menantes08k

Der “Menantes Preis für erotische Dichtung” (verliehen vom Menantes-Förderkreis der evangelischen Kirchengemeinde Wandersleben) wurde 2008 zum zweiten Mal ausgeschrieben und vergeben. Nachdem das 2006er Büchlein mit ausgewählten Texten mir ja nur teils/teils gefallen hatte [1], sagt mir der vorliegende Band aus 2008 deutlich mehr zu.

Die Geschichten sind zum Teil frech(er), sinnlicher, zum Teil sogar recht deutlich. Sie verzichten (ebenso wie die Gedichte) auf die üblichen Szenarien, zeigen mehr Phantasie, aber auch Nachdenklichkeit. Jedenfalls eine lohnende Lektüre, mir hat sie Spaß gemacht, wie auch die sehr schönen Aktaufnahmen, die der diesjährige Preisträger, Hans van Ooyen [2], beigesteuert hat.

Als Beispiel habe ich ein kleines Gedicht als Podcast aufgenommen (Ingo Cesaro: Nachts)

Lesenswert ist auch das kleine Nachwort des Herausgebers, Jens-Fietje Dwars, der auf die Schwierigkeiten hinweist, “gute” erotische Literatur zu schreiben, die Königsdisziplin der Schriftstellerei:

“Viele der eingesandten Texte beschworen nur die Lust, die sie selbst nicht mit Worten zu wecken wussten. Es fehlte ihnen die Form, die das Eigene und Eigentliche im Liebesspiel fühlbar macht. Wieder andere waren so formvollendet, daß die Erotik, das Prickelnde beim Lesen, nicht mehr aufkommen wollte….”

So ist es wohl….

Links:

[1] siehe Besprechung im Blog
[2] zur Homepage, hier eine Beispielgalerie von Fotos

Menantes-Preis 2008
wehre dich nicht…..
quartus-Verlag; September 2008, 119 S.
ISBN-10: 3936455651
ISBN-13: 978-3936455656

Omega bis Tau

22. Dezember 2008

Ein alter Blogfreund von mir, Brunopolik [3], fertigt aus “Rohmaterial”, das ihm z.B. PolitikerInnen mit ihren Reden [2] liefern, seine von ihm sogenannte “Poetry” (vllt liest Brunopolik diesen Beitrag ja und erklärt selber noch mal, wie er seine Arbeit sieht…). Diese Poetry ist sicherlich gewöhnungsbedürftig, sperrig, verschließt sich einem harmonischen Lese/Vorlesefluss…, er wird es mir auch nicht allzu übel nehmen, wenn ich bekenne, daß ich auch so meine Schwierigkeiten damit habe… ;-)

ABER: sie verführt einfach zum Spielen, zum Experimentieren, zum “Dranrummachen-und-schauen-was-rauskommt”. Ein Beispiel dafür habe ich schon in einem älteren Beitrag [1] als podcast hier eingestellt.

Was ich hier gemacht habe, ist jetzt ganz was anderes. Wenn man sagt, ein Essen sei ein Gedicht, ein Wein sei einer, eine Frau vielleicht sogar.. warum sollte dann nicht auch ein Screenshot ein Gedicht sein…

Voilá, that´s it, ein willkürlicher Screenshot aus Brunos Blog….:

horst01

und so hört sich an, was ich daraus gemacht habe:

zum podcast: Omega bis Tau

No risk, no fun! *gg*

…. und da ich ja vor garnienix zurückschreck, hier dasgleiche noch mal als bildhinterlegtes Actionkino:

—————-

[1] Lyrik, Fussnote 5
[2] Brunopoliks PolitikerInnen-Worte
[3] MySpace-Profil von Brunopolik

erkoenigjena

Es ist nicht wirklich eines meiner Lieblingsgedichte, aber ich spiel gerne mit dem Gedicht herum, es läßt sich so toll sprechen (ich nenn es jetzt einfach mal so….). Mit anderen Worten, ich habe mich mal wieder an einem podcast versucht…. ;-).

In der Wiki ist (natürlich) etwas Hintergrund-Info zum Gedicht, das von Schubert vertont wurde.

