stachel

Stachelmann, Historiker und endlich fertig mit seiner Habilitationsschrift, wird Ziel eines Attentäters, der ihn aber, so muss man vermuten, mehrfach absichtlich verfehlt. Zeitgleich wird eine Verleumdungs- und Mobbingkampagne gegen ihn gestartet. Unerklärlich, mehr als beunruhigend und vor allem: wo liegt das Motiv, wer also könnte dahinter stecken?

Das Motiv, das wird dann schnell klar, liegt in irgendeiner Weise in seiner Habil-Schrift verborgen, die aber (auch in seiner eigenen Einschätzung) nichts beinhaltet, was wirklich revolutionär wäre, was ein Motiv für einen Mordversuch darstellen könnte.

Die Polizei ist natürlich eingeschaltet, aber Stachelmann betreibt Selbstverständlich seine eigenen Recherchen. Dabei lernt er Brigitte, eine dem antifaschistischen Widerstand angehörige Studentin näher kennen, aber bevor dies noch näher wird und sie ihm zumindest in Teilen Ross und Reiter nennen kann, findet er sie mit aufgeschlitzter Kehle in seinem Arbeitszimmer vor.

Seine eigenen Recherchen: ein ziemlich durcheinander gehendes Sammelsurium möglicher Verdächtiger, das er (auch zusammen mit den etwas obskuren Freundeskreis von Brigitte) aufzudröseln versucht. Aber egal wie sicher er sich ist, den potentiellen Täter entlarvt zu haben, landet er doch meist in Sackgassen und muss frustriert von vorne anfangen. Und wie so häufig, hilft ihm zum guten Schluss Kommissar Zufall auf die Spur und Ditfurth präsentiert dem Leser nach über 400 Seiten zum Teil ermüdenden Lesens einen Täter ..

Ich habe das Buch nicht verschlungen, das kann man wahrlich nicht sagen. Die Lektüre war, ich schrieb es schon, zum Teil ermüdend und so zog sich das Lesen auch hin, immer wieder Pausen, in denen das Buch beiseite gelegt war. Die Auflösung, die der Autor liefert, wirkt so wie der ganze Fall: konstruiert und etwas arg an den Haaren herbeigezogen. Gelungen sind dagegen die Passagen, in denen Ditfurth die Angst von Stachelmann schildert, das plötzlich über ihn hereinbrechende Misstrauen gegen seine Umwelt, die Verlorenheit, die Unsicherheit, die Beklemmung, das Ausgeliefertsein einem Unbekannten, der auf einmal Macht über die eigene Person hat. Das ist stimmig und gut nachempfunden und hat mich beim Lesen auch bei der Stange gehalten. Der Rest… na ja….

Facit: ein Krimi, den man lesen kann, aber wenn nicht, versäumt man auch nicht viel.

Christian von Ditfurth
Lüge eines Lebens
Stachelmanns vierter Fall
Kiepenheuer & Witsch; September 2008, Tb, 432 S.
ISBN-10: 3462040235
ISBN-13: 978-3462040234

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