verheimlicht werden. Viele Schrecken der “Zone” sind erfunden, zwar ist es dort gefährlicher und unsicherer, aber dies ist der Preis der größeren Freiheit, die dort herrscht.

Lilas Wille und Entschlusskraft erweisen sich als stärker als die Unterdrückung durch die Regierung, sie erreicht ihr Ziel, wenngleich mit einem großem Opfer, das gebracht werden muss. Sie erkennt, daß zwischen ihrem Gefühl der Liebe zu ihrer Mutter und den Tatsachen, die die Akten dokumentieren, kein Widerspruch besteht, daß beides nebeneinander existiert und daß ihre Mutter damals keine Wahl hatte. Vergibt sie ihrer Mutter, wie es “Le Monde” auf dem Klappentext zitiert wird? Vielleicht.. vielleicht will sie aber auch einfach nur nicht die einzige Liebe, die sie kennt, zerstören, in dem sie ihrer Mutter die Schuld, die diese an ihrem Schicksal trägt, vorwirft….

Und so endet dieser Roman fast wie er begonnen hat.. Lila ist in ihrem Versteck, dem Wandschrank, sie nährt sich von den letzten Dosen, die sie noch hat und für Milo schreibt sie ihre Geschichte auf. Danach wird sie frei sein, sich gelöst haben von den Monstern, die sie beherrschten. Sie wird anfangen können, ein eigenes Leben zu leben.

Lilas Ballade ist ein bedrückendes Werk, das den Leser stark mit einbezieht, denn dadurch, daß Le Callet Lila den Text selbst für einen persönlichen Freund schreiben läßt und dieser direkt angeredet wird, fühlt man sich beim Lesen selbst angesprochen. Man ist versucht zu antworten, zu reagieren, zu sagen: ja, so ist es oder auch nein, das geht so nicht…. das Erschreckende ist, daß bis auf ein paar technische Spielereien und Ideen vieles von dem, was Le Callet beschreibt, real in dieser unserer Welt existentes aufgreift und einfach konsequent zu Ende denkt. Das Ausgrenzen und Verteufeln von nicht angepassten Minderheiten oder auch nur unerwünschten Personen, Tendenzen zur Zensur bzw. Kontrolle von Medien ebenso wie die Sammelwut von Daten, die Tatsache, daß viele Abweichungen von einer wie auch immer definierten Norm als krankhaft oder Krankheit angesehen werden und damit als behandlungswürdig.. all das gibt es heute schon, mehr oder weniger offensichtlich, ebenso wie die soziale Stigmatisierung: ohne Arbeit keinen vernünftigen Wohnsitz, ohne Wohnsitz keine vernünftige Arbeit…. ohne Arbeit kein Geld, ohne Geld…. na ja…

Der Roman ist eindringlich, spannend, wirft Fragen auf, die nachdenklich machen – kurz gesagt, er berührt und bewegt.

Blandine Le Callet
Die Ballade der Lila K 
aus dem Französischen übersetzt von Patricia Klobusiczky
Ullstein Hardcover, 368 S., 2012

Mark Z. Danielewski: Das Haus

18. Dezember 2009

Ja, das nenn ich mal ein Buch….. schon rein äußerlich: zwar ein Taschenbuch (natürlich ist auch die HC-Ausgabe auf dem Markt), doch von erheblichen Außenmaßen und Gewicht, da immerhin knapp 800 Seiten stark. Schlägt man es auf und läßt es nach Art des Daumenkinos mal durch die Finger laufen, sieht man, daß einen eine nicht ganz gewöhnliches Buch erwartet, sondern eins, welches mit allen Möglichkeiten, die die Typographie bietet, spielt: unterschiedliche Schriften, spiegelverkehrt, auf dem Kopf stehend, diagonal oder auch wie graphisch aufgearbeitet…. im Grunde müßte ich ein paar Seiten einscannen, um das ganze Spektrum dessen, was einen erwartet, zumindest mal aufzuzeigen.

