Litera-Tour: Wild nach deinem Erdbeermund
März 4, 2009

Hervorgegangen aus einem von der Münchner Buchhandlung für erotische Literatur „Litera-Tour und Blütenlust“ [3] veranstalteten Schreibwettbewerb [1, 2] wird hier in diesem weißen Büchlein mit seinen über 300 Seiten ein breitgefächerter Reigen erotischer Geschichten, Szenarien und Gedichte ausgebreitet. Es sind „zarte“ Geschichten dabei, die nur andeuten, aber auch solche, die die Dinge bei dem Namen nennen, den sie nun in manchen Situationen nun einfach haben. Die Beiträge sind durchweg kurz, in der überwiegenden Zahl von Frauen geschrieben und sehr unterhaltsam, gut geeignet auch zum Vorlesen….
Natürlich, wie schon bei den Geschichten zu den Menantes-Preisen, merkt man ihnen an, daß keine „professionellen“ SchreiberInnen am Werk waren: ohne es im Einzelnen benennen zu können, die Erzählungen sind häufig nicht so „glatt“, manchmal wechselt das Tempo oder irdendetwas bremst den Fluss der Geschichte, leitet ihn um. Aber genau das macht natürlich auch den Reiz aus, ist das Authentische der Beiträge: private Phantasien, Vorstellungen, Bilder, die sonst den Bereich der eigenen Imagination vielleicht nie verlassen hätten, werden hier ausgebreitet und können beim Lesen miterlebt werden, es sind eben keine um des Verkaufserfolges wegen konstruierten Sexgeschichten, die am Ende sogar noch eine Botschaft verbreiten wollen….
Facit: Genau das richtige Büchlein für diejenigen, die sich gerne zwischendurch mal etwas pikanteres zu Gemüte führen wollen…..
Links:
[1] Artikel im Münchner Merkur
[2] Artikel in der Süddeutschen
[3] zur Homepage
Litera-Tour
Wild nach deinem Erdbeermund
München 2006
ISBN: 3000185534
Menantes-Preis 2008: wehre dich nicht…..
Januar 3, 2009

Der „Menantes Preis für erotische Dichtung“ (verliehen vom Menantes-Förderkreis der evangelischen Kirchengemeinde Wandersleben) wurde 2008 zum zweiten Mal ausgeschrieben und vergeben. Nachdem das 2006er Büchlein mit ausgewählten Texten mir ja nur teils/teils gefallen hatte [1], sagt mir der vorliegende Band aus 2008 deutlich mehr zu.
Die Geschichten sind zum Teil frech(er), sinnlicher, zum Teil sogar recht deutlich. Sie verzichten (ebenso wie die Gedichte) auf die üblichen Szenarien, zeigen mehr Phantasie, aber auch Nachdenklichkeit. Jedenfalls eine lohnende Lektüre, mir hat sie Spaß gemacht, wie auch die sehr schönen Aktaufnahmen, die der diesjährige Preisträger, Hans van Ooyen [2], beigesteuert hat.
Als Beispiel habe ich ein kleines Gedicht als Podcast aufgenommen (Ingo Cesaro: Nachts)
Lesenswert ist auch das kleine Nachwort des Herausgebers, Jens-Fietje Dwars, der auf die Schwierigkeiten hinweist, „gute“ erotische Literatur zu schreiben, die Königsdisziplin der Schriftstellerei:
„Viele der eingesandten Texte beschworen nur die Lust, die sie selbst nicht mit Worten zu wecken wussten. Es fehlte ihnen die Form, die das Eigene und Eigentliche im Liebesspiel fühlbar macht. Wieder andere waren so formvollendet, daß die Erotik, das Prickelnde beim Lesen, nicht mehr aufkommen wollte….“
So ist es wohl….
Links:
[1] siehe Besprechung im Blog
[2] zur Homepage, hier eine Beispielgalerie von Fotos
Menantes-Preis 2008
wehre dich nicht…..
quartus-Verlag; September 2008, 119 S.
ISBN-10: 3936455651
ISBN-13: 978-3936455656
Omega bis Tau
Dezember 22, 2008
Ein alter Blogfreund von mir, Brunopolik [3], fertigt aus „Rohmaterial“, das ihm z.B. PolitikerInnen mit ihren Reden [2] liefern, seine von ihm sogenannte „Poetry“ (vllt liest Brunopolik diesen Beitrag ja und erklärt selber noch mal, wie er seine Arbeit sieht…). Diese Poetry ist sicherlich gewöhnungsbedürftig, sperrig, verschließt sich einem harmonischen Lese/Vorlesefluss…, er wird es mir auch nicht allzu übel nehmen, wenn ich bekenne, daß ich auch so meine Schwierigkeiten damit habe…
ABER: sie verführt einfach zum Spielen, zum Experimentieren, zum „Dranrummachen-und-schauen-was-rauskommt“. Ein Beispiel dafür habe ich schon in einem älteren Beitrag [1] als podcast hier eingestellt.
