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T.C. Boyle: Talk Talk

Veröffentlicht in Bücher, Krimi, Roman by flattersatz am Juli 9th, 2008

Bislang kannte ich von Boyle ja nur zwei Bände mit Kurzgeschichten, die mir zum Teil sehr gut, zum Teil auch etwas weniger sehr gut gefallen hatten. Immer jedoch waren die Stories ausgefallen, skurril und fielen aus dem Rahmen des Üblichen (was mir immer gefällt), so daß ich auf diesen Roman von ihm doch gespannt war.

Die Handlung ist recht einfach: Dana Halter, eine gehörlose junge Frau, wird nach dem Überfahren eines Stopschildes von der Polizei angehalten und nach der Personenkontrolle ins Gefängnis gebracht. Dort kommt heraus, daß unter ihrem Namen eine Vielzahl von Vergehen und Verbrechen begangen worden sind. Der polizeiliche Irrtum klärt sich auf, aber die in ihrem Stolz und Selbstbewusstsein tief gekränkte Dana begibt sich zusammen mit ihrem Freund Bridger, einem Spieleentwickler, auf die Suche nach dem “Dieb” ihrer Identität. Nach den ersten zwei Teilen läuft der Rest des Buches auf das Zusammentreffen der Gegner hinaus. Mehr will ich vom Inhalt jetzt aber nicht verraten.

Gottseidank widersteht Boyle der Versuchung, die Aufklärung der Personenverwechselung im Gefängnis länger hinauszuschieben. So sitzt Dana von Freitag bis Montag ein, unter Alkoholikerinnen und Prostituierten, die sie nicht versteht und gegen die sie sich nicht wehren kann. Diese wenigen Tage reichen aber völlig, um sie zutiefst zu demütigen, ihr ihre Würde zu nehmen und sie hasserfüllt in die Welt zurück zu schicken.

Boyle läßt des öfteren den Zufall spielen, wenn er seine Geschichte fortsetzen will, einiges ist für mich schlicht und einfach etwas arg weit hergeholt: der notorische Identitätsräuber will ausgerechnet an den Ort zurück, an dem er vor seiner Karriere lebte (und wo er im Grunde sicher damit rechnen muss, früher oder später erkannt zu werden). Auch das Dana und Bridger nie ernsthaft erwägen, die Polizei einzuschalten, obwohl sie wissen, wie gefährlich ihr Feind ist, ist meiner Meinung nach nicht besonders glaubhaft. Stattdessen verfolgen sie ihn über mehrere Wochen durch die gesamte USA.

Von den dargestellten Personen zeichnet Boyle den “Dieb” William Peck am plastischsten, seine beiden Verfolger sind deutlich weniger strukturiert. Warum Boyle mit Dana eine Gehörlose schildert, ist mir nicht klar, zum Gang der Handlung trägt die Taubheit Danas nichts bei und die Darstellung der Schwierigkeiten Gehörloser in der Öffentlichkeit beschränken sich im Grunde auf die Schilderung der zurückschreckenden Reaktion der Mitmenschen: “Huch, was ist denn mit der los, die ist ja komisch”. Vielleicht war es sogar eher sein Anliegen, zu zeigen, daß Dana selbst ihr Leben als Gehörlose annimmt und diese Taubheit nicht als Behinderung oder Verlust sieht.

So plätschert der Roman dahin, unterbrochen von einzelnen Episoden, an denen sich die beiden Parteien mal (räumlich) nahe kommen, bis dann gegen Schluss der lang erwartete Show-Down stattfindet, der nur Verlierer zurückläßt. Am stärksten, um das auch zu sagen, fand ich persönlich den ersten Teil, der die Verhaftung Danas und ihre Zeit im Gefängnis schildert. Aber das ist ja nun auch bezeichnenderweise eine Konstellation, die gut in einer seiner Kurzgeschichten gepasst hätte…

Facit: Diesem Buch Boyles fehlen die skurrilen Einfälle, die seine Kurzgeschichten so lesenwert machen. So ist es ein “normaler” Roman (Krimi), nicht besser oder schlechter als viele andere, die zwischen Buchdeckel gepresst sind. Ein schnell zu lesendes Sommerbuch…..

T.C. Boyle
Talk Talk
dtv 2008
ISBN-10: 3423210605
ISBN-13: 978-3423210607

Zur Information über das Rechtsproblem “Identitätsdiebstahl” in Deutschland ist hier ein interessanter Link:

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/091/1609160.pdf

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Henning Mankell: Der Chinese

Veröffentlicht in Bücher, Krimi, Roman by flattersatz am Juni 22nd, 2008

Anfang 2006 ereignet sich in der schwedischen Provinz ein furchtbarer Massenmord, die Bewohner eines kleinen Dorfes werden bis auf zwei Ausnahmen brutal und grausam massakriert. Die örtliche Polizei steht vor einem Rätsel und tut sich mit der Aufklärung schwer, das Verbrechen geht natürlich auch durch alles Medien. Dadurch erfährt auch Richterin Brigitta Roslin davon und erinnert sich daran, daß ihre Mutter als Pflegekind bei einer Familie aus diesem Ort gelebt hat. So fährt sie zum einen nach Hesjövallen, um sich vor Ort zu informieren und gleichzeitig vertieft sie sich in ihre Familiengeschichte.

