Ich besitze nicht viel von Hemingway, als Typ, was ich so gehört und gelesen habe, war er mit unsympathisch. Genau genommen steht in meinem Bücherschrank nur ein kleines Büchlein aus der Fischer-Bibliothek von 1983, das zwei Erzählungen enthält, den „Schnee auf dem Kilimanscharo“ und „Das kurze glückliche Leben des Francis Mocamber“. Warum ich das Buch genommen habe – ich weiß es nicht. Ich kann mich auch nicht erinnern, ob ich die Storys überhaupt schon mal gelesen habe. Ich vermute, eher nicht, es scheint mir zu den Büchern zu gehören, die ich mir wegen des „Aussehens“ gekauft habe, weil sie mir gefielen, zu anderen passten….. lang, lang ist´s her.

Warum ich diese Geschichte vor kurzem gelesen habe? Das ist schnell erzählt: gleich auf der ersten Seite taucht das Wort „Glast“ auf, an dem ich meinen Narren gefressen habe, wobei ich selber nicht weiß, warum. Vielleicht weil das Hesse-lastige Bild, das vor meinem geistigen Auge auftaucht, mich als junger Mann beeindruckt hat? Who knows…..

Zum Buch: Harry ist Schriftsteller mit einem Faible für Afrika. Dort hat er sich an einem Dorn verletzt und die Wunde führt zu einer Blutvergiftung. Zusammen mit seiner Frau und einigen Dienern campieren sie in der Wildnis, warten auf das Flugzeug, das Harry zum Arzt bringen soll. Harry jedoch weiß, daß er sterben wird und Leben wandert an seinem geistigen Auge vorbei. Es ist ein Leben der verpassten Gelegenheiten, er hat all das gesammelt, was er mal schreiben will, aber er hat es nie geschrieben. Er hat sich selbst aufgegeben, hat die Bequemlichkeit des Lebens genossen, es fällt ihm auf, daß jede der Frauen, mit denen er zusammenlebt, reicher ist als ihre Vorgängerin…

Kurz nur unterbricht Harry seine Innenschau, um sich mit seiner Frau zu zanken, belanglose Worte mit ihr auszutauschen. Sie hat keine Bedeutung mehr für ihn.

In seiner Todesminute meint er im Flugzeug seines Freundes zu sein, der ihn vom Lager wegbringt. Er sieht den flachen Gipfel des Kilimanscharo mit seiner leuchtenden Schneekappe und fühlt, daß dies sein Ziel ist.

Liest man das Buch und vergegenwärtigt man sich die Lebensstationen von Hemingway selbst, so kommt man nicht umhin, der kurzen Erzählung auch autobiographische Züge zuzubilligen, die Jagd gehörte zu seinen Passionen und zwei Jahre bevor er diese Story schrieb, war er in Kenia.

Es gibt keine Verzierungen in der Sprache Hemingways, schnörkellos erzählt er seine Geschichte, geradeheraus, ohne Umwege. Er sagt, was er zu sagen hat und redet nicht drumherum, deutet nichts an. Das hat mich ein wenig auf Abstand gehalten, ich habe die Erzählung so distanziert gelesen wie sie geschrieben worden ist. Manchmal gebrauche ich ja das Bild von der Geschichte als einem Fluss, der einen mitnimmt, diese Story macht das nicht, um im Bild zu bleiben: man steht am Ufer und schaut, wie sich das Gewässer ins Tal arbeitet…

Facit: in wenigen Sentenzen zieht ein Leben an einem Sterbenden vorbei. Wie sähe es aus, wenn man selbst in dieser Situation wäre, das eigene Leben so an sich vorüberziehen lassen müsste…..?

Wer die Gelegenheit hat, die knapp 40 Seiten starke Erzählung zu lesen, sollte dies tun!

Links:

zur Biographie Hemingways
Daten zum Titel
Der Film

Ernest Hemingway
Schnee auf dem Kilimandscharo
Fischer Bibliothek, 3. Aufl. 1983
ISBN 3100309022

2 Responses to “Ernest Hemingway: Schnee auf dem Kilimandscharo”

  1. Elke Says:

    Wenn er nur nicht so lange mit vielen „unds“ versehene Schachtelsätze schreiben würde …

    Seine Themen liebe ich, seinen Schreibstil nicht.
    Sorry, Mr. Hemmingway

    :-)

    • flattersatz Says:

      Da müsste ich noch einmal reinschauen, bei der Erzählung (und auch der anderen, die noch in dem Insel-Bändchen abgedruckt ist) nicht so aufgefallen. Aber gepackt hat mich Hemingways Schreibe auch nicht…… ich bin, sozusagen, vom Ufer nicht ins Wasser gekommen…..


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