Baz Luhmann: Australia
2. Januar 2009

Nun, mal wieder Kino, ein Genre, das ich nicht so häufig anschaue, aber manchmal ergibt es sich eben: Australia [6], ein Abenteuerepos, das im Australien zu Beginn des 2. Weltkrieges spielt. Verfilmt von Baz Luhmann [8], der als letzten Film Moulin Rouge auf den Markt gebracht hat.
Im Grunde bekommt man für sein Geld zwei Filme, die über die handelnden Personen miteinander verknüpft sind, aber ansonsten nichts miteinander zu tun haben.
Nicole Kidman [7] spielt die englische Aristokration Lady Ashley, deren Mann in Australien eine Rinderfarm betreibt, ähnlich wie das berühmte gallische Dorf inmitten der Übermacht des Rinderkönigs Carney. Da Lady Ashley aber vermutet, ihr Gatte würde eher den Frauen nachstellen, reist sie ihm nach. Der Crash der Kulturen ist also vorprogrammiert, die zickige Blaublüterin versus den kernigen Australier. Ihren Mann findet sie leider nur noch ermordet vor, letztlich stellt sich die Situation so dar, daß sie mit einer Handvoll Übriggebliebener und dem Viehtreiber Mr. Drover (Hugh Jackman [4]) eine Herde von 1500 Stück Vieh zum Verladen nach Darwin treiben muss, wo sie der Armee als Verpflegung verkauft werden sollen. Ein Unterfangen, das ihrem Konkurrenten, dem Rinderkönig, so garnicht gefällt…… Nun, ich verrate jetzt nicht, ob sie das wohl schaffen…..
Wird in diesem ersten Teil des Filmes ganz im Hintergrund das Thema der staatliche Zwangserziehung von Aborigines-Kindern (inclusive Trennung von den Eltern) angeschnitten [1], so wirkt es so, daß, ist die ganze Truppe schon mal in Darwin, man auch gleich den Angriff der Japaner auf Darwin (Luftangriffe zwischen Dezember 1942 und November 1943) bringen kann, was mit viel Krawumm und Zerstörung dann auch geschieht.
Über diese beiden Filmteile spannt sich die schon von der ersten Filmszene an absehbare Romanze zwischen Lady Ashley und Mr. Drover…. Der Aborigine, so wie er im Film dargestellt wird, ist ein guter Mann, er tanzt viel und singt und kann dadurch quasi magische Kräfte entfalten (Chatwin hat das Thema zugegebenermassen etwas subtiler aufgegriffen [2]) .. jedenfalls ist “Creamy”, das Mischlingskind, das auf der Farm der Ashleys lebt, die zweite große Liebe Lady Ashleys und dann auch Mr. Drover… Die “weißen” Australier sind kernig, sie mögen die Aborigines nicht (was wohl stimmt), mögen auch die wenigen nicht, die die Aborigines mögen… Ferner sind im Film die Bösen wirklich böse, die Guten sind gut und Zwischentöne gibt es kaum, das macht natürlich alles etwas einfacher….
Falls man am Anfang des Filmes erwartet hat, Lady Ashley würde trotz ihrer Unerfahrenheit und ihrer offensichtlichen Ungeeignetkeit für Australien dazu lernen (“Learning by Doing”): man wird nicht enttäuscht! Für den Zuschauer völlig überraschend meistert Lady Ashley alle Schwierigkeiten, sie passt sich an, mutiert zu einer selbstlosen, kämpferischen Frau und Ersatzmutter und steht natürlich auch im Krieg ihrer “Frau”. Und da auch Mr. Drover, sexiest man alive [3a, b], seine Traumata erfolgreich bekämpft und überwindet, der Böse dann durch den Guten (nein, nicht Mr. Drover, es gibt noch mehr Gute in dem Film) im letzten Moment, bevor er das ultimativ Böseste verbrechen kann, getötet wird…. *schnief*….
Facit: eine ab der ersten Szene vorhersehbare Love-Story zweier eindimensionaler Charaktere, die zufällig in Australien spielt und daher ein paar schöne Landschaftsaufnahmen und einige exotische Zugaben erlaubt. Ferner gibt es viele computergenerierte Szenen zu sehen, den Hinweis auf ein dunkles Kapitel australischer Geschichte: wer das mag und nicht mehr erwartet, wird nicht enttäuscht.
Links:
[1] Wiki zur Lost Generation
[2] Bruce Chatwin: Traumpfade
[3a]
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Stadtleben-Hugh-Jackman-Australia-Baz-Luhrmann-Sexiest-Man-Alive;art125,2683415
[3b]
http://de.wikipedia.org/wiki/Sexiest_Man_Alive
[4] Wiki zu Hugh Jackman
[5] weitere Filmkritiken
[6] offizielle Website
[7] Wiki zu Nicole Kidman
[8] Wiki zu Baz Luhman