Was ich hier gemacht habe, ist jetzt ganz was anderes. Wenn man sagt, ein Essen sei ein Gedicht, ein Wein sei einer, eine Frau vielleicht sogar.. warum sollte dann nicht auch ein Screenshot ein Gedicht sein…
Voilá, that´s it, ein willkürlicher Screenshot aus Brunos Blog….:
und so hört sich an, was ich daraus gemacht habe:
zum podcast: Omega bis Tau
No risk, no fun! *gg*
…. und da ich ja vor garnienix zurückschreck, hier dasgleiche noch mal als bildhinterlegtes Actionkino:
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[1] Lyrik, Fussnote 5
[2] Brunopoliks PolitikerInnen-Worte
[3] MySpace-Profil von Brunopolik
J.W. von Goethe: Der Erlkönig
Dezember 21, 2008
Es ist nicht wirklich eines meiner Lieblingsgedichte, aber ich spiel gerne mit dem Gedicht herum, es läßt sich so toll sprechen (ich nenn es jetzt einfach mal so….). Mit anderen Worten, ich habe mich mal wieder an einem podcast versucht….
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In der Wiki ist (natürlich) etwas Hintergrund-Info zum Gedicht, das von Schubert vertont wurde.
Viel Spaß bei dem Unsinn!
auf das Bild (Erlkönig-Statue in Jena) klicken!<
Francois Villon: Die fette Margot
Dezember 16, 2008
Villon (spr willóng, auch de Montcorbier genannt), Francois, franz. Dichter, geb. 1431 zu Paris, studiert daselbst, ergab sich aber früh einem ausschweifendem Leben, wurde infolge eines 1455 in der Notwehr verübten Mordes aus Paris verbannt, 1457 wegen Diebstahls zum Galgen verurteilt, wovon ihn seine Ballade „Les pendus“ errettete, und befand sich 1461, wahrscheinlich wegen gleichen Frevels im beischöflichen Gefängnis zu Meun sur Loire, aus dem ihm die Amnestie bei der Thronbesteigung Ludwig XI befreite. Seine weiteren Schicksale sind unbekannt, doch muss sein Tod vor 1489 fallen, wo die erste Ausgabe seiner Gedichte erschien.
V. ist der originellste und witzigste Dichter des 15. Jahrh., der Urtypus des „esprit galois“. Nichts fremdes, nichts gemachtes findet sich bei ihm, von der zartesten Anmut und freimütig bis zur Schamlosigkeit, ernst, ja melancholisch und wiederum heiter und ausgelassen, mit vollem Bewusstsein von der Nichtigkeit des Daseins und dabei dem wildesten Genuss ergeben…
soweit: Meyers Konversationslexikon von 1890, Band 16, Seite 213
Ich stümpere hier an der Ballade von der fetten Margot herum, wollte eigentlich nur probieren, wie es geht, einen Text mit Musik zu hinterlegen. Nu ja, nun ist es mir irgendwie doch zu schade, einfach wieder zu löschen…
voila: zum Podcast!
Der Text entspricht im übrigen der Übertragung von Zech in der Nachbearbeitung von Kinski… :

Musik: www.magnatune.com Quant La Doulce Jouvencelle
Francois Villon: Ballade des pendus
Dezember 16, 2008
….Anfang Nov. 1462 sitzt er [i.e. Villon] wegen eines offenbar kleineren Diebstahls im Pariser Stadtgefängnis. Er soll schon entlassen werden, als die Geschädigten des Einbruchdiebstahls von seiner Anwesenheit in Paris erfahren. Er muss seine Beteiligung zugeben und kommt erst frei gegen die als Aktennotiz erhaltene Verpflichtung, innerhalb von drei Jahren seine 120 Taler Anteil an der Beute zurückzuerstatten. Offenbar hatte Guillaume für ihn gebürgt, denn sichtlich lebt Villon hiernach bei ihm im Stift von Saint-Benoît.Dies allerdings nur kurze Zeit. Laut einen erhaltenen Dokument ist er eines Abends im November oder Dezember mit drei Kumpanen auf dem Heimweg von einem gemeinsamen Essen, als einer der drei die noch arbeitenden Angestellten eines Notars provoziert. Bei dem nachfolgenden Handgemenge kriegt der Notar einen Messerstich ab. Villon hatte sich zwar zu Beginn der Tätlichkeiten aus dem Staub gemacht, wird aber am nächsten Tag verhaftet. Die Richter des Pariser Stadtgerichts, die vermutlich – und sei es per Hörensagen – vom Testament und dessen ehrenrührigen Anwürfen wussten, nutzen offenbar die Gelegenheit, Villon foltern zu lassen und zum Tod am Galgen zu verurteilen. Zweifellos in der Todeszelle dichtet er zwei seiner besten, sichtlich seine Angst verarbeitenden und verdrängenden Texte: die Ballade des pendus (B. der Gehenkten), wo er fatalistisch in der Rolle des schon am Galgen Baumelnden die Passanten um Mitgefühl bittet, und das Quatrain (Vierzeiler), wo er voll schwarzem Humor an den Augenblick denkt, in dem „durch ein kurzes Stück Strick sein Hals erfahren wird, was sein Hintern wiegt“.
