Sarah Kuttner: Mängelexemplar
April 22, 2009

Karo Herrmann ist eine Mittzwanzigerin, vital, lebendig, ein wenig überdreht vielleicht, sehr emotional, spontan.. ein im großen und ganzen liebenswerter Mensch, wenngleich manchmal wohl etwas anstrengend. Dann bricht eines Tages so ein wenig ihre Welt zusammen, sie verliert ihren Job und trennt sich von Philipp, ihrem Freund. Und ist ganz überrascht, wie gut der damit zurecht kommt, viel besser jedenfalls als sie, der auf einmal selbst das bischen fehlt, was Philipp ihr vermitteln konnte.
Und dann eines Nachts sind sie da, Panik und Angst. Wie ein Alp schlagen sie zu, bringen sie körperlich zum Zusammenbrechen, umklammern sie, schnüren ihr die Luft zum Atmen ab und Isolieren sie von ihrer Umwelt. Nelson ist ihr ein Freund in dieser Zeit, in der sie zu ihrer Mutter zieht, sich von dieser pflegen und aufrichten läßt. Sie muss Tabletten nehmen und geht regelmäßig zur Therapie (sie war (als alles noch nicht so schlimm war) so stolz, daß sie das Casting geschafft hatte und tatsäch genug daneben war, um von der Ärztin Behandlungstermine zu bekommen….). Sie macht Fortschritte und erleidet Rückschläge, sie traut ihren Gefühlen nicht mehr, wenn sie Bekanntschaften macht, sie ist unsicher und horcht in sich hinein, ob dieses Monster „Angst“ nicht irgendwo noch lauert und sie anfällt. Und es fällt sie an.
Karo, die das Leben bislang mit Gags und Witzen meisterte, erkennt, daß dies nicht ausreicht. Hier ist etwas, das sich nicht weglachen läßt, das in ihr bohrt und bohrt und sie im Griff hat, bis sie sich ihm stellt und auch ihrer Vergangenheit nicht mehr ausweicht. Sicherlich auch eine Metapher Kuttners für die Oberflächlichkeit und den Partycharakter des großstädtischen Lebens der heutigen Singleszene (Karo arbeitet im Bereich Medien und organisiert z.B Events).
Was hier so ernst klingt (und auch ernst ist) kommt aber keineswegs als Betroffenheitsliteratur daher. Kuttner schreibt mit viel Schwung, läßt Karo mit Selbstironie, (schwarzem) Humor und einem flotten Tempo erzählen. Die „Mackenmädels“, wie sie und ihre Mutter, die ähnlich unter Panikattacken litt, sich selbstironisch nennen, schauen trotz allem vorwärts, haben Lebensmut und verzweifeln trotz mancher Krise nicht. Karo schaut kritisch auf ihr Leben zurück und mit Mut nach vorne, sie zweifelt, kann sich nicht entscheiden, vergräbt sich in Mamas Wohnung und weiß doch, daß dies keine Lösung ist. Kuttner beschreibt diesen Kampf Karos mit ihrer Psyche und ihrem Leben mit Witz und viel Sympathie für ihre Heldin.
Facit: „Eine Depression ist ein fucking Event.“ Wer sich von diesem Eingangsstatement nicht abschreckenn läßt, den erwartet ein unterhaltsames, an manchen Stellen auch sehr ernstes Buch über eine junge Frau, die eben ein „Mängelexemplar“ ist….
Sarah Kuttner
Mängelexemplar
Fischer, S., Verlag GmbH; März 2009, 272 S
ISBN-10: 3100422058
ISBN-13: 978-3100422057
Noelle Chatelet: Die Klatschmohnfrau
April 21, 2009

„Die Klatschmohnfrau“, aus der Nina Petri so wunderschön vorgelesen hat, ist ein kleiner Roman über die Liebe, die zu unerwarteter Stunde, bei unerwarteter Gelegenheit geschieht und das Leben von einer Sekunde auf die andere umwirft, ja, überhaupt erst lebenswert macht.
Wie trostlos erscheinen ihr im Brennen des Herzens, in der Ungeduld, die sich angesichts der auf einmal nur noch schleichenden Zeiger der Uhr breitmacht, die vergangenen Jahre, die Zeit mit Edmond, die ihr zwar Kinder bescherte, sie aber in die Farblosigkeit der Kälte verbannte. Wie sehr, nach all den vielen Jahrzehnten des Vergessens, schmerzt es sie noch in der Erinnerung, daß sie damals auf Geheiß des Vaters die ihr reine Lebenslust bedeutende klatschmohnrote Bluse ablegen musste…..
Und jetzt also dies, ein älterer Herr, der ihr Fieber verursacht, ihre Gedanken okkupiert, ihre Träume erobert, der ihr Gefühle beschert, die sie nicht benennen kann, ein Fieber, bei dem ihr Arzt ihr wünscht, es ginge nicht vorbei…. mag jetzt auch geschehen, was geschehen mag, sie hat an der Unendlichkeit teilgenommen, zu der jede Sekunde wird, die man in der Liebe lebt.
Ein derartiges Büchlein also hat Chatelet geschrieben, voller Poesie, Taktgefühl und feiner Beobachtung. Sie schildert die Verwandlung der Marthe vom „Mauerblümchen“ zum „Klatschmohn“, zur Frau, die den Mut findet, sich zu wandeln, zu ändern, alles hinter sich zu lassen, sich zu ihrem Gefühl zu bekennen. Nämlich der Liebe zu Felix, der seinerseits sein Objekt der Begierde gefunden hat, in reifem Alter, das vor Liebe offensichtlich nicht schützen kann. Gottseidank!
Für mich selbst war noch ein anderer Aspekt des Buches interessant, nämlich die Bedeutung, die Rituale für die beiden Liebenden haben. Angefangen von den Halstüchern, den regelmäßigen Treffen in ihrem Stammkaffee, dem Portwein bis hin zu den Familientreffen bei Marthe. All diese Rituale strukturieren Ereignisse und deren Ablauf, vermitteln Sicherheit und verbinden diejenigen, die daran teilnehmen, zu einer verschworenen Gemeinschaft.
Link:
wer eine eingehendere Analyse des Buches sucht, mag hier klicken…
Facit: Ein feiner, ruhiger Roman über die Liebe, die sich um faltige Haut, schmerzende Hüften und graues Haar nicht kümmern mag, ein Buch voller Sympathie und Hoffnung für die Menschen.
Noelle Chatelet
Die Klatschmohnfrau
Kiepenheuer & Witsch, Tb, 2001, 174 S.
ISBN-10: 3462029975
ISBN-13: 978-3462029970
bücher.leben: was eine aufregende Buchhandlung!
April 21, 2009
endlich hatte ich mal meine kamera dabei, das wetter war gut und obwohl die optik die linien verzerrt (aber es ist ja eh eher eine „Buchhandlung“, in der es um rundungen geht….) habe ich jetzt ein schönes bild einer meiner lieblingsbuchhandlungen…..
.. es wäre die fast perfekte illustration zu baurs letztem abschnitt in ihrem buch „dessous„, in dem sie ja davon spricht, daß es jeder Krimiliebhaber geniesst:
„… daß ihm die Hintergründe erst langsam enthüllt werden und des Rätsels Lösung erst ganz am Ende.“
und weiter meint sie:
„Natürlich kennt mein angeheirateter Geliebter meinen Körper längst auswendig.
Aber mit den richtigen Dessous wird es eben doch immer wieder so spannend, daß er zu lesen anfängt.“
Jason Starr: Stalking
April 17, 2009

Dieser Krimi von Jason Starr hat zwei Hauptpersonen, Katie, das Opfer und Peter Wells, den Täter. Das perfide an der Situation ist, daß Katie nichts von ihrer Opferrolle ahnt, sich im Gegenteil bei Peter sicher wähnt und glaubt, in ihm einen guten Freund gefunden zu haben.
