Die „Koblenzer Literaturtage `09″, die ich, etwas schludrig in dieser Hinsicht, natürlich fast wieder versäumt hätte,

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endeten gestern mit einer sehr schönen Lesung von Nina Petri zum Thema „Erotik“. Eine stimmungsvolle Veranstaltung, was auch am sehr stimmigen Ambiente lag, einem großen Koblenzer Jugendstilcafé. Es sind große, großzügige Räumlichkeiten mit dichter Atmosphäre, schön ausgeleuchtet, richtig gemütlich obwohl man natürlich mit einer normalen Bestuhlung vorlieb nehmen musste. buehne1

Das Bild gibt einen kleinen Eindruck von der Bühne, auf der Frau Petri vorlas. Ach ja, die beiden Musiker sollte ich nicht vergessen (so wie mir nämlich der Namen der Beiden entfallen ist…), die die Lesepausen von Frau Petri mit ihrer zum Thema passenden Tangomusik überbrückten. Obwohl – überbrückten klingt etwas abwertend, das war es aber nicht, die Musik hat sehr schön zum Thema gepasst und .. war einfach gut. Punkt. (auf dem letzten Bild am Schluss des Beitrages sind die beiden auch zu sehen.)

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Petri, die außer als Schauspielerin auch als (Vor)Leserin und Sängerin arbeitet, las insgesamt 5 Texte vor, die einen weiten Ausschnitt im Spektrum der Lust vorstellten:

Noelle Chatelet: Die Klatschmohnfrau (ISBN-10: 3462029975)
Chimo: Sagt Lila (ISBN-10: 3423125136)
Zeruya Shalev: Liebesleben
Keto von Waberer: Mysterien eines Feinkostladens
Hilke Rosenboom: Wirf mich ins Meer zurück (ISBN-10: 3547778700)

Die Klatschmohnfrau

Marthe, die „alte“ Frau, die langsam von diversen Zipperlein geplagt ist, deren Mann, mit dem sie ihr Vater vor Jahrzehnten verheiratete, mittlerweile tot ist, trifft einen Kavalier, der etwas in ihr weckt, das sie noch nicht gekannt hat. Dieses Gefühl versetzt sie in Unruhe, sie merkt, daß sie für Änderungen bereit ist: sie, die sie seit Jahren nur Ceylon-Tee trinkt, hat Lust auf Kaffee! Marthe erinnert sich an eine Bluse, die sie als junges Mädchen trug, lebensfroh wie sie damals war, in der Farbe der Liebe, Rot wie Klatschmohn… unbändig ist die Lust in ihr durch die Straßen zu laufen, zu flanieren, einzukaufen, diesen Mann, der ihr wunderbare Geschenke macht, zu treffen.. völlig unbefangen gehen sie in ihre Wohnung, reden, trinken Kaffee, er zieht die Vorhänge zu, zieht sich aus, und sie schaut ihn an und entkleidet sich ebenfalls… sie wird zur Klatschmohnfrau und Edmond, ihr ungeliebter Gatte, muss dem – wie sie mit einer gewissen Häme wahrnimmt – vom Sims aus, wo sein Bild steht, zuschauen…..

Sagt Lila

Die Geschichte spielt ebenfalls in Frankreich, aber in den Aussenbezirken von Paris, in den Banlieues. Der 19 jährige Ich-Erzähler, ein Araber, liebt die 16 jährigen Lila. In einfachen Worten beschreibt er ein Treffen mit ihr, das ihn in Verwirrung stürzt. Denn unvermittelt fragt Lila ihn, ober sie ihm ihre M.ö.** zeigen soll, und dann: ob kurz (Rock hochheben) oder lang (auf der Rutsche). Er ist überrascht, weiß nicht, was er sagen soll, zögert, ist unsicher .. aber doch, ja, klar, will ich… und auch lang…. Als Lila dann auf der Rutsche mit geöffneten Beinen auf ihn zugleitet, ist dann voller Entzücken über das, was sich ihm offenbart…. er schaut ihr Gesicht an, sie fragt, ob er auch ganz genau schaut, ob ihm etwas auffällt, ihr kleiner Mund zum Beispiel. Ja, sicher, was ist damit? Es sei auch für sie verrückt, so ein kleiner mund, was dort für Riesenschw***e reinpassen (diese Passage kam so überraschend, daß aus dem Publikum an zwei Stellen erstaunte „oh´s“ zu hören waren…), die sie so gerne ****. Sie redet davon so selbstverständlich wie vom Einkaufen, vom sich Waschen, sich Ernähren, er ist sprachlos geworden, fasst es kaum, ist auch fasziniert…. Eine 16jährigen, die so redet, so beschreibt, welche Erfahrungen hat die schon sammeln, wie früh ihre Unschuld verlieren müssen….

