Hegemanns Debut-Roman dürfte wohl die erste Sau sein, die dieses Jahr durch das (Literatur)dorf getrieben wird. Eine richtig kleine Medienhype, die um dieses Werk entstanden ist, bzw. wohl mehr wegen der besonderen Umstände, daß eine 17jährige ein solches Buch veröffentlicht, überhaupt verfassen kann. Dann der (kalkulierte, den Verkauf fördernde ?) Sündenfall: einiges im Buch ist garnicht von Hegemann, sondern geklaut…. obwohl: „alles“ ist natürlich auch übertrieben. In der zweiten Auflage, die ich las, ist die nachgereichte Liste der inspirierenden Quellen noch nicht drin, so weiß ich also nichts genaueres [1 - 3]. Etwas verunsichert es schon, wen lobe ich denn eigentlich oder über wen lasse ich mich aus, wenn ich jetzt was über das Buch schreibe? Gehe ich also den Kompromiss ein, daß ich das Buch vorstelle, unabhängig davon, wer den Text jetzt tatsächlich geschrieben hat.

Fast wäre es sowieso nicht so weit gekommen, ich war nach den ersten -zig Seiten kurz davor, das Werk in die Kategorie „aus.sortiert“ zu legen. Aber irgendwie hat es mich dann doch gepackt…

Die Hauptperson des Romans ist Mifti, eine 16jährige Halbwaise (Mutter Suizid), die mit ihren älteren Halbgeschwistern Annika und Edmond zusammenlebt. Der Vater, ein Kulturschaffender, schickt allenfalls Geld, lebt ansonsten mit einer anderen Frau zusammen. Mifti ist ein wildes Kind, ist wild aufgewachsen, sie will nicht erwachsen werden [S. 17 u. 23]. Aus gesellschaftlichen Konventionen wie Schule und Ausbildung hat sie sich ausgeklingt, sie ist therapieresistent, ihr Bekanntenkreis besteht aus älteren Menschen. Ihr Leben ist eine einzige Flucht in die Droge und die Dröhnung, einen Schritt vom Wahn und vom Untergang entfernt. Traum, Alptraum und Realität verschwimmen für Mifti, sie beamt sich permanent in Welten, in denen sie sich ihren Untergang herbei“philosphieren“ kann. Das Buch begleitet sie auf ihren Trips durch die Berliner Nächte, in Bars, zu privaten Feten, fährt mit ihr in der S-Bahn und stolpert durch bekotzte Flure und dröhnt sich in stinkenden Klos zu ….. Verstanden, was Mifti von sich gibt, nein, das habe ich nicht. Substanz habe ich nicht gefunden in ihren Suaden, es gibt sie wahrscheinlich nicht. Sie klingen gut, das sicherlich, werden voller Inbrunst und Überzeugung förmlich herausgeschossen, aber wichtiger als die Bedeutung des Gesagten ist die Stimmung, die Seelenlage, die dahinter steckt: undendliche Wut, Verzweifelung, Angst, Einsamkeit.

Mifti ist der „Axolotl Roadkill“. Der Zusammenhang mit dem titelgebenden Lurch ist offensichtlich: auch dieser verläßt sein Larvenstudium nicht, bleibt als Larve quasi im Zustand eines Kindes und er ist nachtaktiv (was man von Mifti auch behaupten kann, wenn man sie überhaupt als „aktiv“ bezeichnen will….). „Roadkill“ [4]: ein angefahrenes bzw. überfahrendes Tier, hier im übertragenen Sinn Mifti, die vom Leben „angefahren“, d.h., verletzt, überrollt, aus der Bahn geworfen wurde. Nun irrt sie neben der Straße umher, hat die Richtung verloren, ist misstrauisch gegen jeden und doch irgendwie auf der Suche nach einem Platz, an dem sie zur Ruhe kommen kann. Es ist eine der anrührenden Stellen im Buch, wie Mifti nach einem wiederholten Absturz in einem himmelblau gestrichenen Kinderzimmer aufwacht, einen Typen im Türrahmen sieht und sich folgender Dialog enwickelt: „Wie spät ist es?“ – „Fünf Uhr morgens.“ – „Habe ich nur so kurz geschlafen?“ – „Du bist vorgestern Nacht um drei eingeschlafen und hast bis jetzt durchgepennt. Von einem Tag deines Lebens hast du nichts mitbekommen. ..“ [S. 173] Erst in der völligen Erschöpfung gibt sie ihren Widerstand auf und gehorcht dem natürlichen Bedürfnis ihres Körpers, es ist dies auch die Situation, in der sich der einzige, fast schon romantisch zu nennende körperliche Kontakt zu einem anderen Menschen vollzieht.

Mifti ist intelligent und sprachmächtig, da übertreibt der Klappentext nicht, denn Miftis Sprachmächtigkeit ist ja die des/r Autors/in. Und ja, es gibt Passagen in dem Buch, die haben mich mitgerissen. Dort ist der Furor eines Menschen zu spüren, der in einem Struden steckt und der merkt, wie er verschlungen wird. Diese Passagen sind authentisch, sie gehen unter die Haut, sie sind sprachlich und von der Formulierung her stimmig, alles passt, das Tempo, der Ausdruck, das Timing. Oft sind es Dialoge und Gespräche, Gesprächsfetzen, Monologe in all ihrer Sinnbefreitheit, das Hin und Her, die Ausweglosigkeit, die Perspektivlosigkeit. In vielen anderen Textstellen, in denen Situationen und Abläufe beschrieben werden, hatte ich dagegen den Eindruck, daß hier sich bemüht wurde, diese Stellen waren nicht authentisch, Ausdruck und Tempo habe nicht gestimmt, gekünstelt wirkende Formulierungen, nur des Effekts wegen.

Das F-Wort, ja, das ist ein häufiges Wort im Hegemann´schen Werk. Wie überhaupt der ganze Text gehäuft vulgäres Vokabular verwendet. Auch das passt nicht unbedingt zu einer 17jährigen (oder kenn ich nur die falschen 17jährigen?), es riecht nach gezielter Provokation, wie generell der gesamte Text ein Angriff ist auf die bürgerlichen Lebensnormen. Und wo ist Miftis eigenes Leben? Zerstört durch den Suizid der drogenabhängigen Mutter, der sie auf ihre Weise konsequent nachzufolgen sich anschickt, denn ihr Verhalten kann man nur als latent suizidal bezeichnen. Der Vater hat kapituliert, sich aus der Verantwortung gestohlen und die Geschwister sind als Vorbilder und Beispiele auch kaum zu gebrauchen. So treibt Mifti also vollgedröhnt und kotzend, f**end und schwadronierend durch die Berliner Nächte, Happy End nicht vorgesehen.

Facit: Ein Buch, das man wohl selber lesen muss, zu unterschiedlich die Ansichten. Interessant ist es jedem Fall und an seinen besten Stellen kann es einen mitreissen.

Anmerkung: Irgendwo habe ich neulich gelesen, jeder Autor würde, wenn er schreibt, etwas über sich verraten. Jetzt würde mich schon sehr interessieren, was dies bei Hegemann wäre…..