Die Geschichte, die Starr erzählt, spielt in NY. Katie ist erst vor kurzem in die Stadt gekommen, hat Eingewöhnungsschwierigkeiten und bei Männern auch nicht so das richtige Glück. Andy, mit dem sie momentan zusammen ist, bedrängt sie und sie weiß nicht, kann sich nicht entscheiden, ob sie ihn wirklich mag oder nicht. In dieser Situation trifft sie durch Zufall, so erscheint es ihr, in ihrem Sportstudie einen alten Bekannten aus Schulzeiten wieder, den gutaussehenden, charmanten, einfühlsamen Peter Wells. Sie verabreden sich, reden von alten Zeiten und verstehen sich offensichtlich sehr gut, auch wenn Katie ab und an von der Intensität, mit der sich Peter um sie kümmert, irritiert ist.
Soweit die Grundkonstellation der Geschichte, die Starr bis an ihr bitteres Ende ausbreitet. Starr, und das ist sehr spannend und interessant zu lesen, schreibt in der dritten Person, läßt also keine seiner Figuren erzählen. Der Stil ist neutral, beobachtend, fast reportagehaft, nicht wertend. In aufeinanderfolgenden Kapiteln schildert er die Vorgänge jeweils aus der Sicht einer der Personen und dabei wird deutlich, wie unterschiedlich die einzelnen Figuren das Geschehen einordnen.
Peter selbst überläßt nichts dem Zufall. Er befolgt einen ausgeklügelten Plan, um Katie für sich zu gewinnen. Durch die Lebensversicherung seiner Eltern zu Geld gekommen, braucht er bei der Umwerbung seines Opfers nicht zu sparen, er versucht ihr im Gegenteil zu imponieren. Es ist für ihn nur eine Frage der Zeit, bis sich Katie auch in ihn verliebt, denn es ist für ihn in seinem Wahn unvorstellbar, daß jemand, den er liebt, ihn nicht auch liebt. Schließlich ist es in den Filmen, die er fast auswendig kennt und die er sich immer wieder anschaut, genauso.. am Ende kriegen sie sich, auch wenn es bis dahin der einen oder anderen Widerstand aus dem Weg zu räumen gilt. Andy zum Beispiel.
Katie dagegen ist unsicher, entscheidungsschwach. Sie will niemanden vor den Kopf stoßen, auch mit Andy versöhnt sie sich z.B nach einer Fast-Vergewaltigung wieder, weil sie für sich immer wieder Entschuldigungen, Verharmlosungen und Erklärungen sucht. So erscheint ihr zwar das Verhalten von Peter teilweise übertrieben, aber sie rechtfertigt es vor sich selbst, deutet es in alles mögliche um und verschließt die Augen vor Offensichtlichem. Selbst als nach und nach über alte Schulfreundinnen konkrete Hinweise auf früher auftauchen, daß Peter ein seltsamer Typ sei und auch die Mutter sie zur Vorsicht mahnt, ignoriert sie das und führt es auf Eifersucht oder mütterliche Angst zurück.
In dieser Gegenüberstellung charakterisiert Starr seine Personen sehr prägnant, als Leser kann man die jeweiligen Gedankengänge nachvollziehen und fühlt sich fast wie in der Rolle der Beschriebenen. Die Männer übrigens kommen bei Starr nicht gut weg, Peter per def. nicht, Andy ist ein schleimender Aufreisser, der nur zum Schuss kommen will, der Detective Himoto (bekannt als unfähigster Detective des NYPD) ist zumindest bemüht, während seine Nachfolger bei der Fallbearbeitung einfach nur arrogant und eitel sind. Und der Rest der männlichen Figuren, die auftauchen, sind zumeist als vorwiegend triebgesteuert dargestellt……
Der sorgfältig ausgearbeitete Plan, nach dem Peter vorgeht, scheint zu funktionieren – zumindest in seine eigenen Einschätzung. Der große Moment, in der er sich Katie offenbaren will rückt näher und näher, kaum kann er es noch erwarten. Doch anstatt wie in seinen Filmen „Ja, ich will….“ zu hauchen, schreit Katie ihn nur an: „Was soll der Scheiss?“ Das ist im Buch der Moment, in dem der Roman eine Wendung erfährt: von nun an ist Katie nicht mehr das ahnungslose Opfer, sondern weiß, daß sie von Peter „gejagt“ wird. Sie erfährt immer mehr Details aus seiner Vergangenheit und ihre Angst steigert sich zur Panik. Die Polizei ist nicht in der Lage, ihr zu helfen, sie fühlt sich (und wird) verfolgt, ist ihrem Feind hilflos ausgeliefert…. mehr will ich jetzt aber nicht verraten….
Um es kurz zu machen: das letzte Drittel des Buches war so spannend geschrieben, daß ich es in einem Rutsch lesen musste, ich konnte einfach nicht aufhören…. (keine falschen Rückschlüsse aus diesem Satz ziehen: auch die ersten zwei Drittel sind spannend, aber auf andere Art und Weise…)
Facit: ein intelligenter, spannender Krimi, einfach Klasse. Einzig den „schwarzen Humor“, den der Klappentext verspricht, habe ich nicht gefunden….
Links:
Informationen der Polizei zum Thema „Stalking“
Website der Arbeitsgruppe „Stalking“ der Technischen Universität Darmstadt
Jason Starr
Stalking
Diogenes, 2009, 528 S.
ISBN-10: 3257239017
ISBN-13: 978-3257239010
Francois Gantheret: Das Gedächtnis des Wassers
April 15, 2009

Gantheret hat mit dem „Gedächtnis des Wassers“ ein wunderbares, kleines Büchlein vorgelegt über eine Liebe, die über den Tod hinaus dauert, über ein Verbrechen, das nie aufgeklärt ein kleines Dorf belastet und über die Erinnerung, diese geheimnisvolle Fessel, die uns mit unserer Vergangenheit verbindet….
Paul Denonne stammt aus einem kleinen Dorf in den Savoyer Alpen. Seine Eltern sind schon lange tot, er lebt in Paris als Psychiater zwei Jahre nach der Trennung von seiner langjährigen Lebensgefährten. Das Elternhaus soll verkauft werden und er fährt in das Dorf, um diesen Verkauf abzuwickeln. Und auch das Chalet der Familie Etcheverry steht zum Verkauf, das Haus, in dem seine Jugendliebe Claire als Kind lebte, Claire, die grausam erschlagen am Bergbach gefunden wurde und deren Tod nie aufgeklärt wurde.
Die verhärmte Aline und ihr zurückgebliebender Bruder Baptiste kümmerten sich die Jahre über ein wenig um das Chalet, sie sind nicht begeistert, daß Paul sich tatsächlich entschließt, das Chalet zu kaufen. Und dann trifft Paul Beatrice und er glaubt für einen ersten Moment, es sei Claire, seine Claire, die ältere Schwester von Beatrice.
Beide freunden sich an, Paul kann der Versuchung in Beatrice Claire zu lieben, kaum wiederstehen und auch Claire findet über den früheren Freund ihrer schon vor ihrer Geburt gestorbenen Schwester einen Zugang zu der Unbekannten. Das Leben der beiden im Chalet wird von der Erinnerung bestimmt und geleitet….
Über einen Bekannten kann Paul unvermutet an die alten Polizeiakten über den Mord herankommen, aus denen sich aber auch nichts neues ergibt, außer der Tatsache, daß das Dorf wohl zusammengehalten und geschwiegen hat. Aber der längst vergangene Mord an Claire zieht immer noch weitere Opfer nach sich, die von der Erinnerung, vom Verschweigen gekennzeichnet sind.
