Sherry Hormann: Wüstenblume
September 29, 2009

Waris ist ein Nomadenmädchen, das mit ihrer Sippe in den Wüstengebieten Somalias lebt. Sie soll als junges Mädchen als 4. Frau mit einem älteren Mann verheiratet werden. In der Nacht vor der geplanten Verheiratung flieht Waris jedoch durch die Wüste und will in die Hauptstadt Mogadishu. Fast schafft sie es nicht, nur mit letzter Kraft erreicht sie die Stadt. Dort findet sie ihre Oma, die für sie sorgt und sie auch außer Landes nach London bringt, denn in Somalia drohen Unruhen.
In England arbeitet sie einige Jahre als Hausmädchen in der somalischen Botschaft. Als der Bürgerkrieg ausbricht, wird das Botschaftspersonal nach Somalia zurückbeordert, erneut jedoch flieht sie und irrt jetzt obdachlos und praktisch ohne Sprachkenntnisse in den Straßen Londons herum.
In Sally findet sie nach einiger Zeit eine Freundin, die sich um sie kümmert, sie bei sich beherbergt und ihr auch einen Tip gibt, wo sie Arbeit finden könnte. Als Putzkraft in einem Burger“restaurant“ wird sie von einem älteren Mann angesprochen, einem Fotographen, der ihr seine Visitenkarte gibt, die sie aber achtlos wegsteckt.
Eines abends kommt sie in das gemeinsame Zimmer mit Sally und findet diese beim Sex mit einem Freund. Sie ist schockiert, dies widerspricht allen ihren Moralvorstellungen. Die beiden Freundinnen reden miteinander und Waris öffnet sich, erzählt Sally von ihrer Beschneidung und kann es garnicht glauben, daß es das im Westen nicht gibt.
Um den Inhalt etwas abzukürzen… Irgendwann geht Waris zu dem Fotographen, der sie knipst und an eine Agentur weiterleitet. Diese nimmt sie unter Vertrag, bildet sie aus und nach einigen Turbulenzen (Der Pass von Waris war natürlich schon lange abgelaufen und sie daher illegal im Land, so daß sie zum Schein heiratet) feiert Waris als Model überall auf der Welt Triumphe und gehört zu den Top-Models überhaupt.
Bei einem Interview für eine Frauenzeitschrift soll sie über den Tag berichten, der ihr Leben veränderte. Natürlich war damit von der Redaktion der Tag gemeint, an dem der Fotograf sie ansprach, Waris aber erzählt von dem Tag, an dem ihr brutalste Gewalt angetan, sie beschnitten wurde. Nachdem sie geendet hat, geht sie und läßt eine hemmungslos weinende Interviewerin zurück und auch die meisten Zuschauer im Kino werden mit den Tränen zu kämpfen haben.
Waris Dirie macht sich den Kampf gegen diese barbarische Verstümmelung der Frauen zu eigen, sie wird zur Sonderbotschafterin der UN ernannt und sie hat Erfolg. Zumindest offiziell wird die Verstümmelung weiblicher Genitalien in den nächsten Jahren in vielen Staaten verboten.
Soviel zum Inhalt. Der Film selbst hat viele Aspekte: er zeigt das Nomadenleben in Somalia, die unbarmherzige Landschaft dort. Die Szenen mit Sally, der verhinderten Balletttänzerin sind zum Teil schreiend komisch, das Leben als Top-Modell glanzvoll, als Obdachlose Aushilfsputze armselig. Die Untersuchung von Waris, die von Sally wg. Schmerzkrämpfen ins Krankenhaus gebracht wird, ist einfach nur erschütternd und das archaische Moralverständnis des somalischen Pflegers, der dolmetschen soll, ist so .. unverständlich und empörend…
Der Film vollbringt ein kleines Kunststück, er unterhält und rüttelt doch auf, ohne dabei aber auf plumpe Schockeffekte zu setzen. Natürlich, vertieft wird das Thema der Genitalverstümmelung nicht dargestellt, aber muss man das? Die Erzählung von Waris über ihre Beschneidung mit den wenigem Bildern und die abschließende Rede vor den UN reichen völlig aus, die Ungeheuerlichkeit dessen, was da vieltausendfach am Tag geschieht, deutlich zu machen…..