Da sie mit ihrem persönlichen Wissen (etwas klischeehaft) mehr “sieht” als die ermittelnde Polizei, gerät sie, ohne es zu wissen, auf die richtige Spur des Verbrechens, während die Ermittler selbst einen Tatverdächtigen präsentieren, der sich nach seinem Geständnis aber erhängt.

Soweit der kriminale Beginn dieses Romans, der dann im Grunde genommen erst in der Buchmitte und gegen Ende des Werkes weitergeführt wird. Im Buch selbst wird ein geographischer und zeitlicher Sprung vollzogen in das China des 19. Jahrhunderts, in dem das Schicksal dreier Brüder auf der Flucht beschrieben wird. Diese verschlägt es nach einer Entführung unter grausamen Umständen nach Amerika, wo sie sklavenähnlich beim Bau der Eisenbahnlinie eingesetzt werden. Und hier knüpft Mankell dann den Zusammenhang mit den aktuellen Massenmord, denn Richterin Roslin entdeckte irgendwo in den alten Unterlagen eine Art Tagebuch des Vorarbeiters des Bautrupps, in dem die Chinesen tätig waren.

Die Geschichte des letzten der Brüder wird ausführlich erzählt, er arbeitet in Amerika, bis er alle Schulden abgegolten hat und fährt dann in einer langen Reise wieder zurück nach China. Unterwegs trifft er Missionare, in deren Mission er lange arbeitet, bis er völlig von ihnen enttäuscht wird und sich gegen sie stellt.

Das Tagebuch dieses alten Chinesen ist erhalten geblieben und nun in den Händen eines der reichsten und mächtigsten Männer des neuen Chinas der Jetztzeit, der es zu seinem Vermächtnis gemacht hat. Wie der erzählerische Zufall Mankells es will, hat Richterin Roslin die Gelegenheit, mit einer Bekannten für ein paar Tage nach China zu fliegen, wo sie auch dann auch prompt weiter ihren persönlichen Spuren nachgeht und recht schnell und ohne daß sie es weiß, den für das Verbrechen verantwortlichen aufschreckt.

In China, so erzählt Mankell, sind verschiedene Einflussgruppen hinter den Kulissen miteinander am Ringen, welchen Weg China in Zukunft einschlagen soll, ob nicht vieles von dem, was in China gemacht wird, Verrat an den Idealen der jüngeren Vergangenheit ist. Und so widmet sich der Autor in Ausführlichkeit dieser Fragestellung, welche Rolle China für sich selbst in der globalisierten Welt sieht. Durch ein konkretes Projekt, mit der einer der miteinander ringenden politischen Flügen die Unruhen unter der Landbevölkerung bekämpfen will, nämlich durch die Umsiedlung von Millionen Bauern nach Afrika, gelingt Mankell dann auch noch der nahtlose Übergang auf das Thema “Afrika”, wo China ja in der Tat in den letzten Jahren beständig an Einfluss gewinnt. Bei diesem Exkurs auf den Dunklen Kontinent scheint mir die Beschreibung der Verhältnisse an manchen Stellen recht verklärend, die Darstellung von Mugabe als quasi Opfer einer Verleumdungskampagne der alten Kolonisatoren erscheint mir doch etwas verharmlosend, auch wenn man natürlich im Hinterkopf behalten muss, daß man ohne die Möglichkeit, persönlich Fakten zu überprüfen, leicht auf manipulierte Berichte hereinfällt. Aber im Fall von Mugabe scheinen ja doch auch genügend abgesicherte Fakten bekannt zu sein.

“Der Chinese”, im Klappentext als “atemberaubender Thriller” angepriesen, liest sich über weite Teile gut, aber als Thriller taugt er wenig. Der Massenmord in Hesjövallen und die Rolle, die Richterin Roslin darin spielt, ist spannend beschrieben, bis hin zum abschließenden Show-Down in London. Die Erlebnisse des alten Chinesen auf seiner Flucht, in Amerika und dann später zurück in China ähneln mehr einer Reisebeschreibung, die Reminiszenzen von Richterin Roslin und ihrer Bekannten an beider maoistische Vergangenheit habe ich schlicht und einfach zum großen Teil überblättert. Welche Rolle das moderne China in der globaliserten Welt spielt, nach eigenem Verständnis spielen könnte, dies darzustellen, scheint mir fast ein Hauptanliegen von Mankell zu sein, wobei seine Sympathien wohl eher bei den Gruppierungen zu liegen scheint, die sich auf die Wurzeln besinnen und nicht um jeden Preis der Globalisierung nachlaufen wollen.

