… so hat mareike neulich in fb auf meine statusmeldung, daß ich das buch von husch josten besprochen habe, reagiert. und ich habe etwas flapsig geantwortet, klappern gehört zum handwerk. in der tat, so ist es wohl. und warum nicht über blogs gehen? gerade die kleinen verlage mit unbekannten autoren/innen kommen ja kaum ins sortiment oder haben einen werbeetat, mit dem eine wirksame campagne gestartet werden kann. und nicht jede/r kann wie wells gleich bei diogenes einsteigen…

ich habe irgendwo gelesen, daß große publikumsverlage auch auf nachfrage keine rezensionsexemplare an blogger schicken, weil sie wirkung von buchbesprechungen in blogs für vernachlässigbar halten. ich bin mir nicht sicher, ob dies nicht einfach nur ignorant ist, was aufwand/nutzen angeht.

wenn ich mir meinen blog anschaue… im jahresschnitt wird meine startseite zwischen 50 und 60 mal am tag aufgerufen. ein beitrag steht bei mir mindestens 4 tage auf der startseite, macht 200 bis 250 zugriffe, bei denen dem besucher der betreffende titel sofort ins auge fällt. dazu kommen noch die gezielten zugriffe über links, suchmaschinen, feeds, facebook und was weiß ich alles. das ist natürlich nicht soviel, aber unter umständen sind es wertvollere zugriffe, weil beim besucher interesse und neugier vorhanden sind. nicht kalkulierbar sind die zugriffszahlen über die navigationsleiste via: letzte beiträge, kommentare oder meistbesuchte seiten. auch nicht kalkulierbar sind die zahlen für leser, die – wenn der beitrag durch eine neue besprechung nach unten rutscht – beim seitenscrollen hängen bleiben. immerhin bleibt ein titel für ca. 60 tage auf der startseite sichtbar und taucht erst danach auf seite 2 auf (auf seite 3 ist ja bekanntlich immer das nackerte mädel).

entwickelt sich nun noch eine diskussion im kommentarteil, wird das ganze noch attraktiver für besucher. wenn ich alles zusammenzähle, denke ich, daß bestimmt um die 500 besucher zumindest auf jeden buchtitel gestoßen werden, ob sie die besprechung lesen, ist natürlich eine andere sache, aber das ist bei jeder anderen werbemethode ebenfalls unsicher.

schafft es nun ein verlag, 10, 15 oder 20 blogs (bei denen die zugriffsverhältnisse cum grano salis ähnlich sein dürften), die einen gewissen standard mit dazu gehörigem publikum halten, zu einer besprechung zu animieren, finde ich den werbeeffekt in relation zum eingesetzten kapital (10, 15 oder 20 bücher + buchsendungsporto) ausgesprochen günstig. und für mich gesprochen: wenn ich all die bücher, auf die ich durch blogs aufmerksam geworden bin und mir besorgt habe (sprich fast ausnahmslos gekauft) auf einmal tragen wollte, würde ich mir ganz sicher einen bruch heben…..

wie gesagt, klappern gehört zum handwerk.

oder?

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Herzlichen Glückwunsch!

…. wenn auch verspätet. Gelesen habe ich Llosa schon lange vor dieser Ehrung, in meiner “südamerikanischen” Phase…. Hach, mal auf die richtige Karte gesetzt, die meisten Nobelpreisträger für Literatur kennt man ja nicht so richtig gut…

Gestern abend war also in meiner Buchhandlung die Lesung des Schneewittchen-Romans von Nele Neuhaus. Es war ein ziemlicher Andrang, jedenfalls im Vergleich zu anderen Lesungen, bei denen die Autoren wohl nicht so bekannt sind wie Neuhaus, deren Krimi sowohl in der Spiegel-Bestsellerliste weit oben stand als auch beim Versandbuchhandel längere Zeit den Platz 1 innehatte. Dazu eine Autorin von praktisch um die Ecke herum – das hat Neugierde und Interesse geweckt.

Frau Neuhaus hat die Lesung sehr kontaktfreudig und offen mit einer Darstellung ihres Werdeganges als Schriftstellerin angefangen. Ersten vergeblichen Versuchen, einen Verlag fürs erste Manuskript zu finden, folgte dann das Experiment, den Roman über books-on-demand selbst zu verlegen. Dieser erzeugte bei den Lesern Nachfrage und damit die Notwendigkeit, weiter zu schreiben…. was ihr aber, die schon vor der Einschulung mit dem Schreiben begonnen hatte, keine wirklichen Schwierigkeiten machte. Und irgendwann hatte sie dann die Idee, auf eine Kriminalhandlung zu setzen und auf reale Orte, in denen sich die Leute wiederfinden konnten. Und der Erfolg gibt ihr letztlich sehr recht, das Ermittlerpaar Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein sind mittlerweile “Familienmitglieder” und quasi ihr Markenzeichen.