Noch was zu den Schauspielern? Liya Kebede (Waris) ist sehr überzeugend mit einer verblüffenden Ähnlichkeit zur echten Waris Dirie, Sally Hawkins als Freundin von Waris ist einfach klasse und auch der Fotograph (Timothy Spall) wird sehr sympathisch dargestellt, mehr ein väterlicher Freund von Waris, der ihre Persönlichkeit achtet und sie behutsam in ihre neue Welt des Modelns begleitet.
Facit: ein empfehlenswerter Film
Links: http://www.wuestenblume-film.de/
Die Waris-Dirie-Stiftung
Ein wenig Material zum Thema FGM (female genital mutilation)
Waris Dirie: Wüstenblume (Das Buch von Dirie)
Joseph McGinty: Terminator: Die Erlösung
Juni 21, 2009

„Und, was haste von dem Film gehalten?“
„Och, was ich mir versprochen hatte. Ging hin und her und hat ordentlich geknallt!“
„Aha.“
„Daß es bei Maschinens immer so schmutzig sein muss!“
„Ja, und alle hatten dreckige Fingernägel!“
„Die müssen aber schwere Jugend gehabt haben, diese Blechkästen!“
„Ja, so gemein, wie die zu der Oma sind!“
„Also, ein Naturfilm ist das jetzt nicht!“
„Boay, wo de hinguckst, immer gibt es diese schwachmatigen Feuerbälle. Was sagt denn da die Berufsgenossenschaft zu?“
So in etwa. Mehr schreib ich jetzt nicht dazu. Der dritte Terminator ist ja gegen die ersten beiden schon derbe abgefallen, aber der hier…. und dann noch dieser alberne Schwarzenegger-Auftritt aus der Konserve…
… das einzig gute: einen Abend mal was ganz anderes…. und der leckere Grieche vorher.
Tom Tykwer: The International
Februar 22, 2009

Die diesjährige Berlinale wurde von Tykwers hollywoodproduziertem Film „The International“ (International was…. fehlt da nicht was?) eröffnet, dementsprechend waren Film und Regisseur gut beworben und in den Medien präsent. Neugier also geweckt, denn deutsche Filmemacher auf internationalem Parkett sind ja immer noch eher die Ausnahme als die Regel. Außerdem gab´s ja beim letzten Kinobesuch den Trailer zu sehen und der war zumindest nicht so abschreckend wie der von Carreys „Ja-Sager“….
Ok. Also, in dem Film geht es darum, daß eine Bank, die „International (ah…. !) Bank of Commerce und irgendwas“, im folgenden und im Film nur IBCC genannt, ihre Geschäftsfelder offensichtlich auf die lukrative Finanzierung und überhaupt Abwicklung von Waffengeschäften aus und an zwielichtige Quellen (immer aber Großlieferanten und -abnehmer) ausgedehnt hat. Lonely Wolf Salinger spürt diesen Geschäften schon seit längerem vergeblich nach, nachdem er beim Yard rausgeschmissen wurde, jetzt eben bei Interpol. Unterstützt wird er von der NYer Staatsanwältin Eleanor Whitman. Leider, leider leider stirbt aber jeder, der den Geschäften der Bank nachspürt (außer Salinger, aber dann gäbe es ja auch den Film nicht….) und ihrem Boss zu nahe kommt. Und mit dieser Konstellation wird der Film dann auch eröffnet, am Berliner Hauptbahnhof treffen sich ein aussagewilliger Banker und ein Interpolagent, beide überleben dieses Treffen nicht. Der eine stirbt etwas früher, der andere etwas später….
Agent Salinger bleibt aber am Ball, bekommt einen Tip von einem erneut dem Tod geweihten (weiß der natürlich nicht) und kann dann aber die Spur dessen Mörders nach NY verfolgen. Dort – unterstützt von einem taffen Team des NYDP – inszeniert Tykwer im Guggenheim ein Aufeinandertreffen von Gut und Böse, bei dem an Munition nicht gespart wird. Salinger überlebt, bekommt vom resignierten, in die Altersweisheit geflohenen Ex-Stasi Oberst Wilhelm Wexler (Müller-Stahl ist es, der hier den Consigliere gibt) und paar Lebensweisheiten und zusätzlich eine heisse Information und das Finale über den Dächern von Istanbul ist gerettet. .. ob sich aber irgendwas ändert dadurch, das läßt das Ende des Films offen.
