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Wer hat nicht schon von den Betrügereien im Netz gehört, die von der sogenannten „Nigeria-Connection“ durchgezogen werden. Obwohl sich das geographisch ja nicht nur auf diesen afrikanischen Staat beschränkt, erfolgreiche Geschäftsmodelle haben eben ihre Plagiatoren.

Was ist das Grundmuster? Aus welchen tragischen Umständen auch immer, der Absender schildert, daß z.B.ein Konto in Millionenhöhe nicht mehr zugänglich ist, eine Erbschaft nicht ausgezahlt werden kann, wenn der Empfänger dieser Mail da nicht helfend einspringt. Selbstverständlich wird er mit einem hohen Prozentsatz vom Kontostand entlohnt werden…. soweit so schlecht, denn wenn jetzt das Hirn und der gesunde Menschenverstand aussetzen und man sich im Geiste schon die Millionen zählend auf solchen Deal einläßt, hat man erst einmal Auslagen zu zahlen: für Anwaltkosten, Beglaubigungen etc pp. Schnell sind da viele Tausende von Euronen nach Afrika transferiert, auf Nimmerwiedersehen…

Jurististisch fällt das Ganze unter den Begriff „Vorschussbetrug„, ist mittlerweile so bekannt, daß eigentlich niemand mehr darauf reinfallen sollte, der sich ein wenig kundig macht, bevor er mit dem Gedanken spielt, sich darauf einzulassen – und trotzdem…. man weiß jetzt nicht, soll man diese Frau bedauern oder kann man ihr nur ein mitleidiges „Selbst dran schuld“ entgegenhalten? Und es wird nicht die einzige sein…

Gier schalten Hirn aus, im kleineren Massstab sieht man es ja auch aktuell bei der sogenannten „Abwrackprämie“. Immer wieder liest man von Leuten, die ein Auto, dessen Restwert (oder auch persönlicher Wert) höher liegt als besagte 2,5 k€ für eben diese Summe auf den Schrott werfen…. na ja…

Jedenfalls… Frieling hat in seinem kleinen Büchlein mit einer entsprechend sarkastisch formulierten Einleitung eine Sammlung solcher Mails zusammengestellt (in gebrochenem deutsch und krudem englisch), die einen schönen Überblick über die Fantasie und den Einfallsreichtum der Damen und Herren, die dahinter stehen, geben. Terroropfer, die Bares hinterlassen, Soldaten aus dem Iraq, die Hilfe brauchen, um -zig Millionen Cash, in Kisten gelagert, in die USA zu bringen… herrliche Geschichten, nur: wer glaubt solche Märchen denn, wie muss denn das Hirn funktionieren, daß da nicht alle Sensoren auf Rot schalten? Offensichtlich genug, manchmal mag auch die schiere Verzweifelung dahinter stehen. Immerhin wird der Verlust, der mit solchen Mails erzielt wird, (glaubt man Heise) auf 4,3 Mrd US$ geschätzt (wer mehr Details sucht, kann gleich hier klicken und unter „419″ (ein alternative Benennung des Betrugs) nachschauen, es lohnt sich!) … braucht man noch einen Beweis für die Dummheit der Menschen?

Facit: ein kurzweiliges Bändchen mit einem farbenprächtigen, zum Thema passenden Titelbild aus der Hand Frielings, voller einfallsreicher Geschichten aus dem „prallen Leben“. Was mich ein wenig stört, ist sein etwas hoher Preis, denn der eigene, kreative Anteil des Autoren am Werk ist doch eher gering. Aber abgesehen davon macht man mit dem Büchlein als Mitbringsel bei z.B. einer Einladung wahrscheinlich jedem Beschenkten eine Freude (oder stößt einen „Aha“-Effekt an, wer weiß das schon…)

Wilhelm Ruprecht Frieling
Onkel Wumba aus Kalumba
Internet-Buchverlag, Mai 2009, brosch., 96 S.
ISBN-10: 3941286404
ISBN-13: 978-3941286405

19 Responses to “Wilhelm Ruprecht Frieling: Onkel Wumba aus Kalumba”

  1. prinzrupi Says:

    Du, Mann kommen nach Bukina Faso. Warten dort groß Belohnung auf Dir für lesen neu Buch. Vorher nur schicken Gebühr für Bank, wir dann teilen 60:40 …

    PS. Der erwähnte hohe Preis beträgt übrigens € 9,80. Darunter nimmt kaum noch ein Buchhändler ein Buch zum Verkauf in die Hand, da seine 30-50 Prozent sonst sehr schnell unter die Bewegungskosten rutschen. Preiswerter geht es heute nur noch bei sehr hohen Auflagen, die sehr schnell »drehen« oder bei Paketangeboten (modernes Antiquariat).

    • flattersatz Says:

      Rein buchhandlungstechnisch mag das richtig sein, prinz, aber gemessen an anderen büchern, die man für dieses geld schon bekommt….

  2. Anne-Kathrin Says:

    Ich kenn das Buch nicht, muss aber sagen:
    Neee. Das geht irgendwie gar nicht. Ein Titel, der weniger originell nicht sein könnte gemischt mit einem Cover, das an ein Bilderbuch erinnert.
    Und dann nur 96 Seiten für knapp 10 Euro.
    Ist das nicht ein Verkaufskiller?
    Rangiert für mich auf den ersten, natürlich vollkommen unqualifizierten Blick eher in der „Mitbringsel“ Ecke für den verlegenen Schenker und Gelegenheitsleser von heute ;-)
    Da müsste ich also schon reinblätternd begeistert sein, um hier zu investieren…

    • flattersatz Says:

      hihi.. Kinderbuch.. du meinst wahrscheinlich die Kunstrichtung der „Naiven Malerei“ .. oje oje.. die „…persönlichen Wunschträume der Urheber..“ (sagt Wiki..). Urheber.. find ich gut, nicht Maler…

      Der Preis.. Frieling hat es ja im seinem Kommentar erklärt, aber trotzdem, 9,80 sind knapp 10 und dafür .. na ja, wie gesagt, mir erscheint er auch relativ hoch, der Preis…

  3. Zensrupela Says:

    Ein weiteres Buch welches die Welt nicht braucht.

    • flattersatz Says:

      Kurz und bündig.

      Ich überlege gerade, ob eine Bibliothek nur aus solchen Büchern, die die Welt nicht braucht (abgesehen vom Streitpotential, welche dazu gehören) eher umfangreich oder eher dürftig wäre?

      • zensrupela Says:

        Von Gefälligkeitsrezensionen
        halte ich nichts.

        Eine Buchbewertung ist immer subjektiv.
        Der Onkel Wumba ist einfach ein
        gelaberter Schmarrn.

        Schade ums Geld.

        Meine persönliche Meinung.


  4. Vielleicht solltest du hier wirklich umstellen auf die Präsentation von Büchern, die die Welt (deiner Leser) braucht und die möglichst umsonst sind.


  5. Nee, das Preisargument ist ja durchaus bedenkenswert und fraglos berechtigt. Insofern bin ich für jeden praktischen Vorschlag dankbar. Mein Twitter-Versbuch habe ich beispielsweise als kostenlosen Download zur Verfügung gestellt. Da kam dann allerdings das Argument, was gratis sei, könne wohl nicht viel wert sein (aber das nur am Rande).

    Wer über die insgesamt viel zu hohen Buchpreise in D urteilt, der sollte zumindest erwähnen, dass diese auch ein Problem der gesetzlichen Preisbindung und der frechen Margen des Zwischenhandels ist. Minimal bleiben immer 50 – 60 Prozent im Handel stecken, der Staat kassiert 7 Prozent MWSt vom Ladenpreis, und, man glaubt es kaum: das Buch will noch hergestellt werden. Von einer Autorenvergütung, die maximal bei sieben Prozent vom Verlagsabgabepreis liegt, will ich nicht sprechen.

    Bei einem Buch zum Preis von 9,80 bedeutet das unabhängig vom Umfang: € 9,80 ./. 50 Prozent = 4,90 ./. 7 % MWST vom LP (0,64) = € 4,26. Um diesen maximal möglichen Pro-Buch-Umsatz balgen sich Autor, Grafiker, Setzer, Layouter, Drucker, Papierhersteller, Buchbinder und Spediteur (incl. Maschinenabschreibung, Materialeinkauf etc.).

    Selbst wenn der Autor wie im vorliegenden Fall viele Arbeitsgänge selbst – und damit zum Nulltarif – erledigt, lässt sich leicht ausrechnen, wie viele Exemplare einer Auflage verkauft werden müssen, damit die Rechnung nur halbwegs aufgeht.

    Dabei kommt der Großverlag, der eine Mischkalkulation aufmachen kann zwischen Titeln, die gut und solchen, die weniger gut gehen, noch weitaus besser weg als der Kleinverlag.

    Das Wissen um diese Zusammenhänge darf ich einem Rezensenten unterstellen. Stellt er sich also in seinen Laden und ruft beispielsweise bewusst: »Die Milch ist zu teuer«, dann kommt seine Stammkundschaft und eifert ihm nach: »Genau, die Milch ist zu teuer!« Dem Erzeuger bleibt bei einer solchen Argumentation wenig mehr, als seine Kühe zu schlachten und/oder die Milchproduktion einzustellen. Und das will ja auch niemand, denn Milch ist ja soooo gesund.

