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Joel und Ethan Coen: No Country For Old Men

Veröffentlicht in Film, an.gesehen by flattersatz am April 14th, 2008

Die Coen-Brothers, Tommy Lee Jones und 4 Oscars: Ein Film, den zu besuchen es zumindest diese drei Argumente gibt. Und trotzdem - der Film läßt mich ein wenig ratlos, ja enttäuscht zurück.

Worum geht es? Llewelyn Moss muss nach einem Fehlschuss auf der Jagd der angeschossenen Antilope folgen und findet mitten in der Wüste die Reste eines aus dem Ruder gelaufenen Drogengeschäftes, i.e. einen Berg voller Leichen, einen Pick-up voller Drogen und einen Koffer mit über 2 Millionen Dollar in bar. Letzteren nimmt er mit nach Hause, dem einzigen Überlebenden des Massakers, der um Wasser bettelt, kann und will er nicht helfen. Verständlicherweise gibt es noch andere Interessenten für das Geld und so nimmt die Jagd auf Llewelyn Moss hier ihren Anfang. Bzw. sie kann nur deshalb ihren Anfang nehmen, weil Llewelyn einen halben Tag später, mitten in der darauffolgenden Nacht, plötzlich doch noch beschliesst, dem Verletzten (der aller Voraussicht nach schon lange tot sein muss) doch noch Wasser zu bringen. Also fährt er nochmals in die Wüste, findet zwar den dürstenden Mexikaner tot vor, die Besitzer des Geldes aber sehr lebendig. Von diesem Moment an hat Llewelyn den skrupellosen Profikiller Anton Chigurh an den Fersen, der ihn trotz seiner durchaus cleveren Gegenwehr immer weiter in die Enge treibt.

Chigurh wird wie ein Racheengel bzw. -teufel dargestellt, den nichts bremsen kann, vor dem man sich nicht verstecken kann. Nach dem nicht nachvollziehbaren, unlogischen Handeln von Lleweyn ist dies der zweite Punkt des Filmes, der mir nicht gefallen hat (aber vllt denk ich auch nur zu logisch): egal, ob Llewelyn auf seiner Flucht getrampt ist oder sich sonstwie fortbewegt hat, der Killer findet ihn immer in kürzester Zeit, ohne Erklärung, praktisch unvermeidlich…. und genauso unvermeidlich ist der Tod desjenigen, den er auf seinen Reisen trifft… nein, nicht ganz, manchmal erlaubt er das Werfen einer Münze, und leben wird durch ihn zur Zufallsentscheidung.

Und über allem thront das zerklüftete Gesicht von T.L. Jones, der stoisch-resigniert den Toten hinterherfährt und sie einsammelt. Eine Verfolgung geschweige denn der Versuch einer Aufklärung der Verbrechen unterbleibt, in philosophich angehauchten Selbstgesprächen und Unterhaltungen wird nur immer wieder festgestellt, daß dies nicht mehr das Land ist, das er kennt. Und genauso wie Sheriff Bell desillusioniert lieber die Zeitung liest und der dirketen Konfrontation mit dem Verbrechen aus dem Weg geht, genausowenig lassen die Coens irgendjemand anderen die Verfolgung des Killers aufnehmen. Außer den direkt Beteiligten scheint alles niemanden zu interessieren, der Gewalt, dem Töten wird kein Einhalt geboten….. Jones in seiner Rolle als Sheriff wirkt fast wie eine den Verlauf des Films begleitende pseudophilosophische Erläuterung, und - ja, die Tränensäcke von Tommy Lee sind wirklich beeindruckend!

Facit: ein Film über eine Menschenjagd, blutig und ausweglos. Mir fehlt ein wenig die Ratio in der Handlung, nichtsdestotrotz ist der Film gut anzuschauen und kurzweilig.