Soweit zum Inhalt, der hoffentlich immer noch neugierig genug macht, sich den Film anzusehen. Denn so schlecht hat er mir garnicht gefallen. Action ja, aber ich hatte nie das Gefühl, die Handlung sei um die Action herum konstruiert worden. Natürlich – die Guggenheim-Szene ist schon zentral, wird ja auch in Reviews immer hervorgehoben. Es geht auch ganz ordentlich zur Sache, wie üblich überlebt der Gute trotz der mannigfachen Übermacht des Bösen.. (wo kamen die eigentlich auf einmal alle her??.. egal…. die Macht ist mit der Bank…), aber das muss wohl so sein, weil sonst der Film nicht weitergeht…. und das Guggenheim mit seiner weißen Rotunde, in der man so ein wenig die Orientierung verlieren kann ist ein imposanter Hintergrund für so eine Ballerei. Schön vor allem, daß Tykwer nicht vorhatte, diesen Action-Höhepunkt in der Schlussszene noch zu toppen, diese ist eher unspektakulär (bis auf die Aussicht…) und – insofern man das überhaupt sagen kann – viel realistischer gehalten.
Die Handlung des Films.. nun, es bleibt vieles, was passiert, im Dunkeln. Aber das entspricht ja auch der Wirklichkeit, die Details, die Absprachen, die Deals werden nicht im Rampenlicht verabredet und Tykwer gibt dem Zuschauer in einigen Szenen eben genau das Maß an Informationen, das gebraucht wird, um zu verstehen, was im Prinzip Sache ist. Genauso wird der interne Druck, unter dem die Ermittler stehen, nur angedeutet, ohne im Einzelnen auszuführen, wer wen durch was in der Hand hat. Die Bank als Krake im Grunde alle, doch sie selbst ist auch verwundbar – durch ihre hochriskanten Geschäfte, die sie ohne Rücksichten durchziehen muss, weil sie sich davon abhängig gemacht hat (wie im richtigen Leben eben… Bankier, Banker, Bankster … kann man mit dem Timing eines Films wirklich so viel Glück haben?). Und so kann nur eine einsamer, frustrierter, verbissener, zu (fast) allem entschlossener Einzelgänger wie Salinger, der nicht mehr unter Kontrolle ist, der Bank wirklich gefährlich werden (obwohl dieses Motiv des einsamen Wolfes ja auch schon etwas abgenutzt ist…). Um Watts in der Rolle der Staatsanwältin hat es mir ein wenig leid getan, sie hatte ausser ein wenig Stichwortgeberei und Zubringerdiensten kaum was zu tun, wurde sicherlich unterhalb ihrer Möglichkeiten in Szene gesetzt… Schade.
Facit: Ein akzeptabel intelligenter Thriller, bei dem die Action gottseidank nicht die Hauptrolle spielt.
Links
(Einige wenige) Interviews mit Tykwer
….in ifc.com
… in moviehole.net
… und bei spielfilm.de
Baz Luhmann: Australia
Januar 2, 2009

Nun, mal wieder Kino, ein Genre, das ich nicht so häufig anschaue, aber manchmal ergibt es sich eben: Australia [6], ein Abenteuerepos, das im Australien zu Beginn des 2. Weltkrieges spielt. Verfilmt von Baz Luhmann [8], der als letzten Film Moulin Rouge auf den Markt gebracht hat.
Im Grunde bekommt man für sein Geld zwei Filme, die über die handelnden Personen miteinander verknüpft sind, aber ansonsten nichts miteinander zu tun haben.
Nicole Kidman [7] spielt die englische Aristokration Lady Ashley, deren Mann in Australien eine Rinderfarm betreibt, ähnlich wie das berühmte gallische Dorf inmitten der Übermacht des Rinderkönigs Carney. Da Lady Ashley aber vermutet, ihr Gatte würde eher den Frauen nachstellen, reist sie ihm nach. Der Crash der Kulturen ist also vorprogrammiert, die zickige Blaublüterin versus den kernigen Australier. Ihren Mann findet sie leider nur noch ermordet vor, letztlich stellt sich die Situation so dar, daß sie mit einer Handvoll Übriggebliebener und dem Viehtreiber Mr. Drover (Hugh Jackman [4]) eine Herde von 1500 Stück Vieh zum Verladen nach Darwin treiben muss, wo sie der Armee als Verpflegung verkauft werden sollen. Ein Unterfangen, das ihrem Konkurrenten, dem Rinderkönig, so garnicht gefällt…… Nun, ich verrate jetzt nicht, ob sie das wohl schaffen…..
