Omega bis Tau
Dezember 22, 2008
Ein alter Blogfreund von mir, Brunopolik [3], fertigt aus „Rohmaterial“, das ihm z.B. PolitikerInnen mit ihren Reden [2] liefern, seine von ihm sogenannte „Poetry“ (vllt liest Brunopolik diesen Beitrag ja und erklärt selber noch mal, wie er seine Arbeit sieht…). Diese Poetry ist sicherlich gewöhnungsbedürftig, sperrig, verschließt sich einem harmonischen Lese/Vorlesefluss…, er wird es mir auch nicht allzu übel nehmen, wenn ich bekenne, daß ich auch so meine Schwierigkeiten damit habe…
ABER: sie verführt einfach zum Spielen, zum Experimentieren, zum „Dranrummachen-und-schauen-was-rauskommt“. Ein Beispiel dafür habe ich schon in einem älteren Beitrag [1] als podcast hier eingestellt.
Was ich hier gemacht habe, ist jetzt ganz was anderes. Wenn man sagt, ein Essen sei ein Gedicht, ein Wein sei einer, eine Frau vielleicht sogar.. warum sollte dann nicht auch ein Screenshot ein Gedicht sein…
Voilá, that´s it, ein willkürlicher Screenshot aus Brunos Blog….:
und so hört sich an, was ich daraus gemacht habe:
zum podcast: Omega bis Tau
No risk, no fun! *gg*
…. und da ich ja vor garnienix zurückschreck, hier dasgleiche noch mal als bildhinterlegtes Actionkino:
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[1] Lyrik, Fussnote 5
[2] Brunopoliks PolitikerInnen-Worte
[3] MySpace-Profil von Brunopolik
J.W. von Goethe: Der Erlkönig
Dezember 21, 2008
Es ist nicht wirklich eines meiner Lieblingsgedichte, aber ich spiel gerne mit dem Gedicht herum, es läßt sich so toll sprechen (ich nenn es jetzt einfach mal so….). Mit anderen Worten, ich habe mich mal wieder an einem podcast versucht….
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In der Wiki ist (natürlich) etwas Hintergrund-Info zum Gedicht, das von Schubert vertont wurde.
Viel Spaß bei dem Unsinn!
auf das Bild (Erlkönig-Statue in Jena) klicken!<
Francois Villon: Die fette Margot
Dezember 16, 2008
Villon (spr willóng, auch de Montcorbier genannt), Francois, franz. Dichter, geb. 1431 zu Paris, studiert daselbst, ergab sich aber früh einem ausschweifendem Leben, wurde infolge eines 1455 in der Notwehr verübten Mordes aus Paris verbannt, 1457 wegen Diebstahls zum Galgen verurteilt, wovon ihn seine Ballade „Les pendus“ errettete, und befand sich 1461, wahrscheinlich wegen gleichen Frevels im beischöflichen Gefängnis zu Meun sur Loire, aus dem ihm die Amnestie bei der Thronbesteigung Ludwig XI befreite. Seine weiteren Schicksale sind unbekannt, doch muss sein Tod vor 1489 fallen, wo die erste Ausgabe seiner Gedichte erschien.
V. ist der originellste und witzigste Dichter des 15. Jahrh., der Urtypus des „esprit galois“. Nichts fremdes, nichts gemachtes findet sich bei ihm, von der zartesten Anmut und freimütig bis zur Schamlosigkeit, ernst, ja melancholisch und wiederum heiter und ausgelassen, mit vollem Bewusstsein von der Nichtigkeit des Daseins und dabei dem wildesten Genuss ergeben…
soweit: Meyers Konversationslexikon von 1890, Band 16, Seite 213
Ich stümpere hier an der Ballade von der fetten Margot herum, wollte eigentlich nur probieren, wie es geht, einen Text mit Musik zu hinterlegen. Nu ja, nun ist es mir irgendwie doch zu schade, einfach wieder zu löschen…
voila: zum Podcast!
