Maria Sveland: Bitterfotze

August 26, 2009

b-fotz

Sara nimmt eine Auszeit und fliegt für ein paar Tage nach Teneriffa. So weit, so gut. Der springende Punkt ist, daß sie alleine fliegt und ihren kleinen Sohn bei ihrem Mann zu Hause läßt. Damit stößt sie bei ihrer Umgebung auf Unverständnis.

Im weiteren Verlauf des Buches läßt Sara ihr bisheriges Leben, in dem sie sich benachteiligt fühlt, und zwar weil sie eine Frau ist, Revue passieren. Die z.T. schwierige Kindheit bei den Eltern, die sich nicht lieben, ihre Ehe mit Johann, die Schwangerschaft und die emotional sehr belastende Zeit nach der Geburt ihres Sohnes Sigge (das Kapitel, das mich noch am meisten beeindruckt hat), die Probleme, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. Insbesondere die Tatsache, daß sich Männer in der Gesellschaft bei solchen Problemen sehr viel leichter tun bzw. diese bei ihnen garnicht erst auftreten, ruft ihren Zorn hervor. Die Bitterfotzigkeit, wie sie dieses Gefühl in sich nennt, und wo sie garnicht müde wird, es immer und immer wieder hinzuschreiben..

Ich habe das Buch nach ca. der Hälfte weggelegt. Der Ton ist mir zu weinerlich, zu viel Selbstmitleid schwingt mit, sie fühlt sich benachteiligt und neidet dies den Männern. Ich will damit nicht absprechen, daß es für Frauen in der Tat problematischer, viel problematischer ist, Familie und Beruf zu koordinieren und daß wir Männer da auch viel mehr zur Entlastung der Frau tun könnten/müssten, aber Sveland spult in ihren Ausführungen, die sie Sara in den Mund legt einfach nur einen immer wieder auf Neid und Selbstmitleid reduzierbaren Sermon ab. Irgendwann hat es mich einfach genervt…. da gibt es sicherlich bessere Bücher zum Thema „Gleichberechtigung“ von Frau und Mann als diesen….

Eine ausführlichere Rezension mit kontroverser Diskussion findet sich bei amazon, wer also mehr wissen will….

Maria Sveland
Bitterfotze
Kiepenheuer & Witsch, Tb, 2009, 272 S.
ISBN-10: 3462040839
ISBN-13: 978-3462040838

Seit langem wieder einmal ein Buch in meine Kategorie „aus.sortiert“: nach dem Lesen von gut der Hälfte habe ich den Rest noch überflogen und das Buch dann weggelegt. Ich will damit nicht sagen, es sei ein schlechtes Buch, nur – für mich eben ein falsches.

Schlafanzug

Worum geht es in diesem Buch, das vom Verlag als „Fabel“ bezeichnet wird (im Grunde hat damit die Irritation bei mir schon angefangen, denn es kommen ja überhaupt keine Tiere drin vor… ;-) [1]) und welches in einer einfachen, in der Tat fast an ein Märchen erinnernden Sprache, also offensichtlich für jüngere Leser, geschrieben ist?

Bruno, ein neunjähriger Junge, lebt mit seiner Schwester Grete, der Mutter und dem Vater in einem wunderschönen, interessanten Haus in Berlin. Eines Tages kommt er nach Hause und sieht, daß alle Sachen gepackt werden und die Familie umzieht.

Das neue Haus ist bei weitem nicht so interessant, es liegt einsam irgendwo bei Aus-Wisch, Bruno hat dort keine Spielkameraden, er kann nirgendswo hin gehen und ist garnicht glücklich. Wenn er aus dem Fenster seines Zimmer schaut, sieht er ein großes Areal, das eingezäunt ist und in dem viele Menschen wohnen, die alles gleich angezogen sind.

Nach einigen Monaten dort will Bruno seine Umgebung erforschen und geht am Zaun entlang. Irgendwann trifft er dort auf einen Jungen auf der anderen Seite der Absperrung, mit dem er sich anfreundet. Daraus entwickelt sich eine Freundschaft, die aber (wir ahnen es) nicht glücklich enden wird, denn auch dieser Junge mit dem seltsamen Namen Schmuel hat diesen gestreiften Anzug an.

So weit, so gut? schlecht?…..