Wird in diesem ersten Teil des Filmes ganz im Hintergrund das Thema der staatliche Zwangserziehung von Aborigines-Kindern (inclusive Trennung von den Eltern) angeschnitten [1], so wirkt es so, daß, ist die ganze Truppe schon mal in Darwin, man auch gleich den Angriff der Japaner auf Darwin (Luftangriffe zwischen Dezember 1942 und November 1943) bringen kann, was mit viel Krawumm und Zerstörung dann auch geschieht.
Über diese beiden Filmteile spannt sich die schon von der ersten Filmszene an absehbare Romanze zwischen Lady Ashley und Mr. Drover…. Der Aborigine, so wie er im Film dargestellt wird, ist ein guter Mann, er tanzt viel und singt und kann dadurch quasi magische Kräfte entfalten (Chatwin hat das Thema zugegebenermassen etwas subtiler aufgegriffen [2]) .. jedenfalls ist „Creamy“, das Mischlingskind, das auf der Farm der Ashleys lebt, die zweite große Liebe Lady Ashleys und dann auch Mr. Drover… Die „weißen“ Australier sind kernig, sie mögen die Aborigines nicht (was wohl stimmt), mögen auch die wenigen nicht, die die Aborigines mögen… Ferner sind im Film die Bösen wirklich böse, die Guten sind gut und Zwischentöne gibt es kaum, das macht natürlich alles etwas einfacher….
Falls man am Anfang des Filmes erwartet hat, Lady Ashley würde trotz ihrer Unerfahrenheit und ihrer offensichtlichen Ungeeignetkeit für Australien dazu lernen („Learning by Doing“): man wird nicht enttäuscht! Für den Zuschauer völlig überraschend meistert Lady Ashley alle Schwierigkeiten, sie passt sich an, mutiert zu einer selbstlosen, kämpferischen Frau und Ersatzmutter und steht natürlich auch im Krieg ihrer „Frau“. Und da auch Mr. Drover, sexiest man alive [3a, b], seine Traumata erfolgreich bekämpft und überwindet, der Böse dann durch den Guten (nein, nicht Mr. Drover, es gibt noch mehr Gute in dem Film) im letzten Moment, bevor er das ultimativ Böseste verbrechen kann, getötet wird…. *schnief*….
Facit: eine ab der ersten Szene vorhersehbare Love-Story zweier eindimensionaler Charaktere, die zufällig in Australien spielt und daher ein paar schöne Landschaftsaufnahmen und einige exotische Zugaben erlaubt. Ferner gibt es viele computergenerierte Szenen zu sehen, den Hinweis auf ein dunkles Kapitel australischer Geschichte: wer das mag und nicht mehr erwartet, wird nicht enttäuscht.
Links:
[1] Wiki zur Lost Generation
[2] Bruce Chatwin: Traumpfade
[3a] http://www.tagesspiegel.de/berlin/Stadtleben-Hugh-Jackman-Australia-Baz-Luhrmann-Sexiest-Man-Alive;art125,2683415
[3b] http://de.wikipedia.org/wiki/Sexiest_Man_Alive
[4] Wiki zu Hugh Jackman
[5] weitere Filmkritiken
[6] offizielle Website
[7] Wiki zu Nicole Kidman
[8] Wiki zu Baz Luhman
James Bond: Quantum of Solace / Ein Quantum Trost
November 20, 2008

„Ich habe immer noch nicht kapiert, worum es in dem Film eigentlich ging?“ -
„Ich glaube nicht, daß es darum ging, daß es um was ging!“ -
„Ach, du meinst, darum ging es garnicht??“ -
„Nö…“ -
„Aha…. na ja.“
Damit wäre die Handlung des Films eigentlich schon erschöpfend dargestellt…. es sei denn, man wollte noch der Vollständigkeit anmerken, daß der Bösewicht im Grunde nur sowas wie Stadtwerke gründen wollte, um die Menschen mit Wasser zu versorgen. Oder nicht?
