Vor.lesen mit Sue Monk Kidd und ihrer Meerfrau
Mai 27, 2010
So, gestern war es dann soweit, vor relativ kleinem Kreis aus heimischer Umgebung (das ganze wurde ja über die hiesige Kirchengemeinde angeregt) habe ich in der Kirche vorgelesen. Entschieden habe ich mich (aber ich bedanke mich trotzdem natürlich für diejenigen, die mir andere Vorschläge gemacht haben!) tatsächlich für die Meerfrau von Kidd. Ein Buch von einer Frau über eine Frau und auch über eine Lebenssituation, in der eigentlich jeder Mensch mal steht (oder – je nach Alter – schon gestanden hat): nämlich Bilanz zu ziehen über das, was sein Leben bisher war und es vergleichen mit dem, was es hätte sein können….
Natürlich kann man in den knapp zwei Stunden, die ich dann doch auf meinen Barhocker “hockte” (ich kann nur schlecht im Sitzen Vorlesen, angelehnt, im Stehen geht besser…), nicht das ganze Buch lesen, wäre auch zuviel des Guten. Also habe ich mir mehrere längere Passagen herausgesucht, auch einige kürzere, die mir wichtig erschienen oder einfach nur schön, habe die gelesen und den Rest der Handlung dann in groben Zügen erzählt, manchmal auch interpretiert und erläutert. Ein wenig vom Schluss, wie es alles ausgeht, habe ich offen gelassen bei meinem “Erzählesen”, um im Anschluss Fragen zu provozieren, was auch geklappt hat. Natürlich wollten die Damen wissen, geht Jessie nun zurück oder nicht und was passiert mit Whit….
In der Vorbereitung zu diesem Abend habe ich das Buch bestimmt noch zwei, wenn nicht gar dreimal quergelesen, selten habe ich ein Buch so gründlich bearbeitet. Und natürlich hat das Buch auch in mir gearbeitet, mir ist jetzt viel klarer geworden, was in diesen Monaten, die Kidd schildert, mit den drei Hauptpersonen Jessie, Whit und auch Hugh passiert, welche Prozesse sie durchlaufen und das letztendlich alles so kommen musste, wie es gekommen ist. Es hätte anders ablaufen können, durch andere Ereignisse ausgelöst, aber es war für Jessie und Whit vermeidlich, daß sie diese Erkenntnisse für sich wieder gewonnen haben, wieder Zugang zu ihren Wurzeln gefunden haben. Hugh ist ein wenig ein getriebener in dieser Phase, jemand, der nur reagiert anstatt zu agieren, aber auch für ihn wandelt sich vieles, weil Jessie den alten Hugh, der ihr den Vater ersetzt, der die Vaterrolle bei ihr einnimmt, nicht mehr braucht und nicht mehr will…..
na ja, es war jedenfalls ein sehr gelungener Abend, ich habe es daran gemerkt, daß kaum jemand was getrunken hat und gegessen, obwohl wir ausdrücklich gesagt hatten, daß vom Käse und Wein auch während des Erzählesens genascht werden darf. Aber die Damen haben nur zugehört. Schön für mich! .. und den Wein und den Käse gab es in einer kleinen Pause und am Ende dann in gemütlicher Runde an wunderschön und passend zur Geschichte dekorierten Tischen…
(Material in den Medien!)