Bruno ist in dem Buch ein neunjähriger Junge, die Erzählung spielt 1943 (in diesem Jahr hat in den Lagern in der Tat der Kommandant gewechselt [2]), mithin hat Bruno seine Kindheit in der „Hochzeit“ des Nationalsozialismus erlebt. Und trotzdem – so will es Boyne – kennt er den Führer (im Buch: den „Furor“) nicht, weiß nicht, wie er aussieht, kann mit dem gelben Davidsstern nichts anfangen, ich glaube, er weiß noch nicht einmal, was Juden sind….. und auch im Handlungsverlauf selbst ist er bemerkenswert lernrestistent, die Situation, die er in Aus-Wisch erlebt, durchschaut er nicht im geringsten. Daß sich in einem Lager, in dem sich Tausende Menschen befinden, die – so kann er beobachten – von Soldaten bewacht und schikaniert werden, irgendwas Schlimmes ereignet – auf die Idee kommt er offensichtlich selbst durch die Gesprächen mit Schmuel nicht….. Das war mir dann doch zu unrealistisch und gekünstelt.

Warum Boyne so wohl geschrieben hat? Ich denke mal, weil er wirklich ein Publikum im Blickwinkel hat, das mit den Vorgängen im Tausendjährigen Reich absolut unvertraut ist, wo er tatsächlich bei Null anfangen muss. Die Leserschaft in Deutschland fällt meiner Meinung nach nicht in diese Gruppe [3], wahrscheinlich zielt Boyne dann doch eher auf den angelsächsische Sprachraum ab.

Was ich für sogar kritisch halte, ist folgendes: wenn ein neunjähriger Junge (es gibt Weltgegenden, in denen Kinder dieses Alters schon für die Familie mitsorgen müssen.. in dem Alter ist ein Kind also schon in der Lage, Situationen zu beurteilen und einzuschätzen), nicht merkt, was im 3. Reich vor seiner Haustür (und nicht nur dort, sondern im Grunde ja sogar in seinem eigenen Haus) geschieht, ja, dann kann es ja nicht so schlimm gewesen sein…. und diesen Eindruck ggf. hervorzurufen, halte ich für gefährlich.

Nachtrag: heute ist mir der Gedanke gekommen, daß man das übernaive Nichtwahrnehmen wollen von Bruno natürlich auch als Bild sehen kann für den normalen Deutschen, von denen im 3. Reich ja auch keiner was gewusst hat….

Facit: ein sehr zwiespältiger Eindruck: als Erwachsenen hat mich die permanent zur Schau gestellte Ahnungslosigkeit von Bruno einfach mit der Zeit genervt und Kinder sollten das Buch sicher nicht ohne Begleitung durch Erwachsene lesen, damit nicht falsche Eindrücke entstehen.

John Boyne
Der Junge im gestreiften Pyjama
Fischer (Tb.), Frankfurt, 2009, 269 S.
ISBN-10: 3596806836
ISBN-13: 978-3596806836

[1] Begriffsbestimmung Fabel
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Personal_im_KZ_Auschwitz
[3] Jugend und Holocaust

schamoni

Ok. Ich habe es auf S. 75 aufgegeben. Warum soll ich meine Zeit damit verplempern, Sternstunden der Bedeutungslosigkeit zu lesen (dabei ist der Titel noch mit das Witzigste am Buch, auch wenn die Anleihe bei Stefan Zweig angesichts der Bedeutungslosigkeit des Buchs und seines Inhalts mehr wie anmaßend erscheint…), liegen doch noch so viele andere Bücher in meiner KuB, die mir mehr bringen. Also: wech damit, auch wenn ich Bücher ungern nicht zu Ende lese…

Vorher noch kurz zum Inhalt: Michael Sonntag ist ein abgebrochener Kunststudent, der sich vorwiegend im Selbstmitleid suhlt, in einer selbstgewählten Warteschleife um das Leben kreist, seinen A*sch nicht hochkriegt und lieber in St. Pauli versumpft, um dann die nächsten Tage seinen Kater auszukurieren. Dazwischen selbstgestrickte pseudophilosophische Exkursionen über die eigene und die der anderen.. was denn eigentlich? .. ach ja: Bedeutungslosigkeit. Wie konnt ich´s nur vergessen…

Gut, das soll zum Inhalt reichen, ist vielleicht schon zuviel. Andererseits, der Ehre halber, bei amazon finden sich auch ne Menge Besprechungen, die sich für das Werk begeistern. So unterschiedlich ist die Welt.

Ach ja, das er es bei den Frauen auch nicht so bringt… versteht sich von selbst. Oder?

