Sherry Hormann: Wüstenblume

September 29, 2009

wuestenblume

Waris ist ein Nomadenmädchen, das mit ihrer Sippe in den Wüstengebieten Somalias lebt. Sie soll als junges Mädchen als 4. Frau mit einem älteren Mann verheiratet werden. In der Nacht vor der geplanten Verheiratung flieht Waris jedoch durch die Wüste und will in die Hauptstadt Mogadishu. Fast schafft sie es nicht, nur mit letzter Kraft erreicht sie die Stadt. Dort findet sie ihre Oma, die für sie sorgt und sie auch außer Landes nach London bringt, denn in Somalia drohen Unruhen.

In England arbeitet sie einige Jahre als Hausmädchen in der somalischen Botschaft. Als der Bürgerkrieg ausbricht, wird das Botschaftspersonal nach Somalia zurückbeordert, erneut jedoch flieht sie und irrt jetzt obdachlos und praktisch ohne Sprachkenntnisse in den Straßen Londons herum.

In Sally findet sie nach einiger Zeit eine Freundin, die sich um sie kümmert, sie bei sich beherbergt und ihr auch einen Tip gibt, wo sie Arbeit finden könnte. Als Putzkraft in einem Burger“restaurant“ wird sie von einem älteren Mann angesprochen, einem Fotographen, der ihr seine Visitenkarte gibt, die sie aber achtlos wegsteckt.

Eines abends kommt sie in das gemeinsame Zimmer mit Sally und findet diese beim Sex mit einem Freund. Sie ist schockiert, dies widerspricht allen ihren Moralvorstellungen. Die beiden Freundinnen reden miteinander und Waris öffnet sich, erzählt Sally von ihrer Beschneidung und kann es garnicht glauben, daß es das im Westen nicht gibt.

Um den Inhalt etwas abzukürzen… Irgendwann geht Waris zu dem Fotographen, der sie knipst und an eine Agentur weiterleitet. Diese nimmt sie unter Vertrag, bildet sie aus und nach einigen Turbulenzen (Der Pass von Waris war natürlich schon lange abgelaufen und sie daher illegal im Land, so daß sie zum Schein heiratet) feiert Waris als Model überall auf der Welt Triumphe und gehört zu den Top-Models überhaupt.

Bei einem Interview für eine Frauenzeitschrift soll sie über den Tag berichten, der ihr Leben veränderte. Natürlich war damit von der Redaktion der Tag gemeint, an dem der Fotograf sie ansprach, Waris aber erzählt von dem Tag, an dem ihr brutalste Gewalt angetan, sie beschnitten wurde. Nachdem sie geendet hat, geht sie und läßt eine hemmungslos weinende Interviewerin zurück und auch die meisten Zuschauer im Kino werden mit den Tränen zu kämpfen haben.

Waris Dirie macht sich den Kampf gegen diese barbarische Verstümmelung der Frauen zu eigen, sie wird zur Sonderbotschafterin der UN ernannt und sie hat Erfolg. Zumindest offiziell wird die Verstümmelung weiblicher Genitalien in den nächsten Jahren in vielen Staaten verboten.

Soviel zum Inhalt. Der Film selbst hat viele Aspekte: er zeigt das Nomadenleben in Somalia, die unbarmherzige Landschaft dort. Die Szenen mit Sally, der verhinderten Balletttänzerin sind zum Teil schreiend komisch, das Leben als Top-Modell glanzvoll, als Obdachlose Aushilfsputze armselig. Die Untersuchung von Waris, die von Sally wg. Schmerzkrämpfen ins Krankenhaus gebracht wird, ist einfach nur erschütternd und das archaische Moralverständnis des somalischen Pflegers, der dolmetschen soll, ist so .. unverständlich und empörend…

Der Film vollbringt ein kleines Kunststück, er unterhält und rüttelt doch auf, ohne dabei aber auf plumpe Schockeffekte zu setzen. Natürlich, vertieft wird das Thema der Genitalverstümmelung nicht dargestellt, aber muss man das? Die Erzählung von Waris über ihre Beschneidung mit den wenigem Bildern und die abschließende Rede vor den UN reichen völlig aus, die Ungeheuerlichkeit dessen, was da vieltausendfach am Tag geschieht, deutlich zu machen…..

Noch was zu den Schauspielern? Liya Kebede (Waris) ist sehr überzeugend mit einer verblüffenden Ähnlichkeit zur echten Waris Dirie, Sally Hawkins als Freundin von Waris ist einfach klasse und auch der Fotograph (Timothy Spall) wird sehr sympathisch dargestellt, mehr ein väterlicher Freund von Waris, der ihre Persönlichkeit achtet und sie behutsam in ihre neue Welt des Modelns begleitet.