Gelesen habe ich einen Teil der Geschichte, denn es gibt zumindest mal drei Ebenen, in denen sich die Handlung des Buches abspielt. Zuvörderst erzählt Danielewski die Geschichte von Will Navidson und seiner Lebensgefährten Karen, die mit ihren zwei Kindern in Virginia ein Haus beziehen, auch in der Absicht, ihre ins Trudeln geratene Beziehung wieder auf feste Füße zu stellen. Erzählt werden kann diese Geschichte, weil der abgerissene Junkie Johnny Truant im Nachlass des blinden Sonderlings Zampano ein Bündel Papiere findet, die eine Abhandlung über Wesen und Inhalt der Filme enthält, die unter dem Namen “Navidson Record” subsummiert werden und das Schicksal von Navidson, seiner Familie und diverser Bekannter dokumentieren. Truant nun, der diese Abhandlung aufarbeiten will, verliert im Lauf der Erzählung immer mehr den Boden unten den Füßen.. das ist aber, ich gebe es zu, der zweite Teil des Buches, den ich nicht gelesen habe. Dass war mir einfach nicht möglich, zu komplex der eigentliche “Navidson Record”, als daß ich die dazu parallel oder ergänzend ablaufende Geschichte Truants hätte verdauen können…

Eine weitere Ebene stellen für mich die zum Teil weit ausufernden Fussnoten, Hunderte davon, dar. Auch die müsste ich in einem zweiten oder gar dritten Durchgang erst alle lesen, bis dato habe ich nur einige ausgewählte gelesen. Die Fussnoten wie auch der Text strotzen nur so von Namen, Quellen, Bezügen, Zitaten etc pp, die so echt gefasst sind, daß man geneigt ist, zu glauben, es gäbe sie wirklich. Hier also wäre Recherchierarbeit angesagt, weil ich mir auch gut vorstellen könnte, daß Danielewski hier nichts dem Zufall überlassen hat, sondern alles mit Absicht und Bezug konstruiert hat… Verwirrend sind eine Menge bekannter Persönlichkeiten mit Zitaten oder Aussagen aufgeführt. Hat Danielewski hier seine Geschichte um solche Aussagen herum aufgebaut oder hat er hier frei erfunden? Fragen über Fragen….

Die Übersetzung… durch meine vorangegangene Lektüre des Eco bin ich da etwas sensibilisiert worden. Warum z.B. wird in einem amerikanischen Roman der Brockhaus zitiert? Oder ist das nur die Adaption der Übersetzerin? Überhaupt stellte dieses Buch die Übersetzerin wohl vor einige Probleme, um es mal gelinde zu sagen.. Jessebird hat sich dazu in einem Beitrag durchaus kritisch ausgelassen, auf dieses Posting verweise ich hier und fasse mich selbst kurz… Da meine Sprachkenntnisse ganz sicher nicht ausreichen, das Original zu lesen, nehm ich die deutsche Adaption eben einfach als Werk für sich und bewundere die Übersetzerin für ihre Herkulesarbeit, denn eine solche war das Übersetzen sicherlich….

Soweit,

so gut.

——————————-Worum geht es also in den

N

a

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Es fängt noch ziemlich harmlos an, man ist an einen Messfehler zu glauben verführt: Will stellt fest, daß die Summe der Innenmaße des Hauses (Räume + Wanddicken) 6 mm größer ist als das Aussemaß. Er kann das nicht klären, ruft Freunde mit besseren Geräten, die das überprüfen. Und auf 8 mm kommen. Ein Buch fällt aus dem Regal. Dumm nur, daß das Regal am Vorabend noch bündig mit der Wand abschloss… Plötzlich eine vorher nicht dagewesene/übersehene (?) Tür im Schlafzimmer, dahinter ein kleiner Raum… Will, der preisgekrönte Fotograph, will wissen, was dahinter steckt und versucht, gegen den Willen von Karen, den Raum, der sich zu einem kalten, tiefschwarzen Flur ausweitet, zu erforschen. Er betritt ihn, geht ihn entlang, er kommt in Flure, Korridore, durchquert Hallen, findet den Rückweg kaum noch, da sich die Räume verändern, verschieben…..

Das soll reichen, um eine Andeutung zu geben, um was es in dem Buch geht. Das Haus birgt ein Tor zu einer anderen Welt, voller Kälte, Dunkelheit und Gefahren. Ist es ein Bild, das Danielewski damit schafft? An einer Stelle redet er davon, daß sich das Haus verhält wie ein Spiegel, seine Eigenschaften spiegeln denjenigen wieder, der es betritt (Seltsamerweise verändert es zwar die Geometrie und die physikalischen Grundgesetze (Münzen, die in Schächte geworfen werden (die sich ihrerseits in wenigen Sekunden gebildet haben), brauchen bis zu 50 Minuten, bis sie am Boden auftreffen…), aber nicht die Zeit, die offensichtlich invariant gegenüber dem Haus ist..). [-------------------------------] Die Männer, die es erforschen, ausgerüstet mit Kameras, mit “Ariadne”[3]-Fäden (die das Haus aber zerstört..) auch mit Waffen, geraten in größte Gefahr, ihr gesamtes Orientierungsvermögen [6] wird überfordert, ihre Psyche wird völlig aus dem Gleichgewicht gebracht, sie sind dem Haus im Grunde hilflos ausgeliefert. Doch es ist nicht das Haus, das sie umbringt, das Haus selbst tötet niemanden.