So ist mein persönlicher Eindruck von dem Buch nicht eindeutig. Bereut habe ich das Lesen nicht, immerhin ist die Rahmenhandlung, der Krimi also, so spannend geschrieben, daß ich das Buch doch nicht aus der Hand legen wollte. Und die anderen Passagen? Verwässern den Krimi, aber waren für Mankell wahrscheinlich wichtiger als der Rest.

Facit: Fällt mir ein wenig schwer, aber daß ich in dem Buch einiges nur quergelesen habe, ist natürlich auch schon eine Art persönliches Urteil… im übrigen ist dies tatsächlich mein erster Mankell gewesen, ich kann ihn daher nicht mit den “Wallander”-Romanen vergleichen….

Henning Mankell
Der Chinese
Zsolnay, Mai 2008
ISBN-10: 3552054367
ISBN-13: 978-3552054363

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Leena Lehtolainen: Im schwarzen See

Veröffentlicht in Bücher, Krimi by flattersatz am Mai 5th, 2008

Kauft man sich ein Buch, auf dessen Umschlagseite steht: “Maria Kallios siebter Fall” und auf dem hinteren Cover die Hamburger Morgenpost mit “Ein Super-Krimi” zitiert wird, so erwartet man eigentlich, daß man einen - Krimi erwirbt. Zumindest geht es mir so… Nachdem ich das Buch jetzt fertig gelesen habe, stellt sich mir die Frage: Ist dies wirklich ein Krimi oder habe ich einfach andere Vorstellungen von dem, was ein Krimi sein soll?

Die Kriminalhandlung des Buches, das in Finnland spielt (Maria Kallio ist Kommissarin in Espoo) ist schnell erzählt: in einem See wird eine Journalistin erschossen aufgefunden, die an einer auf den ersten und zweiten Blick unspektakulären Biographie eines international sehr erfolgreichen finnischen Rallyesportlers schreibt. Es sind zwar viele verdächtig, aber ein durchschlagendes Motiv ist nicht vorhanden, zumindest nicht, bis gegen Ende der Ermittlungen eine zweite Version des Buchmanuskriptes der Ermordeten gefunden wird. In dieser Hinsicht also ein typischer “Whodunnit”-Krimi.

In diesen Handlungsstrang eingewoben schildert die Autorin uns aber in ihrem Buch im wesentlichen Aspekte des Alltagslebens in Finnland: die ganz normalen Eheprobleme in einer Familie, in der die Frau arbeitet, der Mann Arbeit sucht, zwei Kinder zu betreuen sind und die Wohnung auch nicht ideal ist. Auf der Arbeitsstelle Animositäten und Freundschaften, Mobbing wegen sexueller Belästigung, mehr oder minder große Fehltritte… und das alles eingehüllt von der Dunkelheit des finnischen Winters. Dazwischen Verhöre, Ratlosigkeit und stochern im Nebel.

Eher durch Zufall findet die Kommissarin erst ganz gegen Ende des Buches das fehlende Puzzlesteinchen, mit dem dann auch der Mordfall gelöst werden kann und das Buch endet dann ziemlich abrupt. Leider läßt die Autorin den Leser über die durchaus anrührenden Schicksalen der Beteiligten im Unklaren.

Facit: Wer einen Krimi lesen will, um sich durch Spannung unterhalten zu lassen, ist sicher nicht unbedingt richtig aufgehoben bei Kallios´ siebten Fall, wer sich dagegen durch die Gezeiten finnischer Melancholie treiben lassen will, schon eher.

Leena Lehtolainen
Im schwarzen See
rororo tb, 2007
ISBN-10: 3499238160
ISBN-13: 978-3499238161

Qiu Xiaolong: Schwarz auf Rot

Veröffentlicht in Bücher, Krimi by flattersatz am April 22nd, 2008

Die Handlung dieses Kriminalromans ist schnell umrissen: In einem der traditionellen “Shikumen” (Miets)Häuser in Schanghai wird eine Dissidenten ermordet aufgefunden. Diese hatte einen Roman über einen verfemten Dichter veröffentlicht, der jedoch von der politischen Führung seinerzeit verboten wurde, womit der Fall bzw. dessen Lösung eine mögliche politische Komponente erhält. Mit der Klärung des Falles wird Hauptwachtmeister Yu beauftragt, da sein Vorgesetzter, Oberinspektor Chen, sich gerade im Urlaub befindet (den er jedoch als ehemaliger Dichter nur genommen hat, um als Übersetzer für einen neureichen Chinesen zu arbeiten).