Facit: ein empfehlenswerter Film

Links: http://www.wuestenblume-film.de/
Die Waris-Dirie-Stiftung
Ein wenig Material zum Thema FGM (female genital mutilation)
Waris Dirie: Wüstenblume (Das Buch von Dirie)

Im Rahmen der Mittelrhein-Musikmomente 2009 habe ich gestern mit Freunden die Lesung von Martenstein im Besucherzentrum der Loreley besucht. Aber nicht nur Martenstein hat gelesen, sondern auch das Twintett der Vanacek-Brüder hat gespielt, unterstützt von Erwin Ditzner am Schlagzeug. Wenn ich hier so schreibe, als wüßte ich wovon, täuscht das, zumindest die Musiker kannte ich natürlich nicht.

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Martenstein schon. Klar. Schließlich bin ich bekennender Leser der ZEIT, in der der gute Mann seine wöchentliche Kolumne hat, die immer als erstes dran glauben muss. Da geht es dann schon ab und an ziemlich „böse“, sprich: giftig und politisch unkorrekt her. Dabei sind das besondere nicht die Themen an sich, sondern das offene Augen und die offenen Ohren für all das Absurde um uns herum.

Aber, Martenstein wird es verkraften, das wirklich schöne am Abend waren die Musiker mit ihren Beiträgen. Ohne Ahnung von Musik zu haben, das war einfach klasse.

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Und da alle im Saal geklatscht und gejubelt haben, denke ich, daß ich mit meiner Einschätzung garnicht so falsch liege… ist ja ein wenig wie beim Weintrinken: gefällt, gefällt nicht… ;-) Jedenfalls hätte ich nie gedacht, daß man mit zwei Blechblasinstrumenten so eine starke Musik machen kann (auf dem Bild rechts wird übrigens gerade die Posaune als Streichinstrument „missbraucht“) …. und der Schlagzeuger einfach geil.. oder sagt man jetzt porno .. jedenfalls nicht schwul. Um mal Martensteins Erfahrungen zur deutschen Sprache hier einfließen zu lassen.

Wenn es jetzt ein wenig so klingt, als sei dies für mich in erster Linie ein Musikereignis gewesen.. nun ja, Martenstein hat halt das „Pech“ (was bei Mehrfachverwertungen nicht selten sein dürfte), daß ich seine Texte, die er sehr spannungsreich und pointiert vortrug, schon kannte, das Überraschungsmoment also fehlte. mart3 Trotzdem: Gehört ist immer noch was anderes als Gelesen, die Schwerpunkte liegen einfach anders. Und den „Meister“ persönlich erlebt zu haben, das zählt selbstverständlich auch zum Besseren….

Die Veranstaltung in recht intimen Rahmen, vielleicht 10 Stuhlreihen á 8 Stühlen im Besucherzentrum (Bistrobereich) an der Loreley statt, anschließend noch in einem für mich neuen, wunderschönen Lokal an einem völlig unvermutetem Ort Pfifferlinge mit Brotnokken (jedenfalls so ähnlich….) gegessen.. also, ein toller Abend!

Hier jetzt der Link zu der offiziellen

Bildergalerie,

deren Bilder natürlich vieeel besser sind als meine, aber meine hier verletzen das copyright wenigstens nicht… witzig, ich bin übrigens auch auf den Bildern zu sehen, zumindest, wenn man weiß, wo… ;-)

musikmCorinna Harfouch liest Andersens Märchen: „Die kleine Meerjungfrau“ und wird dabei begleitet von Hideyo Harada, die auf dem Flügel aus den „Lyrischen Stücke„n von Grieg vorträgt.

Veranstaltungsort: St.Barbara-Kirche in Braubach am Rhein.

Ich empfinde diese (ehemalige) Kirche von aussen wirklich nicht als sehr schön, wuchtig und dunkel der Turm, auch wenn das Gebäude selbst durch sein Weiß heller daherkommt. Zudem liegt sie noch recht eng eingekeilt zwischen anderen Häuser und der direkt vorbeilaufenden Bahnlinie am Rand der Braubacher Altstadt. Innen ist sie viel netter, der Kirchenraum mit seiner umlaufenden Empore, die alten Holzpfeiler, es macht einen gemütlichen Eindruck

Leider/umständehalber sitze ich ohne Brille in der letzten Reihe, so daß ich von der Pianistin eigentlich garnichts sehe (gut, daß es die Bildergalerie gibt) und von Frau Harfouch auch nicht viel. Aber es ist ja eine Hörveranstaltung und das klappt noch ganz gut….