Es ist ein wirklich wunderbares Buch, das in feinen Strichen seine Personen zeichnet, so charaktervoll und einfühlsam, daß man sie förmlich vor Augen zu sehen glaubt. Eine eindringliche Geschichte erzählt Gantheret von der Macht der Erinnerung, der Unsterblichkeit einer Liebe, die schon vor dem Erblühen zerstört worden war und die den Überlebenden nicht mehr losläßt, sein ganzes Leben bestimmt. Langsam führt er uns Leser zur Auflösung, die man jedoch schon lange vorher vermutet, interessanter als diese Aufklärung ist jedoch die Schilderung dessen, wie die Beteiligten von damals gezeichnet sind von diesem Verbrechen. Die übermächtigen Berge haben die Ruhe, abzwarten, bis die Zeit gekommen ist und das Wasser des quirligen Bergbachs, an dem alles anfing („Man sagt, wer von dieser Quelle trinkt, verliebt sich in den nächsten Menschen, den er sieht!“ sagte Paul, bückte sich, nahm einen Schluck und sah Claire an. „So, das wäre erledigt!“ : ist das nicht ein wundervoller Anfang zwischen zwei Menschen?) und alles mit dem Mord an Claire endete, bewahrt die Erinnerung und lockt die Menschen zu sich zurück. Er spielt immer die gleiche Melodie und malt so in ihrem Gedächtnis immer wieder die gleichen Bilder….
Facit: ein wertvolles, kleines Stückchen Literatur
Francois Gantheret
Das Gedächtnis des Wassers
dtv, Januar 2009, 178 S.
ISBN-10: 3423246901
ISBN-13: 978-3423246903
Richard K. Breuer: Rotkäppchen 2069
April 14, 2009

Tja…. also, die Vermarktung ist wirklich gut. Breuer steckt da viel Energie rein, persönliches Engagement.. so bin auch ich zu einem Exemplar gekommen mit der Bitte um Besprechung und Vorstellung. Mach ich gerne, auch wenn ich etwas ratlos bin…
Also fang ich mal systematisch an: mit der Handlung. Oje, schon das erste Problem: gibt es denn eine? Zumindest so etwas wie eine Handlungsrahmen: unsere vier Hauptpersonen, 2 Männchen, 2 Weibchen werden von Dr. Storm zur Analyse ihrer gesundheitlichen (und auch sexuellen) Probleme mit einem Quantenrechner verkoppelt und derart in eine virtuelle Welt eingeschleust. Doch leider leider leider läuft etwas schief: das Experiment läuft aus dem Ruder und ist nicht mehr kontrollierbar, vor allem können unsere vier Probanden nicht mehr abgekoppelt werden. Und so müssen sie wohl oder übel gegen alle Hindernisse, die sich ihnen entgegenstellen, versuchen, selbst die Exit-Routine, sprich: den Notausgang zu finden.
Der Hindernisse sind viele und unsere vier mehr oder weniger Gestörten geben sich ihnen hin. Es fließt viel Blut, an Toten wird nicht gespart und in aparte Tierkostüme gehüllt, staksen die Helden durch die mittelalterliche Kulisse, in die sie das Programm entführt hat. Sex – ja, der kommt auch vor, ob jedoch der Warnhinweis „Kein Kinderbuch“ nicht doch etwas reisserisch ist….
Wie hat es mir gefallen? Gute Frage, nächste Frage. Geschrieben ist es als eine Art Drehbuch mit Regieanweisungen und Rollentexten, jedenfalls flott und mit hohem Tempo. Eine burleske (ist das Wort zu altmodisch für ein solches Werk?) Szene jagt die nächste, Breuers Fantasie schlägt eine Volte nach der anderen, fast wie in einem Videoclip. Auf der anderen Seite ist der Humor mir an manchen Stellen zu flach, es fehlt etwas das Hintergründige, zu viel ist rein auf Effekt hin geschrieben, in seinen Möglichkeiten nur angerissen. Weniger wäre hier vielleicht mehr gewesen. Es ist eine Art Schreibe, die – ich muss es zugeben – nicht so richtig mein Geschmack ist.
In dieser Ausgabe ist das Buch aufgewertet mit Cartoons von „Ecki“, für die das gleiche gilt: man mag sie oder eben auch nicht…. jedenfalls ist das Buch als Buch in seiner Aufmachung, seinen Layout, seiner Typographie ein liebevoll gestaltetes Schmuckstück. Das muss man sagen, es macht Spaß, das Werk in die Hand zu nehmen und einfach durchzublättern, an der einen oder anderen Stelle hängenzubleiben mit dem Auge, ganz so, wie es den Akteuren im Buch halt auch ab und an passiert…….
Facit: Nicht so mein Geschmack, aber offensichtlich gibt es ja (googelt man mal) eine Menge Leute, denen es besser gefällt. Jedenfalls ist dem Autor der Erfolg seines im Eigenverlages erschienen Buches zu gönnen.
Links:
1. Breuers Website (ähnlich ausgefallen, fantasie- und liebevoll gestaltet wie sein Buch)
2. Eckis WebSite
em>(Bei dem besprochenen Buch handelt es sich um ein Rezensionsexemplar des Autoren)
Richard K. Breuer
Gunther Eckert (Illustrationen)
Rotkäppchen 2069
Breuer, Richard K.; 2. Auflage, August 2008, Tb, 324 S.
ISBN-10: 395024980X
ISBN-13: 978-3950249804
Ray Bradbury: Die Mars-Chroniken
April 13, 2009

Die Mars-Chroniken umfassen den Zeitraum der Kolonisierung des Mars durch den Menschen, die mit der ersten Expedition 2030 einsetzt und es endet mit der Flucht der letzten übriggebliebenen Menschen von der Erde auf den Mars um 2057. Insofern tatsächlich ein SF-Roman (ein Klassiker der SF, wie es oft zu lesen ist [1]), ein Roman, der in der Zukunft spielt und auf einem fremden Planeten.
In Wirklichkeit ist es ein sehr irdischer Roman: er beschreibt in den ersten Szenen, Erzählungen, aus denen er aufgebaut ist, das Aufeinandertreffen zweier Kulturen, das mit dem Ende der … eigentlich garnicht mal friedfertigeren oder unterlegenen Kultur endet, um dann zu erzählen, wie mit der eigentlichen Kolonisation nicht nur die Menschen von der Erde zum Mars kommen, in verschiedenen Schüben mit unterschiedlicher Motivation, sondern diese genau das an Regeln, Fehlentwicklungen etc wieder mitbringen, dem sie eigentlich entfliehen wollen.
Zum Inhalt brauche ich nur wenig zu sagen, die Wiki [1] bietet da einen guten Überblick, auch wenn dort die Zeitskala etwas anders aussieht. Daß Bradbury Autor des Buches Fahrenheit 451 ist, merkt man sehr in dem wunderbaren Abschnitt über das Haus Usher, das William Stendahl gegen alle Verbote auf dem Mars errichtet und das zum Schluss alle, die die Zensur ausüben, die Bücher verbieten und verbrennen wollen, unter sich begräbt.
Mir haben besonders die ersten Kapitel gut gefallen. Sie beschreiben die Marsianer und ihr Leben, eine telepathische Rasse, die Halluzinationen und Gedanken materialisieren kann. Diese Abschnitte sind voller Poesie, wunderbare Bilder beschreibt Bradbury hier, er erfindet eine Welt auf dem Mars, in die man (es lebe Thursday Next) einfach nur eintauchen will.. blaue Phiolen, aus den sich Schals materialisieren, die gegen die Kühle der Nacht schützen, die weißen Zwillingsmonde am schwarzen Nachthimmel… die metallenen Bücher, die bei der Berührung mit den Fingern mit alter und sanfter Stimme von den Zeiten erzählen, als das Meer noch rote Dämpfe an seine Ufer warf und längst vergessenen Helden mit Metallinsekten und elektrischen Spinnen in die Schlacht gezogen waren….