Das Buch fließt wie ein ruhiger Fluss ohne wirkliche Höhepunkte dahin. Die Ermittlungsarbeiten kommen ohne westliche Zutaten wie Labors und Pathologen aus, bestehen im Grunde nur aus Verhören, Gesprächen und Gedankengängen. Es gibt keine Verfolgungsjagden, spektakuläres geschieht nicht. Ab und an wird über Telefon eine Gefälligkeit eingefordert in Form von Informationen, an die man sonst nicht gelangen kann. Als Kriminalfall ist das Buch kein besonders aufregendes.

Was es jedoch trotzdem lesenswert macht, sind die Schilderungen des Alltagslebens von Schanghai zusammen mit den Rückblenden auf die Geschichte der handelnden Figuren. Deren Leben wurde durch die verschiedenen politischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte, angefangen von der Kulturrevolution bis hin in die neueste Zeit, die dem Land einen verdeckten Kapitalismus brachte durcheinandergewirbelt. Diese Wechselfälle des Lebens haben die Menschen verunsichert, hinter allen Lebensplanungen steht mehr oder weniger offen die Frage: wie lange wird die gegenwärtige politische
Maxime halten, ändern sich die Verhältnisse wieder und wenn, wie?

Allen ist die Sicherheit des Alltagslebens verloren gegangen, die früheren Parteimitglieder und Genossen haben in der Gegenwart kaum noch ein Auskommen, sind verbittert, die Neureichen und Geschäftsmänner leben in Luxus und bestimmen die Regeln. Ein System von gegebenen, erhaltenen, einforderbaren Gefälligkeiten überzieht die Stadt wie ein Spinnennetz, doch ohne hier eingesponnen zu sein, ist das Leben hart geworden, geht es nun um die Zuteilung von Wohnraum oder die medinzinische Versorgung im Krankenhaus.

So schildert der Autor im Lauf des Romans die Lebensläufe vieler Figuren aus unterschiedlichen Milieus, angefangen vom Intellektuellen, der unter Mao aufgrund seiner Englischkenntnisse als Rechtsabweichler gebrandmarkt wurde bis hin zu den aufstrebenden modernen Parteikadern, die von der Geschäftswelt hofiert werden, um Geschäftsprojekte politisch abzudecken.

Neben dieser Darstellung der politischen Wechselfälle in China streut der Autor kleine Betrachtungen über die kulinarische Kultur in Schanghai ein. So lernt man etwas über die ideale Kochweise für Nudeln und kann nach der Lektüre des Buches auch mitreden, wenn die Diskussion sich unerwarteter Weise mal um “Sauna-Krebse” drehen sollte…. nun ja, andere Länder, andere Sitten.

Facit: als Kriminalroman durchschnittlich, ist das Büchlein mit seinen knapp 300 Seiten jedoch eine kurzweilige, lohnende Lektüre, um sich exemplarisch über chinesische Lebensläufe zu informieren.

Qiu Xiaolong
Schwarz auf Rot
dtv 2007
ISBN 978-3-423-20964-9

Gary Disher: Willkür

Veröffentlicht in Bücher, Krimi by flattersatz am April 3rd, 2008

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Wyatt, die Hauptperson der Story, ist ein mit allen Wassern gewaschener Berufsverbrecher, der Gewalt gerne vermeidet, sich aber nicht scheut, sie anzuwenden, wenn es notwendig wird. Im Lauf der Geschichte, in der nur Gangster auftreten, wird einem Wyatt fast schon sympathisch mit seiner Zielstrebigkeit, seinen Prinzipien und seiner Gradlinigkeit, die im krassen Gegensatz steht zu den meisten anderen auftretenden Figuren.

Er hat in Melbourne mit den “Mesics”, einer Autoschieberbande auf dem absteigenden Ast, noch eine Rechnung offen, aber sein Problem ist, daß er selbst vom “Syndikat” aus Sydney gejagt wird. Da Angriff die beste Verteidigung ist, beschließt er, mit Hilfe eines alten Freundes seinerseits das Syndikat um etwas Geld zu erleichtern. Nach ein paar Aktionen gegen das Syndikat kommt er mit ihnen ins Geschäft und sie planen einen Coup gegen die ungeliebten Mesics.

In diesem Buch gibt es keine langen Sätze, werden keine Reden geschwungen, alles beschränkt sich auf das Notwendige. Reflexionen, ausführliche Gedankengänge, Hintergründe spielen in diesem Krimi keine Rolle, hier ist alles knapp, klar formuliert und auf Aktionen, auf Handeln ausgelegt.

Es ist ein im positiven Sinne altmodischer Krimi: es gibt Leute, die Geld haben und andere, die an das Geld heranwollen. Dies alles gewürzt mit den dunklen Seiten der menschlichen Seele, mit Verrat, Heimtücke, Habgier, mit korrupten Bullen und schönen Frauen macht beim Lesen einfach Freude.

Endlich mal, möchte ich sagen, keine Kinderpornographie, keine Pädophilie, kein Menschen- oder Frauenhandel, kein durchgeknallter Psychopath, den es zu entlarven gilt, sondern eine klare, einfache Handlung, in der nichtsdestotrotz die kleinen Zufälle und Unwägbarkeiten eine große Rolle spielen.