Harfouch liest das Märchen, man kann sich so richtig schön in ihre Stimme fallen lassen und das, was sie liest, in der Phantasie zu Figuren formen, zu Szenen, so daß sich das Märchen vor dem eigenen geistigen Auge wie auf einer Bühne abspielt. Nach jeweils einigem Minuten macht sie eine Lesepause, in der dann aus Griegs Lyrischen Stücken gespielt wird, mal lautere, mal leisere, passend zur vorher gelesenen Passage.

Insgesamt ein sehr schöner Abend, eine sehr harmonisch Vorstellung.

Einige Bilder von der Veranstaltung.

Veranstaltungsreihe: Mittelrhein-Musikmomente 2009

salvation

„Und, was haste von dem Film gehalten?“
„Och, was ich mir versprochen hatte. Ging hin und her und hat ordentlich geknallt!“
„Aha.“

„Daß es bei Maschinens immer so schmutzig sein muss!“
„Ja, und alle hatten dreckige Fingernägel!“

„Die müssen aber schwere Jugend gehabt haben, diese Blechkästen!“
„Ja, so gemein, wie die zu der Oma sind!“

„Also, ein Naturfilm ist das jetzt nicht!“

„Boay, wo de hinguckst, immer gibt es diese schwachmatigen Feuerbälle. Was sagt denn da die Berufsgenossenschaft zu?“

So in etwa. Mehr schreib ich jetzt nicht dazu. Der dritte Terminator ist ja gegen die ersten beiden schon derbe abgefallen, aber der hier…. und dann noch dieser alberne Schwarzenegger-Auftritt aus der Konserve…

… das einzig gute: einen Abend mal was ganz anderes…. und der leckere Grieche vorher.

endlich hatte ich mal meine kamera dabei, das wetter war gut und obwohl die optik die linien verzerrt (aber es ist ja eh eher eine „Buchhandlung“, in der es um rundungen geht….) habe ich jetzt ein schönes bild einer meiner lieblingsbuchhandlungen…..

buchhandlung

.. es wäre die fast perfekte illustration zu baurs letztem abschnitt in ihrem buch „dessous„, in dem sie ja davon spricht, daß es jeder Krimiliebhaber geniesst:

„… daß ihm die Hintergründe erst langsam enthüllt werden und des Rätsels Lösung erst ganz am Ende.“

und weiter meint sie:

„Natürlich kennt mein angeheirateter Geliebter meinen Körper längst auswendig.
Aber mit den richtigen Dessous wird es eben doch immer wieder so spannend, daß er zu lesen anfängt.“

Paddy goes to Holyhead [1, 2] war am 9. April nach 9 Jahren mal wieder in Lahnstein, was insofern bemerkenswert ist, da ich als alter Musiknichtliebhaber mein letztes Konzert vor 9 Jahren in Lahnstein mit PGTH hatte.. also war es natürlich schon fast eine Ehrensache, daß wir wieder hin sind…

Folk Rock, vorwiegend irischer Natur. Viele alte Songs, manche neue, aber alle gehen sofort ins Blut. Das Publikum ist begeistert, singt mit, tanzt und hüpft, und Paddy hat seine Leute im Saal schnell im Griff. Man merkt den Profi, dessen Leben die Bühne ist, er findet die richtigen Worte für seine Fans, macht seine Späße, überbrückt technische Pannen ohne Probleme und ohne sich (noch mehr als eh schon) ins Schwitzen bringen zu lassen. Irgendwann nach der Pause ist auch die Geige mal richtig im Spiel und .. gut ist es, Love song No. 90 ist eh einer meiner Favoriten.

Am besten beeindruckt natürlich immer die Geige, insbesondere, wenn sie von ´ner Frau gespielt. Aber die kommt wirklich einfach gut *gg*.. und die Mundharmonika von Paddy, die er bei einigen Songs spielt….

So steh ich da, lauf ein wenig rum, setz mich auch mal auf einen Pfeiler (das Konzert fand in einer umgebauten Scheune statt), zück meine „super-klick-1″ und halt einfach drauf… :-) ) ein paar der bilder sind sogar (zumindest unter dem Aspekt des Erinnerungswertes) ansehbar.. irgendwann denk ich mir, wenn ich schon Bewegungsunschärfe habe, warum nehm ich nicht ein kleines Filmchen (es lebe die Fototechnik!!) auf? Gesagt, getan…

Love Song No 90

und das mit dem ?? – Titel:

.
.