Rocko Schamoni
Sternstunden der Bedeutungslosigkeit
Rowohlt Tb., 2008, 249 S.
ISBN-10: 3499247267
ISBN-13: 978-3499247262

britannica

Natürlich, man muss Geld verdienen. Das versucht der Autor hier mit diesem Buch wohl, und zwar recht erfolgreich, gemessen am amazon-Verkaufsrang. Zwar ist Jacobs Redakteur beim „Esquire“ (und auch anderen Postillen), doch scheint das seine Zeit nicht über Gebühr in Anspruch zu nehmen, denn offensichtlich hat er trotz Familie und Beruf noch genug davon übrig, die Encylopedia Britannica zu lesen. Von A bis Z.

Verrate mir einer den Sinn dieser Unternehmung, ich weiß ihn nicht. Es sei denn, man macht es entweder aus Jux und Dollerei, um damit bei Guinness zu reüssieren oder man will damit Geld verdienen. Letzteres hat Jacobs wohl im Sinn und so liest er und liest und liest und schreibt ein paar Sachen, die ihm gerade auffallen von dem Gelesenen nieder, kommentiert sie mehr oder weniger humorvoll mit Schwänken aus seinem eigenen Leben – that´s it!

Da Jacobs verheiratet ist, nervt er seine Familie mit seinem Unterfangen gehörig, was ich nachvollziehen kann. Er mutiert zum Besserwisser (anfänglich nur für „A“.. aber hier arbeitet die Zeit für ihn), verwechselt aber immer wieder und leider „Klugheit“, „Intelligenz“ und „Wissen“. Vom mühsam angelesenen vergisst er naturgemäß viel, es prägt sich ihm vor allem das Skurrile ein (was ich durchaus verstehe) – aber warum läßt er uns, die Leser, damit nicht in Ruhe? Mit anderen Worten: er nervte auch mich, beim Lesen nämlich…..

Es ist, zu dieser rein persönlichen Einschätzung bin ich schnell gekommen, ein Buch, daß keinen Sinn hat, eine Ansammlung von Anekdoten ohne roten Faden, eine Auflistung von willkürlichen Stichworten. Man mag das witzig finden, dem kann ich mich nicht anschliessen. Für mich also seit langer Zeit also wieder mal ein Zuwachs in der Kategorie: „weg.gelegt“.

Aber eins muss man Jacobs dann doch lassen, er liest sich ganz gut, schreibt flott und unterhaltsam, wenn auch ohne Substanz. Sitzt man also am Örtchen, an dem man normalerweise alleine ist, sind seine kleinen Ergüsse genau die richtigen Begleiter, kurz und amüsant, da das Ende absehbar ist. Denn wenn man fertig ist, ist man fertig.

Facit: Für´s gleiche Geld bekommt man Bücher, die einem deutlich mehr bieten…. aber ich will nicht ausschließen, dass andere ganz anderer Meinung sind.

A. J. Jacobs
Britannica und ich
List, Februar 2008
ISBN-10: 3548607756
ISBN-13: 978-3548607757

Kluftingers zweiter Fall, mithin das zweite Exemplar dieser Regionalkrimi(reihe), die im Allgäu angesiedelt ist (wobei das lt Buch zuständige Polizeipräsidium in Augsburg angesiedelt sein soll, dort ist aber nur das für Schwaben (Nord) zuständige Präsidium zu ergoogeln, die PI Kempten, die für Altusried zuständig ist, gehört nach München, zum PP Oberbayern … oder ich müßt mich jetzt schon ziemlich vergoogelt haben…kleinlich, ich weiß. Aber wenn dem so ist, ärgern mich solche Fehler).

Ein so ein grausliger Toter wird gefunden, daß es dem Herrn Kluftinger schier die Luft verschlägt. Ist sowieso so ein Sonderling, der Herr Kommissar, für meine Begriffe auch so unsympathisch geschildert, daß ich das Buch nach ca. 100 Seiten weggelegt habe. Das bis zu diesem Zeitpunkt die Kriminalhandlung kaum eine Rolle spielte, hat mir den Entschluss zusätzlich leicht gemacht.

Ein Kommissar, dem in der Pathologie schlecht wird, der das englische Wort „brain“ im Wörterbuch nachschlagen muss, der schier Panikattacken durchmacht, wenn er eine e-mail öffnen muss, der wie in schlechten amerikanischen Krimi-Serien mit seinem Gehaltszettel rumfuchtelt, um das Fehlen eines Durchsuchungsbeschlusses zu kaschieren – das ist mir dann doch zuviel des Guten gewesen. Und sein tolpatschiges Verhalten im Kontakt mit seinem Spezialfreund Dr. Langhammer – nein, das hat mir nicht gefallen. Hier wird kein Original, kein liebenswerter Kauz oder Einzelgänger gezeichnet, sondern ein Mensch, der offensichtlich mit dem zufrieden ist, was er weiß und kennt und nicht dazu lernen will. Z.B. seine 127 ungeöffneten emails mal zu lesen. Und folgerichtig ist in den von mir gelesenen Seiten des Buches ein großer Teil seiner Aktivitäten darauf ausgelegt, diese Unkenntnisse zu kaschieren und zu verbergen. Gut, wem es gefällt.. das Buch hat ja seine Anhänger und Leser, denen es gefällt, ich gehöre jedenfalls erst mal nicht dazu.