Facit: ein Lesespaß, der sich lohnt. Mehr davon!

Nachtrag: bemerkenswert sind auch die Titelbilder der gesamten Pulpmaster-Serie, kleine Kunstwerke des Hamburgers “4000″, sehr sehenswert!

Gary Disher
Willkür
Maas, Berlin, 2004
ISBN-13: 978-3929010541

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Erich Schöndorff: Feine Würze Dioxin

Veröffentlicht in Bücher, Krimi by flattersatz am März 28th, 2008

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Der Autor, ein ehemaliger Staatsanwalt und jetzt Professor für Umweltrecht, mithin ein Fachmann auf den Gebieten, die der Roman anschneidet, erzählt hier eine haarsträubende Geschichte, die nichtsdestotrotz denkbar und möglich erscheint. Bei der Herkunft des Autors kann man davon ausgehen, daß die geschilderten Fakten und Daten stimmig sind, sie fügen sich hier zu einem erschreckendem Szenario zusammen.

Auf dem Sektionstisch der Frankfurter Gerichtsmedizin landen im Abstand weniger Wochen zwei Leichen vorgeblicher Selbstmörder, die beide die selben, seltsamen Abnormitäten aufweisen, wie zum Beispiel Haarlosigkeit und stark vergrößerte Hypophysen. Daß beide vormals beim selben Arbeitgeber, einen bekannten Chemieunternehmen, gearbeitet haben, kommt der Pathologin so verdächtig vor, daß sie die Staatsanwaltschaft informiert.

Zusammen mit einem Ermittler aus dem Umweltdezernat der Polizei werden erste Erkundigungen eingezogen. Schon bald kristallisiert sich heraus, daß die beiden Toten mit hohen Dosen Dioxin, und zwar nicht in der “natürlichen” Zusammensetzung, in Berührung gekommen sein müssen.

Der weitere Plot der Geschichte rankt sich dann um folgendes Gerüst: einem Pharmakonzern fallen gewisse Symptome von Dioxinvergiftungen auf, wie z.B. Antriebslosigkeit oder suchtartiger Heißhunger nach Fleisch. Sie versuchen jetzt, Dioxin derartig zu modifizieren, daß die lethale Wirkung auf ein “vertretbares” Maß abnimmt, um durch gezielte Gabe von Dioxin diese Symptome auszunutzen, um z.B. Hamburger zu präparieren und bei den Konsumenten ein Suchtverlangen auf gerade DIESE Hamburger hervorzurufen.

Der Roman schildert neben der Kriminalhandlung, i.e. der Aufklärung der Vorgänge, vor allem Interna aus dem Justizapparat, der dabei nicht gut abschneidet. Durch mehr oder minder offensichtliche Bestechung werden Ermittlungen niedergeschlagen oder bagatellisiert, die Aufklärung der Vorgänge wird erschwert, wo immer es geht.

Wie wirklichkeitsnah dies ist, kann ich nicht beurteilen, schlimm genug, daß man es als Leser für möglich hält, vielleicht sogar für sehr gut möglich. Jedenfalls ist das Buch flott geschrieben und auch wenn die Personen nicht sehr in die Tiefe gehend gezeichnet sind, liest sich der Krimi gut, er ist spannend und durchaus kurzweilig geschrieben.

Facit: Warum nicht mal einen Krimi lesen, der nicht in einem großen Verlag erschienen ist? Durchaus lohnenswert!

Erich Schöndorff
Feine Würze Dioxin
Bad Vilbeler Buchverlag; 2002
ISBN-10: 3000103570
ISBN-13: 978-3000103575

Jan Seghers: Die Braut im Schnee

Veröffentlicht in Bücher, Krimi by flattersatz am März 25th, 2008

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Zeitlich ist dieser Krimi ca. 3 Jahre nach dem ersten Roman von Seghers mit Hauptkommissar Robert Marthaler (Ein allzu schönes Mädchen) angesiedelt. Folgerichtig sind auch dieselben Figuren zu finden, die im Großen und Ganzen auch wieder ihre Rollen übernehmen, die Seghers ihnen schon im ersten Buch zugewiesen hat. So ist Marthaler immer noch der unbeherrschte, zu Wutausbrüchen neigende Einzelgänger, Herrman sein unfähiger Chef, Toller zwar bemüht, aber unsympathisch etc. pp. In den drei Jahren war Tereza, die Freundin von Marthalter, in Madrid, ihre Rückkehr nach Frankfurt steht gleich zu Beginn des Buches bevor.