Doch, es gibt ne Menge wirklich schöner Songs, die Paddy spielt. Die alten CDs sind ja noch im Schrank, wenn auch lange nicht mehr gehört. Wird sich ändern, ganz bestimmt….. der 9. April jedenfalls war ein schöner Abend….

Links:

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Paddy_Goes_To_Holyhead Beschreibung und Geschichte der Band, weiterführende Links
[2] Homepage der Band

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Gestern gastierte das Landestheater Detmold [1] in der neuen Stadthalle in Boppard mit dem Dürrenmatt-Stück: Der Besuch der alten Dame [3].

Der Halle in Boppard ist nagelneu, sehr hell, alles in weiß gehalten, macht einen freundlichen Eindruck. Auch das Innere mit den Lichtern (unteres Bild) ist sehr stimmungsvoll. Aber es ist natürlich kein Theatersaal, der vielleicht sogar leicht ansteigt und so hat die Bestuhlung den Nachteil, daß man immer irgendwie den Kopf des/r Vordermannes/frau im Blick hat. Ich habe an manchen Stellen erst gemerkt, daß noch jemand auf der Bühne war, wenn ich die Stimme gehört habe… und wie man so am Getuschel hören konnte, war ich nicht der einzige, dem es so ging. Zumindest mein/e Hintermann/frau wird diese Probleme auch gehabt haben, da ich ja mit meinen Kopf hin- und herwackelte, um die Sichtlücke zu suchen….

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Das Bühnenbild war einfach, aber passte gut zum Stück, es konnte auch für die einzelnen Szenen gut umgebaut werden. Die Umbaupausen wurden mit Klanggeräuschen gefüllt (ein anderes Wort fällt mir dazu nicht ein), die mir aber gut gefallen haben. Dagegen waren die Zuggeräusche am Anfang des Stückes teilweise recht laut…

Von den Schauspielern hat mir die Claire sehr gut gefallen [4], auch der Bürgermeister hat den opportunistischen Lokalpolitiker gut rübergebracht [2]. Claire bricht wie eine Naturgewalt über Güllen hinein, sie kennt keine Widerstände, fegt alles hinweg. Die Anbiederungen der Güllener um ihres Geldes willen müssen sie anekeln, mit stoischer Verachtung nimmt sie die Huldigungen des Chores, der Redner und des Turners in seinem kurzen Leibchen entgegen. Einzig menschlich scheint sie im Schmerz der Erinnerung an die Vergangenheit zu werden, der Schmerz, der nicht vergangen ist, der sie dazu trieb, den Ort zu vernichten. In diesen Momenten wird ihre Miene weicher, die Augen blicken nicht mehr ganz so kalt, sind nach innen gewandt. Eiskalt dagegen erscheint sie, wenn sie die Güllener sieht, die die ganzen Jahre wie Käfer unter einer Lupe lebten, nicht wissend, daß sie, Claire, sie in der Hand hatte, sie jederzeit endgültig vernichten konnte. Kaum ein Trost, daß ihre Ehemänner derselben Verachtung ausgesetzt sind. Rücksicht oder Mitleid, diese Regungen fand man nie im Gesicht der Claire Zachanasian.

Den Ill dagegen, die zweite Hauptrolle, fand ich persönlich nicht so toll. Irgendwie stach er aus der Gruppe der Schauspieler heraus, aber vielleicht sollte dies auch so sein, denn zum Schluss steht er ja als Einziger für seine Überzeugung ein, während alle anderen sich als käuflich erwiesen haben.

Obwohl ich das Stück ja zur Vorbereitung gelesen hatte, ist es doch etwas völlig anderes, es gespielt zu sehen. Vieles wird klarer, deutlicher, auch der Sinn mancher Sachen kommt besser heraus. Das ist eben die schauspielerische Leistung, die dort oben gebracht wird. Wobei sich die Detmolder Inszenierung nicht um eine spezielle Interpretation des Stückes bemühte oder es an moderne(re) Zeiten anpasste, sondern sich eng an die Vorlage von Dürrenmatt hielt.

Zum Schluss war es (jetzt hätte ich fast geschrieben, wie im richtigen Leben) dann so, wie Dürrenmatt es uns auf´s Banner geschrieben hat: Claire suchte Gerechtigkeit und übte einfach nur Rache: Wenn man genug Geld hat, hat man die Macht, den Einfluss, beides zusammentreffen zu lassen: eine Strafe für Ill wäre gerecht gewesen, diese spezielle war jedoch einfach nur Rache. Durch die sich Claire selber schuldig gemacht hat genauso wie die Bürger von Güllen.