Man merkte Frau Neuhaus an, daß sie gerne erzählt und auch Geschichten erfindet. Um so erstaunlicher eigentlich für mich (und bedauerlicher!) daß die eigentliche Lesung, die sich auf die allerersten Kapitel, in denen die wichtigsten Personen eingeführt werden, konzentrierte, ziemlich plötzlich mit einem herzlichen “Dankeschön” an die Besucher endete und von Fragen oder einer Diskussion übers Buch oder übers Schreiben allgemein nicht explizit aber doch deutlich Abstand genommen wurde. Schade, zumal ich glaube, daß auch ein Autor aus solchen Gesprächen mit seinen Lesern noch Anregungen schöpfen kann….

Ein kleiner, aber deutlicher Wermutstropfen für die ansonsten sehr schöne und interessante Lesung mit einer sympathischen Nele Neuhaus.

Meine Buchbesprechen von Schneewittchen

Im September wollen wir unsere Vorlesestunde in der Schule wieder aufnehmen. Wir, das sind die Lehrerin, eine gute Freundin von mir und ich. Und die Kinder natürlich… Eins der Kinder ist im Sommer mit den Eltern für zwei Jahre nach Afrika gegangen, da es den Vater beruflich dorthin geführt hat. So ist natürlich das Thema “Afrika” ganz aktuell und die Lehrerin führt mit den Kindern jetzt auch ein entsprechendes Projekt durch. Und ich hatte die “Aufgabe”, einen schönen Vorlesetext zum Thema zu suchen.

Und wie es manchmal so geht… gestern war eine kleine Vorbesprechung für ein anderes Leseprojekt am Volkstrauertag. Wir haben uns in der wöchentlichen Ausleihstunde der katholischen Bücherei getroffen und was sehe ich da auf den ersten Blick: dieses Buch “Sag mir, wie ist Afrika?” Oh, was ein schönes, ein wunder-wunder-wunderschönes Buch…. Diese Malereien von Lesage.. alle in warmen Erdtönen gehalten, ganz selten mal ein Tupfer in Rot, ich bin einfach nur begeistert… und das schönste ist: man kann sich ein paar Seiten des Buches (das im Original mit knapp 32 auf 25 cm schön groß ist) auf der Website der Künstlerin anschauen [1]. Wobei im Buch die Farben der Bilder schöner sind, weil sie nicht so rotstichig sind wie auf dem Monitor. Aber das liegt vllt auch an meinem Bildschirm, weiß man ja nie so genau….

In dem Buch fragt der kleine Chaka seinen Großvater über Afrika “aus”, über das Leben dort, die Farben, die Kinder, die Vorfahren, die Magie, die Tiere, er will von der Wildnis hören, den Geistern und den Masken, er will vom Fischen im gelben Fluss hören und vom Hüten der Ziegen, will, daß sein Großvater ihm von Kadidja erzählt, seiner Urgroßmutter….

Sag mir, Papa Dembo,
sag mir, welche Farben hat Afrika?

Afrika, kleiner Chaka?
Afrika ist schwarz wie meine Haut,
rot wie die Erde
weiß wie das Licht am Mittag
blau wie der Schatten am Abend
gelb wie der große Fluss
grün wie die Fächer der Palme

Afrika, kleiner Chaka,
hat alle Farben,
die das Leben kennt.

Die ganzen Texte des Buches sind in diesem Stil gehalten. Es ist eine Melodie in ihnen, sie lesen sich von selbst, sie schwingen in einem nach, sie verströmen eine Ahnung von dem, was sie beschreiben… ja, Papa Dembo, so ist Afrika….

Es ist einfach nur ein wunderschönes Buch und ich freu mich sehr auf meine Vorlesestunde….

Vorlesestunde:

Wir hatten für die Stunde eine ganze Menge exotisches Obst gekauft und damit einen kleinen Tisch drapiert. Dazu ein paar Masken, Palmenzweige, Figuren… dadurch kam so ein klein wenig Atmsophäre auf. Das Verkosten von Datteln zeigte dann aber wieder die Gültigkeit des Sprichworts: wat de bur net kennt, frett he net… da taten sich die Kleine schon etwas schwer mit. Aber nachdem der Teller ein paar mal im Kreis herumgegangen war, waren die Datteln dann doch alle weg und ich glaube, es haben letztlich auch fast alle probiert.