Der Text entspricht im übrigen der Übertragung von Zech in der Nachbearbeitung von Kinski… :

Musik: www.magnatune.com Quant La Doulce Jouvencelle
Francois Villon: Ballade des pendus
Dezember 16, 2008
….Anfang Nov. 1462 sitzt er [i.e. Villon] wegen eines offenbar kleineren Diebstahls im Pariser Stadtgefängnis. Er soll schon entlassen werden, als die Geschädigten des Einbruchdiebstahls von seiner Anwesenheit in Paris erfahren. Er muss seine Beteiligung zugeben und kommt erst frei gegen die als Aktennotiz erhaltene Verpflichtung, innerhalb von drei Jahren seine 120 Taler Anteil an der Beute zurückzuerstatten. Offenbar hatte Guillaume für ihn gebürgt, denn sichtlich lebt Villon hiernach bei ihm im Stift von Saint-Benoît.Dies allerdings nur kurze Zeit. Laut einen erhaltenen Dokument ist er eines Abends im November oder Dezember mit drei Kumpanen auf dem Heimweg von einem gemeinsamen Essen, als einer der drei die noch arbeitenden Angestellten eines Notars provoziert. Bei dem nachfolgenden Handgemenge kriegt der Notar einen Messerstich ab. Villon hatte sich zwar zu Beginn der Tätlichkeiten aus dem Staub gemacht, wird aber am nächsten Tag verhaftet. Die Richter des Pariser Stadtgerichts, die vermutlich – und sei es per Hörensagen – vom Testament und dessen ehrenrührigen Anwürfen wussten, nutzen offenbar die Gelegenheit, Villon foltern zu lassen und zum Tod am Galgen zu verurteilen. Zweifellos in der Todeszelle dichtet er zwei seiner besten, sichtlich seine Angst verarbeitenden und verdrängenden Texte: die Ballade des pendus (B. der Gehenkten), wo er fatalistisch in der Rolle des schon am Galgen Baumelnden die Passanten um Mitgefühl bittet, und das Quatrain (Vierzeiler), wo er voll schwarzem Humor an den Augenblick denkt, in dem „durch ein kurzes Stück Strick sein Hals erfahren wird, was sein Hintern wiegt“.
Allerdings hatte er zugleich Berufung eingelegt beim obersten Gerichtshof, dem Parlement. Dieses kassiert in der Tat am 5. Jan. 1463 das unangemessen harte Todesurteil, wandelt es aber „angesichts des schlimmen Lebenswandels besagten Villons“ um in zehn Jahre Verbannung aus Stadt und Grafschaft Paris…. [1]
Muss schon ein schlimmer Finger gewesen sein, dieser Villon. Mir hat in dieser Ballade die Kraft imponiert, die Widerborstigkeit, die Ironie, die Stärke Villons, der angesichts seines Todes nicht zusammenbricht, sondern sich spottend über seine Richter hermacht…. Na ja, hört selbst….. :
Zum Podcast
ach ja, der Gang der Ballade ist wie bei Margot: Villon, Zech, Kinski und ich hab sie auf dem Gewissen… :>>

Links:
[1] http://www.pinkernell.de/villon/villond.htm
[2] Musik von Magnatun: Musica para discanter sobre un punto-Dufay Collective
Christian Morgenstern: Galgenlieder
Dezember 6, 2008

Nachdem ich die Tage ja ein paar kleine Gedanken über „Lyrik“ hier zu blog gebracht habe, habe ich mal meine alten Dateien durchforstet und noch ein paar mp3s aus früheren Zeiten gefunden. Hier sind zwei Versuche, Gedichte aus Morgensterns „Galgenlieder“ per podcast zu interpretieren (jeweils über den Gedichtnamen verlinkt. wobei ich leider mit der Verlinkung nicht klarkomme. Wenn man aber auf den Namen klickt, geht zumindest der windows-media-player auf (kann ein paar Sekunden dauern…. Wenn nicht, bitte posten und bescheid sagen…. merci!)