[1] eine Zusammenfassung der Diskussion gibt´s auf der Wiki: http://de.wikipedia.org/wiki/Helene_Hegemann.
[2] Eine Gegenüberstellung der entsprechenden Passagen aus „Axolotl“ und „Strobo“ in der FAZ: http://www.faz.net/s/RubD3A1C56FC2F14794AA21336F72054101/Doc~E88A9CA72ADE445F390437D064F10C598~ATpl~Ecommon~Scontent.html
[3] vgl auch diese Textgegenüberstellung in der Gefühlskonserve: http://www.gefuehlskonserve.de/axolotl-roadkill-alles-nur-geklaut-05022010.html

[4] Als „Weiterführende Literatur“ könnte dieses Büchlein dienen, in dem der Autor eine bildliche Darstellung und Beschreibung der Fauna macht, nachdem sie dem „road kill“ unterlegen ist. Sie verliert ihre dritte Dimension, ihre körperliche Unversehrtheit und nimmt mannigfache Formen an. Die Bilder erinnern an Scherenschnitte, das Betrachten des Buches ein Vergnügen, bei dem das Lachen oft im Hals stecken bleibt [vgl. auch hier: http://www.seeit.de/roadkills/article-roadkills.html].


Roger M. Knutson
Flattened Fauna
Ten Speed Press; 1987
ISBN-10: 0898151864
ISBN-13: 978-0898151862

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Helene Hegemann
Axolotl Roadkill
Ullstein, 2010, brosch. 208 S.
ISBN-10: 3550087926
ISBN-13: 978-3550087929

Das Büchlein „Älter werden“ von Silvia Bovenschen wird – bis auf wenige Ausnahmen – hochgelobt als intelligentes und psychologisch ausgereiftes Buch mit Anmerkungen über – eben – das Älter werden, das ja mit dem ersten Tag des Lebens beginnt. Natürlich ist hier nicht die Jugend gemeint, sondern das „tatsächliche“ älter werden, genauer gesagt, das „Alt werden“.

„Alt werden“ heißt, gewisse Verluste zu erleiden, körperlicher Art, aber auch geistiger: man ist nicht mehr so beweglich, die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt ebenso wie die Belastbarkeit ab, Vergesslichkeit macht sich breit, vor allem auch in den Dingen, die nahe sind. Dagegen gewinnt man Erinnerungen, der Schatz dessen, was man erlebt hat, wächst unaufhörlich und lange Vergessenes, Zurückliegendes kommt einem wieder ins Gedächtnis. Alt werden heißt auch, daß die Zukunft zugunsten der Vergangenheit schrumpft.

Bovenschen beschreibt genau dies: Gedankensplitter, Erinnerungen, Rückblicke auf ihr Leben. Klar analysiert sie viele Situationen, die ihr im Alter jetzt wieder ins Gedächtnis kommen, sie wertet sie hinsichtlich ihrer Bedeutung und ordnet sie in ihr Leben ein. Das Buch ist eine Rückschau, ist es auch schon ein Resumee, schafft sie sich tatsächlich eine „... Erinnerungsgeschichte, um dann aus ihr zu bestehen?“ ?[S.154]. Wäre dies wahr, wo bliebe dann die Zukunft von Frau Bovenschen? Zukunft – ich habe wenig zu diesem Thema gefunden, bei aller Vielfältigkeit von dem, was Bovenschen anspricht: Zukunft ist nicht präsent: „Wahrscheinlich hat der ablaufende Mensch keine zukünftigen Möglichkeiten.“ [S. 141], wird sogar ausdrücklich ausgeschlossen: „Das Alter lähmt. Das Alter ist zunehmende Zukunftslosigkeit.“ [S.108]. Nein, Frau Bovenschen, Nein, Nein und nochmals Nein! Zukunft, mag sie auch rein „quantitativ“ mit dem Alter abnehmen, besteht qualitativ an jedem Tag, an dem man wach wird, noch! Es gibt genügend alte Menschen, die dies – auch in der Öffentlichkeit – beweisen. Es ist gerade die Kunst des „Älter werden“s, dies zu leben!

Und auch der allerletzte Gedankensplitter in ihrem Buch („Versäumnisse“) klingt ähnlich resignativ: auf die Frage, ob sie glaube, in ihrem Leben etwas versäumt zu haben, stellt sie fest, daß es da so viel nicht gäbe, sie kokettiert damit (und überspielt damit wirklich Versäumnisse?), daß sie nie auf zwei Fingern zu pfeifen gelernt hätte. [S. 155] Kein Ausdruck der Befriedigung darüber, ein (trotz schwieriger, krankheitsbedingter Umstände) offenbar erfülltes (da keine (?) Versäumnisse) Leben geführt zu haben, kein Bedauern auch, daß dies und jenes nicht gelebt werden konnte, zu spät erkannt wurde…

Für mich ist der Schlüsselsatz in dem Buch in dem Abschnitt zu finden, den sie „Heimat“ nennt:

Ich hatte in der Gesundheit und in der Normalität keine Heimat. Dergleichen gab mir keine Wohnung und keinen Maßstab. Ich konnte nicht in mir ruhen.
Es gab keinen Tag in den letzten sechsunddreissig Jahren, in dem ich mir meiner Einschränkung nicht bewusst gewesen wäre; ….“ [S.109]

Ist das nicht DAS Versäumnis eines Lebens, im Alter resumieren zu müssen, daß man nicht in sich ruhen konnte, es nicht geschafft hat, eine Mitte für sich zu finden, zu sich selbst zu finden? Ist das nicht das eigentliche Ziel eines jeden individuellen Lebens, zu sich selbst zu kommen, in sich selbst zu ruhen, das eigene Schicksal, auch wenn es so hart ist wie bei Bovenschen, zu akzeptieren als das Schicksal, als das Leben, das man im Hier und Jetzt zu leben hat und das man sich selbst seinen Möglichkeiten entsprechend zu gestalten verantwortlich ist? Auf intellektueller Ebene hat Bovenschen dies sicherlich geschafft…

Unabhängig von diesen Gedanken ist der Bovenschen´sche Lebensrückblick auch ein Rückblick auf eine Epoche, ein Zeitalter mit all seinen Veränderungen und Entwicklungen gesellschaftlicher, politischer oder kultureller Art. Bovenschen hat dies miterlebt, läßt es jetzt (teilweise auch durchaus mit Humor) Revue passieren und ordnet es aus dem zeitlichen Abstand heraus in seiner Bedeutung ein. Das ist natürlich schon interessant und lesenswert, in vielen Anekdoten findet man sich (hat man selbst schon ein gewisses Alter) auch in dieser oder jener Form wieder……

Facit: eine sehr persönliche Rückschau auf ein Leben, sprachlich präzise ausformuliert, aber mit einem sehr nachdenklich machenden resignativen Unterton.

Silvia Bovenschen
Älter werden
Fischer, Tb. 2008, 160 S.
ISBN-10: 3596175321
ISBN-13: 978-3596175321

Martin Suter: Der Koch

Februar 20, 2010

Mit großer Vorfreude habe ich mir diesen neuen Roman von Suter, dessen Bücher ich bisher alle gerne und mit Gewinn gelesen habe, gekauft. Und jetzt, nach dem Lesen, bleibt ein schales Gefühl, um nicht zu sagen, eine Enttäuschung zurück. Nein, „Der Koch“ fällt gegen die anderen Suter-Bände, die ich bisher las, eindeutig ab.

Aber zuerst die Story.

Maravan ist tamilischer Flüchtling, der seine Familie in der Heimat zurücklassen musste. Obwohl selbst ein begnadeter Koch, muss er froh sein, daß er eine Aushilfstätigkeit in einem der Nobelrestaurants Zürichs hat. Dort gerät er mit dem Chefkoch wegen der richtigen Art, ein Curry zu kochen in Streit. Seine Kollegin Andrea unterstützt ihn und läßt sich von ihm zu einem selbstgekochten Curry einladen.