Zur Handlung: Eine junge Zahnärztin wird grausam ermordet, ihr Leichnam in entwürdigender Weise zur Schau gestellt. Da über die Ermordete praktisch keine Angaben zu finden sind (sie hat keine Bekannten, persönliche Notizen sind nicht zu finden), sind die Ermittlungsansätze von Marthaler und seinem Team sehr breit und entsprechend frustrierend die Ergebnisse. Da geschieht in Darmstadt ein weiterer Mord an einer möglichen Zeuging, der den Fall noch rätselhafter macht.

Im Laufe der Ermittlungen zerstreitet sich Marthaler mit seinem Chef und wird vom Dienst suspendiert. Dies nutzt Seghers, um die private Seite von Marthaler auszubreiten.

Nach einigen Wochen geschieht ein dritter Mord, bei dem die Leiche in ähnlicher Weise zugerichtet und drapiert wird. Hier sind die Ermittler zwar anfangs ebenso ratlos, es finden sich aber Zeugen, die zumindest den Täter gesehen haben und es gelingt dem Team, festzustellen, wie Mörder und Opfer in Kontakt getreten sind.

Seghers hat sein Buch in zwei Teile gesplittet. Der erste, längere, befasst sich mit den ergebnislosen Ermittlungsversuchen in den ersten beiden Morden sowie mit dem Privatleben von Marthaler, der in seiner Beziehung zu Tereza eine Krise durchlebt. Außerdem werden Marthaler Eltern in diesen Erzählstrang eingebunden. Während dieser Teil auch aufgrund seiner Länge etwas zäh dahinplätschert, nimmt das Buch im zweiten Teil, der mit dem dritten Mord beginnt, an Fahrt zu und wird richtig spannend. Gegen Schluss des Buches löst Seghers seine vielen offenen Fragen über den Fall mit einer überraschenden Wendung, die nicht unbedingt realistisch erscheint, aber dies ist eben die Freiheit eines Schriftstellers, die sich Seghers hier nimmt.

Facit: Ein spannender, gut lesbarer Krimi, der im ersten Teil etwas zu langatmig geworden ist.

Jan Seghers
Die Braut im Schnee
Rowohlt 2007
ISBN-10: 3499247003
ISBN-13: 978-3499247002

Laura Joh Rowland: Die rote Chrysantheme

Veröffentlicht in Bücher, Krimi by flattersatz am März 18th, 2008

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Sano Ichiros elfter Fall, von mir zufällig und ohne Absicht aus dem Regal der Buchhändlerin meines Vertrauens gegriffen. Erfahrungsgemäß nimmt die Qualität einer solchen Reihe ja oft im Lauf der Zeit ab, solches kann ich hier nicht beurteilen, da dies zwar Sanos elfter Fall, aber mein erstes Buch über diesen “obersten Ermittler und Ratgeber des Shogun” ist.

Die Handlung spielt im Japan des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Das Land wird von einem (schwachen) Shogun regiert, die wahre Macht liegt aber in den Händen von Fürst Matsudeira. Die herrschenden Fürsten sind untereinander zerstritten, das Klima ist von Misstrauen geprägt, Hochverrat immer im Bereich des Möglichen, Intrigen gang und gäbe.

Kammerherr Sano Ichiro ist einer der höchsten Beamten im Staat mit enormen Befugnissen. Er lebt mit seiner schwangeren Frau Reiko und seinem Sohn Masahiro zusammen in Edo, der Hauptstadt. Dort untersucht sein Freund und Untergebener Hirata gerade den möglichen Verrat von Fürst Mori, auf dessen Fährte er durch eine anonyme Anzeige gebracht worden ist. Bei der Untersuchung des Grundstückes von Fürst Mori entdeckt er dessen gräßlich verstümmelte Leiche und mit dem Dolch, der offensichtlichen Tatwaffe, in der Hand, splitternackt daneben knieend Reiko, die Gattin von Kammerherr Sano.

Soweit die Ausgangslage. Das Buch ist insofern ein Krimi, indem es davon erzählt, wie Sano unter enormen Druck versucht, die Unschuld seiner Frau zu beweisen. Dabei werden im Verlauf der Ermittlungen durch die Vernehmung und Aussagen verschiedener Zeugen eine Vielzahl von möglichen Abläufen des Mordes präsentiert, die auch Sano persönlich in große Gefahr bringen. (Hier hat das Buch mich ein klein wenig an “Rashomun” von Kurosawa erinnert, in dem ja auch zu einem Vorgang gezeigt wird, daß die jeweilige Wahrheit subjektiv ist und es eine objektive Wahrheit nicht gibt. Natürlich ist die Ähnlichkeit rein formaler Natur, denn hier bei Rowland wird schlicht und einfach gelogen und intrigiert, wobei aber für den Leser erst einmal nicht erkennbar ist, wo die Wahrheit und wo die Lüge angesiedelt ist.)

In anderer Hinsicht ist das Buch eine (sicher vereinfachende) Darstellung des Lebens im Japan zur Zeit des Shogunats mit seinen strengen höfischen Regeln, den verschiedenen Lebensumständen der unterschiedlichen Klassen und gibt insofern Einblicke in eine vergangene, uns jedenfalls sehr fremde Welt, die von Befehl und unbedingtem Gehorsam, von Willkür und Verrat geprägt ist.