Immer wieder schweift Danielewski ab,
nimmt    einzelne  Vorkommnisse   zum
Anlass  für  ausufernde  Betrachtungen
und    Analysen,   die   ihrerseits wieder
mit  vielen  Fussnoten [1] gespickt sind.
Das   macht  die  Lektüre  nicht einfach,
oft  steht  man  vor  Brüchen,  muss  zu
rückblättern,   um  sich  wieder d en An
schluss  an  die  Geschichte zu vergegen
wärtigen.

Die Geschichte ist fiktiv. Es gibt diese Filme, die die Männer angeblich bei der Erforschung des Hauses drehen nicht. Johnny Truant sagt uns das sofort in seiner Einleitung. Also ist das Ganze eine Erfindung des blinden (!) Zampanos, eines “Graphomanen” voll trockener Ironie.. Blind und Dunkelheit: das passt gut zusammen… Vielleicht sollte man sich überlegen, wie man die Geschichte unter diesem Gesichtspunkt interpretieren könnte: was könnte ein Blinder uns damit sagen wollen?

_________________________

[1] Ich hasse Fussnoten! [2]
[2] gelogen!
[3] Nach der griechischen Mythologie war Ariadne die Tochter von Minos, dem König von Kreta, und dessen Gattin Pasiphaë. Ihre Geschwister waren Glaukos, Phaidra, Akakallis, Androgeus, Deukalion und Katreus. Ihr Halbbruder mütterlicherseits war das Mischwesen Minotauros (halb Stier, halb Mensch), der einer Beziehung der Pasiphaë mit einem Stier entsprang. Die Begattung war mittels einer hölzernen Kuh erfolgt, in der sich die Königin befand. Diese Figur war von dem Künstler Daidalos geschaffen worden. Dieser musste auch das Labyrinth als Wohnstätte für die Frucht dieses Verhältnisses erbauen [1]. Minos hatte Athen unterworfen, nachdem sein Sohn dort ermordet worden war. Die Athener wurden dazu verpflichtet, alle neun Jahre sieben Jungfrauen und sieben Jünglinge als Menschenopfer für den Minotauros [11] nach Kreta zu schicken. Als zum dritten Mal der Tribut fällig war, schloss sich der athenische Königssohn Theseus freiwillig dieser Gruppe an. Auf Kreta verliebte sich Ariadne in ihn und schenkte ihm ein magisches Schwert und ein Knäuel Wolle. Als die Opfer in das berühmte Labyrinth des Daidalos getrieben wurden, wo der Minotauros Hauste, rollte er das Knäuel ab. Mit dem Schwert (nach anderen Versionen mit seiner Keule oder den bloßen Händen) erschlug er den Stiergott und fand mit seinen Gefährten am Ariadnefaden wieder heraus [2].

Auf der Rückfahrt nahm er Ariadne wie versprochen als seine Verlobte mit, ließ die Schlafende aber auf Befehl des Weingottes Dionysos auf der Insel Naxos zurück. Dort wurde die Verlassene und Klagende von Dionysos erwählt. Theseus vergaß aus Trauer um Ariadne, das schwarze Segel seines Schiffes gegen ein weißes auszutauschen, um damit den erfolgreichen Ausgang seines Unternehmens schon von Weitem zu zeigen. Sein Vater Aigeus stürzte sich deswegen ins Meer, als er des Schiffes ansichtig wurde. Seitdem heißt das Meer das Aigaiische.