Facit: Mag er auch im weiteren Verlauf des Buches den Kriminalfall lösen, ich werde es wohl nicht mehr erfahren, wie er das anstellt. Dazu liegen in meiner KuB genug Bücher, die mir wohl besser gefallen werden.

Volker Klüpfel u. Michael Kobr
Erntedank
Piper, 2007
ISBN-10: 3492245110
ISBN-13: 978-3492245111

Ich kann auch nicht sagen, warum, aber irgendwie habe ich kein Verhältnis zu diesem Büchlein bekommen. Was um so erstaunlicher ist, als daß mir ein Großteil der dort zu findenden Geschichten, 16 an der Zahl, gefallen. Seit mehreren Wochen habe ich diesen Diogenes-Band, habe immer wieder drin gelesen, aber es fällt mir schwer, eine Eindruck zu schildern. Dabei sollte es mir doch zusagen, weisen sie doch das auf, was ich normalerweise zu schätzen weiß. (schwarzen) Humor, skurrile, groteske, paradoxe Situationen, hakenschlagende Wendungen… und trotzdem werd ich mit dem Buch nicht warm….

..manchmal passt es eben einfach nicht. Aber das Büchlein geht ja nicht verloren und wer weiß, eines Tages, wenn es draußen regnet, der Wind gegen die Scheiben drückt, vielleicht bekomme ich dann doch Lust auf Juli….

Miranda July
Zehn Wahrheiten
Diogenes, März 2008
ISBN-10: 3257066058
ISBN-13: 978-3257066050

Ein 18jähriges Mädchen, Scheidungskind, muss in ein Krankenhaus zu einer Operation. Während sie nach der OP gelangweilt und schmerzgeplagt im Krankenzimmer liegt, kommt ihr die Idee, ihre geschiedenen Eltern an ihrem Krankenbett wieder zusammenzuführen und zu versöhnen. Die langen Stunden, die sie liegend und mit Beschwerden im Bett verbringen muss, läßt sie in ihren Gedanken ihr bisheriges Leben vorüberziehen.

Das ist jetzt ein Plot, der nicht unbedingt einen Bestseller verspricht. Daß es trotzdem einer geworden ist, ist wohl im wesentlichen auch folgenden Randbedingungen zu verdanken:

- Frau Roche betont immer wieder in ihren Interviews, daß sie es liebt, in Bereiche, die der Normalbürger gerne hinter Zäunen versteckt, das volle Licht zu halten. Damit umschreibt sie schlicht und einfach, daß sie den Tabubruch liebt und welche Tabus sind größer als die, die sich um Sex und Körperausscheidungen ranken, möglichst vielleicht sogar noch in Kombination.

- last not least wähnt sich die Autorin als Kämpferin wider den Hygienezwang, was sich in diesem Werk durch explizite Darstellungen möglichst unhygienischer Vorlieben und Praktiken äußert.

Das Buch beschäftigt sich im wesentlichen mit Körperausscheidungen, was man mit ihnen machen kann und wie man sie in Sexspiele autoerotischer und anderer Natur einbauen kann. Nur haben Tabubrücke leider einen Nachteil, sie wirken nur das erste Mal, danach wird es langweilig. Sind also erst einmal alle Körpersekrete, -ausscheidungen und -flüssigkeiten, angefangen von (Menstruations)Blut, Eiter, Mitessern, Erbrochenem über Wundschorf, Smegma und selbstverständlich auch Urin und Kot von der Hauptperson bzw deren Sexualpartner wieder inkorporiert worden, fängt man kopfschüttelnd an zu gähnen und fragt sich: „Was soll das?“. Muss man, um als moderner, aufgeklärter Mensch dazu stehen, solches gut finden? Oder gar mutig, wie R. Willemsen auf dem Cover zitiert wird?