Ich weiß garnicht, ob ich schon mal einen Bond im Kino gesehen habe, im TV jedenfalls fast alle, vllt die mittendrin mit George Lazenby nicht, ich weiß nicht mehr genau. Nicht, daß mir die Filme ausnehmend gut gefallen hätten oder ich ein Fan der Reihe wäre, aber irgendwie gehören sie einfach zum Kultur(?)gut(?) dazu und wenn man Fernsehen schaut, kommt man ja auch praktisch garnicht drumherum. Und irgendwie waren sie schon cool, die Bonds, egal, ob nun Sean Connery als DER Bond oder zum Schluss Brosnan, der smarte Schönling. Selbst Dalton hatte was und wie sich der steife Moore durch die Filme stolperte – Respekt.
Daniel Craig, ich will nicht sagen, daß er mir nicht gefallen hat, aber mit Bond, so wie ich die Figur jetzt über Jahre, Jahrzehnte hinweg gesehen habe, hat er wenig zu tun. Eher erinnert er mich an die Braut, die in ähnlich unkaputtbarer Manier durch alle Kämpfe ging, geradezu comichafte Kampfsequenzen, bei denen die Kämpfenden genau wie in den gezeichneten Geschichten unbeeindruckt von allen Aktionen, die jeden normalen Menschen ausser Gefecht setzen würden, einfach weitermachen, bis dann der finale Schuss/Messerstich gesetzt wird – natürlich von Bond. Das ganze aber realistisch gefilmt, ohne ein Augenzwinkern, einen Schuss Selbstironie oder sonst etwas relativierendes und damit einfach nur brutal. Bei einer einzige Szene in des Films musste ich spontan Lächeln, beim Einchecken im Grand Hotel in ..ähhh… na ja, Südamerika.
Was machte die Bonds früherer Jahre aus? Die kindlichen, sich selbst auf den Arm nehmenden Spielereien mit der Technik („Q“), gleichzeitig aber auch das Aufgreifen aktueller technischer Entwicklungen (unvergessen der Laser bei „Goldfinger„), die Nebenfiguren der Filme wie der schon angeführte Q oder Moneypenny und die Eigenheiten Bonds selbst als Frauenheld oder Martini-Liebhaber. Selbst letzteres ist verschwunden, Craig betrinkt sich mit einem Wodka-irgendwas Cocktail…. und die Szenen, in denen er Charme versprühen soll, um das alte Bond-Image kurzfristig gerecht zu werden – spröde, gestelzt und unglaubwürdig.
Nein, Craig geht durch diesen handlungsschwachen Film wie eine Pistolenkugel durch ein Löschpapier: Mit ein paar Alibiblutflecken dekoriert düpiert er all seine wild um sich schießenden Gegner, ist immer einen Schritt schneller und selbst der (fast) „ohne-Fallschmirmfall“ aus dem abstürzenden Flugzeug perlt von ihm ab wie Wassertropfen von einer Wachsoberfläche. So kalt wie Wachs wirkt Bond, ein Racheengel auf Tour.
Jetzt habe ich den Bösewicht beinahe vergessen zu erwähnen. Meine Güte, möchte ich sagen, wenn das der Bösewicht war, der beim Casting durchgekommen ist, wie müssen dann die anderen gewesen sein, die das auch mimen wollten?? Lassen ich die Frage einfach mal so im Raum stehen….
Habe ich mich wenigstens unterhalten gefühlt? Auch das muss ich letztlich verneinen. Als Beispiel die Eingangssentenz: Bei starkem Gegenverkehr fahren zwei schwarze Autos ziemlich schnell hintereinander her und überholen an den unmöglichsten Stellen, wobei das hintere Auto immer auf das vordere schießt. So weit, so gut – das hätte eine schöne Verfolgungsjagd geben können, hätten die Macher des Films nicht versucht, durch extrem schnelle Schnitte dem Ganzen zusätzlich Rasanz zu verleihen. So wusste ich ehrlich gesagt nie, wer wo oder was war, wer jetzt den Frontalzusammenstoß hatte, wessen Auto gegen die Wand schrammte etc pp…. Mal abgesehen davon, daß sowohl Bond als auch der im Kofferraum transportierte Gefangene (mit dem man dann später überrascht wurde) kaum eine Schramme davongetragen haben… wie sagte schon Goethe: über allen Wipfeln ist Ruh…. und genauso ruhig schwebt Craig/Bond über den lästigen Niederungen irdischer Todesarten, die ihm einfach nichts anhaben können. Aber das erwähnte ich schon.