Bei Amathus auf Zypern wurde Ariadne als Geliebte des Dionysos göttlich verehrt. Mit ihm bekam sie einen Sohn namens Oenopion. Die Krone der Ariadne schleuderte Dionysos in den Himmel, wo sie zu einem Sternbild Nördliche Krone verwandelt wurde [3]. Ariadne blieb trotz ihrer Verbindung mit Dionysos weiterhin auch in Theseus verliebt und weinte, als dieser starb. Dennoch holte Dionysos Ariadne nach ihrem Tod aus dem Hades zu sich auf den Olymp. [4]
[4] teilweiser Auszug aus http://de.wikipedia.org/wiki/Ariadne. Eine ausführlichere Darstellung der Vorkommnisse bei Minos liefert Schwab [5]
[5] siehe die Darstellung im Projekt Gutenberg
[6] “Es werde Licht!” Goethe an Eckermann, 1832. Vergleiche auch Goethes Einstellung zu Tod und Dunkelheit in [7]
[7] Rattner: Goethe: Leben, Werk und Wirkung in tiefenpsychologischer Sicht, Würzburg 1999,
[8] fehlt. Eine archtekturkritische Würdigung des Hauses unter besonderer Berücksichtigung der statischen Aspekte sowie der legaler (Baugenehmigungen, berufsgenossenschaftliche Bewertungen, MAK-Werte für Baustoffe etc pp) steht noch (?) aus.
[9] das beinhaltet, daß sich diese Besprechung und Buchvorstellung im Lauf der Zeit auch ändern [10] wird, damit Parallelen aufzeigt zum Haus, das – wie weiter oben angeführt – sich in Abhängigkeit vom BESUCHER ändert. [12]
[10] PANTHA REI: “Verbindungen: Ganzes und Nichtganzes, Zusammengehendes und Auseinanderstrebendes, Einklang und Mißklang und aus Allem Eins und aus Einem Alles”: Fragmente, S. 132
[11] Mit den Analogien zwischen dem Minotaurus und dem “Etwas” im Haus befasst sich das Kapitel XIII der möglichen Kapitel des Records (“Der Minotaurus”, Anhang A)
[12] Es mag die Möglichkeit bestehen, daß sich die Änderungen im Haus nicht bemerkbar machen, da sich durch diese und mit diesen auch die gesamte Umwelt ändert. Es ist die Geschichte von den Zeitreisenden, die auf ihrer Expedition versehentlich und streng verboten einen Schaden anrichteten, nämlich einen Schmetterling zertraten. aPer wider zurükk von der rEise vielen iHnen gOttseidank keine vEeränderungen auf.

Mark Z. Danielewski
Das Haus
btb Verlag, 2009, Tb, 798 S.
ISBN-10: 3442739705
ISBN-13: 978-3442739707

mann

“Der illustrierte Mann” [3] von Bradbury [1] ist eine Sammlung von 17 Erzählungen, die sehr locker in die titelgebende Rahmenhandlung untergebracht sind, die im Lauf des Buches aber schnell in den Hintergrund tritt bzw. erst ganz am Ende wieder aufgenommen wird. Aber alleine wenn man die Idee, die hinter dem Titel steht, für sich nimmt, taucht die Frage auf, woher ein Mensch soviel Phantasie nehmen kann…

Die Erstveröffentlichung des Buches geschah 1951 und folgerichtig spiegelt sich in den Erzählungen der Geist der USA in dieser Zeit direkt nach dem Krieg: die Angst vor (bzw. die Lust auf) den Krieg, die Angst vor dem Atomkrieg und Atomwaffen, die Scheu und Abwehr vor allem Fremden und nicht zuletzt der Geist der McCarthy-Area [2]. So sind Bücherverbrennungen und -vernichtungen und die Tatsache, daß man mit Büchern immer viel mehr vernichtet als einfach nur bedrucktes Papier ein immer wiederkehrendes Motiv in den Erzählungen.

Natürlich spiegelt sich der technische Entwicklungsstand der Fünfziger Jahre in den Geschichten wieder, Roboter (ja, ganze Städte, die er als organisch unbelebt, aber als Roboter beschreibt) funktionieren noch mit Hebeln und Federn, Computer, Elektronik kommen bei ihm noch nicht vor, bzw. haben damals noch nicht existiert.