Viel Spaß bei dem Unsinn!

auf das Bild (Erlkönig-Statue in Jena) klicken!<

Villon (spr willóng, auch de Montcorbier genannt), Francois, franz. Dichter, geb. 1431 zu Paris, studiert daselbst, ergab sich aber früh einem ausschweifendem Leben, wurde infolge eines 1455 in der Notwehr verübten Mordes aus Paris verbannt, 1457 wegen Diebstahls zum Galgen verurteilt, wovon ihn seine Ballade “Les pendus” errettete, und befand sich 1461, wahrscheinlich wegen gleichen Frevels im beischöflichen Gefängnis zu Meun sur Loire, aus dem ihm die Amnestie bei der Thronbesteigung Ludwig XI befreite. Seine weiteren Schicksale sind unbekannt, doch muss sein Tod vor 1489 fallen, wo die erste Ausgabe seiner Gedichte erschien.

V. ist der originellste und witzigste Dichter des 15. Jahrh., der Urtypus des “esprit galois”. Nichts fremdes, nichts gemachtes findet sich bei ihm, von der zartesten Anmut und freimütig bis zur Schamlosigkeit, ernst, ja melancholisch und wiederum heiter und ausgelassen, mit vollem Bewusstsein von der Nichtigkeit des Daseins und dabei dem wildesten Genuss ergeben…

soweit: Meyers Konversationslexikon von 1890, Band 16, Seite 213

Ich stümpere hier an der Ballade von der fetten Margot herum, wollte eigentlich nur probieren, wie es geht, einen Text mit Musik zu hinterlegen. Nu ja, nun ist es mir irgendwie doch zu schade, einfach wieder zu löschen… ;) voila: zum Podcast!

Der Text entspricht im übrigen der Übertragung von Zech in der Nachbearbeitung von Kinski… :

Musik: http://www.magnatune.com Quant La Doulce Jouvencelle

….Anfang Nov. 1462 sitzt er [i.e. Villon] wegen eines offenbar kleineren Diebstahls im Pariser Stadtgefängnis. Er soll schon entlassen werden, als die Geschädigten des Einbruchdiebstahls von seiner Anwesenheit in Paris erfahren. Er muss seine Beteiligung zugeben und kommt erst frei gegen die als Aktennotiz erhaltene Verpflichtung, innerhalb von drei Jahren seine 120 Taler Anteil an der Beute zurückzuerstatten. Offenbar hatte Guillaume für ihn gebürgt, denn sichtlich lebt Villon hiernach bei ihm im Stift von Saint-Benoît.Dies allerdings nur kurze Zeit. Laut einen erhaltenen Dokument ist er eines Abends im November oder Dezember mit drei Kumpanen auf dem Heimweg von einem gemeinsamen Essen, als einer der drei die noch arbeitenden Angestellten eines Notars provoziert. Bei dem nachfolgenden Handgemenge kriegt der Notar einen Messerstich ab. Villon hatte sich zwar zu Beginn der Tätlichkeiten aus dem Staub gemacht, wird aber am nächsten Tag verhaftet. Die Richter des Pariser Stadtgerichts, die vermutlich – und sei es per Hörensagen – vom Testament und dessen ehrenrührigen Anwürfen wussten, nutzen offenbar die Gelegenheit, Villon foltern zu lassen und zum Tod am Galgen zu verurteilen. Zweifellos in der Todeszelle dichtet er zwei seiner besten, sichtlich seine Angst verarbeitenden und verdrängenden Texte: die Ballade des pendus (B. der Gehenkten), wo er fatalistisch in der Rolle des schon am Galgen Baumelnden die Passanten um Mitgefühl bittet, und das Quatrain (Vierzeiler), wo er voll schwarzem Humor an den Augenblick denkt, in dem “durch ein kurzes Stück Strick sein Hals erfahren wird, was sein Hintern wiegt”.

Allerdings hatte er zugleich Berufung eingelegt beim obersten Gerichtshof, dem Parlement. Dieses kassiert in der Tat am 5. Jan. 1463 das unangemessen harte Todesurteil, wandelt es aber “angesichts des schlimmen Lebenswandels besagten Villons” um in zehn Jahre Verbannung aus Stadt und Grafschaft Paris…. [1]

Muss schon ein schlimmer Finger gewesen sein, dieser Villon. Mir hat in dieser Ballade die Kraft imponiert, die Widerborstigkeit, die Ironie, die Stärke Villons, der angesichts seines Todes nicht zusammenbricht, sondern sich spottend über seine Richter hermacht…. Na ja, hört selbst….. :

Zum Podcast

ach ja, der Gang der Ballade ist wie bei Margot: Villon, Zech, Kinski und ich hab sie auf dem Gewissen… :>>

Links:

[1]
http://www.pinkernell.de/villon/villond.htm

[2] Musik von Magnatun: Musica para discanter sobre un punto-Dufay Collective

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