Anfänglich verstören die japanischen Namen, an die man sich erst gewöhnen muss, um sie in den richtigen Zusammenhang zu bringen, aber das gelingt schnell. Das Buch selbst liest sich gut und ist stellenweise durchaus spannend, auch wenn einem als CSI-gestählter moderner Mensch manches an den Ermittlungsmethoden etwas seltsam vorkommt, zum Beispiel die Verwunderung, daß ein Verdächtiger auf die Frage, ob er der Täter sei, mit “Nein” antwortet….

Der Schluss eines Buches scheint der schwierigste Teil zu sein. Zum Ende hat Rowland noch nicht alle Fragen, die im Lauf des Geschehens aufgeworfen wurden, beantwortet. Dies alles wird dann im letzten Kapitel in einem Schwung nachgeholt und gleichzeitig als “Cliffhanger” gestaltet, denn vermutlich steht Sanos 12. Fall kurz vor dem Erscheinen.

Facit: ein spannendes, gut zu lesendes Buch, das mich aber nicht in jeder Hinsicht überzeugt hat.

Laura Joh Rowland
Die rote Chrysantheme
Luebbe Verlagsgruppe; 1. Auflage 2008
ISBN 978-3404922819

Jan Seghers: Ein allzu schönes Mädchen

Veröffentlicht in Bücher, Krimi by flattersatz am März 11th, 2008

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Ein Kriminalroman aus Deutschland, genauer Frankfurt. Dort lebt und arbeitet Hauptkommissar Marthaler, der den gewaltsamen Tod seiner Frau auch noch Jahren noch nicht verwunden hat. Unzufrieden mit sich und seiner Umwelt, seinen Lebens- und Arbeitsbedingungen ist er eine kantige, doch nicht unsympathische Hauptfigur in diesem Krimi.

Die Geschichte ist schnell erzählt: im heißen Frankfurter Hochsommer werden kurz hintereinander zwei brutal ermordete Männer gefunden, ein dritter Mann, der offensichtlich auch zu dieser Gruppe gehörte, wird vermisst. Ein Zeuge sagen aus, daß eine außerordentlich schöne, junge Frau ebenfalls bei den drei Männern gesehen wurde. Spuren deuten auf ein Sexualdelikt hin, so daß diese junge Frau, die spurlos verschwunden scheint, in den Fokus der Ermittlungen gerät.

Dem Leser wird in einem dieser Handlung vorgeschalteten Abschnitt eine junge Frau vorgestellt, die orientierungslos in einem elsässischem Dorf auftaucht, nicht sprechen kann und eher den Eindruck eines wilden Tieres macht. Sie quartiert sich dort im abseits stehenden Haus einer Witwe ein, und lebt dort, bis zu derem unerwarteten Tod. Sie lernt wieder sprechen, doch gefühlsregungen bleiben ihr fremd. Nach dem Tod der Witwe verschwindet sie wieder spurlos.

Mit dieser Vorgeschichte ist die Frage nach der Täterschaft im Grunde schon beantwortet, der Reiz des Krimis liegt also in der Zeichnung der Figuren, in der Darstellung der Suche nach den verschiedenen Zeugen und Verdächtigen, in der Schilderung des Frankfurter Lokalkolorits und in den kleinen Nebengeschichten, die erzählt werden, wie den Freundschaften zwischen einzelnen Polizisten, der sich anbahnenden Liebschaft Marthalters oder auch den allgemeinen Darstellungen polizeilichen Alltags.

Gelesen hat das Buch sich gut, das muss man sagen. Es ist spannend geschrieben, man kann sich in die Personen eindenken, die Handlungsabläufe erscheinen stringent. Was mich ein wenig gestört hat, war die Unbeherrschtheit Marthalters, die Art, wie er ein ums andere mal die Kollegen mit Alleingängen düpierte, das erschien mir übertrieben. Auch das Ende hat mir letztlich nicht gefallen, die Auflösung des Falles gekünstelt und nicht logisch. So soll z.B. die durch ein obskures Geständnis entlastete Frau einem Psychiater vorgeführt werden, sie kann aber fliehen, weil die beiden Pfleger auf der Überführungsfahrt noch eine Besorgung iim Baumarkt erledigen wollen. Weniger wäre hier mehr gewesen.