So sind seine Geschichten keine Fortschreibung der damaligen Welt in eine immer weiter technisierte Zukunft. Bei ihm ist die Technik nur ein Vehikel, seine (Kultur)kritik zu formulieren und darzustellen: seine Warnung, sich der Technik blind auszuliefern (gleich der Auftrag der Erzählungen mit der herrlichen Geschichte vom Kinderzimmer), die Entartungen des Alltagslebens in den Vereinigten Staaten, die Warnung vor Intoleranz und der Verteufelung allen Fremden sowie seine Mahnung vor der blinden Fortschrittsgläubigkeit:

“Narr!”, rief Bramante erregt, “… Diese Welt ist nur für die Reichen geschaffen.” … “Als ich jung war schrieben sie mit feurigen Lettern: `Die Welt von morgen! Wissen, Wohlstand und Luxus für alle!´ .. Achtzig Jahre sind seitdem vergangen…. wir wohnen weiter in elenden Hütten wie unsere Väter und Großväter”… “..nur ihre [i.e. die Reichen] Träume werden wahr!” [S. 318]

Bradbury nimmt in den Erzählungen auch oft Motive seiner ein Jahr früher erschienen Marschroniken [4] auf. Immer wieder spielen Geschichten auf dem Mars (den er als eine Art anderer Erde beschreibt, meist als Fluchtziel von Menschen, die der richtigen Erde entkommen wollen). Überhaupt ist die Raumfahrt ein durchgängiges Motive, auch wenn die Raumschiffe noch wie Raketen aussehen und das Starten und Landen einfacher scheint als heute das Einparken in einem Parkhaus. Technische Details interessieren Bradbury nicht, er erzählt seine Geschichten, um seine Botschaft zu verdeutlichen.

Facit: Kurze Erzählungen, die eine deutliche Kritik an den Verhältnissen und Einstellungen der USA kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges üben. Lesenswert und in vielerlei Hinsicht immer noch aktuell.

Links:

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Ray_Bradbury
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/McCarthy-Ära
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Der_illustrierte_Mann
[4] http://radiergummi.wordpress.com/2009/04/13/ray-bradbury-die-mars-chroniken/

Ray Bradbury
Der illustrierte Mann
Diogenes Tb, 13. Auflage 2008
ISBN-10: 3257203659
ISBN-13: 978-3257203653

mars

Die Mars-Chroniken umfassen den Zeitraum der Kolonisierung des Mars durch den Menschen, die mit der ersten Expedition 2030 einsetzt und es endet mit der Flucht der letzten übriggebliebenen Menschen von der Erde auf den Mars um 2057. Insofern tatsächlich ein SF-Roman (ein Klassiker der SF, wie es oft zu lesen ist [1]), ein Roman, der in der Zukunft spielt und auf einem fremden Planeten.

In Wirklichkeit ist es ein sehr irdischer Roman: er beschreibt in den ersten Szenen, Erzählungen, aus denen er aufgebaut ist, das Aufeinandertreffen zweier Kulturen, das mit dem Ende der … eigentlich garnicht mal friedfertigeren oder unterlegenen Kultur endet, um dann zu erzählen, wie mit der eigentlichen Kolonisation nicht nur die Menschen von der Erde zum Mars kommen, in verschiedenen Schüben mit unterschiedlicher Motivation, sondern diese genau das an Regeln, Fehlentwicklungen etc wieder mitbringen, dem sie eigentlich entfliehen wollen.

Zum Inhalt brauche ich nur wenig zu sagen, die Wiki [1] bietet da einen guten Überblick, auch wenn dort die Zeitskala etwas anders aussieht. Daß Bradbury Autor des Buches Fahrenheit 451 ist, merkt man sehr in dem wunderbaren Abschnitt über das Haus Usher, das William Stendahl gegen alle Verbote auf dem Mars errichtet und das zum Schluss alle, die die Zensur ausüben, die Bücher verbieten und verbrennen wollen, unter sich begräbt.

Mir haben besonders die ersten Kapitel gut gefallen. Sie beschreiben die Marsianer und ihr Leben, eine telepathische Rasse, die Halluzinationen und Gedanken materialisieren kann. Diese Abschnitte sind voller Poesie, wunderbare Bilder beschreibt Bradbury hier, er erfindet eine Welt auf dem Mars, in die man (es lebe Thursday Next) einfach nur eintauchen will.. blaue Phiolen, aus den sich Schals materialisieren, die gegen die Kühle der Nacht schützen, die weißen Zwillingsmonde am schwarzen Nachthimmel… die metallenen Bücher, die bei der Berührung mit den Fingern mit alter und sanfter Stimme von den Zeiten erzählen, als das Meer noch rote Dämpfe an seine Ufer warf und längst vergessenen Helden mit Metallinsekten und elektrischen Spinnen in die Schlacht gezogen waren….