Zum einen handelt es sich um das Gedicht: „Fisches Nachtgesang„und um das Gedicht „Der Werwolf„.
Hier noch eine kleine Würdigung von Kempowski zu den „Galgenliedern„
(Die Bilder sind aus der Wiki)
Lyrik
Dezember 3, 2008
Der Berliner Autor R. Frieling [4], von dem ich hier ja auch schon ein Büchlein vorgestellt habe [1] hat dem Schweizer Radio kürzlich ein Interview[2] gegeben, in dem es um Gedichte geht. Gedichte, Lyrik, sind, so führt er eingangs aus, in Deutschland eine zu vernachlässigende Minderheit in der Literatur, und in der Tat kann man es wahrscheinlich an sich selbst beobachten: Gedichte rufen eher die „Nein, danke!“ – Abwehrreaktion hervor als daß man sie mit Interesse zur Kenntnis nimmt oder liest. Wie schnell kauft man sich einen Roman oder eine Erzählung, wie selten dagegen einen Lyrikband. [6]
Mein eigener Zugang zu Gedichten ist auch beschränkt, um die Wahrheit zu sagen, sogar sehr beschränkt. Vor geraumer Zeit hatte ich einige Versuche gemacht zu „podcast“en und da bieten sich Gedichte einfach an. Überhaupt auf die Idee gekommen bin ich auf recht seltsamen Weg: im Urlaub in den Bergen begegnete ich auf einem Gipfel einem Raben (oder einer Rabenkrähe, so genau kann ich das nicht unterscheiden, es tut auch nichts zur Sache) und mir fiel ein, daß es von Poe ja das berühmte Gedicht „Der Rabe“ gibt. Da ich in den Tiefen der Regale eine Mini-“Gesammelte Werke“-Ausgabe von Poe habe, habe ich mir das Gedicht folgerichtig herausgesucht und war masslos enttäuscht, meine Güte, wie langweilig.
Aber dann fing ich an, laut zu lesen (ich kann mir das erlauben, der nächste Nachbar ist einiges entfernt…) und schon begann das Gedicht zu leben, die Strophen, Zeilen und Verse bekamen Sinn, sie fingen an, ihre Geschichte, die beim stillen Lesen verborgen blieb, zu erzählen, fühlen zu machen. Ich habe mich seinerzeit regelrecht in eine kleine Begeisterung deklamiert, mir Mikro und Kopfhörer besorgt und Gedichtbände durchforstet, um podcastgeeignete Gedichte zu finden. Mein Liebling war immer der „Erlkönig“, aber auch „Die Bürgschaft“ und andere, meist klassische Gedichte habe ich verhackstückelt. Na, egal, Jugendsünden halt…. obwohl, ich habe mich auch an modernere, gewöhnungsbedürftigere Poetik getraut [5]. Ob die Ergebnisse was taugen, mögen andere beurteilen, es war auf jeden Fall ein Heidenspaß…
Jedenfalls ist das, so denke ich, der Schlüssel zu Gedichten: man muss sie hören oder laut lesen. Ein still gelesenes, nur gelesenes Gedicht ist wie ein Geschenk, das man nicht auspackt, von dem man nur die Umrisse sieht, mal schüttelt und dann etwas ratlos fragt: „Ein Buch?“. Nein, im Ernst, man kann beim laut lesen mit der eigenen Stimme spielen, verschiedene Personen unterschiedlich sprechen, jedesmal neu interpretieren durch Betonung und Tempo… es macht Spaß, ganz einfach Spaß.
Leider hat das mit den Gedichten dann irgendwann aufgehört, ab und an les ich noch mal welche, aber auch nicht viele. Was ich jedoch mache (und gestern abend wieder gemacht habe) ist das Anhören von Gedichten auf youtube. Eine der Seiten dort ist mir mit ihrem Sprecher [3] besonders lieb, hier mit einem Gedicht von Hesse: „Im Nebel“:
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na, auch wieder mal Lust auf ein Gedicht?