Obwohl Andrea diese spontane Hilfsgeste bald bereut und Maravan sehr nervös ist: das Curry ist ein Erfolg und nur der erste Höhepunkt des Abends. Was Andrea aufs heftigster verwirrt, da sie eigentlich ausschließlich mit Frauen schläft. Aus dieser stark aphrodisierenden Wirkung des durch molekularküchische Verfahren verfeinerten ayurvedischen Rezepts entwickelt sie nach einiger Überlegung eine Geschäftsidee, die bitter notwendig ist, denn beide, Maravan als auch Andrea, werden in der Folge dieses Curry-Streites entlassen und stehen ohne Geld und Arbeit dar.

Das jetzt sexualtherapeutisch eingesetzte Essen wird ein Erfolg, leider führt Andreas Gier dazu, daß die Partnerschaft mit der Therapeutin zerbricht. Der Not gehorchend kocht Maravan daraufhin auch für „unanständige“ Zwecke, sprich, für nicht verheiratete Paare.

Soweit also der (magere) Grundplot des Buches, dessen Handlung sehr zeitnah spielt. So flicht Suter immer wieder die aktuellen Ereignisse in Sri Lanka ein, die, da seine Familie davon direkt betroffen ist, Maravan in starke Konflikte führen, denn er braucht viel Geld, um seine Leute zu Hause zu unterstützen. Zu allem Überfluss wird er auch vom langen Arm der tamilischen Befreiungsarmee ergriffen, die ihn von der Sinnhaftigkeit der Zahlung freiwilliger Beiträge zum Befreiungskampf „überzeugen“ kann…

Einen weiteren Handlungsstrang verfolgt Suter in der Figur des Geschäftsmannes Dalmann, eines undurchsichtigen Finanzjongleurs, der Geschäfte aller Art, auch mit Waffen, vermittelt. Er ist Stammgast im Nobelrestaurant, in dem Maravan einst arbeitete, und jetzt sein Kunde, denn seine Geschäftspartner läßt er gerne in den Genuss der Dienste von „Love Food“, so der Name des illegalen Catering Services von Maravan und Andrea, kommen.

Obwohl das alles in gewohnt präziser, klarer, nüchterner Sprache geschildert, trägt diese Handlung nicht sonderlich weit. Eine nette Idee, die aphrodisierende Wirkung von Essen so zu thematisieren, aber sind Menschen wirklich so eine Art Automat, die, wenn sie nur das richtige Essen bekommen, mit jedem ins Bett gehen, der in der Nähe ist? Lesben mit Männern, Heteras mit Frauen.. nur gut, daß immer aufgegessen wurde und nicht irgendein Haustier den Teller leermachen durfte… also, das scheint mir doch etwas zu einfach zu sein…

Natürlich, die aktuellen Bezüge des Romans haben ihren Reiz. Die bei Suter üblichen Vorwürfe gegen skrupellose Geschäftemacher und ihre Praktiken, die verzweifelten, unter dem Bürgerkrieg leidenden Menschen in Sri Lanka, die Repressionen, denen auch die Exilanten im Ausland ausgesetzt sind, da sie durch ihre Familien zu Hause erpressbar sind… das alles ist schon interessant und auch wichtig, immer wieder darauf hin zu weisen und zu thematisieren, aber hier in diesem Roman ist alles irgendwie vorhersehbar.

.. und daß ausgerechnet der streng gläubige Hindu Maravan .. ach, das verrat ich jetzt nicht, für mich ist es jedenfalls unglaubwürdig und wirkt irgendwie aufgesetzt. Na ja, komm ich also zu meinem –> :

Facit: ein routinierter Roman in gewohnt schöner Sprache, dessen Handlung aber irgendwie nicht trägt. Als gebundene Ausgabe ist er mir im nachhinein sein vieles Geld nicht wert gewesen….

Martin Suter
Der Koch
Diogenes; 2010, geb. 272 S.
ISBN-10: 3257067399
ISBN-13: 978-3257067392

Gut, damit es auch hier gesagt ist, Bobby ist nicht Johnny. Damit sei das abgehakt, aber man kann wohl trotzdem davon ausgehen, daß ansonsten einiges an Insider-Wissen über Hollywood und die Filmbranche in den Roman eingeflossen ist. Nur: wozu braucht man das eigentlich, wenn offensichtlich eh alles so ist (oder so ähnlich), wie man es sich als Lieschen Müller naiv vorstellt…. eine riesiger Krake, der alles selbst produziert und in der Hand hat: die Filme, die Kritiken dazu, die Stars von heute und die von morgen…. Wozu noch Drogen verkaufen, wenn man durch die Produktion von Filmen viel mehr Geld verdienen kann, verbunden noch mit gesellschaftlicher Reputation…

Der Roman spielt also in L.A., genauer Hollywood. Dort arbeitet der Freizeitcowboy und Ex-Stuntman David Spandau in einer Privatdetektei mit gehobenem Kundenstamm. Ob es ein Fall wird oder nicht, ist noch fraglich, aber Bobby Dye, der angehende Super-Hollywoodstar, verlangt nach Hilfe und Schutz. Widerstrebend nimmt sich Spandau dieser etwas im Unklaren wabernden Gemengelage zwischen Erpressung und Morddrohung dann letztlich an. Und so entwickelt sich aus einem kleinen privaten Drogenexzess eine ganze Lawine von Folgen, die bis zum Schluss des Buches einige Opfer kosten.

Depp erspart uns in seinem Debütroman keine Stereotype, die man gemeinhin in Detektivgeschichten so findet. Da wäre natürlich zuerst einmal Spandau selbst. Lonely Wolf Spandau mit dem romantischen Herzen, der sein Privatleben nicht geregelt bekommt und in der Freizeit in seinen Cowboy-Zimmer sitzt und Indianergeschichten liest. Aber auch ansonsten recht cool ist. In der Detektei finden wir die etwas flippige Sekretärin mit dem Herz auf dem rechten Fleck („Mach ihn fertig, richtig fertig!„), bei Mafias den kultivierten Boss, der schon längst die gemeine Kriminalität weitgehend hinter sich gelassen hat und Geschäftsmann geworden ist. Selbstverständlich hat Spandau seinen Buddy, seinen Kumpel, den er immer mal wieder einspannt in seine Fälle. Die allein erziehende Mutter ist da, vom bösen „Möchtegern-in-die-oberste-Liga-der-Bosse-aufsteigen“-Zweitligamafiosi geliebt, bedrängt und erpresst. Es gibt des weiteren die tragische Nebenfigur des Kleinkrimellen, der die Drecksarbeit erledigen muss und dem dabei alles aus dem Ruder läuft. Wen und was noch? Ach ja, die arme Socke von Hollywood-Star. Von oben (den Produzenten, den Regisseuren etc pp) gegängelt, von unten (den Fans) bedrängt, immer in Sorge um sein Starsein, bleibt ihm kaum Zeit, sein Geld zu geniessen. Jeder hat sein Schicksal. Die Agentin: fies und skrupellos. Der Produzent: fies und skrupellos.

