Valentina Maran: Haut an Haut

23. Mai 2009

Maran

“Ich bin einen Meter fünfzig groß. Italienerin. Mit heller Haut. Das ist alles.
Was gibt es noch zu erwähnen?”

Valentina Maran schreibt diesen Roman in der Ich-Form. In verschiedenen Episoden schildert sie, wie sie ihre erotischen Fantasien auslebt. Etwas anderes kommt in diesem Buch nicht vor. Und trotzdem ist es kein plumper pornographischer Erguss, die Sprache hält sich sehr im Rahmen, das gewagteste ist wohl fast noch das F-Wort, und selbst das wird nich allzu häufig angewandt. Nein, Valentina spielt mit der Fantasie der Leser, sie rezitiert ihre inneren Monologe, in denen sie sich mit ihren Liebhabern unterhält, ihre Gedanken zu erraten sucht, sie auch nach ihrer Eignung beurteilt. Ja, Eignung ist das angebrachte Wort, denn Valentina (“das V … welch ein erotischer Buchstabe, weit gespreizt die Schenkel….“) sucht keine Liebe, sie sucht Sexualität, erfüllte, aufregende, fantasievolle Sexualität, deren Richtung sie vorgibt und nur sie. Sie bereitet dabei auch den Männern Lust, aber nur, weil sich dies ergibt, weil diese Lust, die sie ihren Liebhabern bereitet, ihr wiederum Befriedigung verschafft. Das unterscheidet sie von vielen Männern, die ihre erotischen Fantasien an Frauen ausleben, ohne diese jedoch auf ihre Kosten kommen zu lassen.

Valentina schafft, arangiert die Szenerien, politische Korrektheit kümmert sie nicht. Sie ist nicht moralisch, nein, das kann man ihr nicht vorwerfen. Sie weiß, was sie will. Fesselspiele und Sex zu dritt gehören dazu, mit verbunden Augen sich dem anderen ausliefern… langsam steigert sich die Lust in ihren Geschichten, die Spannung, die Anspannung, die Erregung. So laufen die Geschichten parallel zur körperlichen Liebe, die sie beschreiben und so enden sie auch, abrupt mit einem Höhepunkt. Danach trennen sich die Partner wieder, ohne sich mit dem Gefühl “Liebe” zu belasten. Das heißt nicht, daß sie sich egal sind, sie freuen sich auf ein nächstes Mal, neu arrangiert und voll neuer Lust.

Es ist eine Art Libertinage, die Maran beschreibt. Da sie aus Italien kommt, dem Sinnbild für Katholizismus überhaupt, kann man dies auch als einen Protest ansehen gegen die stringenten Moralvorstellungen der Amtskirche: die Frau, die selbstbestimmt über die Männer verfügt, jedoch sie nicht unterwirft und erniedrigt, sondern sie einfach nur für sich in Anspruch nimmt… dieser Mangel an Gefühl, mit dem Valentina Sex hat, verströmt andererseits ein Moment innerer Einsamkeit, ja, auch von Gefühlskälte. Menschen werden auf Körper, diese auf ihre Funktionalität reduziert. Das einhüllende Erleben, das man Liebe nennt und welches die Kraft gibt, Unzulänglichkeiten zu ertragen, unter Umständen sogar schön zu finden, fehlt. Allenfalls kann man bei Valentina Vorlieben erahnen, Präferenzen für den einen oder anderen ihrer Männer, mit denen sie besonders gut harmoniert. Aber selbst bei diesen endet der Akt mit der Trennung und Valentina zieht sich wieder in ihre Isolation zurück – bis zum nächsten Mahl.

Facit: Ein intelligentes, aufregendes, sinnliches und schönes Buch, aber eins, das bei allem Sex Einsamkeit verströmt.

Valentina Maran
Haut an Haut
Ullstein, 2007
ISBN-10: 3550086644
ISBN-13: 978-3550086649

About these ads

... und deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 144 Followern an

%d Bloggern gefällt das: