bücher.leben: lesen…. was eigentlich?

Juli 25, 2010

Diese Woche hat sich ja die ZEIT dem Thema “Lesen” bzw. “Buch” gewidmet und ist zu der (zumindest für mich) garnicht überraschenden Erkenntnis gekommen, daß durch das Internet mitnichten weniger gelesen wird. Das auch das Schreiben durch´s Internet gefördert wird, wer wüßte dies “leidvoller” als ich, dessen Buchbesprechungen auch immer länger werden…. auf Papier jedenfalls würde ich nicht arbeiten, ich bringe ja noch nicht einmal die Disziplin auf, mir die fertigen Besprechungen z.B. als pdf abzuspeichern, nur für den Fall, daß wordpress irgendwann mal die Flügel streckt und alles im elektronischen Orkus verschwindet wie in einem Malstrom….

Also, lesen hat durchaus zugenommen, schreiben stirbt auch nicht aus, das Internet fördert beides. Was größer wird, ist die Kluft derjenigen, die es tun und denen, die es nicht tun. Schier fassungslos kann einen die Zahl von ca. 4 Mio “funktionalen Analphabeten” in Deutschland machen, mit der entsprechende Bundesverband zitiert wird. Jeder 20., das sind in einer Stadt wie Berlin ca 160-170.000 Menschen, die z.B. Probleme haben, mit Behörden zu kommunizieren, vom Lesen ganz zu schweigen. Gut, daß Fernbedienungen mit Symbolen arbeiten….

Jetzt habe ich fast den Faden verloren.. halt, dort ist er! Erzählen wollte ich eigentlich, daß meine Buchhandlung dem Internet durchaus dankbar sein kann. Gerade auf dem Blog von Nantik von ihrer Begeisterung für die Japanerin Yoshimoto gelesen, ein wenig auf anderen Seiten nach weiteren Meinungen durchgescrollt, das Bestellformular meiner Buchhandlung aufgerufen und — wusch, nächste Woche werde ich mehr wissen, dank Internet.

Nach welchen Kriterien wählt man eigentlich seine Bücher, seinen Lesestoff aus? Bei mir ist es ganz verschieden, Empfehlungen (z.B. meiner Buchhändlerin: “Das hier wäre glaube ich was für Sie!”), auch Kritiken, sowohl in Zeitschriften als auch in den divesen Blogs. Aber auch der direkte Kontakt mit dem Buch, das Coverbild, das haptische Erlebnis, wenn ich ein Buch aus dem Regal ziehe: das Verhältnis Gewicht/Größe, wie passt es in meine Hand, wie fühlt es sich an, ev. ein besonderes Material für den Einband, der erste Satz, das erste Kapitel: packt mich der/das?….. Am letzten Freitag zum Beispiel habe ich ein Buch gekauft, das ich per Internet aufgrund einer interessanten Besprechung bestellt habe. Als Buch aus dem Regal hätte ich mir das wahrscheinlich nicht gekauft. Viel zu leicht für die Größe, der rechte Rand im Buch viel zu klein… wie soll ich da Notizen machen, zart und unauffällige zwar, aber immerhin, ein paar Anmerkungen, als Gedächtnisstützen für die Besprechung?

Wenn jetzt einer glaubt, der Inhalt bzw. das Thema spiele für mich überhaupt keine Rolle, das stimmt natürlich auch nicht. Ich bin zwar nicht festgelegt auf ein bestimmtes Gebiet, lese ziemlich quer durch alle hindurch, aber natürlich habe ich Schwerpunkte, die mich besonders interessieren (wenn ihr wollt, könnt ihr die ja selber herausfinden….). Einiges lese ich garnicht oder nur selten, Krimis gehören zum Beispiel dazu. Früher habe ich die öfter mal gelesen, im Moment drängt mich aber nichts dazu. Historische Romane lese ich praktisch nicht, na ja.. Geister und Vampirgeschichten… wohl auch nicht….

Sodele, ihr Lieben da draußen, das ist das, was mir jetzt so am frühen Sonntag morgen so einfällt… jetzt ist mein Tee auch alle, ich mach mir noch eine Kanne, draußen zwitschern die Vögel (auch die Fasane habe ich schon gehört, irgendwo hier herum haben sie ihr Nest….), die Sonne scheint, ein paar Wolken sind am Himmel…

6 Responses to “bücher.leben: lesen…. was eigentlich?”

  1. nantik Says:

    … was ja bedeutet, dass bei dir ideales Wetter herrscht, um jetzt zu lesen. (Um mal den letzten Satz nach meinem Geschmack zu vervollständigen). ;-)

    Vielen Dank für die persönlichen und auch für die Zeit-Einblicke. Mich wundert diese krasse Kluft von Lesenden/Schreibenden und Nicht-Lesenden/Nicht-Schreibenden eigentlich gar nicht so sehr. Da muss man sich nur die Bildungsgegnsätze angucken, die ja auch viel mit einem finanziellen Status zu tun haben. Die Schere zwischen Arm und Reich wird nunmal immer größer. Und damit meine ich nicht wirklich, wirklich reich, sondern zähle schon die dazu, die vor ein paar Jahren noch als Normalverdiener galten. Inzwischen heißt es ja schon bei Grundschülern: Sag mir was deine Eltern beruflich machen und verdienen, und ich sag dir, auf was für eine weiterführende Schule du gehen wirst. Aber jetzt schweife ich wohl ein wenig ab…