Im Lauf des Romans fällt einem beim Lesen etwas seltsames auf: Depp läßt seine nicht unsympathische Figur Spandau immer mehr zur Nebenfigur verkommen. Die Romanfiguren haben völlig recht: Spandau steht praktisch nur noch im Weg herum, wird als Leibwächter für den farblosen Bobby kaltgestellt und hat eigentlich nur noch einen starken Auftritt gegen Ende. Ansonsten bezieht er eher Prügel. Dafür wachsen einem aber andere Figuren ans Herz, Terry zum Beispiel, der Kumpel von Spandau, der sein Herz verliert und einen fürchterlichen Fehler macht. Allison, die sich müht (man ahnt es, vergeblich), nicht im Sumpf zu versinken…. Selbst Potts, der Kleinkriminelle, wird zum Schluss mit mehr Liebe, mit mehr Tiefe und Tragik gezeichnet als Spandau. Es ist eine richtig schöne, zu Herzen gehende kleine Liebesgeschichte, die Depp hier um diesen vom Leben gestraften Potts spinnt…. Ich bin mal gespannt, wie er es in seinem zweiten Spandau-Buch meistert, daß seine Hauptfigur etwas mehr an Substanz und Profil gewinnt. Die Nebenfiguren, die dies in „Stadt der Verlierer“ ausgleichen, werden dort jedenfalls nicht mehr auftauchen.

Das klingt jetzt alles negativer als es gemeint ist. „Stadt der Verlierer“ ist ein solide geschriebener Roman mit einigen witzigen Szenen und Dialogen, er ist spannend und auf jeden Fall auch für einen gelungenen Leseabend gut. Nur Überraschungen bietet er eben nicht.

Facit: gute, leicht konsumierbare Leseunterhaltung

p.s.: „Stadt der Verlierer“ scheint ein beliebter Buchtitel zu sein…..

Daniel Depp
Stadt der Verlierer
C. Bertelsmann Verlag, November 2009, HC, 320 S.
ISBN-10: 3570100138
ISBN-13: 978-3570100134

Herta Müller: Atemschaukel

Februar 14, 2010

Ab Frühjahr 1945 deportierte und internierten die Russen alle Rumänendeutschen im Alter zwischen 17 und 45 Jahren in Arbeitslager. Sie sollten im Rahmen einer „Wiedergutmachung“ zum „Wiederaufbau“ der im Krieg zerstörten Sowjetunion eingesetzt werden.Weil es an die faschistische Vergangenheit Rumäniens erinnert (vgl [1]), wurde dieses Thema in Rumänien lange Zeit totgeschwiegen, nur die Betroffenen untereinander und im Familienkreis kam diese Zeit zur Sprache.

Ab 2001 zeichnete Müller, deren Mutter selbst interniert worden war, Gespräche mit Deportierten aus ihrem Heimatdorf auf. Dieses Buch beruht auf Notizen und Erinnerungen von Oskar Pastior, der 2006 verstarb. [4]

Ich weiß, du kommst wieder

„Atemschaukel“ von Müller ist ein Buch mit einem Thema, es ist ein Buch über den Hunger. Nicht den kleinen Hunger zwischendurch oder den größeren, wenn man mal eine Mahlzeit übersprungen hat. Nein, über den Hunger, der den Menschen aushöhlt, der sich in jede Pore, in jede Höhlung, in jeden Gedanken, in jede Bewegung setzt. Der Hunger, der den Menschen als Hülle zurückläßt und ihn völlig okkupiert. Jeder Gedanke, alles Tun und Lassen wird von ihm bestimmt, er unterjocht den Menschen und der Mensch kennt nur noch den Hunger.

Der Hunger ist ein Gleichmacher, nicht ganz so konsequent wie der Tod, aber fast. Das ganze Leben dreht sich nur noch ums Essen, das Nicht-Hungern, das Nicht-Verhungern, das Über-Leben, das bischen Brot der Ration, die dünne Suppe, die kaum wärmt, das Unkraut, das als Salat gegessen werden kann, das Er-Tauschen von Essen gegen andere Kostbarkeiten.

Der Hunger ist ein Gleichmacher, er hebt alle anderen Massstäbe auf, er hebt die Individualität auf („… in der Dreieinigkeit von Haut, Knochen und dystrophischem Wasser sind Männer und Frauen nicht zu unterscheiden…“ [S.158]), er hebt die Geschichte auf, all das verblaßt neben ihm, spielt keine Rolle mehr. Nur die Zeit hebt er nicht auf, er lebt und wirkt in der Zeit, je langsamer die Stunden verstreichen, je lebendiger ist er. Der Hunger schläft nicht noch schlafen die Hungernden ihre unruhigen Träume, sie wachen, wachträumen, träumen. Vor dem Hunger sind und werden alle gleich.

Und der Hungerengel ist sein Bote.

Der Hunger wird zum Maß, der Hunger bestimmt die Moral. Hunger kennt keinen Ekel, kein Mitleid. Im Hunger wird alles zu Essen, und wenn es nur der Rauch des Feuers ist, der gekaut, geschluckt, geschmeckt wird. Der Hunger richtet alles aus, er läßt sich nicht vergessen oder verdrängen. Er läßt sich nie mehr vergessen, der Hunger wird zum Teil des Menschen: „Ich esse seit meiner Heimkehr aus dem Lager, seit sechzig Jahren, gegen das Verhungern.“ [S. 25, vgl auch 2]

Er ist allgegenwärtig, er ist der lebendig gewordene Tod.

Denn der Hunger ist nicht still, er wütet, er macht sich bemerkbar, er beraubt den Hungernden um alles, er nistet sich ein, er verdrängt, er wächst unersättlich, er ersetzt jegliches Gefühlt. Er läßt sich atmen, trinken, fühlen, essen, denken, sprechen, gehen, schlafen, träumen… Der Mensch wird Hunger.

Er ist allgegenwärtig, er ist zum Tod werdendes Leben.

Und er ist nie weit weg. Kertesz beschreibt es in seinem Buch [5], kaum drei Tage und der Hungerengel besucht die Menschen und begleitet sie fortan auf all ihren Wegen….. Der Hungerengel und der Mensch gehören zusammen, alles wird mit Essen verglichen, die Farben von Gegenständen, der Geruch, alles erinnert an Essen, Essen, essen……

Im Januar 1945 wird der 17jährige Siebenbürgener Sachsen Leo Aulberg aus Hermannstadt nach Sibirien in ein Arbeitslager deportiert. Seine Großmutter verabschiedet ihn mit den Worten: „Ich weiß, daß du wieder kommst„. So trivial der Satz ist, er läßt Leo die Zeit im Lager überleben. Das Buch beruht auf Aufzeichnungen eines ehemaligen Häftlings über seine Lagerzeit, es gibt Einblicke in den Lageralltag, vor allem aber in die Gedanken- und Gefühlswelt von Leo Aulberg.

Es ist kein Tagebuch im Sinne einer chronologischen Aufzählung. Grob wird die Zeitenfolge eingehalten, das Buch setzt mit der Deportation ein und hört mit der Rückkehr nach 5 Jahren Haft auf. Aber, soviel kann gesagt werden, es ist kein Kreis, der sich schließt, es ist für einen Lagerhäftling unmöglich, einfach mit seinem alten Leben weiter zu machen.

Interessant wäre es, wenn man die Aufzeichnungen des Oskar Pastior, die dem Buch zugrunde liegen, mit dem, was Müller daraus gemacht hat, vergleichen könnte. Hat dieser 17 (18, 19, ….) jährige schon solche sehr komplexen, fast spirituellen Gedanken gehabt?

Als Häftling in einem Lager zu sein, muss eine der fürchterlichsten Erfahrungen sein, die man machen kann. Man ist in einer Umgebung, die sich feindlich gegen den eigenen Körper und den Geist verhält, der Tod ist allgegenwärtig, wird billigend in Kauf genommen, wenn nicht sogar gefördert. Wie kann man mit so einer Situation umgehen?

