wasser

Gantheret hat mit dem „Gedächtnis des Wassers“ ein wunderbares, kleines Büchlein vorgelegt über eine Liebe, die über den Tod hinaus dauert, über ein Verbrechen, das nie aufgeklärt ein kleines Dorf belastet und über die Erinnerung, diese geheimnisvolle Fessel, die uns mit unserer Vergangenheit verbindet….

Paul Denonne stammt aus einem kleinen Dorf in den Savoyer Alpen. Seine Eltern sind schon lange tot, er lebt in Paris als Psychiater zwei Jahre nach der Trennung von seiner langjährigen Lebensgefährten. Das Elternhaus soll verkauft werden und er fährt in das Dorf, um diesen Verkauf abzuwickeln. Und auch das Chalet der Familie Etcheverry steht zum Verkauf, das Haus, in dem seine Jugendliebe Claire als Kind lebte, Claire, die grausam erschlagen am Bergbach gefunden wurde und deren Tod nie aufgeklärt wurde.

Die verhärmte Aline und ihr zurückgebliebender Bruder Baptiste kümmerten sich die Jahre über ein wenig um das Chalet, sie sind nicht begeistert, daß Paul sich tatsächlich entschließt, das Chalet zu kaufen. Und dann trifft Paul Beatrice und er glaubt für einen ersten Moment, es sei Claire, seine Claire, die ältere Schwester von Beatrice.

Beide freunden sich an, Paul kann der Versuchung in Beatrice Claire zu lieben, kaum wiederstehen und auch Claire findet über den früheren Freund ihrer schon vor ihrer Geburt gestorbenen Schwester einen Zugang zu der Unbekannten. Das Leben der beiden im Chalet wird von der Erinnerung bestimmt und geleitet….

Über einen Bekannten kann Paul unvermutet an die alten Polizeiakten über den Mord herankommen, aus denen sich aber auch nichts neues ergibt, außer der Tatsache, daß das Dorf wohl zusammengehalten und geschwiegen hat. Aber der längst vergangene Mord an Claire zieht immer noch weitere Opfer nach sich, die von der Erinnerung, vom Verschweigen gekennzeichnet sind.

Es ist ein wirklich wunderbares Buch, das in feinen Strichen seine Personen zeichnet, so charaktervoll und einfühlsam, daß man sie förmlich vor Augen zu sehen glaubt. Eine eindringliche Geschichte erzählt Gantheret von der Macht der Erinnerung, der Unsterblichkeit einer Liebe, die schon vor dem Erblühen zerstört worden war und die den Überlebenden nicht mehr losläßt, sein ganzes Leben bestimmt. Langsam führt er uns Leser zur Auflösung, die man jedoch schon lange vorher vermutet, interessanter als diese Aufklärung ist jedoch die Schilderung dessen, wie die Beteiligten von damals gezeichnet sind von diesem Verbrechen. Die übermächtigen Berge haben die Ruhe, abzwarten, bis die Zeit gekommen ist und das Wasser des quirligen Bergbachs, an dem alles anfing („Man sagt, wer von dieser Quelle trinkt, verliebt sich in den nächsten Menschen, den er sieht!“ sagte Paul, bückte sich, nahm einen Schluck und sah Claire an. „So, das wäre erledigt!“ : ist das nicht ein wundervoller Anfang zwischen zwei Menschen?) und alles mit dem Mord an Claire endete, bewahrt die Erinnerung und lockt die Menschen zu sich zurück. Er spielt immer die gleiche Melodie und malt so in ihrem Gedächtnis immer wieder die gleichen Bilder….

Facit: ein wertvolles, kleines Stückchen Literatur

Francois Gantheret
Das Gedächtnis des Wassers
dtv, Januar 2009, 178 S.
ISBN-10: 3423246901
ISBN-13: 978-3423246903

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