Facit: trotz der kleinen Abstriche ein schöner Abend, der Lust auf mehr Theater gemacht hat!

dame2k

Links:

[1] Landestheater Detmold: Homepage
[2] Landestheater Detmold: Besetzung des Stückes/ Zeitungsbesprechung
[3] habe ich hier schon vorgestellt
[4] Gaby Blum als Darstellerin der Claire, hier noch mehr über sie…

intern

Die diesjährige Berlinale wurde von Tykwers hollywoodproduziertem Film „The International“ (International was…. fehlt da nicht was?) eröffnet, dementsprechend waren Film und Regisseur gut beworben und in den Medien präsent. Neugier also geweckt, denn deutsche Filmemacher auf internationalem Parkett sind ja immer noch eher die Ausnahme als die Regel. Außerdem gab´s ja beim letzten Kinobesuch den Trailer zu sehen und der war zumindest nicht so abschreckend wie der von Carreys „Ja-Sager“….

Ok. Also, in dem Film geht es darum, daß eine Bank, die „International (ah…. !) Bank of Commerce und irgendwas“, im folgenden und im Film nur IBCC genannt, ihre Geschäftsfelder offensichtlich auf die lukrative Finanzierung und überhaupt Abwicklung von Waffengeschäften aus und an zwielichtige Quellen (immer aber Großlieferanten und -abnehmer) ausgedehnt hat. Lonely Wolf Salinger spürt diesen Geschäften schon seit längerem vergeblich nach, nachdem er beim Yard rausgeschmissen wurde, jetzt eben bei Interpol. Unterstützt wird er von der NYer Staatsanwältin Eleanor Whitman. Leider, leider leider stirbt aber jeder, der den Geschäften der Bank nachspürt (außer Salinger, aber dann gäbe es ja auch den Film nicht….) und ihrem Boss zu nahe kommt. Und mit dieser Konstellation wird der Film dann auch eröffnet, am Berliner Hauptbahnhof treffen sich ein aussagewilliger Banker und ein Interpolagent, beide überleben dieses Treffen nicht. Der eine stirbt etwas früher, der andere etwas später….

Agent Salinger bleibt aber am Ball, bekommt einen Tip von einem erneut dem Tod geweihten (weiß der natürlich nicht) und kann dann aber die Spur dessen Mörders nach NY verfolgen. Dort – unterstützt von einem taffen Team des NYDP – inszeniert Tykwer im Guggenheim ein Aufeinandertreffen von Gut und Böse, bei dem an Munition nicht gespart wird. Salinger überlebt, bekommt vom resignierten, in die Altersweisheit geflohenen Ex-Stasi Oberst Wilhelm Wexler (Müller-Stahl ist es, der hier den Consigliere gibt) und paar Lebensweisheiten und zusätzlich eine heisse Information und das Finale über den Dächern von Istanbul ist gerettet. .. ob sich aber irgendwas ändert dadurch, das läßt das Ende des Films offen.

Soweit zum Inhalt, der hoffentlich immer noch neugierig genug macht, sich den Film anzusehen. Denn so schlecht hat er mir garnicht gefallen. Action ja, aber ich hatte nie das Gefühl, die Handlung sei um die Action herum konstruiert worden. Natürlich – die Guggenheim-Szene ist schon zentral, wird ja auch in Reviews immer hervorgehoben. Es geht auch ganz ordentlich zur Sache, wie üblich überlebt der Gute trotz der mannigfachen Übermacht des Bösen.. (wo kamen die eigentlich auf einmal alle her??.. egal…. die Macht ist mit der Bank…), aber das muss wohl so sein, weil sonst der Film nicht weitergeht…. und das Guggenheim mit seiner weißen Rotunde, in der man so ein wenig die Orientierung verlieren kann ist ein imposanter Hintergrund für so eine Ballerei. Schön vor allem, daß Tykwer nicht vorhatte, diesen Action-Höhepunkt in der Schlussszene noch zu toppen, diese ist eher unspektakulär (bis auf die Aussicht…) und – insofern man das überhaupt sagen kann – viel realistischer gehalten.