Leo Aulberg hat einen Weg gefunden, den sicher nicht allzuviele gewählt haben. Er erscheint mir fast meditativ, wenn ich das Kapitel über die Herzschaufel lese, Leos Ausführungen über das richtige Schaufeln, die verschiedenen Stellungen und Handhaltungen, je nachdem, wieviel Kohle noch auf dem Wagen liegt, damit diese wie ein Vogelschwarm sich vom Blatt ablöst und fliegt. Schön ist die Bewegung, wie ein Tango, fließend im ganzen Körpfer, harmonisch, sie wärmt ihn, nur der Hunger, der Hungel frisst die ganze Artistik, denn der Hungerengel ist immer dabei…. ich musste bei dieser Beschreibung des Schaufelns (auch wenn mir dies unangemessen erscheint) an Dürckheims „Der Alltag als Übung“ denken in dem Sinne, daß alles, was wir im Alltag machen, wenn wir es bewusst machen, auf uns selbst zurück wirkt, uns stärkt und uns Kraft gibt. Und mir scheint, Leo hat Kraft zum Überleben auch dadurch gewonnen, daß er quasi durch die äußere, häßliche Hülle der Situation/Gegebenheit hindurch einen Kern, einen Inhalt, einen Weg gefunden hat, der ihn stärken kann [6]. „Jede Schicht ist ein Kunstwerk“: auch dieses Kapitel schildert die Art und Weise, wie Leo diese alltägliche Sklavenarbeit ummünzt, um für sich eine innere Stärkung daraus zu ziehen. Natürlich – der Hunger wird dadurch nicht geringer, die Arbeit nicht weniger, die Verhältnisse werden nicht besser, aber die Moral, die Seele von Leo werden gestärkt.

Leo nimmt wahr, deutet um, verknüpft mit Erinnerungen aus glücklichen Zeiten. Man kann sich wahrscheinlich (nicht) vorstellen, wie es Ende des Krieges in einer maroden, heruntergekommenen, vergammelten Kokerei in Russland ausgesehen, gerochen haben muss. Chemikalien, Schrott, Abfall, Halden über und über….. Gerüche, Farben, Pfützen, Staub ohne Ende, im Winter die Kälte und der Schnee, im Sommer gleißende Hitze… Leo beschreibt, wie er „Fluchtwörter“ benutzt, diese für ihn substantiell notwendig waren. Fluchtwörter: Wörter, mit denen er das Häßliche, Gefährliche benannte nach Sachen, an die er erinnert wurde. Mit dieser Umdeutung bannte er die Angst, die mit allem verbunden war, er erlaubte nicht, daß die Substanzen Macht über ihn bekamen [S. 184]:

Weil ich den chemischen Substanzen nicht ausweichen konnte, ihnen ausgeliefert war – sie zerfraßen unsere Schuhe, Kleider, Hände und Schleimhäute – habe ich beschlossen, die Gerüche der Fabrik zu meinen Gunsten umzudeuten. Ich habe mir Duftstraßen eingeredet und angewöhnt, für jeden Weg auf dem Gelände eine Verführung zu erfinden….. weil ich den Substanzen nicht erlauben wollte, giftig über mich zu verfügen. … auch diese Wörter substantiell notwendig waren. Notwendig und eine Folter, weil ich ihnen glaubte, obwohl ich wusste, wozu ich sie brauchte.

Müller spielt wieder mit den Begriffen, die bezeichnen sollen, für was es kein Wort gibt. Hungerengel ist so einer, aber auch das Mundglück, das Kopfglück und das Eintropfenzuvielglück. Die Herzschaufel, der Nichtrührer, der Weiße Hase, das Wangenbrot, der Blechkuss, der Kartoffelmensch…. das Unsagbare sagbar machen, das gelingt Müller, die ihre eigenen Erfahrungen hat, auch in diesem Buch sehr, sehr gut. Dem Meldekraut, diesem für die Internierten überlebenswichtige Unkraut, widmet sie ein Kapitel, das für mich wegen der Bilder, die sie dort für das Hungergefühl entwickelt, zum Beeindruckensten des Buches gehört.

Der Lageralltag, die Läuse, die Wanzen, das Abwiegen und Verteilen der Brotration, die im Winter am Fuss festfrierenden Fusslappen, die Toten, die Krautsuppe, das Ritual der Rasur beim Lagerfriseur, die Appelle und die Langeweile, den alles durchdringenden Zementstaub, den Dreck, das Durchwühlen der Abfälle nach Kartoffelschalen (die im Essen dann zu Nudeln werden….)… der Lageralltag reduziert sich auf´s Überleben. Dreihundert-vierunddreißig Tote zählt Leo in den 5 Jahren (wobei man dran denken muss, daß es sich nicht um ein Kriegsgefangenenlager handelt). Im letzten Lagerjahr bessern sich die Bedingungen etwas, die Internierten erhalten etwas Geld, mit dem sie Essen kaufen können und Stoffe, um sich Kleidung zu schneidern. Es erwachen auch wieder andere Eigenschaften, etwas Eitelkeit, ja, sogar Freude am Leben bei zum Beispiel Tanzabenden. Und trotzdem, der Hungerengel ist noch immer anwesend, warnt mit leiser Stimme, daß auch alles wieder vorbei sein könnte….

Nach der Entlassung ist Leo vielleicht kein gebrochener, aber ein gezeichneter alter Mann im Alter von 22 Jahren. Er hat nichts gelernt, findet sich in den Familienalltag nicht ein (in 8 Monaten, so schreibt er, wird er kein einziges Mal berührt von seinen Angehörigen…). Er arbeitet die erste Zeit (wie im Lager auch) als Handlanger. In seiner Vorstellung ist er immer noch im Lager, ja, er fühlte sich dort heimishcer als hier als Fremder in seiner Heimat. Seine geschlechtliche Orientierung macht es ihm zusätzlich schwer. Trotzdem heiratet er, entflieht aber dieser Ehe (und einer erwarteten Verfolgung durch die Behörden) nach Österreich.

Müllers „Atemschaukel“ ist ein schwieriges Buch, wer Unterhaltung sucht, sollte es meiden. Es ist ein Buch, das einen ratlos zurückläßt, wenn man erkennt, welche ein Leben lang andauernden Verletzungen im Menschen durch solche extremen Situationen hervorgerufen werden (Auch Müller selbst arbeitet ja in ihren Büchern, so auch in diesem, eigenes und familiäres Schicksal auf). Und soviele Millionen erleiden immer noch solches oder ähnlich schlimme Schicksale, werden verletzt und gezeichnet zurückgelassen. Und es handelt sich um einen kollektiven Schaden, der ganze Völker, Volksgruppen betrifft und der -zig Jahre braucht, um auszu“wachsen“ aus den Menschen. Das beste, was passieren kann, ist, daß die Menschen lernen, mit ihren Verletzungen und seelischen Narben zu leben, aber gerade dies gelingt vielen nicht…

Facit: ein wichtiges, schwieriges Buch, für das man sich Zeit nehmen muss.

Links:

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Ion_Antonescu
[2] eine Erinnerung die Müller auch in der eigenen Familie so wahrgenommen hat: „Meine Mutter hat überlebt und steht in ewiger Komplizenschaft mit der Kartoffel. Kein anderer Mensch hat beim Kartoffelessen diesen Blick wie sie, diesen Atem, für den es … kein Wort gibt. Als müsse sie heute, 50 Jahre später, bei jeder Kartoffel noch einmal am Leben vorbei in den Tod, und umgekehrt. …. ”“ aus: Der König verneigt sich und tötet
[3] Inhaltsangabe
[4] dem Nachwort zum Buch entnommen
[5] Imre Kertész: Roman eines Schicksallosen
[6] Ein anderes Beispiel für eine analoge Überlebenstaktik in einer ähnlich extremen Situation schildert Reichard in seinem Bericht über seine Begegnung mit N. Kampusch: „…Stark war sie schon, bevor sie entführt wurde. Intelligent, vor allem wohl sozial intelligent. In der Gefangenschaft spürte sie, dass sie sich mit Hass selber umbringen würde. Sie griff zu einer Lösung, die im normalen Leben schon schwer genug ist und für ein Kind in ihrer Lage geradezu unglaublich erscheint: Sie verzieh. Verzieh Priklopil, so schnell es ging, alle Bosheiten, mit denen er sie drangsalierte. Sah in ihm das, was er war: ein fehlgeleiteter, schwacher Mensch, klein gehalten durch den Vater, dessen Anerkennung er suchte, aber nicht bekam. Weil sie das begriff, verzieh sie ihm, dass er sie klein hielt….“ in ZEIT-Magazin 3/2010, S. 23 oder online hier

Herta Müller
Atemschaukel
Hanser, HC, 304 S.
ISBN-10: 3446233911
ISBN-13: 978-3446233911

Zwei Jahre aus.gelesen…

Februar 13, 2010

Ok, ein wenig geschludert ist es schon, der zweite Geburtstag meines bücherblogs ist ja schon ein paar tage her, ich setze ihn für mich selbst auf den 26. Januar mit meiner ersten buchbesprechung, einem krimi von g. klönne…

ein wenig stolz bin ich mittlerweile schon auf den blog, nicht nur, daß er ganz gut „läuft“, sondern eher noch, weil er ein zeichen ist, daß ich es tatsächlich fertig gebracht habe, mal einen „im neuen jahr mach ich“ – Vorsatz umzusetzen: nämlich wieder mehr zu lesen. dafür ist meine tägliche zeit im i-net geschrumpft und ich habe die neuen entwicklungen wie facebook oder auch twitter nicht mitbekommen. vereinzelte versuche von mir, dort hineinzukommen, sind wegen (vermeintlicher oder wirklicher, von mir jedenfalls als solche eingestufte) sinnlosigkeit und zeitfraß schnell wieder ad acta gelegt worden…

ich habe meinen blog mal wieder selbst durchstöbert und mir ist aufgefallen, daß die meisten der bücher, die ich hier vorstelle, recht gut wegkommen. um den eindruck zu vermeiden, ich würde immer nur gute (d.h. solche, die mir gefallen haben) bücher lesen, habe ich mir überlegt, hier und jetzt, aus diesem anlaß, eine liste der bücher einzustellen, die ich im lauf des letzten jahres wohl angefangen habe zu lesen, aber nie beendet. aus diesem und jenem grund….

vorab aber an euch alle, die ihr meinen blog regelmäßig besucht oder dir ihr durch zufall hier hereinschneit, ein dankeschön für euren besuch und kommt bald wieder!

liste der bücher 2009, die ich nie fertig las (ohne Anspruch auf vollständigkeit….)

Muriel Barbery: Die Eleganz des Igels. Das Buch hat mir einfach nicht gefallen….
Lionel Shriver: Liebespaarungen: dto. Aber für den Wälzer seh ich noch Chancen….
Joseph O’Neill: Nederland: hat mich fasziniert, aber dann habe ich in der Buchmitte den Faden verloren..
Dmitri Prigow: Moskau-Japan und zurück: vielleicht hat dieses Buch eine zweite Chance verdient….
Elisa Albert: Dahlia: angefangen und aufgehört…
Tama Janowitz: Keine Zeit für schlechten Sex: … und für langweilige Bücher
Michel Houellebecq: Plattform: schon der zweite Leseversuch, den ich aufgegeben habe…
Henning Mankell: Seelen: da kam irgendwas dazwischen….
Kagero: Nikki: habe ich im Zusammenhang mit einem anderen Buch angefangen.. aber welchem?
Erica Jong: Rette sich, wer kann: Im Grunde reicht die Angst vorm Fliegen aus…
Charles und Mary Lamb Lamb: Shakespeare Novellen und:
Michael Köhlmeier: Shakespeare neu erzählt:  eine sehr interessant Lektüre, da hier die Stücke von Shakespeare unter völlig unterschiedlichen Gesichtspunkten (weil aus völlig unterschiedlichen Epochen) nacherzählt und auch interpretiert werden.
Philippe Aries: Studien zur Geschichte des Todes im Abendland: das habe ich zwar gelesen, aber eigentlich sollte das in ein größeres „Projekt“ einfliessen, das aus Zeitmangel dann gecancelt wurde….

Frank Goosen: Radio Heimat

Februar 11, 2010

„Ich sach ma so: ich weiß gar nicht, wenn ich tot bin, wie ich ohne datt leben soll!“

Das Ruhrgebiet, zwischen Rhein und na ja, sagen wir mal, Unna und Hamm, is schon sonne Gegend. Jahrzehntelang Zechen, Halden, Kohle, Koks, Eisen und Hochöfen. Menschen aus vielen Regionen, hier könnte man sich auch gelungene Integration ansehen, wenn man an die vielen -skis denkt, die das Land beherbergt. Dann der Strukturwandel, der zeigte, daß auch über Castrop-Rauxel der Himmel blau ist, auch in Dortmund Bäume grüne Blätter tragen und überhaupt, das Ruhrgebiet zwar seine Zechen mit allem drum und dran einbüsste, aber nicht sein Herz.

Goosen ist in Bochum geboren, demzufolge Fan des VfL. Gut. Muss es auch geben (Auch wenn einen das Schicksal (Stichwort: „Cherusker“) manchmal wirklich beuteln kann….). Irgendwelche Vereine braucht Schalke ja auch, damit sie gewinnen können…. Also, mitten drin im Ruhrgebiet. Und dort groß geworden. Dies alles erzählt er voller Liebe in seiner Sammlung von Anekdoten über das Leben dort, das Leben, die Familie, die Liebe, das Bier, die Frikas und die Mettbrötchen. Nicht zu vergessen die Schrebergärten, in denen offenbar ein Großteil der Bevölkerung gezeugt wurde, die Trinkhallen und die Kneipen. So widmet er seiner alten Stammkneipe „Zum Sportfreund“ (ohne „s“) ein wunderbar lebendiges, liebevolles Kapitel, ich habe beim Lesen förmlich mitgetrunken und -gelitten, wenn´s mal wieder etwas zu viel war….

Das ist nur ein Beispiel, aber ein besonders schönes. Es ist schon ein kerniger Menschenschlag dort („Futtern hält dich am Kacken“, die große Eloge auf Graupensuppe und Steckrübeneintopf, mit anderen Worten, die allltägliche Ernährung des gemeinen Ruhrpöttlers), der eine deutliche Sprache spricht, voll mit Situationskomik und einem Humor, der so trocken ist wie ein Pils schmeckt.

Und Goosen ist Ruhrgebiet. Er hat genau die Sprache, die dort gesprochen und verstanden wird. Allein der erste Absatz hat mir so gefallen, daß ich mir daraufhin das Buch kaufte:

„An lauen Sommerabenden steh ich gern auf der Eisenbahnbrücke am Lohring in Bochum und schau auf meine Stadt. Ich seh das Mercedes-Hochhaus am Bahnhof, die Fiege-Brauerei, das neue Hochhaus der Stadtwerke (das ein bischen aussieht wie der Monolith aus „2001), die Türme von Probstei- und Christuskirche und ganz rechts erkenn ich sogar noch den Förderturm des Bergbau-Museums. Und dann denk ich: Boah, schön ist das nicht!