Allerdings hatte er zugleich Berufung eingelegt beim obersten Gerichtshof, dem Parlement. Dieses kassiert in der Tat am 5. Jan. 1463 das unangemessen harte Todesurteil, wandelt es aber „angesichts des schlimmen Lebenswandels besagten Villons“ um in zehn Jahre Verbannung aus Stadt und Grafschaft Paris…. [1]
Muss schon ein schlimmer Finger gewesen sein, dieser Villon. Mir hat in dieser Ballade die Kraft imponiert, die Widerborstigkeit, die Ironie, die Stärke Villons, der angesichts seines Todes nicht zusammenbricht, sondern sich spottend über seine Richter hermacht…. Na ja, hört selbst….. :
Zum Podcast
ach ja, der Gang der Ballade ist wie bei Margot: Villon, Zech, Kinski und ich hab sie auf dem Gewissen… :>>

Links:
[1] http://www.pinkernell.de/villon/villond.htm
[2] Musik von Magnatun: Musica para discanter sobre un punto-Dufay Collective
Christian Morgenstern: Galgenlieder
Dezember 6, 2008

Nachdem ich die Tage ja ein paar kleine Gedanken über „Lyrik“ hier zu blog gebracht habe, habe ich mal meine alten Dateien durchforstet und noch ein paar mp3s aus früheren Zeiten gefunden. Hier sind zwei Versuche, Gedichte aus Morgensterns „Galgenlieder“ per podcast zu interpretieren (jeweils über den Gedichtnamen verlinkt. wobei ich leider mit der Verlinkung nicht klarkomme. Wenn man aber auf den Namen klickt, geht zumindest der windows-media-player auf (kann ein paar Sekunden dauern…. Wenn nicht, bitte posten und bescheid sagen…. merci!)
Zum einen handelt es sich um das Gedicht: „Fisches Nachtgesang„und um das Gedicht „Der Werwolf„.
Hier noch eine kleine Würdigung von Kempowski zu den „Galgenliedern„
(Die Bilder sind aus der Wiki)
Lyrik
Dezember 3, 2008
Der Berliner Autor R. Frieling [4], von dem ich hier ja auch schon ein Büchlein vorgestellt habe [1] hat dem Schweizer Radio kürzlich ein Interview[2] gegeben, in dem es um Gedichte geht. Gedichte, Lyrik, sind, so führt er eingangs aus, in Deutschland eine zu vernachlässigende Minderheit in der Literatur, und in der Tat kann man es wahrscheinlich an sich selbst beobachten: Gedichte rufen eher die „Nein, danke!“ – Abwehrreaktion hervor als daß man sie mit Interesse zur Kenntnis nimmt oder liest. Wie schnell kauft man sich einen Roman oder eine Erzählung, wie selten dagegen einen Lyrikband. [6]
Mein eigener Zugang zu Gedichten ist auch beschränkt, um die Wahrheit zu sagen, sogar sehr beschränkt. Vor geraumer Zeit hatte ich einige Versuche gemacht zu „podcast“en und da bieten sich Gedichte einfach an. Überhaupt auf die Idee gekommen bin ich auf recht seltsamen Weg: im Urlaub in den Bergen begegnete ich auf einem Gipfel einem Raben (oder einer Rabenkrähe, so genau kann ich das nicht unterscheiden, es tut auch nichts zur Sache) und mir fiel ein, daß es von Poe ja das berühmte Gedicht „Der Rabe“ gibt. Da ich in den Tiefen der Regale eine Mini-“Gesammelte Werke“-Ausgabe von Poe habe, habe ich mir das Gedicht folgerichtig herausgesucht und war masslos enttäuscht, meine Güte, wie langweilig.