Die Handlung des Films.. nun, es bleibt vieles, was passiert, im Dunkeln. Aber das entspricht ja auch der Wirklichkeit, die Details, die Absprachen, die Deals werden nicht im Rampenlicht verabredet und Tykwer gibt dem Zuschauer in einigen Szenen eben genau das Maß an Informationen, das gebraucht wird, um zu verstehen, was im Prinzip Sache ist. Genauso wird der interne Druck, unter dem die Ermittler stehen, nur angedeutet, ohne im Einzelnen auszuführen, wer wen durch was in der Hand hat. Die Bank als Krake im Grunde alle, doch sie selbst ist auch verwundbar – durch ihre hochriskanten Geschäfte, die sie ohne Rücksichten durchziehen muss, weil sie sich davon abhängig gemacht hat (wie im richtigen Leben eben… Bankier, Banker, Bankster … kann man mit dem Timing eines Films wirklich so viel Glück haben?). Und so kann nur eine einsamer, frustrierter, verbissener, zu (fast) allem entschlossener Einzelgänger wie Salinger, der nicht mehr unter Kontrolle ist, der Bank wirklich gefährlich werden (obwohl dieses Motiv des einsamen Wolfes ja auch schon etwas abgenutzt ist…). Um Watts in der Rolle der Staatsanwältin hat es mir ein wenig leid getan, sie hatte ausser ein wenig Stichwortgeberei und Zubringerdiensten kaum was zu tun, wurde sicherlich unterhalb ihrer Möglichkeiten in Szene gesetzt… Schade.

Facit: Ein akzeptabel intelligenter Thriller, bei dem die Action gottseidank nicht die Hauptrolle spielt.

Links

(Einige wenige) Interviews mit Tykwer
….in ifc.com
… in moviehole.net
… und bei spielfilm.de

knopffilm

Gut, ich fange, so wie alle anderen auch, ebenfalls damit an: F. Scott Fitzgerald hat eine Kurzgeschichte geschrieben, in der die Hauptperson lakonisch feststellt: „Ich wurde unter ungewöhnlichen Umständen geboren.

Richtig. Am Tag, als der 1. Weltkrieg aufhörte wurde dieses Kind geboren, starb seine Mutter im Kindbett und setzte sein Vater es auf der Treppe eines Altenheimes aus. Das Baby hatte das Gesicht eines Greises.

David Fincher setzt in seinem Film eine Idee von Fitzgerald [5] um, nämlich zu zeigen, wie das Leben eines Mannes verlaufen würde, der als Greis geboren die Zeit rückwärts durchläuft und dann als Baby sterben würde. Aber was wollte uns der Regisseur mit seinem Werk sagen und warum habe ich mir den Film angeschaut?

Gute Fragen, letztere läßt sich einfach beantworten: Vor dem Kino kehr ich immer beim benachbarten Griechen ein und dazu hatte ich mal wieder Lust. Und da alle Welt den Film so lobt.. nein, nicht alle Welt, wie ich gerade freudig gefunden habe, ausgerechnet in der Welt zeigt sich Widerstand [4]. Damit wäre die zweite Frage geklärt, aber die erste? Vielleicht wollte uns Fincher einfach zeigen, daß der Wunsch nach ewiger Jugend, nach dem Jüngerwerden bzw. Jüngersein/scheinen, als man ist, die Welt nicht wirklich einfacher macht, sondern auch so seine Fragen aufwirft….. vielleicht also das die Aussage des Films….

Ganz kurz der Inhalt, der – falls ausführlicher gewünscht -, ansonsten an anderer Stelle [1, 3, 4] nachgelesen werden kann:

Das namenlose Baby wird an einem Altenheim ausgesetzt, von einer Altenpflegerin adoptiert und auf den Namen Benjamin getauft. Es hat einen plötzlichen Wachstumsschub, denn schon kurz danach sitzt es in Zwergengröße im Rollstuhl, mit der Konstition eines vergreisten Menschen, aber mit kindlichem Gemüt (Vielleicht bin ich aber auch nur eingenickt und habe diese anfängliche Metamorphose versäumt, mag sein….). So wächst Benjamin, für den die Zeit rückwärts läuft, in einem Altersheim, nun ja, auf wohl kaum, eher müßte man jetzt „ab“ sagen.. im Lauf der Zeit wird sein Körper wieder stärker und weniger alt. Um ihn herum sterben dagegen die Menschen … und er lernt Daisy kennen, ein im Geist gleichaltes Mädchen, der er sofort verfällt….

Und so vergeht die Zeit, alles um Benjamin herum wird älter, Benjamin dagegen jünger… er macht sich irgendwann aus dem Altenheim auf in die Welt, heuert auf einem Schiff an, zieht in den Krieg, schreibt Postkarten an die immer erwachsener werdende Daisy, hat in der Ferne eine kurze, aber heftige Affäre mit einer britischen Beinahe-Ärmelkanal-Durchschwimmerin, kommt dann wieder nach Hause zurück, trifft die mittlerweile erwachsen gewordene Daisy, die eine Balletttänzerin geworden ist, aber dann eines Tages einen Unfall hat.