Wunderschöne Erzählungen, Halluziniertes und Reales gehen ineinander über, sind nicht mehr zu unterscheiden, die Marswelt passt sich ihren Bewohnern an und die menschlichen Expeditionen, die auf dem Mars eine nach der anderen eintreffen, fallen ihnen zum Opfer. Besiegt schließlich werden die Marsianer durch (und hier wird die Analogie zur Geschichte der Kolonisation irdischer Kontinente sehr deutlich) durch die kleinsten der möglichen Feinde: eine irdische Krankheit, die Windpocken….
Die Marsianer fungieren im Buch als Projektionsfläche menschlicher Gedanken, Wünsche und Vorstellungen. Sie nehmen die Gestalt derjenigen an, an die der Mensch denkt, um die er trauert, die in seinen Gedanken wohnen und führen ihn in dieser Gestalt ins Unglück. Insofern zeigt Bradbury auch, daß die Erfüllung menschlicher Träume keineswegs nur Gutes bedeuten muss, denn Träume zerschellen nur zu oft an der Realität…… materialisierte erst recht.
Am Ende des Buches ist der Mars wieder von Marsianer bevölkert: die Menschen auf der Erde haben sich durch einen Atomkrieg selbst zerstört (das Buch wurde kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geschrieben), nur einige Flüchtlinge sind zum Mars entkommen und leben jetzt dort… für immer und ewig…
Links:
[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Mars-Chroniken
Facit:
Ray Bradbury
Die Mars-Chroniken
Diogenes Verlag; Neuauflage, Juni 2008, 372 S.
ISBN-10: 3257208634
ISBN-13: 978-3257208634
an.gehört: Paddy goes to Holyhead
April 11, 2009
Paddy goes to Holyhead [1, 2] war am 9. April nach 9 Jahren mal wieder in Lahnstein, was insofern bemerkenswert ist, da ich als alter Musiknichtliebhaber mein letztes Konzert vor 9 Jahren in Lahnstein mit PGTH hatte.. also war es natürlich schon fast eine Ehrensache, daß wir wieder hin sind…
Folk Rock, vorwiegend irischer Natur. Viele alte Songs, manche neue, aber alle gehen sofort ins Blut. Das Publikum ist begeistert, singt mit, tanzt und hüpft, und Paddy hat seine Leute im Saal schnell im Griff. Man merkt den Profi, dessen Leben die Bühne ist, er findet die richtigen Worte für seine Fans, macht seine Späße, überbrückt technische Pannen ohne Probleme und ohne sich (noch mehr als eh schon) ins Schwitzen bringen zu lassen. Irgendwann nach der Pause ist auch die Geige mal richtig im Spiel und .. gut ist es, Love song No. 90 ist eh einer meiner Favoriten.
Am besten beeindruckt natürlich immer die Geige, insbesondere, wenn sie von ´ner Frau gespielt. Aber die kommt wirklich einfach gut *gg*.. und die Mundharmonika von Paddy, die er bei einigen Songs spielt….
So steh ich da, lauf ein wenig rum, setz mich auch mal auf einen Pfeiler (das Konzert fand in einer umgebauten Scheune statt), zück meine „super-klick-1″ und halt einfach drauf…
) ein paar der bilder sind sogar (zumindest unter dem Aspekt des Erinnerungswertes) ansehbar.. irgendwann denk ich mir, wenn ich schon Bewegungsunschärfe habe, warum nehm ich nicht ein kleines Filmchen (es lebe die Fototechnik!!) auf? Gesagt, getan…
Love Song No 90
und das mit dem ?? – Titel:
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Doch, es gibt ne Menge wirklich schöner Songs, die Paddy spielt. Die alten CDs sind ja noch im Schrank, wenn auch lange nicht mehr gehört. Wird sich ändern, ganz bestimmt….. der 9. April jedenfalls war ein schöner Abend….
Links:
[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Paddy_Goes_To_Holyhead Beschreibung und Geschichte der Band, weiterführende Links
[2] Homepage der Band

Callanan und Kelley sind zwei Krankenschwestern, die sich aus dem Bereich Notfallmedizin und Pflege kommend in der Hospizbewegung engagiert haben.