Natürlich ist die Übertreibung immer auch ein Stilmittel, um Missstände oder Fehlentwicklungen (hier meint Roche durchaus nachvollziehbar die ihrer Ansicht nach übertriebenen Hygieneansprüche unserer Zeit) anzuprangern und zu verdeutlichen. Aber die Übertreibung, die ein einen Exzess umschlägt, und das geschieht in der Geschichte, die sie hier erzählt, ist kontraproduktiv, sie ruft ein: „bevor ich jede Bahnhofsklobrille mit der Muschi abwische, dusch ich doch lieber zweimal täglich…“ hervor…. und verfehlt damit das Ziel.

Die gedanklichen Rückblenden der Heldin in die Sphären ihrer Körperselbsterfahrung werden locker durch eine Rahmenhandlung verbunden, den Bemühungen um eine Wiederversöhnung der Eltern einerseits und eine sich anbahnende Beziehung zwischen ihr und ihrem Pfleger Robin. Letztere schildert Roche hoffnungsvoll, während die Familienzusammenführung scheitert.

Geschrieben ist das Buch zwar flott und gut lesbar, aber die Sprache orientiert sich sehr am gesprochenen Wort bzw am Schreibstil, wie man ihn in vielen Foren, Blogs oder Chats findet. Für die Entwicklung von halbwegs fundierten Gedankengängen ist diese Art zu Schreiben, kaum geeignet.

Welche Botschaft übermittelt das Buch, will es übermitteln? Ich weiß es nicht. Ich gebe auch zu, daß der reine Unterhaltungswert des Buches für mich gering war, geschweige denn, das es in irgendeiner Art und Weise einen „erotischen“ Kitzel auf mich ausübte.

Mein Facit also: die 14,90 € nehmen, die das Buch kostet, die Partnerin/den Partner schnappen und ab in die Eisdiele (oder, um die Buchhändlerin meines Vertrauens nicht zu verärgern, ein anderes Buch mitnehmen…..)

Charlotte Roche
Feuchtgebiete
Dumont, 2008
978-3832180577

Eine (willkürliche) Auswahl von Interviews mit Frau Roche zum Buch:

http://www.gq-magazin.de/articles/unterhaltung/buch/Charlotte+Roche/2008/03/06/07562
http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~E7BE1D30BD6184D68BD8B373CD6E02080~ATpl~Ecommon~Scontent.html
http://www.swr.de/kultur/buch/charlotte-roche/-/id=3260/nid=3260/did=3313770/rfofyw/index.html

…. und noch ein paar Anmerkungen von mir…

ernaux175.jpg

„Sich verlieren“, ein Buch aus der KuB, das ich nach einigen Jahren des Wartens doch gelesen habe. Ich hatte es seinerzeit wohl einer Kritik wegen gekauft, vielleicht, weil es in unserem Nachbarland offensichtlich ein großer Erfolg war, es dann aber doch nicht gelesen, weil mir die Seelenschau der Autorin nichts sagte, mich langweilte.

Der Inhalt ist kurz erzählt: die französische Schriftstellerin hat ein Verhältnis mit einem verheirateten russischen Diplomaten. Die Beziehung ist aus praktischen und anderen Gründen nicht unproblematisch, die Frau ist dem Mann verfallen bis hin zu einer Art Hörigkeit. Sie schreibt ein Tagebuch über diese Zeit, in der sie offen und ohne Scheu ihre Gedanken Gefühle, ihre Ängste und Hoffnungen, niederlegt. Dieses Tagebuch wird hier wiedergegeben.

Als Aussenstehender, der mit der Affäre nichts zu tun hat, erkennt man, daß die Gedankenwelt der Frau immer nur um das eine kreist: kommt er, und wenn, wann? Ruft er an oder nicht und wenn er nicht anruft, was bedeutet das? Gefall ich ihm oder nicht? In gewissem Sinn erinnert mich das Buch an Shalevs „Liebesleben„, hier wie dort eine Frau, die einem Mann verfallen ist, sich quält, ihre Selbstständigkeit verliert und sich nur noch über den Mann definiert.

Ich habe das Buch nicht ganz gelesen, ein gutes Drittel, den Rest habe ich durchgeblättert und ab und an reingelesen. Es war zu deprimierend, ein immerwährender Kreis, in dem sich die Frau befand, der keinen Ausgang hatte. Bis auf den einen: die Abreise des Mannes, der die Frau zurückläßt in ihrer Verlorenheit….

Facit: Ein schwieriges Buch, eine kaum nachvollziehbare Gefühlswelt, die auch den Leser belastet.

Annie Ernaux
Sich verlieren
Goldmann 2003
ISBN-10: 3442310032
ISBN-13: 978-3442310036