Endlich dann kriegen sie sich, beide jetzt gleich alt, zeugen eine Tochter und Benjamin (vergessen: sein leiblicher Vater hat sich ihm irgendwann in dieser Zeit offenbart und vermacht ihm seine Knopffabrik…) übernimmt die Verantwortung, vermacht Mutter und Tochter seinen ganzen Besitz und wandert in die Welt hinaus, denn seine Tochter braucht einen Vater, keinen Spielgefährten.

Nach einigen Jahren wandern kommt er noch mal zurück, als jugendlicher Beau… dann wird er irgendwie aufgegriffen als Junge, der an Demenz leidet, wohnt im Altenheim und wird von Daisy gepflegt. Dann wird er zum Kind, zum Säugling .. zum Baby und dann stirbt er. Dann ist der Film aus.

Na ja, fast. Es gibt noch eine Rahmenhandlung: Beider Tochter liest der sterbenden Mutter (was eine fürchterlich synchronisierte Stimme) die Aufzeichnungen von Benjamin vor (die Fincher uns verfilmte) und erfährt dabei, wer ihr Vater ist. Da das 2005 geschieht und in New Orleans spielt, kommt dann auch noch Katrina und setzt alles unter Wasser.

Film jetzt endgültig aus.

Ein opulentes Werk, fast drei Stunden lang, das wir uns zusammen mit Brad Pitt anschauen. Denn agieren, ein Profil hat Pitt in diesem Film eigentlich nicht. Er schaut zu, wie sich die Welt um ihn herum verändert, er nimmt allenfalls zur Kenntnis, das alles nicht so einfach ist für ihn und daß das Jüngerwerden auch so seine Probleme hat, ebenso wie das Älterwerden. (Im übrigen hat mir Brad Pitt eh nur in einem Film wirklich gefallen, und das war „12 Monkeys“, ansonsten bleibt er für mich ein farbloser Typ ohne wirklichen Charakter). Vielleicht aber tu ich ihm auch unrecht, vielleicht hat man, wenn der eigene Zeitpfeil so außer allem liegt, auch keine Möglichkeit, sich normal zu verhalten, Eigenschaften zu entwickeln.

Blanchett dagegen (gut, Cate kann eh nichts falsch machen, eine meiner Lieblingsschauspielerinnen…) ist fassbarer in ihrem Charakter, hat mehr Profil. Sie wächst heran, hat Leidenschaften, ein Leben, all das, was Pitt als Benjamin nicht hat. Nur die Liebe eint die beiden und in dem Zeitpunkt, in dem beider Leben auf dem Höhepunkt ist, leben sie ihre Liebe für kurze Zeit. Mit dieser von Anfang an tragischen Liebesbeziehung erschöpft sich dann aber auch der Film, mehr an Inhalt konnt ich in ihm nicht finden. Interessant wäre es zu schauen, wie die literarische Vorlage mit dem Thema umgegangen ist und was Fitzgerald uns für eine Aussage vermitteln wollte.

Um auch was positiveres festzuhalten: sehenswert ist die Passage, in der Benjamin den Unfall von Daisy analysiert und auf eine Kette von Zufällen zurückführt, von denen jeder einzelne, wäre er anders verlaufen, das Unglück nicht hätte geschehen lassen. Und als „running gag“ bringt einen die Geschichte des Mannes, der 7mal vom Blitz getroffen wurde wenigstens mal zum Schmunzeln.

Facit: Wer eine zum Teil durchaus bewegende Liebesgeschichte in einem hervorragend ausgestatteten Film , der sich um Sinntiefe bemüht, wo nur Seichtes vorherrscht, sehen möchte, drei Stunden Zeit hat, nun, der wird nicht enttäuscht sein (Brad Pitt sollte man auch mögen, das hilft zusätzlich…). Erwartet man mehr, mag es sein, daß man mit einem Fragezeichen in den Augen: „Wer bin ich, was mach ich hier?“ aus der Vorführung kommt….

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[1] ausführliche Inhaltsangabe: http://www.filmstarts.de/kritiken/93131-Der-seltsame-Fall-des-Benjamin-Button.html
[2] die offzielle Filmseite zu „..Benjamin Button..
[3] Wiki-Artikel zum Film
[4] Filmkritik von H. Peters in der „Welt online“
[5] F. Scott Fitzgerald: Der seltsame Fall des Benjamin Button, Diogenes 2009

Baz Luhmann: Australia

Januar 2, 2009

australien

Nun, mal wieder Kino, ein Genre, das ich nicht so häufig anschaue, aber manchmal ergibt es sich eben: Australia [6], ein Abenteuerepos, das im Australien zu Beginn des 2. Weltkrieges spielt. Verfilmt von Baz Luhmann [8], der als letzten Film Moulin Rouge auf den Markt gebracht hat.