Mit der schnellen Schnitttechnik jedenfalls rauben die Macher dem Zuschauer die letzte Möglichkeit, die Aktionen nachzuvollziehen, mit der Ausnahme der Flugzeugszene, die geradezu gemächlich wirkt gegen die sonstigen Verfolgungsjagden und Schiessereien.
Daß der Böse ganz, ganz böse ist, ist klar, das ist geblieben aus der Bond-Historie. Aber sicherheitshalber wurde bis zum Schluss nicht verraten, warum eigentlich und womit und erst ganz gegen Ende, kurz vor dem finalen Feuerwerk kam es heraus: aufgrund seiner Monopolstellung konnte der Bösewicht den Wasserpreis verdoppeln… örks. (Falls das jetzt nicht stimmen sollte und ich was falsch verstanden habe, ist das ein Zeichen dafür, daß der Film mich wohl doch überfordert hat….). Puh.. harter Tobak. Nicht die Welt, die gerettet werden musste, nein, das Wasser ist zu teuer……..Natürlich werden die nächsten Kriege um Wasser geführt werden (spätestens, wenn kein Öl mehr da ist), aber doch nicht so….. Broccoli, mal ehrlich…tztztz…
Also auch das nicht, gute Unterhaltung für mich. Schade. Aber vorher waren wir wenigstens gut essen gewesen.
Facit: hat sich nicht gelohnt.
Link:
ein paar Szenenbilder
Uli Edel/Bernd Eichinger: Der Baader Meinhof Komplex
Oktober 13, 2008

Der Film überstreicht 10 Jahre in der Geschichte der BRD, beginnend 1967, mit dem Besuch des Schahs in Deutschland bis 1977, bis zu der Ermorderung des entführten Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyers. Zumindest die letzten Jahre habe ich halbwegs bewusst schon erlebt als junger Mann, die Situation, in einem Reisebus sitzend von schwerbewaffneten Polizisten kontrolliert zu werden, werde ich nie vergessen.
Gestern abend also habe ich mir den Film angeschaut. Mein Eindruck ist zwiespältig.
Den Inhalt des Streifens wiederzugeben ist müßig, er ist charakerisiert durch Namen wie Ohnesorg, Dutschke, Baader, Meinhof, Ensslin, Meins, Raspe, Dellwo, Klar, Herold, durch Ereignisse wie den Besuch des Schahs 1967, die Brandanschläge auf das Kaufhaus in Frankfurt, die Befreiung von Baader, durch Stockholm, die Ponto-Ermordung, die Entführung und Ermordung von Schleyer, durch Stammheim mit all seinen Aspekten.
Was also bietet der Film?
Mal abgesehen von der FKK-Strand-Szene, mit der der Film beginnt, startet der Streifen sehr emotional, indem er mit dem Besuch des Schahs Reza Palevi in Berlin einsetzt. Die Demonstationen entarten in eine auch von der Polizei unterstützte Prügelorgie gegen die Studenten, die zum Schluss von berittener Polizei durch die Straßen gejagt werden. Der Tod Benno Ohnesorgs durch eine Polizeikugel ist trauriger „Höhepunkt“ dieses Tages. Bei diesen Szenen versteht man sofort, warum sich damals ein so heftiger Protest gegen die Obrigkeit (die ja zu dieser Zeit auch dabei war, über die „Notstandsgesetzgebung“ in die Grundrechte jedes Einzelnen einzugreifen) entwickelte.