    Ein beschissener Kreislauf für jeden, der Milch produziert wie für den, der mit der »heiligen Ware« (B. Brecht) Buch handelt. Wie macht man es also richtig? Sag Du es mir! Ich lerne gern dazu.

    • flattersatz Says:

      dank dir für diese ausführliche Erläuterung zum Thema. Eigentlich zu schade, um in einem Kommentar zu versauern. Wenn du nichts dagegen hast, werde ich den unter meiner Rubrik: „bücher.leben“ als separaten Beitrag einstellen. Ich denke, das Geschriebene ist auch für andere sehr interessant.

      Inhaltlich werde ich dir auch antworten, daß muss ich mir aber noch genauer formulieren… ;-)

    • flattersatz Says:

      Das Wissen um diese Zusammenhänge [i.e. Preisbildung eines Buches] darf ich einem Rezensenten unterstellen. Stellt er sich also in seinen Laden und ruft beispielsweise bewusst: »Die Milch ist zu teuer«, dann kommt seine Stammkundschaft und eifert ihm nach: »Genau, die Milch ist zu teuer!« Dem Erzeuger bleibt bei einer solchen Argumentation wenig mehr, als seine Kühe zu schlachten und/oder die Milchproduktion einzustellen. Und das will ja auch niemand, denn Milch ist ja soooo gesund.

      Zum einen, lieber prinz, gefällt mir die anklingende verunglimpfung der mir zum allergrößten teil unbekannten leser meines blogs nicht. diese sind, auch wenn ich sie nicht kenne, eigenständige leser und bücherfreunde und ich unterstelle ihnen damit auch eine gewisse urteilsfähigkeit und kenntnis, was literatur angeht. sie als nacheiferer, nachplapperei eines – so dein unterschwelliger ton – von unkenntnis geplagten rezensenten hinzustellen, ist m.M. nach frech.

      das zum einen. Zum anderen wirfst du zwei kategorien in einen topf. deine ausführungen betreffen den preis eines buches, sicher – das glaube ich dir auf´s wort – sind sie richtig und absolut korrekt. Was ich in meinem beitrag geschrieben habe bezieht sich jedoch auf eine relation: der buchpreis in bezug auf deine eigene kreative leistung, im selbigen, mit anderen worten: das, was das buch (mir) wert ist. der wert eines buches jedoch ist eine höchst subjektive angelegenheit, das muss ich dir nicht sagen… auch daß es im internet auf S. 1 der google-suche webseiten gibt, in denen ebenfalls sammlungen solcher mails veröffentlicht sind, muss ich dir ebenfalls nicht sagen. insofern bewegt sich deine veröffentlichung in konkurrenz zu anderen sammlungen zum thema, was die bereitschaft der potentiellen käufer, dafür 9,80 euronen hinzulegen u.U. noch mehr schmälert.

      nichts für ungut, prinz und
      liebe grüße
      fs


  6. Ich würde sagen: wer beginnt, in einem fremden Weblog als Autor oder Verleger sein Buch „gutzureden“, hat schon verloren.

  7. entegut Says:

    Die einen rufen laut: Die Milch ist zu teuer!
    Ich erwidere: Mir muss die Milch nicht schmecken, respektive ich muss sie nicht kaufen.

    Kurz gesagt: Geschmäcker sind verschieden. Für die einen sind es Veröffentlichungen des Jahrhunderts, für die anderen nicht lesbar. Der eine mags, der andere bekommt davon Sodbrennen.

    Rupi, zu deiner Kalkulation – habe ich da etwas missverstanden? Du verkaufst doch dein Buch nicht über den Ladentisch, so viel ich weiß. Damit ziehst du vom VKP nur MwSt und Druckkostenbeitrag ab. Der Rest ist dein (minus Abgaben an den Fiskus).

    Die pdf veröffentlichte Zwitscherei war eine Coproduktion. Daher hättest du anteilsmäßig abteilen müssen.
    Und: Was bekommt eigentlich die Nigeria Connection als Ideenlieferant?

    Cows with names make more milk.


  8. Lilly, ich verkaufe zu 95 Prozent über den Handel, selbst nur bei Direktbestellungen (wenn jemand was Signiertes will) und bei Lesungen. Bestellt eine Bucuhandlung direkt, wie neulich mal ausnahmsweise aus Wien, dann wird sie auch direkt beliefert.

    Das Twitterbuch war keine Co-Produktion. Mit wem denn? Die Re-Tweets anderer Twitterer habe ich schon aus urheberrechtlichen Gründen nicht mit aufgenommen.


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