Im Grunde bekommt man für sein Geld zwei Filme, die über die handelnden Personen miteinander verknüpft sind, aber ansonsten nichts miteinander zu tun haben.

Nicole Kidman [7] spielt die englische Aristokration Lady Ashley, deren Mann in Australien eine Rinderfarm betreibt, ähnlich wie das berühmte gallische Dorf inmitten der Übermacht des Rinderkönigs Carney. Da Lady Ashley aber vermutet, ihr Gatte würde eher den Frauen nachstellen, reist sie ihm nach. Der Crash der Kulturen ist also vorprogrammiert, die zickige Blaublüterin versus den kernigen Australier. Ihren Mann findet sie leider nur noch ermordet vor, letztlich stellt sich die Situation so dar, daß sie mit einer Handvoll Übriggebliebener und dem Viehtreiber Mr. Drover (Hugh Jackman [4]) eine Herde von 1500 Stück Vieh zum Verladen nach Darwin treiben muss, wo sie der Armee als Verpflegung verkauft werden sollen. Ein Unterfangen, das ihrem Konkurrenten, dem Rinderkönig, so garnicht gefällt…… Nun, ich verrate jetzt nicht, ob sie das wohl schaffen…..

Wird in diesem ersten Teil des Filmes ganz im Hintergrund das Thema der staatliche Zwangserziehung von Aborigines-Kindern (inclusive Trennung von den Eltern) angeschnitten [1], so wirkt es so, daß, ist die ganze Truppe schon mal in Darwin, man auch gleich den Angriff der Japaner auf Darwin (Luftangriffe zwischen Dezember 1942 und November 1943) bringen kann, was mit viel Krawumm und Zerstörung dann auch geschieht.

Über diese beiden Filmteile spannt sich die schon von der ersten Filmszene an absehbare Romanze zwischen Lady Ashley und Mr. Drover…. Der Aborigine, so wie er im Film dargestellt wird, ist ein guter Mann, er tanzt viel und singt und kann dadurch quasi magische Kräfte entfalten (Chatwin hat das Thema zugegebenermassen etwas subtiler aufgegriffen [2]) .. jedenfalls ist „Creamy“, das Mischlingskind, das auf der Farm der Ashleys lebt, die zweite große Liebe Lady Ashleys und dann auch Mr. Drover… Die „weißen“ Australier sind kernig, sie mögen die Aborigines nicht (was wohl stimmt), mögen auch die wenigen nicht, die die Aborigines mögen… Ferner sind im Film die Bösen wirklich böse, die Guten sind gut und Zwischentöne gibt es kaum, das macht natürlich alles etwas einfacher….

Falls man am Anfang des Filmes erwartet hat, Lady Ashley würde trotz ihrer Unerfahrenheit und ihrer offensichtlichen Ungeeignetkeit für Australien dazu lernen („Learning by Doing“): man wird nicht enttäuscht! Für den Zuschauer völlig überraschend meistert Lady Ashley alle Schwierigkeiten, sie passt sich an, mutiert zu einer selbstlosen, kämpferischen Frau und Ersatzmutter und steht natürlich auch im Krieg ihrer „Frau“. Und da auch Mr. Drover, sexiest man alive [3a, b], seine Traumata erfolgreich bekämpft und überwindet, der Böse dann durch den Guten (nein, nicht Mr. Drover, es gibt noch mehr Gute in dem Film) im letzten Moment, bevor er das ultimativ Böseste verbrechen kann, getötet wird…. *schnief*….

Facit: eine ab der ersten Szene vorhersehbare Love-Story zweier eindimensionaler Charaktere, die zufällig in Australien spielt und daher ein paar schöne Landschaftsaufnahmen und einige exotische Zugaben erlaubt. Ferner gibt es viele computergenerierte Szenen zu sehen, den Hinweis auf ein dunkles Kapitel australischer Geschichte: wer das mag und nicht mehr erwartet, wird nicht enttäuscht.

Links:

[1] Wiki zur Lost Generation
[2] Bruce Chatwin: Traumpfade
[3a] http://www.tagesspiegel.de/berlin/Stadtleben-Hugh-Jackman-Australia-Baz-Luhrmann-Sexiest-Man-Alive;art125,2683415
[3b] http://de.wikipedia.org/wiki/Sexiest_Man_Alive
[4] Wiki zu Hugh Jackman
[5] weitere Filmkritiken
[6] offizielle Website
[7] Wiki zu Nicole Kidman
[8] Wiki zu Baz Luhman