Daniel Alfredson: Vergebung

8. Juli 2010

Eine Trilogie zu verfilmen bedingt entweder, drei Einzelfilme zu machen, die sich an den Motiven des jeweiligen Bandes orientieren oder zu versuchen, deren durchgängige Geschichte zu erzählen. Die Verfilmung des ersten Bandes von Larrsons Erfolgsromanen (“Verblendung“) hat sich an ersterem orientiert: ein Thriller, der sich in den Grenzen der Rahmenhandlung, der Suche nach einem vor vielen Jahren verschwundenen Kind, der Entlarvung eines Serienmörders widmete und nebenbei noch die nationalsozialistische Geschichte Schwedens thematisierte.

“Vergebung” dagegen ist schon von der ersten Minute an nicht ohne den Vorläufer (“Verdammnis”) richtig zu verstehen. Die Rückblenden zu Anfang des Filmes vermitteln den Eindruck, daß da irgendwas geschehen sein muss, ein Kampf, eine Auseinandersetzung, in deren Folge Lisbeth Salander schwerst verletzt in ein Krankenhaus gekommen ist. Eine Erklärung dafür wird nicht mehr geboten.

Für mich war das jetzt kein großes Problem, da ich ja gottseidank die Bücher gelesen hatte. Daß ich dagegen glorreich den zweiten Film versäumt habe, machte mir im Gegensatz zu anderen, die weder das Buch noch dessen Verfilmung kannten, nichts aus. Für diese war z.B. das sporadisch-irrlichternde Auftauchen von Niedermann, den man so ganz heimlich am Boden festtackern kann, ohne daß er aufmuckt, ebenso rätselhaft wie die Motorradgang und selbstverständlich fehlten auch Erläuterungen zur etwas problematische Geschichte der Beziehung zwischen Lisbeth und ihrem Vater. Und inwieweit ihr Vater so wichtig und bedeutend war, auch das wird nur ansatzweise geschildert.

Ich will jetzt nicht die ganze Handlung des Filmes wiedergeben. Sie konzentriert sich auf die sich bekämpfenden Parteien: auf der einen Seite der Investigativjournalist Blomquist mit seiner Zeitschrift, der die Intrige um Lisbeth, die des Mordversuches an ihrem Vater angeklagt werden soll, aufklären will, und auf der anderen Seite diejenigen, die Salander im Gegenzug mund- bzw ganz tot sehen wollen.

Der Film konzentriert sich also auf die Bemühungen Blomquists und seiner Leute, die Mauer des Schweigens um die Geschichte von Lisbeth und ihrem Vater zu durchdringen. Diese ist massiv und hoch, denn sie wurden von einer klandestinen Gruppe des schwedischen Geheimdienstes in den Zeiten des Kalten Krieges errichtet. Diesen sehr interessanten Aspekt des Buches kann der Film natürlich nur anreissen, hier vermittelt Larrson im Buch eine Fülle an Informationen über politische Hintergründe und Vorgänge im damaligen Schweden.

Betrachtet man die Konstellation: eine (wenig kooperative) Angeklagte, die auch nur eingeschränkt mit ihrer Verteidigung zusammenarbeitet, die Verteidigung, die (hier im Doppelpack) jeder Spur nachgeht, um aufzuklären und dabei immer wieder mal Helfer findet, ohne die es nicht geht, die drohende Gerichtsverhandlung, die den Endpunkt aller Bemühungen um die Wahrheitsfindung setzt und dagegen die andere Seite, die Intrigen spinnt, vor Gewalt und Mord nicht zurückschreckt, so sieht man, daß die typischen Merkmale eines Gerichtsfilmes vorliegen. Konsequenterweise findet der Show-Down dann auch im Gerichtssaal statt. Räumt die Dramaturgie in den ersten Sequenzen der Anklage noch Punktgewinne ein, so weiß man als Zuschauer, daß diese nichts zählen, denn die Verteidigung hat das alles entlarvende Dokument in der Tasche und wartet nur darauf, es zum richtigen Zeitpunkt auszuspielen….

Voilá, Ente gut, alles gut….

Facit: ein spannender Thriller (mit einer stets weinerlich aus der Wäsche schauenden Erika Berger…), den man aber nur verstehen kann, wenn man den Inhalt des zweiten Buches kennt bzw. dessen Verfilmung.

Links:


http://www.vergebung-derfilm.de/film/


http://de.wikipedia.org/wiki/Vergebung_(Film)

Buchbesprechung im Blog

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