Kann man ein Buch über seine Heimat besser anfangen? Wohl kaum. Und das schönste ist: Goosen hält das Niveau praktisch durch bis auf die letzte Seite! Ein paar Schwächen hat er dort, wo er erkennbar nicht erzählt, was war, sondern offensichtlich zuspitzt oder dazu erfindet. Aber diese Stellen sind zu vernachlässigen, sie fallen nur ganz kurz auf beim Lesen und schon ist man drüber weg wie über ein Schlagloch….

Facit: Kaufen und lesen, Spaßhaben. Ruhrgebiet lieben lernen. Und Wodka-Wick-blau mach ichma bei die nächste Fete.

Links:

Zur Geschichte des Ruhrgebiets: Seligmann: Die Ruhrpott-Saga
Homepage des Autors
Ein paar Auszüge aus dem Buch

Frank Goosen
Radio Heimat
Eichborn Verlag, Januar 2010, HC, 168 S.
ISBN-10: 3821860723
ISBN-13: 978-3821860725

Wien im Sommer, die Hitze frisst alles auf. Matthias Karner findet im Park eine Frau am Boden liegend, die sich offensichtlich umbringen wollte. Aber sie lebt noch und kann gerettet werden.

In einem ehemaligen Frisiersalon sitzen die vormalige Lehrbeauftragte für Altertumswissenschaften Emma Novak und der frühere Friseur Mick, die in eben dieser Lokalität, zwischen Frisierspiegeln und Trockenhauben eine Privatdetektei aufgemacht haben, und übernehmen den Auftrag der resoluten Greta Mautner. Diese sucht ihren Sohn Matthias, der ihr nach der Geburt weggenommen worden war. Sie und der Vater waren damals 16 Jahre alt und die Eltern brauchten das Mädchen als Arbeitskraft. So wurde der kleine Junge weggegeben und zur Adoption freigegeben.

Matthias Karner, soviel wird Emma Novak, die sich schnell auf seine Spur heften kann, schnell klar, hinterläßt auf seinem Lebensweg eine breite Spur abgelegter Frauen. Anders kann man es nicht sagen, er nutzt die Frauen, oft „ältere“ schamlos aus, denkt ans Geld, das er ihnen – nein, nicht aus der Tasche leiert, das sie ihm geben. Denn die Frauen – und das scheint sein Talent zu sein – lieben ihn, verzeihen ihm alles, egal wie mies er sie behandelt.

Emma Novak findet Matthias Karner recht schnell, eröffnet ihm, dass seine leibliche Mutter ihn treffen will. Er ist gespannt auf dieses Treffen und dann enttäuscht, seine Mutter sagt ihm nichts, sie ekelt ihn nicht weniger an als all die anderen Frauen. Aber sie hat Geld und er braucht Geld. Also geht er auf sie ein.

Gleichzeitig fängt er eine Liaison an mit Vera, der Frau, die er im Stadtpark vor dem Tod gerettet hat. Sie bleiben sich fremd, erzählen sich nichts, lügen sich an und sind zufrieden, wenn sie miteinander schlafen (Faschinger verwendet nur das f-Wort, das mir persönlich nicht gefällt, daß aber zugegebenermassen das einzige ist, das zu Karner passt…). Und doch ist etwas anders, Vera, die Wahrhaftige rührt etwas in Matthias an, das er noch nicht kennt.

Er verfolgt sie, nimmt ihre Spur auf und entdeckt, daß sie ihn belogen hat. Mitnichten ledig wohnt sie mit einem berühmten Architekten zusammen. Dieser ist sein (dieser unwahrscheinliche Zufall das freie Spiel der Autorin) eineiiger Zwillingsbruder, auf den langsam Hass und Neid in ihm wachsen.

Der in vielen Jahren in ihm aufgestaute Hass, die latente Aggressivität in ihm lassen sich immer schlechter unter Kontrolle halten und brechen heraus, bis in einem letzten Akt der Gewalt alles zerstört wird.

Faschinger präsentiert in diesem Roman, der mir im zweiten Teil deutlich besser gefiel (im ersten Teil dachte ich oft, daß das Buch durch politische Unkorrektheiten einfach nur provozieren wollte), weil die Charaktere der Personen viel klarer herauskamen, eine Vielzahl von Figuren. Zum Teil äußerst liebenswerten Personen…. und keineswegs Verlierern…

Dr. Sissi Fux zum Beispiel, diese leicht neurotische Pathologin, bei der Liebe nun wirklich durch den Magen geht und die in stundenlangen Kochorgien seltsamer, exotischer Gerichte versucht, das Objekt ihrer Begierde zu umwerben – unterstützt von diversen, wohlausgesuchten Weinen…

Mick, der ehemalige Friseur, der seiner großen Liebe Asli wegen zum Islam übertritt, mitsamt Beschneidung etc pp, der aber auch jede mystische Tradition, die dieser Planet mal hervorbrachte, auf Eignung testet – ganz zu schweigen von den diversen Diäten, denn leider ist er seine Alsi etwas zu füllig… ein kleines Handicap in der täglichen Arbeit ist seine sehr ausgeprägte Pollenallergie, man gönnt sich ja sonst nichts….

Emma natürlich, die dies alles stoisch erträgt, ebenso wie ihre etwas kompliziertes Verhältnis zur Mutter, einer bekennenden Esoterikerin (Reinkarnations- therapeutie), die alles und jedes einer Rückführungstherapie unterwirft (und so feststellt, daß der etwas unleidliche Chow-Chow Tenzin in seinen früherein Leben in den Herden Dschinghis-Khans herumstromernd von einem Wolf zerrissen wurde…..) und die sich mit seltsamen, etwas viel jüngeren Männern vergnügt..

… Emmas Vater hat den zweiten Weltkrieg noch nicht völlig verdaut, im Bau von Modell-U-Booten sieht er zusammen mit seiner lebhaften Phantasie eine Möglichkeit, diese Zeit noch aufzuarbeiten.

Anders dagegen Matthias Karner, ein wirklicher Verlierer. Den Eltern früh entrissen wird er von einer Familie adoptiert, deren Familienleben eher einem kleinen Psychodrama ähnelt aus Strafe und Missachtung. Als Jüngling verstrickt er sich in eine leidenschaftliche Affäre mit seiner Stiefschwester, die einzige Frau, die er je geliebt hat. Und auch seine Mutter muss er beschlafen, droht sie doch, nachdem sie das Geheimnis der Geschwister entdeckt hatte, damit, dem verhassten Vater alles zu erzählen. Und so verbandeln sich in Matthias Karner Intelligenz, Aggression, Bindungsunfähigkeit und Menschenverachtung („Wien ohne Wiener, das wäre ideal. Die Stadt ist ein Fall für die Neutronenbombe„. Dieser auf der hinteren Umschlagseite zitierte Satz ist von Matthias Karner und charakterisiert ihn eigentlich ganz gut…) zu einer unheilvollen Melange von negativen Gefühlen, die er lange Jahre „nur“ in der Verachtung für die Frauen, die – meist schon vom Leben gezeichnet – er ausnutzt.

Erst Vera bringt dieses labile Gleichgewicht durcheinander, da sie sich, ihm ähnelt, ihm entzieht, ihn auf Distanz hält und sich weigert, in irgendeine Abhängigkeit von ihm zu treten. Das ruft Neugier in ihm hervor und – da man das, was man nicht haben kann, anfängt zu begehren – auch ein Gefühl, das ihm bis dato fremd war: Zuneigung, Liebe gar? Nur – er kann Vera nicht bekommen und als er hinter ihr Geheimnis kommt, bricht seine Welt zusammen, die angestauten Agressionen schaffen sich Bahn und fordern ihre Opfer. Zum Schluss bleibt ihm nur noch der Gedanke, sich wieder zu seiner Stiefschwester zu flüchten.

Ich kenn Wien nicht und die Wiener und kann daher nicht beurteilen, ob die Stadt im Buch treffend oder eher nicht geschildert wird. Jedenfalls ist eine Portion Ironie zu spüren, eine unterschwellige Liebe zur Stadt und zu den Menschen dort, die teilweise ins Skurrile und Seltame abdriftend, doch immer Menschen bleiben.

Facit: Da in der Rückschau auch mein anfängliches Unbehagen dem ersten Teil gegenüber verschwindet, kann ich das Buch nur empfehlen, es ist spannend, intelligent, hat die nötige Prise auch schrägen Humors und eine Vielzahl sympathischer Figuren.

Lilian Faschinger
Stadt der Verlierer
dtv, Februar 2010, 320 S.
ISBN-10: 3423138254
ISBN-13: 978-3423138253

Erich Kästner (* 23. Februar 1899 in Dresden; † 29. Juli 1974 in München) schildert in diesem Büchlein seine Kindheit in Dresden von 1907 bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs 1914. Er erzählt seine Familiengeschichte, die Herkunft seiner Vorfahren, ihr Leben, ihr Arbeiten. Es sind beschauliche, anschauliche Geschichten, die den Geist der Zeit atmen, von denen sie handeln. Es sind Geschichten gegen das Vergessen … Sachsen, damals noch Königreich, das noch unzerstörte Dresden (wie sagt Kästner so schön: niemand hätte ihm beibringen müssen, was Schönheit sein, in Dresden hätte er sie tagtäglich um sich herum gehabt), die Schule, die damals noch Prügelschule war und vor allem auf Strenge setzte – für so einen lernbegierigen Schüler wie den kleinen Erich ein Graus. Das Straßenbild der Stadt noch von Pferden, nicht von Autos dominiert (mit dem Pferdehandel wurden die Onkels steinreich), der Übergang vom Handwerk in die Fabrikfertigung, der der Vater mit seinem Beruf zum Opfer fiel, die Bemühungen der Mutter, durch einen eigenständigen Beruf zum Familieneinkommen beizutragen, die Pflichten des jungen Erich, der früh in das Alltagsleben mit eingebunden wurde. Im Hause Kästner wohnten Lehrer zur Untermiete, die den Berufswunsch des Jungen prägten, den dieser dann aber kurz vorm letzten Termin wieder von sich wies – zum Glück. Mehr lernen wollte er und seine Eltern ließen ihn – keine Selbstverständlichkeit in diesen Tagen, zumal sie die letzten Jahre eifrig auf die Lehrerausbildung gespart hatten.

Überhaupt die Mutter… das Verhältnis von ihr war äußerst gut, sie verstanden sich, machten tagelange Wandertouren durch die Landschaften Sachsens, sie war der Fixpunkt des Jungen in seiner Jugend, auch wenn (zumindest der ältere Kästnter) er ihre Schattenseiten, ihre Schwachpunkte durchaus sieht.

Kästner ist mit diesem Buch eine wunderschöne kleine Sammlung von Kindheitserinnerungen gelungen, geschrieben (man merkt dies den manchmal etwas betulich und aufgesetzt wirkenden Wiederholungen an) für junge Menschen. Trotzdem ist es natürlich kein Kinderbuch… ich habe es während einer längeren Bahnfahrt gelesen, zwischendurch die Landschaft an mir vorbeiflitzen lassen und bin das eine oder andere Mal ins Träumen geraten….

Facit: wunderschön nostalgische Erinnerungen aus einer vergangenen Zeit

Links:

Wiki zu Erich Kästner

Erich Kästner
Als ich ein kleiner Junge war
dtv, 2003, 208 S.
ISBN-10: 3423130865
ISBN-13: 978-3423130868

Fatih Akin: Soul Kitchen

Februar 4, 2010

Die Handlung des Films läßt sich eigentlich überall nachlesen (siehe links unten), deshalb hier nur in aller Kürze: Zinos K. ist besitzer eines Essschuppens in einer alten Fabrikhalle in Hamburg. Der Laden läuft mehr recht als schlecht mit seinen Frikadellen und Schnitzeln. Neben diesen geschäftlichen Sorgen quält Zinos auch die Tatsache, daß seine Freundin beruflich länger nach Shanghai fliegt. Im ganzen Trubel verhebt sich Zinos dann auch noch an einer Spülmaschine und demoliert sich seine Bandscheibe. Bingo! Denn da taucht sein lockerer Bruder Illias auf (genial von Moritz Bleibtreu gespielt), der Freigang hat und eine pro forma Bescheinigung braucht, daß er eine Arbeitsstelle hat. Zwischendrin pfändet dann das Finanzamt noch seine Musikanlage…. Den letzten Kick erhalten Zinos und sein Lokal dann, als er den in einen Spitzenrestaurant gefeuerten Koch Shayne einstellt, der leicht genial und nahe am Wahn die deftigeres gewohnten Stammgäste mit seinen Kochkreationen vergrault (hihi.. die wunderbare Eingangsszene, in der er sich (in seinem alten Restaurant) weigert, die Gazpacho für einen Gast heiß zu machen….). Aber immerhin ist es fein laut im Schuppen, denn Lutz, der Kellner, darf die Halle für seine Band als Probenraum nutzen. Und damit kommt dann auch ein ganz neuer Schwung an Gästen, die von der Location begeistert sind.

Ebenso wie Neumann, ein alter Schulfreund von Zinos, jetzt wohl eher als Spekulant tätig. Der hat nämlich ein Auge auf das Gelände geworfen und will es um jeden Preis haben. Zur Not auch mit üblen Tricks, denn Zinos will alles mögliche, nur nicht verkaufen.

Alles könnte so schön sein, wenn nur nicht… nun ja, die Bandscheiben lassen Zinos keine Ruhe, der Kontakt zu Nadine in Shanghai etwas befriedigender wäre und Illias nicht ganz so ein Zocker, der letztlich dann das … ach schaut es euch selber an….

Herrlich auf jeden Fall die Szene im Lokal, in der Shayne das aphrodisierende Pulver in den Nachtisch mischt (darf´s ein bischen mehr sein??), gerade zu dem Zeitpunkt, an dem das Finanzamt wieder auftaucht und sein Geld einfordert. Einfach klasse… ebenso wie der geniale Einbruch von Zinos und Illias bei Neumann… oder der Besuch bei Knochenbrecher-Kemal….

Ich weiß, alles nur Momentaufnahmen, vieles fehlt, aber wie gesagt, wer sich die Überraschungen vorweg wegnehmen lassen will, kann ja unten die Inhaltsbeschreibungen lesen. Aber ich denke, sich den Film anschauen, ist viel besser!

Facit: Ein absoluter Spaß! Schon lange nicht mehr so gelacht, den Film kann ich also jedem nur raten!

Die Filmseite: http://www.soul-kitchen-film.com/
Wike-Seite zum Film: http://de.wikipedia.org/wiki/Soul_Kitchen

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