Robert Goolrick: Eine verlässliche Frau
September 27, 2010

Wisconsin, im Herbst 1907. Der vermögende, aber alleinstehende Farbrikant Ralph Truitt wartet im heranziehenden Schneesturm am Bahnsteig auf den Zug, der ihm die Frau bringen soll, die er per Annonce gesucht und gefunden hat. Aus praktischen, nicht aus romantischen Gründen, wie er betont. Der Zug hat Verspätung [2], aber die Frau trifft schließlich doch ein. Es ist nicht allzu überraschend, daß die Ziele der Frau sich von denen des Mannes unterscheiden. Sie sind zwar auch praktischer Natur, aber im Grunde geht es ihr nur ums Geld. Nämlich das, was sie bekommen wird, wenn sie endlich Witwe ist. Aber davor hat der liebe Gott das Zusammenleben und auch das Kennenlernen gestellt und so passiert das, was wirklich nicht sehr überraschend ist: romantische Gefühle halten Einzug…..
Es geht natürlich nicht ganz so glatt, denn sowohl Ralph als auch Catherine haben ihre eigene, nicht immer schöne Vergangenheit. Und der Autor wird nicht müde, diese in endlosen Schleifen und Wiederholungen vor uns auszubreiten, sie auszuschmücken, die Einblicke in sie zu vertiefen, die sich aus vergangenen Taten ergebenden Folgen zu schildern etc pp. Alles in allem eine recht ermüdende, in weiten Phasen langweilige Prozedur, ich hätte es dem Autoren schon viel früher geglaubt, daß das Leben auch dieser Menschen kein Wunschkonzert ist und das Geld vor Unglücklichsein nicht schützt und kein Geld haben auch nicht…..
Und ebenso das gegenwärtige (aus 1907er Sicht) Geschehen ist recht unglaubwürdig. Oder würde man sich wissenden Herzens und sehenden Auges freiwillig über Wochen hinweg zum Tode malträtieren lassen? Und würde man einem Menschen, für den man romantische Gefühle entwickelt hat, dies wirklich antun? Oder sind dies alles nur Bilder, mit denen Goolbrick die inneren Kämpfe seiner Protagonisten verdeutlichen will, das Fegefeuer, durch das sie hindurchgehen, das sie fast umbringt, bevor sie geläutert siegreich aus dem Kampf mit dem Bösen hervorgehen und in eine friedliche Zukunft sehen können? Ich weiß es nicht, es ist mir aber auch jetzt, nachdem ich mich durch das Werk ge… lesen habe, herzlich egal.
Laut Klappentext soll dieses Buch ein “kleines Wunder” sein, “berauschend” und “grandios”. Nachdem ich es jetzt gelesen habe, vermute ich eher, hier sind Klappen verwechselt worden, denn wenn ich Eigenschaften für dieses Buch wählen müsste, wären diese nicht darunter…. für mch war es eher gesteltzt in der Sprache und vorhersehbar in der Handlung.
Facit: Wer es mag…. und wer es kennenlernen will, kann sich ja die Leseprobe bei bilandia [1] mal anschauen
Links:
[1] zur Leseprobe
[2] was mich dieser mehrfach wiederholte Satz im ersten Kapitel genervt hat….
Robert Goolrick
Eine verlässliche Frau
btb, 2010, HC, 352 S.






September 27, 2010 at 10:28 am
Vielen Dank für diese Rezension. “Eine verlässliche Frau” gehört zu den Büchern, die ich abegebrochen habe, zurück ins Leseexemplarregal meiner Buchhandlung gestellt habe, da ich meine Zeit etwas sinnvolleren widmen wollte. Deswegen folgt bei mir auch keine Rezension, weil es sich für mich nicht lohnt.
Schön, dass ich das Buch bei Dir gefunden habe und somit auch einen Kommentar abgeben durfte.
Herzliche Grüße
Bibliophilin
September 27, 2010 at 10:34 am
Danke für deine Bestätigung meiner Einschätzung.. ich habe nämlich gerade in diesem Moment eine andere, recht positive Rezi zum Buch gelesen, aber die Geschmäcker sind eben verschieden.
Ich habe das Werk (im zweiten Anlauf) durchgelesen, weil meine Buchhändlerin, die auch nicht überzeugt war, es mir mit der Bemerkung in die Hand gedrückt hat: “Schau´n Sie sich das mal an, was Sie davon halten!” na ja, eben nicht so viel….
liebe grüße dir auch!
fs