Aber dann fing ich an, laut zu lesen (ich kann mir das erlauben, der nächste Nachbar ist einiges entfernt…) und schon begann das Gedicht zu leben, die Strophen, Zeilen und Verse bekamen Sinn, sie fingen an, ihre Geschichte, die beim stillen Lesen verborgen blieb, zu erzählen, fühlen zu machen. Ich habe mich seinerzeit regelrecht in eine kleine Begeisterung deklamiert, mir Mikro und Kopfhörer besorgt und Gedichtbände durchforstet, um podcastgeeignete Gedichte zu finden. Mein Liebling war immer der „Erlkönig“, aber auch „Die Bürgschaft“ und andere, meist klassische Gedichte habe ich verhackstückelt. Na, egal, Jugendsünden halt…. obwohl, ich habe mich auch an modernere, gewöhnungsbedürftigere Poetik getraut [5]. Ob die Ergebnisse was taugen, mögen andere beurteilen, es war auf jeden Fall ein Heidenspaß…
Jedenfalls ist das, so denke ich, der Schlüssel zu Gedichten: man muss sie hören oder laut lesen. Ein still gelesenes, nur gelesenes Gedicht ist wie ein Geschenk, das man nicht auspackt, von dem man nur die Umrisse sieht, mal schüttelt und dann etwas ratlos fragt: „Ein Buch?“. Nein, im Ernst, man kann beim laut lesen mit der eigenen Stimme spielen, verschiedene Personen unterschiedlich sprechen, jedesmal neu interpretieren durch Betonung und Tempo… es macht Spaß, ganz einfach Spaß.
Leider hat das mit den Gedichten dann irgendwann aufgehört, ab und an les ich noch mal welche, aber auch nicht viele. Was ich jedoch mache (und gestern abend wieder gemacht habe) ist das Anhören von Gedichten auf youtube. Eine der Seiten dort ist mir mit ihrem Sprecher [3] besonders lieb, hier mit einem Gedicht von Hesse: „Im Nebel“:
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na, auch wieder mal Lust auf ein Gedicht?
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[1] Angriff der Killerkekse
[2] http://literaturzeitschrift.blog.de/2008/11/25/lustige-gedichte-interview-drs-5103701
[3] wortlover
[4] zur Homepage
[5] Hier als Beispiel die verpodcastung zweier Gedichte von Horst A. Bruno
[6] siehe zur Bedeutung von Lyrik in Deutschland auch diesen wiki-Artikel
Menantes-Preis 2006: Ich siebenhändiger Mann
November 12, 2008

Menantes, als Christian Friedrich Hunold [1, 2] 1680 in Wandersleben geboren, war mir weder unter diesem noch unter seinen Künstlernamen bis dato bekannt. Ich weiß auch garnicht, wie ich auf dieses Büchlein gestoßen bin, irgendwo gab es wahrscheinlich im I-net einen Hinweis. Jedenfalls wurde 2006 zum ersten Mal der „Menantes Preis für erotische Dichtung“ vergeben und zwar unter kräftiger Mitwirkung des örtlichen Pfarrers B. Kramer in Wandersleben. Vielleicht war es diese Tatsache, die mir das ganze sympathisch machte…
Jedenfalls sind 25 von einer Jury aus ca. 700 eingereichten Werken ausgesuchten Beiträge in diesem kleinen Bändchen versammelt, zusammen mit stimmungsvollen s/w-Aktfotos von Sebastian Reuter.
Es sind zarte Geschichten darunter, voll von Andeutungen und Geheimnissen, die der Fantasie Raum lassen anstatt sie mit allzudeutlichem zu verschrecken. Einige der Gedichte haben mir gut, andere weniger gut gefallen. Wie man es mit Reimen á la „Musenbiss“ auf „Busenmiss“ halten will, muss halt jeder selbst entscheiden……
Gewonnen hat den Preis übrigens Ralph Grüneberger [3]
Facit: wie bei so vielen unterschiedlichen Beiträgen nicht anders zu erwarten, gefällt nicht alles, aber manches ist schon schön. Ein kleines Büchlein für die Minuten zwischendurch.
[1] Oh wundervolle Triebe, DIE ZEIT 16/2006
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Friedrich_Hunold
[3] http://www.poetenladen.de/news/092.html
Ich siebenhändiger Mann
25 Erotische Gedichte und Geschichten
quartus-Verlag, 2006;
104 S.
ISBN-10: 393645549X
ISBN-13: 978-3936455496
Der Kuss
November 1, 2008
Eine Spielerei unter Verwendung eines Bildes nicht nachvollziehbarer Herkunft und Zeilen eines Gedichtes von E. Kunkel/J. Lautenschläger (in: Mein heimliches Auge XXIII, Konkursbuchverlag 2008)