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[1] Angriff der Killerkekse
[2] http://literaturzeitschrift.blog.de/2008/11/25/lustige-gedichte-interview-drs-5103701
[3] wortlover
[4] zur Homepage
[5] Hier als Beispiel die verpodcastung zweier Gedichte von Horst A. Bruno
[6] siehe zur Bedeutung von Lyrik in Deutschland auch diesen wiki-Artikel
Zille: Hurengespräche
Dezember 25, 2007
Vor einigen Jahren war ich auf Besuch bei einer entfernten Verwandten, eine Tante (so nannte ich sie wenigstens in jungen Jahren) um viele Ecken herum. Wir verstanden uns immer gut, aber wie das so ist, wenn man in verschiedenen Regionen des Landes lebt und altersmäßig doch weit auseinander ist, der gemeinsame Redestoff ist irgendwann verronnen und meist gibt es dann Essen.
Tantchen, die seit mehreren Jahren verwitwet war, werkelte also in der Küche und ich machte das, was ich immer machte, ich inspizierte neugierig die zahlreichen Bücherregale. Nichts besonderes, Buchclub-Ausgaben, Romane, viele Bildbände der Region, einiges über Jagd (ihr verstorbener Mann war passionierter Jäger), Gesamtausgaben und dann hinten in der Ecke, kaum zu sehen, ein Büchlein, welches garnicht dahin passte: die Hurengespräche von Zille. Da musste ich dann doch etwas schmunzeln.
„Sag mal, Erika, ich hab mir gerade mal deine Bücherregale angeschaut, da stehen ja von Zille die Hurengespräche drin!“ fragte ich die Tante dann später beim Essen.
Oje. Tantchen lief rot an, noch röter und wusste vor Verlegenheit nicht wohin zu schauen.
„Ja, die hat der Ernst doch noch gekauft. Wir ahnten doch nicht, was das war. Zille, wir haben gedacht, das wäre was über Berlin…Wir haben da einmal reingeschaut, nicht öfter, und seitdem steht es da….“
Na ja, über Berlin ist es ja auch, sozusagen. Ich musste innerlich grinsen, wie sich die Tante bei dem Gesprächsthema doch sehr unwohl fühlte und wechselte auf irgendwas unverfängliches.
Als ich dann am Abend mich verabschieden wollte, drückte sie mir das Buch in die Hand:
„Willst du es nicht mitnehmen? Ich wäre froh, wenn es aus dem Haus kommt!“
Sicher nahm ich es und Erika drückte es mir in einer Mischung aus Verlegenheit und Dankbarkeit in die Hand. Und so stehen Bollenguste, Pinselfrieda und Lutschliese samt ihren Kolleginnen jetzt seit geraumer Zeit in meinem Regal, ab und an nehm ich das Büchlein und blätter durch und denk dabei an Tantchen, die mittlerweile auch schon bei ihrem Mann ist……
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Zum Inhalt: Zille (1858 – 1929), genannt „Pinselheinrich“, hatte als bevorzugtes Thema seiner Zeichnungen das Berliner Unterschichtmilieu. In diesem Erzählzyklus „Hurengespräche“ versammelt er 8 Frauen, die sich ihr Schicksal und ihre Erlebnisse schildern. Sie sind durch die Umstände gezwungen, sich auch als Huren zu verdingen, früh sind sie in der Kindheit eingeführt worden, zum Teil durch den eigenen Vater vergewaltigt. Sie hocken unter den Tischen, um den Männern, die oben Karten spielen, Oralverkehr zu geben und sehen voller Verblüffung am Hosenstall die Knöpfe, die sie selbst vor ein paar Tagen an Vaters Hose angenäht haben. Das Buch ist eine schonungslose Kritik mit sehr drastischen und realistischen Illustrationen an den sozialen Lebensbedingungen in der Arbeiterschicht des frühen 20. Jahrhunderts, die den Menschen, insbesondere den Frauen, praktisch keine Möglichkeit bieten, aufzusteigen und diesem Milieu zu entkommen.
Links:
gibt´s auch als CD….