Wunderschöne Erzählungen, Halluziniertes und Reales gehen ineinander über, sind nicht mehr zu unterscheiden, die Marswelt passt sich ihren Bewohnern an und die menschlichen Expeditionen, die auf dem Mars eine nach der anderen eintreffen, fallen ihnen zum Opfer. Besiegt schließlich werden die Marsianer durch (und hier wird die Analogie zur Geschichte der Kolonisation irdischer Kontinente sehr deutlich) durch die kleinsten der möglichen Feinde: eine irdische Krankheit, die Windpocken….

Die Marsianer fungieren im Buch als Projektionsfläche menschlicher Gedanken, Wünsche und Vorstellungen. Sie nehmen die Gestalt derjenigen an, an die der Mensch denkt, um die er trauert, die in seinen Gedanken wohnen und führen ihn in dieser Gestalt ins Unglück. Insofern zeigt Bradbury auch, daß die Erfüllung menschlicher Träume keineswegs nur Gutes bedeuten muss, denn Träume zerschellen nur zu oft an der Realität…… materialisierte erst recht.

Am Ende des Buches ist der Mars wieder von Marsianer bevölkert: die Menschen auf der Erde haben sich durch einen Atomkrieg selbst zerstört (das Buch wurde kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geschrieben), nur einige Flüchtlinge sind zum Mars entkommen und leben jetzt dort… für immer und ewig…

Links:

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Mars-Chroniken

Facit:

Ray Bradbury
Die Mars-Chroniken
Diogenes Verlag; Neuauflage, Juni 2008, 372 S.
ISBN-10: 3257208634
ISBN-13: 978-3257208634

Stanisław Lem: Solaris

24. November 2008

solaris

Im Zusammenhang mit Sanchez Pinols Buch “Rausch der Stille” hat Eva eingeworfen, daß (nicht nur) ihr eine gewisse Analogie auffiel zum Lem-Klassiker “Solaris”. Also habe ich mir diesen Roman besorgt und am Wochenende gelesen.

Die Solaris ist ein Planet in einem Doppelsternsystem, ihre Oberfläche ist fast zur Gänze von einem galertartigen Ozean bedeckt. Ein ganzer Wissenschaftszweig, die Solaristik, widmet sich den völlig unerklärlichen Eigenschaften dieses Ozeans, die von vielen Expeditionen erforscht worden sind. Obwohl man anerkennen muss, daß der Ozean wie auch immer lebt bzw. Intelligenz aufweist, gelingt die Kontaktaufnahme, ein Austausch von Informationen nicht. Statt dessen kommt es in der Raumstation, die stationär über dem Ozean schwebt, zu seltsamen Erscheinungen, zu deren Untersuchung der Psychologe Kris Kelvin nach Solaris reist. Aber schon kurz nach seiner Ankunft auf dem Planeten, mit der der Roman beginnt, wird Kelvin selbst zum Objekt dieser Erscheinungen, er trifft auf dem Schiff seine schon lange tote Freundin, an deren Suizid er sich schuldig fühlt.

Natürlich ist der Roman ein Klassiker des SF-Genres, trotzdem fällt es mir schwer, ihn als reinen SF-Roman zu verstehen. Es fehlen die typischen Beigabe solcher Geschichten, etwas was die technischen/-logischen Möglichkeiten angeht (im Gegenteil, es ist geradezu nostalgisch, daß in “Solaris” noch mit Tonbändern gearbeitet wird….), im Grunde weist der Roman auch kaum Handlung auf, nur an wenigen Stellen geschieht etwas im Sinne von “Action”. Es ist mehr eine wissenschaftstheoretische Erörterung, ein Werk mit philosphisch-religiösen Zügen.

Der Ozean ähnelt in seinen Fähigkeiten fast dem, was wir Gott nennen. Dies entspricht dem, was Muntius schreibt (S. 228 des Buches): die Solaristik als Ersaztreligion des Weltraumzeitalters. Ähnlich wie Gott bei der Erschaffung der Welt (so wie sie die Bibel schildert), kann der Ozean in nahezu unglaublicher Weise völlig unerklärlich “Dinge” schaffen und auch wieder vernichten, Werke unfassbarer Dimensionen und Komplexitäten. Er kann die Naturgesetze ausser Kraft setzen oder modifizieren, z.B. die Stabilität von Planetenumlaufbahnen um zwei Sonnen (vgl. aber [1], offensichtlich neuere Forschungsergebnisse), er erschafft eine Frau so wie Gott Eva erschaffen hat, nicht aus der Rippe des Mannes, sondern aus seinem Unbewussten. Es ist Harey, die suizidierte Freundin von Kelvin.

