feuermal

Da ich nur selten den ersten Band einer „Reihe“, hier um Max Maifeld, einen auf Kunstraub spezialisierten Privatermittler, in der Hand halte, habe ich immer so ein wenig den Nachteil, ein Buch zu lesen, bei dem ich den Hintergrund der handelnden Figuren nicht kenne. Andererseits sollte natürlich ein Buch auch für sich selbst stehen, was dieses aber zweifelsohne tut. Nur, wenn ich mir die Besprechungen über das „Feuermal“ durchlese, die von Lesern gemacht wurden, die die Reihe wohl kennen, ist meine eigene Bewertung nicht ganz so gut. Nun denn, dann ist es eben so…

Wieder einmal sind mir die Klischees wieder aufgefallen, hier die, mit denen Kaes arbeitet: die ehrgeizige, aber von der praktischen Arbeit vor Ort unbeleckte Staatsanwältin, die junge, taffe Polizistin (A. Dix) mit ihren (vorgesetzten) Kollegen Morian, der gewisse Mängel in der Sozialkompetenz aufweist, der hartnäckige Kunstraubermittler Maifeld mit seinen Freunden, die ratz-fatz wissen, was sie zu tun haben und das auch dann durchziehen, wenn sie etwas ausserhalb der Legalität arbeiten müssen, im Hintergrund ist die fernöstliche Kampfkunst immer dabei, mit der man töten kann, wahrscheinlich sogar, ohne daß überhaupt jemand da ist (gottseidank verschont Kaes uns damit, diesen Cliffhänger auch noch auszuschmücken…)… sicherlich ließen sich noch mehr solcher sattsam bekannten Versatzstücke auflisten.

Daraus also hat Kaes folgende Story entwickelt:

Dix hat zwei Morde aufzuklären, die erst einmal nicht zusammenhängen außer, daß sie rätselhaft sind, aber sehr professionell und mit viel Hass durchgeführt wurden. Einer der Morde weist auf ein kleines Eifeldorf hin, in dem jetzt eine bedeutende Servicefirma (Catering, Events) ihren Sitz hat. Auf eben diesen Firmenbesitzer stößt auch Maifeld bei seinen parallenen Ermittlungen, die er nach einer geheimnisvollen Beauftragung durch einen Unbekannten vornimmt: Er soll ein gestohlenes Bild von Dalí ausfindig machen und alles deren (Vor)besitzer. Auf Maifeld direkt weisen dagegen sogar Fakten hin, die Dix bei dem zweiten Toten findet.

Damit führt Kaes die beiden Handlungststränge zusammen, denn bei den Ermittlungen merkt Maifeld ziemlich schnell, daß er mitten in seine eigene Vergangenheit, seine Familiengeschichte hineingerät, die auf seltsame Art und Weise mit dem Besitzer dieser Firma zusammen zu hängen scheint.

Bevor dieser Plot aufgelöst wird, gibt es noch ein paar grausam ums Leben gekommene Tote, eine zarte Liebesgeschichte und die übliche Ermittlungsarbeit, die immer mal wieder im Funkloch rund um das Eifeldorf hängenbleibt…. Zum blutigen, etwas theatralischen Schluss dann sind für Max Maifeld alle Gewissheiten, die er bisher im Leben hatte, weggefegt und hätte er nicht im Laufe der letzten Tage seine Liebe gefunden (ein rasantes Tempo, welches die beiden Liebenden hinlegen….), wer weiß, ob es noch einen Maifeld-Roman gäbe… (ich nehme ja doch an, die Reihe wird fortgesetzt…)

Das klingt jetzt negativer als ich den Krimi sehe. Er ist spannend geschrieben, liest sich wirklich gut und ich habe ihn auch entsprechend schnell durchgelesen, ferner gibt er ein paar (hoffentlich sauber recherchierte) Daten zu Geschichte der Stasi wieder, die man so nicht unbedingt kennt. Wie schon ausgeführt, anfänglich haben mich die Klischees der Figuren etwas gestört, offensichtlich gibt es in Deutschland keine anderen Ermittlerfiguren mehr, aber der Lesefreude tut das keinen Abbruch. Das Ende ist etwas theatralisch geraten.. na ja….

Facit: gute Krimiunterhaltung, spannend und kurzweilig geschrieben, mit zum Teil interessanten Details zur (DDR-)deutschen Geschichte der Stasi.

Wolfgang Kaes
Das Feuermal
Rowohlt Tb., Mai 2008
ISBN-10: 3499246155
ISBN-13: 978-3499246159

One Response to “Wolfgang Kaes: Das Feuermal”

  1. Joachim Says:

    Über all dies ist Wolfgang Kaes, Journalistenkollege vom Bonner Generalanzeiger auch noch ein wahnsinnig netter Typ: http://www.lesenblog.de/2008/12/26/kaes/

    Beste Grüße aus Bad Tölz
    Joachim


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