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Liebesleben

Petri liest eine Episode direkt nach dem Tod von Aries Frau, als Ja´ara diesen besucht und beide dann ins ehemalige eheliche Schlafzimmer gehen, das bis zum Vortag das Krankenzimmer von Aries Frau war. Ich hatte ja mit diesem Buch meine eigenen Schwierigkeit, muss aber sagen, daß die Passage durch das Vorlesen irgendwie „schlüssiger“ erschien als ich den Text in Erinnerung hatte. Ja´ara findet in der Hörigkeit zu Arie ihre Erfüllung, auch an diesem Abend ist sie erst glücklich, als Arie sie wie eine Puppe behandelt und ihr so wenig Spielraum läßt, daß sie noch nicht einmal ihren Hintern bewegen kann wie sie will…..

Mysterien eines Feinkostladens

Ein Blick in die etwas muffigen Stuben deutschen Kleinbürgertums. Frau Swoboda, lange Jahre in einem Gemüseladen tätig, arbeitet jetzt in einem Feinkostladen. Dort untergebracht hat sie ihr Chef, Herr Werner, mit dem sie jetzt auch zusammen lebt. Aber nur privat, im Laden darf niemand etwas wissen, merken davon.

Abends dann zu Hause, wenn das Unvermeidliche ansteht, zieht sich Herr Werner seinen Bademantel an, setzt sich, nimmt seine Zeigestockhand (damit ist tatsächlich ein Stöckchen gemeint mit einer Hand vorn dran) und Frau Swoboda muss sich vor ihn stellen. Ihren Körper fährt er ab mit dem Stock, zwischen ihren Brüsten entlang, taucht mit ihm in ihrem Nabel, in die Leistenspalte, auch zwischen ihre Schenkel. Frau Swoboda ist eine gute Schülerin, sie macht keine Fehler mehr wie freche Antworten geben wenn sie gefragt wird, ob das Pastetchen zu verkaufen wäre… sie spürt Lust in sich aufsteigen, da ihre Gedanken abschweifen, sich auf anderes einlassen, auf prickelndere Fantasien… manchmal sehnt sie sich zurück in ihren Gemüseladen, hat sie die richtige Entscheidung getroffen fragt sie sich zweifelnd…. Herr Werner, dessen anderer Zeiger sich ob des Rituals langsam bemerkbar macht, ahnt davon nichts, ist zufrieden und zieht Frau Swoboda an sich, damit auch diese sich setzen kann…..

Wirf mich ins Meer zurück

Dieser Textauszug beschreibt eine Nacht im Leben der jungen Mariechen, die sich jetzt, mit 104 Jahren daran zurückerinnert. Es war eine Nacht in Shanghai, in der ihr ihr Geliebter, der Japaner Kawusaba ein Geschenk machte. Sie war skeptisch, denn es war ein ungewöhnliches Geschenk, aber er versprach ihr, daß sie unbegrenzte Macht über ihn erreichen würde, wenn sie sich darauf einließe: „Aber ich habe doch schon Macht über dich!“ – „Nein, hast du nicht….“. Beide, Mariechen und Kawusaba, werden von einer Japanerin für diese Nacht vorbereitet, gewaschen, gereinigt, mit Schleiern gekleidet… und danach erhält Mariechen eine Einweisung in die japanische Liebeskunst, die sie noch in dieser Nacht mit ihrem Geliebten zusammen erlebt…..

Facit: Frau Petri ist in der Tat eine sehr gute Vorleserin, die die Texte zum Leben erweckt, den Figuren Lebendigkeit verleiht. Die Textauswahl hat mir gefallen, sozusagen von zart bis hart bot sie ein weit gefächertes Spektrum. Zusammen mit den musikalischen Einlagen eine sehr gelungene Veranstaltung.

ende

Nina Petri
Lust. Wahre Leidenschaft
Audio CD
Hoffmann und Campe, 2005
ISBN-10: 3455974430
ISBN-13: 978-3455974430

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