Das Lesen der Geschichten… es ist natürlich nicht so spannend wie eine Gruselgeschichte, die Kinder mussten sich schon mehr konzentrieren. Die gedichtartige Erzählweise war auch anspruchsvoll .. ich denke, daß ihnen das Buch zwar gefallen hat, aber wenn sie wählen könnten zwischen einer Gespenstergeschichte und Afrika… lasst es mich so sagen: nächstes Mal gibt es wieder was spannenderes…. *gg*

Links:

[1] die Website der Künstlerin (auf Livres und dann auf L´Africa, Petite Chaka klicken und mit der Maus umblättern)

Marie Sellier (Text), Marion Lesage (Illustrationen)
Sag mir, wie ist Afrika?
Peter Hammer Verlag, 2002, 40 S.

Martenstein, Harald.

12. August 2010

Donnerstag morgens ist Martenstein-Tag. Ich gebe es zu. Nicht als allererstes, nein, so weit geht es nun doch nicht, da sind weiterhin die Kanne Tee, das Brötchen (vegetarisch bel.. strichen) und auch die regionale Presse wichtiger. Ich will schließlich nicht der letzte sein, der erfährt, wenn Russland endgültig zum Rußland geworden ist und Pakistan zum Planschistan. Von Sachsen will ich garnicht erst anfangen. Schneit es in Schile eigentlich immer noch?
Und die Hunde müssen auch vor die Tür gelassen werden. Vorfreude (auf Martenstein meine ich) in jeder Gestalt trägt schließlich auch zur Lebensqualität bei. Aber dann, nämlich jetzt. Meist auf dem Ort, der manchmal garnicht so still ist wie man sagt. Muss ich mich schämen dafür? Die Natur hat es so eingerichtet, so richte ich mich hier nach der Natur. Nein, ich meine nicht Martenstein lesen. Sondern das andere.
Natürlich, vielleicht würde es noch mehr Spaß machen, Martenstein in Gesellschaft zu lesen, die sozialen Kontakte über dieses Gruppenerlebnis zu vertiefen. Gemeinsames lachen: ha-ha-ha. Oder die plötzliche Erkenntnis mit dem Freunden teilen können: ja, so isses! Aber ich bin meistens allein mit Martenstein. Er und ich. Ich und er. Außerdem würde es eng werden, dort wo ich lese. Mit vielen Leuten zusammen. Früher gab es wohl mal solche großen Anlagen, da hätte es mit dem gemeinsamen Lesen geklappt. Nicht überall gab es sie, aber es gab Institutionen, die sie vorrätig hielten. Das war jedoch vor Martenstein. Und gelesen wurde da wohl auch eher weniger.
Wir kennen uns nicht, obwohl ich das eben so schrieb, er und ich. Aber ich habe ihm was voraus: ich habe ihn schon gesehen. Er mich nicht. Er wird sich zumindest nicht erinnern. Gewiss, ich rief ihm seinerzeit laut zu, winkte (bis mir ein rotgesichtiger Hintermann den Arm leicht nach unten riss) und versuchte auch andererart, seine Aufmerksamkeit zu erregen. Aus der bloßen Masse hervorstechen, das ist heute nötiger denn je. Aber ich schätze, er hat das vergessen. Wenn Sie ihn treffen, fragen Sie ihn ruhig nach mir. Ich bin mir sicher, er wird alles abstreiten, sich umdrehen und gehen. Schließlich hat er ja was zu tun. Damit ich Donnerstags morgen nicht alleine bin, nach dem Teetrinken….

—–
Ich wollte schon immer mal was über Martenstein sagen, den ich ja auch schon live erlebt habe. Ich finde seine Kolumne (nennt man das so?) in ihrer trockenen Bösheit (wenn es trockenen Humor gibt, dann ist es bei Martenstein die böse Entsprechung) entlarvend, aufdeckend, provozierend (ja, es gibt auch ´ne Menge Diskussionen, wie **** das ist, was er da schreibt), auch zum eigenen Denken anregend, man muss ja schließlich nicht immer mit dem übereinstimmen, was er sagt. Natürlich überspitzt er, das muss er ja auch, selbst wenn es ab und an schwer sein wird, die Wirklichkeit zu übertreffen. Er ist politisch unkorrekt, ohne auf Stammtischhöhe herabzusinken, er zieht einfach nur manch liebegewordene Scheuklappe beiseite und gibt den Blick frei auf das, was man oft aus lieber Gewohnheit heraus und weil man sich der Mehrheit anschließt, ausblendet. Und wenn das mal nicht so ist, freu ich mich immer noch über die gedanklichen Volten, die er schlägt und ärgere mich über mich, weil mir so was nicht gelingt (andererseits: Russland zu Rußland: das reklamier ich jetzt für mich!). Aber wenn ich so einen Kram selber schreiben würde, was würde ich dann Donnerstags lesen wollen? Eben. Manches ist auch gut so, wie es ist!

Zu seiner wöchentlichen ZEIT-Kolumne

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