Ihre Arbeit kreist um den Begriff des „Todesbewusstseins“, mit dem sie das außergewöhnliches Wissen um den Prozess des Sterbens meinen, daß sich bei Menschen entwickelt, die langsam sterben und die wissen, was sie brauchen, um in Frieden sterben zu können.
Ein wesentlicher und schwieriger Punkt ist die Kommunikation zwischen dem Sterbenden und den ihn pflegenden Menschen. Da der Sterbende oft andere Kommunikationsformen entwickelt, als wir sie gewohnt sind, kommt es hier oft zu Missverständnissen, da man sein Verhalten, seine Äußerungen als verwirrt, durcheinander oder konfus deutet. Dabei redet er oft einfach nur in einer symbolischen Sprache (alles was mit „R(r)eisen“ zu tun hat (Koffer packen, Taxi rufen, Fahrkahrten kaufen) kann z.B. darauf hindeuten, daß sein Tod (= die letzte Reise) unmittelbar bevorsteht, die Suche nach Plänen, Karten oder Grundrissen kann bedeuten, daß er noch Ordnung schaffen will, aufräumen will (hat er in seinem Leben Streit gehabt mit z.B. Geschwistern?) etc pp. Wichtig sind auch Träume und Traumbilder, in den der Sterbende seine Wünsche verpackt, Gesten mit denen er bedeutet, was ihm fehlt, was er vermisst. Oft sieht er Personen, die ihm im Leben wichtig waren und fühlt sich von ihnen behütet und geborgen, während die Umstehenden nichts wahrnehmen.
Das Buch ist sehr praxisnahe gehalten. Nach dem einleitende Kapitel über das „Todesbewusstsein“ erläutern die beiden Autorinnen die einzelnen Faktoren, die für dieses Bewusstsein eine Rolle spielen an einer Vielzahl oft sehr zu Herzen gehender Fälle aus ihrer täglichen Arbeit. Sie zeigen deutlich, wie man sich als Begleiter, Verwandter oder Pflegender auf diese symbolhafte Sprache des Sterbenden einlassen muss und auch oft die eigenen Begrenztheiten erkennen und überwinden muss. Die meisten der Beispiele enden positiv, d. h., der Sterbende geht in Frieden und hinterläßt Verwandte, die Trost in diesem friedlichen Sterben finden. Aber es gibt auch Beispiele, in denen sie zeigen, daß es den Pflegenden nicht immer möglich ist, die Wünsche des Sterbenden zu erkennen oder – wenn sie sie erkennen – ihnen nachzukommen. In der Regel wird der Sterbeprozess dadurch verlängert und unfriedlich, der Sterbende ist unruhig, aufgewühlt, gequält, die Pflegenden (Verwandten) sind verzweifelt, oft von Schuldgefühlen geplagt.
„Mit Würde aus dem Leben gehen“ ist kein Buch zum Durchlesen, oft muss man nach ein paar Seiten wieder aufhören, um das Gelesene zu verarbeiten. Der Tod ist der radikalste Übergang, den ein Wesen zu bewältigen hat, radikaler noch als die Geburt, die uns zwar alle auf die Welt gebracht hat, die aber auch gleichzeitig unabänderlich bedeutet, daß wir diese welt wieder verlassen werden und wir damit den Übergang ins Leben wieder rückgängig machen. Diese Unwiderruflichkeit des Todes, das Nichtwissen über das, was uns nach diesem Übergang erwartet, verlangt uns große Kraft ab. Die beiden Autorinnen zeigen mit ihren Fallbeispielen, daß wir, wenn wir uns auf diese Begleitung Sterbender einlassen, von diesen lernen können, um die Bedeutung unseres eigenen Lebens zu erkennen und uns mit der eigenen Sterblichkeit auseinander zu setzen.
Maggie Callanan, Patricia Kelley
Mit Würde aus dem Leben gehen
Droemer Knaur, Tb, 1993, 298 S.
ISBN-10: 3426840219
ISBN-13: 978-3426840214