Danach? Die Szene mit Dutschke, der vor den Studenten in der FU redet, ist beeindruckend, aber in der nächsten Einstellung wird er ja schon angeschossen. Dies so lapidar schreiben zu können, ist einer der Kritikpunkt an dem Film: er bietet im wesentlichen Überschriften, die in einzelnen Einstellungen in Szene gesetzt werden. Er will alles zeigen und zeigt dadurch praktisch nichts: die Anschläge auf das Kaufhaus in Frankfurt: eine Szene mit jungen Leuten, die die Bomben bauen, Kurzauftritt Baader, dann knallt es auch schon. Nach diesem Schema wird fast alles gezeigt, ob die Anschläge auf amerikanische Einrichtungen in Heidelberg, die Ponto-Ermordung, die Landshut-Entführung oder Schleyer: alles im Schnelldurchgang.
Ebenso tauchen wie „deus ex machina“ immer wieder neue Gesichter auf, eine Unmenge an Schauspielern wird eingesetzt, aber nur selten erfährt man, wen sie darstellen. Ich kann mich z.B. nicht erinnern, daß der Name „Raspe“ einmal genannt worden wäre (obwohl er in den Stammheim-Szenen ja oft zu sehen war) , mein Kinonachbar hat mich mindestens dreimal gefragt, wer denn der alte Herr sei (Herold, Chef BKA). Ich kannte jetzt noch einige der Leute, brachte aber auch bei weitem nicht alle Namen unter, wie sollen junge Zuschauer, die die Ereignisse nur vom Hörensagen kennen, sich da zurechtfinden?
Völlig rätselhaft, wo die RAF-Leute der 2. oder gar 3. Generation auf einmal herkamen. Wer war das bei Ponto? Christian Klar, würde ich vom Typ her sagen, wissen tu ich es nicht.
Was praktisch völlig ausgeblendet worden ist, ist die Reaktion des Staats. Ein relativ besonnen und nachdenklich agierender BKA-Chef, einige alte TV-Schnipsel aus der Zeit, die Erwähnung der Gründung der GSG-9 als Reaktion auf das Fiasko bei der Münchener Olympiade.. das war es so ziemlich. Ach ja, der Begriff „Rasterfahndung“ wird erläutert…. Das diese Zeit in Sicherheitspolitischer Sicht nach Innen Auswirkungen hat bis in unsere Zeit, keine Rede davon.
Kann man – wie geschildert – in den ersten Einstellungen den Protest und die Ablehnung der jungen Studenten nachvollziehen, verschwindet diese Sympathie recht bald. Schnell wird klar, daß von Seiten Baaders einfach nur anarchische Energie ausgelebt wird, Freude an der Zerstörung, am Aufruhr und am Chaos, verbrämt durch ein paar politische Parolen. Konsequenter und härter die Frauen (in der Terminologie Baaders meist „die(se) Fot*en“…. ), vor allem Ensslin. Meinhof, auch das wird klar, wächst innerhalb der Gruppe langsam in eine Aussenseiterrolle hinein, nervlich wirkt sie bei weitem nicht so stabil wie die anderen Gruppenmitglieder. Aber auch Ensslin driftet langsam in ihren eigenen Gedankenkosmos ab. Als Baader im Gefängnis sitzt, fängt das Motiv „Gefangenenbefreiung“ immer stärker an, die Aktivitäten der RAF zu bestimmen, die politischen Ziele – so noch z.b. von Meinhof vertreten – geraten in den Hintergrund. Und damit ist die Gruppe dann endgültig im kriminellen Milieu angekommen, der politische Impetus spielt praktisch keine Rolle mehr, ist zur Phrase verkommen.
Mit der gescheiterten Landshut-Entführung ist das Schicksal der Stammheim-Gefangenen besiegelt. Zwar glaube ich auch nicht an die Verschwörungstheorie eines Mordes der drei RAF-Leute (wozu wäre die gut gewesen?), doch die Art, in der die Filmemacher einer der RAF-Mitglieder der ?-ten Generation (das ist so ein Fall, wo nie der Name der Figur genannt wurde, obwohl sie häufig auftrat…) die Aussage in den Mund legten, daß dies ein geplanter Selbstmord der 3 gewesen sei… das war schon kess, wie da Fakten suggeriert worden sind.
Facit: ein hochinteressanter Film, ein wichtiger Film, aber wer wirklich wissen will, was damals geschehen ist, kann ihn allenfalls als „Appetizer“ nehmen und ist immer noch auf das zugrunde liegende Buch von z.B. Aust angewiesen. Oder er googelt mit den Stichworten, die der Film ihm hinwirft.
