volo

Michele und Federico sind seit Schultagen die besten Freunde, mehr als das. Und ihre Freundschaft hat die Zeit überdauert, auch als junge Männer verbringen sie ihre Zeit miteinander, gehen essen, trinken, haben Spaß und verführen Frauen. Doch irgendetwas gärt in Federico und eines Tages bricht es aus ihm heraus: dieses in oberflächlicher Routine ablaufende Leben reicht ihm nicht mehr, er hat das Gefühl, daß er das, was wirklich in ihm steckt, daß, was er wirklich kann, so nie herausfinden wird, weil er sich mit Belanglosigkeiten betäubt. Michele kann mit diesem Ausbruch seiner Freundes nichts anfangen, er versteht ihn nicht und tut ihn als vorgezogene midlife-crisis ab.

Federico ist eines Tages nicht mehr da. Ohne Ankündigung hat er seine Wohnung hinter sich aufgeräumt und ist gefahren, um sich selbst zu finden. Nach einigen Jahren kehrt der dann auf Besuch zurück und die Freunde treffen sich wieder. Federico erzählt von seinen Reisen und von seiner Freundin Sophie, für die er bei einem Juwelier ein Geschenk machen läßt. Er ist noch Federico und doch ist er ein anderer geworden. Das, was er suchte, hat er gefunden.

Kurz vorher lernt Michele Francesca kennen, eine junge Frau, die in einer Bar arbeitet. Er umwirbt sie, sie verlieben sich ineinander und werden ein Paar. Doch Michele kennt das, und er weiß jetzt schon, daß die Liebe zu Francesca schwinden wird, Routine wird einziehen und was wird dann werden? Und er hat recht, genau das passiert, Francesca und er, sie haben sich eines Tages nichts mehr zu sagen, sie trennen sich.

Für Michele läuft das Leben jetzt erst einmal so weiter wie er es gewohnt ist. Erst nach einem schlimmen Erlebnis wird er so aus seiner gewohnten Bahn geworfen, daß auch er alles hinwirft und auf den Spuren seines Freundes Federico einfach losfährt, ohne zu wissen, wie es weitergeht.

Das Buch beschreibt den Weg Micheles, den dieser geht, bis er sich selbst gefunden hat. Es enthält einige sehr schöne Passagen, in denen der Autor oder die Liebe zu sich selbst und zu anderen reflektiert, über Glück und Glücksichsein, über Selbstfindung und Persönlichkeit. Das Rezept dazu, das Volo beschreibt, klingt einfach: man muss nur aufhören, sich selbst etwas vorzumachen, sich selbst zu täuschen und zu belügen und in sich hineinhören, was die eigenen, eigentlichen Bedürfnisse sind. Sich nicht der Uniformität ergeben, sondern seine Individualität finden, Glück bei dem finden, was man macht, und nicht umgekehrt nach dem suchen, was einen glücklich machen kann. Ja, das klingt einfach, aber es ist schwierig umzusetzen, denn es heißt, loszulassen von allem, was einem „lieb“geworden ist, sprich, an was man sich gewöhnt hat, sich aus der Masse lösen, in der man sich gewärmt gefühlt hat und zu erkennen, daß dies alles nur Selbsttäuschung war. Es heißt eben, einfach losfahren und schauen, was man in sich entdeckt…..

Wie gesagt, das Buch von Volo enthält einige sehr schöne Passagen und Gedanken, über die man lange reflektieren kann und über die nachzudenken sich lohnt. Gegen Ende wiederholt er sich dabei für meinen Geschmack etwas zu häufig, manchmal klingt es fast so, als sei ein neuer Siddhartha in die Welt gestiegen…. zumindest fiel mir diese Figur von Hesse ein. Eine vollständige Wandlung der Hauptperson, die das Wesen der Dinge erkannt hat. Ein wenig übertrieben vielleicht, zumindest für meinen Geschmack.

Facit: Das der Autor gegen Schluss etwas zu viel des Guten schreibt, macht er durch die Schilderung der Selbstfindung von Michele mehr wie wett.

Fabio Volo
Einfach losfahren
Diogenes, August 2009, 285 S.
ISBN-10: 3257067321
ISBN-13: 978-3257067323

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