    Zur Lektürefindung. Schön, dass ich dich auf Banana Yoshimoto neugierig machen konnte. Genau das liebe ich ja so an all den Literaturblogs, die es in den virtuellen Weiten so gibt: Man bekommt viele unterschiedliche Lesetipps. Alleine diesen Monat haben so fünf Romane ihren Weg auf meine persönliche Wunschliste gefunden. Das passiert mir aber recht selten, wenn ich gedruckte Kritiken lese. Die sind mir oft nicht emotional genug. Ich möchte auch etwas vom Leseeindruck erfahren. Diese Aspekte findet man meist nur im Internet. Und eine tolle Buchhändlerin habe ich hier auch nicht. Gerade deswegen wäre mein Leseleben ohne Blogs ziemlich öde. Vor allem, weil ich inzwischen jedem Genre einen gewissen Raum in meinem Leben gebe.

    • flattersatz Says:

      Ja, die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer, das stimmt. Aber trotzdem denke ich (vor einigen Jahren hatte der stern dazu mal einen Bericht..), daß die wahre Armut im Bereich der Bildung liegt, denn finanziell gesehen müssern sich sicherlich viele Menschen einschränken, aber im Verhältnis zu “wirklich” Armen in weniger reichen Ländern…

      Du schreibst: “Da muss man sich nur die Bildungsgegnsätze angucken, die ja auch viel mit einem finanziellen Status zu tun haben.” Sicherlich hast du recht, Bildungsniveau und finanzielle Möglichkeiten sind oft korreliert, aber was war zuerst da, Henne oder Ei? Jemand, der nichts für seine Bildung tut (und die Ausbildung seiner Kinder), wird auch in seinen finanziellen Möglichkeiten begrenzt bleiben. Anders herum, Arme haben Probleme, Bildung zu bekommen, ist es natürlich politisch viel besser zu instrumentalisieren…. Ich denke, daß an Bildung oft zuerst gespart wird. Da wird eben TV geguckt und kein Buch gekauft, ein Handy ist selbstverständlich vorhanden, aber der Museumsbesuch ist ausser Reichweite. Versteh mich nicht falsch, ich will unserem Schulsystem keine Absolution erteilen, aber alles nur auf das System schieben, ist mir zu einfach….

      Bei den Kritiken haben mir die kleinen, versteckten schon öfter Schätze gezeigt. In diesen Notizen haben die Leute keinen Platz, viel über den Inhalt zu erzählen, sondern geben ihre Eindrücke und die Stimmung wieder, vllt das, was du unter “emotional” verstehst. Bei den “großen” Besprechungen (wie jetzt zu Austers “Unsichtbar”) drängt sich mir manchmal der Eindruck auf, die Rezensenten liefern sich gegenseitig einen Wettkampf, wer am meisten weiß und dies am verdruckstesten formulieren kann. Insofern ist die von mir “kritisch” angeführte Formulierung von Jenny im Spiegel wenigstens mal eine klare Ansage… :-)

      ich wünsch dir einen schönen Sonntag!

      lg
      fs

  2. nantik Says:

    Nichts liegt mir ferner, als die Schuld komplett aufs System zu wälzen. ;-)
    Ich komme selbst aus einem finanziell schwachen Haushalt. Deswegen weiß ich aus eigener Erfahrung, dass es einen Weg gibt, wenn auch ein Wille da ist. Seit ich lesen kann, habe ich zum Beispiel einen Büchereiausweis. Und meine Mutter hat meinen Lesewahn sowie meine Kreativität immer gefördert. Ich gehöre aber auch noch zu der Generation, bei der ist nicht selbstverständlich war, als Jugendlicher einen eigenen Fernseher, Computer oder Handy zu haben. Da hat in den vergangenen 15 Jahren durch die technische Entwicklung ganz einfach eine Werteverschiebung stattgefunden. Und hätte meine Mutter meine Schulbücher am Gymnsasium bezahlen müssen (damals konnte man die noch leihen) oder hätte ich Studiengebühren zahlen müssen, dann hätten wir trotz aller Anstrengungen ein echtes Problem gehabt. Will sagen: Leider gehören Bildungswillige zur Minderheit unter den sozial Schwachen, aber die, die wirklich etwas lernen wollen, haben inzwischen einen noch viel steinigeren Weg als noch vor ein paar Jahren, denn in Bildung wird zu wenig investiert, wie du ja auch schon angemerkt hast. Und schon beißt sich wieder die Katze den Schwanz ab … ;-)

    • flattersatz Says:

      dto. dacor. so in etwas trifft das auch auf mich zu. …

      Womit wir auch schnell bei der Diskussion wären, daß 16 Bundesländer unbededingt das Jodeldiplom im Schulwesen machen wollen: Da hat man dann was eigenes… und die (zu) wenigen Gelder in dem Bereich dann auch noch ineffektiv ausgegeben werden, trotz Bildungsrepublik…. eine fürwahr unendlichen Geschichte…

  3. Patricia Says:

    Ich wünschte nur, wir hätten hier in der Nähe überhaupt noch eine Buchhandlung… und nicht nur so unpersönliche Ketten.


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