Facit: Trotz dieses etwas enttäuschenden Endes insgesamt ein lohnenswerter, spannender Krim

Links: Infos zum Autor

http://www.krimi-couch.de/krimis/jan-seghers.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_Altenburg

Jan Seghers
Ein allzu schönes Mädchen
rororo Taschenbuch 2007 (12. Aufl.)
ISBN 978-3-499-23624-2

Rick de Marinis: Kaputt in El Paso

Veröffentlicht in Bücher, Krimi by flattersatz am Februar 14th, 2008

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Uriah Walkinghorse lebt auf einem Seil über einer Schlucht, stets in Gefahr, in die Tiefe abzustürzen oder gestoßen zu werden. Der ehemalige Bodybuilder und abgebrochene Mathematiklehrer hat nach seiner Scheidung seinen Job geschmissen, und kümmert sich als Mädchen für alles um einen heruntergekommene Appartementanlage (was sich mit wundervoll skurriler Lakonie vor allem auch auf das Behandeln verstopfter “Terrinen” (=Toilettenschüsseln) konzentriert.) voll mit schrägen Typen, alles Menschen, denen der amerikanische Traum zum Alptraum geworden ist.

In seiner Lieblingsbar in dem Kaff an der mexikanischen Grenze (hier treffen wir mir Güero Odanajo als Besitzer einen ebenfalls wunderbar schräg gezeichneten Typen, einen ehemaligen Literaturprofessor, der rausgeschmissen worden war, nachdem er einem Kollegen handgreiflich klargmacht hatte, was er von ihm hielt und der jetzt die Wände seiner Bar mit Zeitungsausschnitten behängt, in denen sich der Untergang der Grammatik dokumentiert…) trifft er ein Pärchen, daß ihm für 500 $ einen Job anbietet, bei dem er nichts zu machen braucht. Er willigt ein und damit bringt er seine persönliche Lawine ins Rollen, denn es kann immer noch schlimmer kommen.

Der Kunde in dem Domina-Studio (ein wichtiger Banker), in dem er als maskierter Henker mit Beil zu agieren hat, stirbt vor Aufregung. Die Leiche muss ohne Polizei entsorgt werden, was kein Problem darstellt. Die wenig trauernde, aber um so attraktiver auf ihn wirkende Witwe will ihn für seine Dienste entlohnen, aber anstatt eines Schecks trudeln bei ihm jetzt jede Woche Schecks von ihr ein, die er aber nicht einlöst. Was wiederum einige Herren aus dem Drogenmilieu irritiert und ärgert. Wie sich dieser Konflikt dann ausweitet und ihn mehrfach an den Rand des Todes bringt, ergibt sich aus dem weiteren Verlauf der Geschichte.

Neben dieser Krimihandlung ist das Buch aber auch eine Familiengeschichte: Die Walkinghouses haben 5 Findelkinder, von ihren leiblichen Eltern ausgesetzt oder verstoßen, aufgenommen und mit biblischen Grundsätzen erzogen. Diese ethnisch völlig verschiedenen Kinder stellen einen Querschnitt durch die amerikanische Gesellschaft dar, vom drogenabhängigen Junkie Moses über den willigen, aber in seinen Bemühungen immer wieder zurückgeworfenen Uriah bis hin zum international agierenden Finanzfachmann. Diese zusammengewürfelte Familie hat zwei Krisen zu managen, die Krebserkrankung des Vaters und die Drogensucht von Moses. Ob sie damit erfolgreich sind, ist (zumindest im Fall von Moses) unklar, an ihrem Beispiel beschrieben wird jedoch die Vision einer Gesellschaft aus unterschiedlichsten Gruppen, die in der Lage ist, zusammen zu arbeiten und zu leben - ohne falsche Romantik und ohne die Probleme zu verleugnen.

de Marinis zeigt eine Gesellschaft ohne Perspektive. An der mexikanischen Grenze bestimmen die Drogen das Leben. Das Leben derer, die sie konsumieren und das Leben derer, die sie organisieren. Alles andere ist Augenwischerei. Korruption ist der Normalfall, Gewalt, Lügen, Täuschen gehört zum Geschäftsprinzip. Pervertiert wird die Gesellschaft gezeigt, der oberste Drogenboss hat seine eigene Bank, in der er das Drogengeld wäscht und mit der er am Bau eines Gefängnisses für Drogenkriminelle verdient. Es kann nicht schlimmer kommen.

Doch, kann es. Und die Geschichte von Uriah Walkinghouse beschreibt es in lakonischen Worten. “Kaputt in El Paso” ist ein direktes Buch, es wird nichts beschönigt oder angedeutet, es wird in knappen, kurzen Sätzen beschrieben, was ist. Das Buch ist gut zu lesen, man will es nicht aus der Hand legen, denn man ahnt zwar, daß der Held die Geschiche überlebt, aber man will wissen, wie… und zum Schluss läßt deMarinis sogar noch (und dies zum ersten Mal in seinem Roman) einen kleinen Hoffnungsschimmer aufleuchten für das weitere Leben von Uriah.

Facit: Für jeden, der lakonische, trockene Geschichten mag, zu empfehlen

Rick de Marinis
Kaputt in El Paso
Pulp Master, Berlin, 2007
ISBN-10: 3927734365
ISBN-13: 978-3927734364

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