Kelvin bekämpft diese Person, die (die echte) Harey nicht sein kann, kann sie auch mit einem Raumschiff aus der Station befördern – aber am nächsten Morgen, als er erwacht, ist sie wieder da, ohne Erinnerung. Im Gegensatz zu den anderen zwei Wissenschaftlern auf der Station hört er auf, sich gegen diese Erscheinung zu wehren, er akzeptiert sie und zwischen beiden entsteht eine Zuneigung, Liebe. Trotzdem bleiben sich beide auf seltsame Art und Weise fremd, und auch Harey verzweifelt mit ihrem stetigen Erkenntniszuwachs an ihrer Existenz.

Umfangreich sind die Ausführungen Lems zur Solaristik, die in vielen Phasen, Epochen, Schulen das Wesen der Solaris zu ergründen sucht(e), in vielen Aspekten der mittelalterlichen Scholastik, mit der das Wesen Gottes zu erfassen versucht wurde, ähnlich. Und so “unwissend”, wie es seinerzeit die Gelehrten waren, sind es hier die Wissenschaftler, die ratlos vor dem Ozean stehen, der ihre Fragen nicht beantwortet, auf sie nicht (erkennbar) reagiert, sie geradezu negiert.

Und doch ist er, auch hier wieder Gott ähnlich, allgegenwärtig, er durchdringt (womit??) das abgeschirmte Schiff, liest das Un(ter)bewusste der Menschen und formt daraus seine Werke.

Dieser Teil des Buches mit den Ausführungen zur Geschichte der Solaristik ist eine trefflich gelungene Satire auf die Wissenschaft, ihren Weg zum Erkenntnisgewinn. Und schlägt man jetzt den Bogen in die Neuzeit, so staunt man, wie vorausschauend Lem seine Kritik geschrieben hat, das Buch, 1968 erschienen, nimmt im Grunde (aus diesem Blickwinkel her gesehen) viele Aspekte der modernen Kosmologie vorweg. Setzt man den gesamten Kosmos für den solarischen Ozean, sieht man diegleiche mit religiösen Zügen versehene aktuelle Diskussion, in denen Strings eine Rolle spielen oder auch Branes, es soll Multiversen geben, für jede der überhaupt denkbaren Möglichkeiten ein eigenes Universum, in der sie realisiert ist (man kommt dann glaube ich auf insgesamt 10 hoch 500 existierenden Universen), es soll (aufgerollte) Dimensionen geben, Blasen und was weiß ich noch alles. All dies natürlich nicht oder kaum beweisbar, mithin ist wie bei einem religiösen System der Glaube an die Richtigkeit des Theoriengebäudes gefordert. Und wie bei religiösen Systemen üblich, bekämpfen sich die Anhänger der einzelnen Richtungen erbittert…..

Zur Ausgangsfrage zurück, der Analogie zwischen “Solaris” und “Im Rausch der Stille”: ich denke, diese Analogie des Ozeans, aus dem Wesen zu den Menschen kommen, ist nur oberflächlich. Lems Ozean ist unergründlich und (wenngleich auch auf völlig unverstehbare Weise) aktiv gestaltend, Sanchez Pinols Ozean ist nur Herberge und Lebensort der fremden Wesen, spielt keine aktive Rolle. Bei Sanchez Pinol ist die Interaktion Froschmensch-Mensch das Wesentliche, bei Lem ist es das Ausgeliefert sein einer fremden Macht, die Unmöglichkeit, mir ihr Kontakt aufzunehmen und damit die Erkenntnis der eigenen Unbedeutung.

Facit: Sehr nachdenklich, empfehlenswert, aber nicht, wenn man “Action” sucht.

Links: zum Autor:

Wiki, hier auch weitere Links
http://www.stanislaw-lem.de/index.shtml

————————–
[1] heute weiß man, daß solche Systeme unter bestimmten, engen Randbedingungen stabil sein können.

eine schöne (möglicherweise) Visualisierung des Planeten ist bei den Stummen Erzählern zu finden…

Stanisław Lem
Solaris
List Tb., 282 S.
ISBN-10: 3548606113
ISBN-13: 978-3548606118

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