Links:
Wiki-Artikel zum Film
Offizielle Film-Website
Auf youtube sind einige Videos aus der Zeit zu finden:
Das Buch:
Stefan Aust
Der Baader-Meinhof-Komplex
Hoffmann und Campe; völlig überarbeitete und ergänzte Neuausgabe, September 2008
ISBN-10: 3455500293
ISBN-13: 978-3455500295
Joel und Ethan Coen: No Country For Old Men
April 14, 2008
Die Coen-Brothers, Tommy Lee Jones und 4 Oscars: Ein Film, den zu besuchen es zumindest diese drei Argumente gibt. Und trotzdem – der Film läßt mich ein wenig ratlos, ja enttäuscht zurück.
Worum geht es? Llewelyn Moss muss nach einem Fehlschuss auf der Jagd der angeschossenen Antilope folgen und findet mitten in der Wüste die Reste eines aus dem Ruder gelaufenen Drogengeschäftes, i.e. einen Berg voller Leichen, einen Pick-up voller Drogen und einen Koffer mit über 2 Millionen Dollar in bar. Letzteren nimmt er mit nach Hause, dem einzigen Überlebenden des Massakers, der um Wasser bettelt, kann und will er nicht helfen. Verständlicherweise gibt es noch andere Interessenten für das Geld und so nimmt die Jagd auf Llewelyn Moss hier ihren Anfang. Bzw. sie kann nur deshalb ihren Anfang nehmen, weil Llewelyn einen halben Tag später, mitten in der darauffolgenden Nacht, plötzlich doch noch beschliesst, dem Verletzten (der aller Voraussicht nach schon lange tot sein muss) doch noch Wasser zu bringen. Also fährt er nochmals in die Wüste, findet zwar den dürstenden Mexikaner tot vor, die Besitzer des Geldes aber sehr lebendig. Von diesem Moment an hat Llewelyn den skrupellosen Profikiller Anton Chigurh an den Fersen, der ihn trotz seiner durchaus cleveren Gegenwehr immer weiter in die Enge treibt.

Chigurh wird wie ein Racheengel bzw. -teufel dargestellt, den nichts bremsen kann, vor dem man sich nicht verstecken kann. Nach dem nicht nachvollziehbaren, unlogischen Handeln von Lleweyn ist dies der zweite Punkt des Filmes, der mir nicht gefallen hat (aber vllt denk ich auch nur zu logisch): egal, ob Llewelyn auf seiner Flucht getrampt ist oder sich sonstwie fortbewegt hat, der Killer findet ihn immer in kürzester Zeit, ohne Erklärung, praktisch unvermeidlich…. und genauso unvermeidlich ist der Tod desjenigen, den er auf seinen Reisen trifft… nein, nicht ganz, manchmal erlaubt er das Werfen einer Münze, und leben wird durch ihn zur Zufallsentscheidung.
Und über allem thront das zerklüftete Gesicht von T.L. Jones, der stoisch-resigniert den Toten hinterherfährt und sie einsammelt. Eine Verfolgung geschweige denn der Versuch einer Aufklärung der Verbrechen unterbleibt, in philosophich angehauchten Selbstgesprächen und Unterhaltungen wird nur immer wieder festgestellt, daß dies nicht mehr das Land ist, das er kennt. Und genauso wie Sheriff Bell desillusioniert lieber die Zeitung liest und der dirketen Konfrontation mit dem Verbrechen aus dem Weg geht, genausowenig lassen die Coens irgendjemand anderen die Verfolgung des Killers aufnehmen. Außer den direkt Beteiligten scheint alles niemanden zu interessieren, der Gewalt, dem Töten wird kein Einhalt geboten….. Jones in seiner Rolle als Sheriff wirkt fast wie eine den Verlauf des Films begleitende pseudophilosophische Erläuterung, und – ja, die Tränensäcke von Tommy Lee sind wirklich beeindruckend!
Facit: ein Film über eine Menschenjagd, blutig und ausweglos. Mir fehlt ein wenig die Ratio in der Handlung, nichtsdestotrotz ist der Film gut anzuschauen und kurzweilig.



