Graham Swift: Im Labyrinth der Nacht
April 23, 2011

Rein lesetechnisch war dieser April für mich ein rechter Reinfall… abgesehen davon, daß ich aus lauter Zeitmangel sowieso kaum zum Lesen gekommen bin, habe ich mir überdies auch noch zwei Bücher ausgesucht, mit denen ich – aus verschiedenen Gründen – nicht zurecht gekommen bin. Das eine, im Rahmen der Jubiläumsausgabe von dtv in Sondergewand erschienen – war mir für den Moment etwas zu spröde, so daß ich es mir für später zurückgelegt habe, das andere dagegen hat mich einfach gelangweilt. Womit ich die Überleitung bzw. Hinführung zu Swifts Buch “Im Labyrinth der Nacht” geschafft hätte.
Worum geht es in diesem Buch? Das ist die Frage, die mich zum Kauf verleitete, mag ich doch normalerweise solche auch nur gedanklichen Ausflüge in die Herkunft und den Verlauf von menschlichen Schicksalen. Jedenfalls macht uns Swift mit Paula bekannt, die neben ihrem schlafenden Mann Mike im Bett liegt und an den morgigen Tag denkt. Der morgige Tag, von beiden lange geplant, soll die Wahrheit ans Licht der Welt holen, die Wahrheit den beiden vor einer Woche 16 Jahre alt gewordenen Zwillingen Kate und Nick gegenüber. Und so lieg Paula wach im Bett und resümiert ihr Leben, ihre Kindheit, wie sie Mike kennen und lieben gerlernt hat, die Studienjahre und die ersten Jahre im Beruf, bevor sich bei beiden dort Erfolg einstellte. Sie ruft sich ihre Ehejahre ins Gedächtnis zurück, die Kindheit ihrer Kinder….. na ja, und so fort…..
Soweit, so gut. Man kennt das ja von sich selbst, wenn man nächtens im Bett liegt und grübelt… es gibt Gedanken, die sich wiederholen, die man -zig mal denken muss, bis sie ausgedacht sind.. nur: muss man sie auch so oft niederschreiben, vllt mit einer kleinen Variation in der Wortwahl, aber ansonsten immer das gleiche? Es ist nichts wirklich aussergewöhnliches mit der jungen Paula und dem jungen Mike, sie sind dem Leben (und auch der Liebe) gegenüber aufgeschlossen, sie studieren, geniessen ihre Freiheiten und finden sich dann… ist es wirklich so problematisch, wenn ein junger Mann den Champagner, den er von seinem Vater zum Geburtstag geschenkt bekommen hat, mit drei jungen Frauen am Strand trinkt, ist das so ein Problem, ob überhaupt und wenn wie man dies dem Vater beichten soll, wie es ihm beibringen? … Ungefähr an dieser Stelle, an diesem Zeitpunkt in Paulas Nacht, habe ich das Interesse daran verloren, zu erfahren, worum es wirklich geht in diesem Buch, wie das große Geheimnis, das den Mann Mike (im Gegensatz zur offensichtlich aufgeregten Paula wohl mit besseren Nerven ausgestattet, denn er wird ja nach Klappentext das “Ungeheuerliche” im Leben der Familie offenbaren und er ruht trotzdem….) nicht am Schlafen zu hindern scheint, lautet. Nachdem ich vorher dem Buch immer noch eine Chance gegeben habe, mich in Bann zu schlagen, war es nach dieser unbedeutenden, so hohl aufgebauschten Frage für mich vorbei: Paula hätte besser auch geschlafen…
Facit: Wenn das “Graham Swift … at his best” (Times Litarary Supplement, lt. Klappentext) möchte ich die anderen Sachen von ihm gar nicht erst kennenlernen…. dieser Roman jedenfalls hat mich einfach nur gelangweilt. Aber vllt waren diese von mir gelesenen ersten 90 Seiten ja auch nur der lange Anlauf zu einem fulminanten Ende. Ich werde es wohl nicht mehr erfahren….
Graham Swift
Im Labyrinth der Nacht
dtv, 2011, 320 S.






April 23, 2011 at 4:53 pm
Schade, dabei klingt der Titel schon so verheißungsvoll Aber da sieht man mal wieder, dass ein toller Titel, ein hübsches Cover und auch ein interessanter Klappentext nicht alles ist. Liebe Grüße und schöne Osterfeiertage
April 23, 2011 at 7:38 pm
Ich neige auch immer mehr dazu, Büchern keine Chance mehr zu geben, wenn sie nicht auf den ersten ca. 100 Seiten zu Potte kommen. Das muss ausreichen, um ausreichend Spannund oder Interesse im Leser zu wecken.
April 24, 2011 at 8:48 am
Ach schade, lieber Flattersatz! Ist schon enttäuschend, wenn die Hülle nicht das hält, was drin stehen soll.
Aber das nächste schöne und mitreißende Buch kommt bestimmt. Und die Zeit dazu auch.
In diesem Sinne: Frohe und sonnige Osterfeiertage,
Klappentexterin