Lyrik

Dezember 3, 2008

Der Berliner Autor R. Frieling [4], von dem ich hier ja auch schon ein Büchlein vorgestellt habe [1] hat dem Schweizer Radio kürzlich ein Interview[2] gegeben, in dem es um Gedichte geht. Gedichte, Lyrik, sind, so führt er eingangs aus, in Deutschland eine zu vernachlässigende Minderheit in der Literatur, und in der Tat kann man es wahrscheinlich an sich selbst beobachten: Gedichte rufen eher die „Nein, danke!“ – Abwehrreaktion hervor als daß man sie mit Interesse zur Kenntnis nimmt oder liest. Wie schnell kauft man sich einen Roman oder eine Erzählung, wie selten dagegen einen Lyrikband. [6]

Mein eigener Zugang zu Gedichten ist auch beschränkt, um die Wahrheit zu sagen, sogar sehr beschränkt. Vor geraumer Zeit hatte ich einige Versuche gemacht zu „podcast“en und da bieten sich Gedichte einfach an. Überhaupt auf die Idee gekommen bin ich auf recht seltsamen Weg: im Urlaub in den Bergen begegnete ich auf einem Gipfel einem Raben (oder einer Rabenkrähe, so genau kann ich das nicht unterscheiden, es tut auch nichts zur Sache) und mir fiel ein, daß es von Poe ja das berühmte Gedicht „Der Rabe“ gibt. Da ich in den Tiefen der Regale eine Mini-“Gesammelte Werke“-Ausgabe von Poe habe, habe ich mir das Gedicht folgerichtig herausgesucht und war masslos enttäuscht, meine Güte, wie langweilig.

Aber dann fing ich an, laut zu lesen (ich kann mir das erlauben, der nächste Nachbar ist einiges entfernt…) und schon begann das Gedicht zu leben, die Strophen, Zeilen und Verse bekamen Sinn, sie fingen an, ihre Geschichte, die beim stillen Lesen verborgen blieb, zu erzählen, fühlen zu machen. Ich habe mich seinerzeit regelrecht in eine kleine Begeisterung deklamiert, mir Mikro und Kopfhörer besorgt und Gedichtbände durchforstet, um podcastgeeignete Gedichte zu finden. Mein Liebling war immer der „Erlkönig“, aber auch „Die Bürgschaft“ und andere, meist klassische Gedichte habe ich verhackstückelt. Na, egal, Jugendsünden halt…. obwohl, ich habe mich auch an modernere, gewöhnungsbedürftigere Poetik getraut [5]. Ob die Ergebnisse was taugen, mögen andere beurteilen, es war auf jeden Fall ein Heidenspaß… ;-)

Jedenfalls ist das, so denke ich, der Schlüssel zu Gedichten: man muss sie hören oder laut lesen. Ein still gelesenes, nur gelesenes Gedicht ist wie ein Geschenk, das man nicht auspackt, von dem man nur die Umrisse sieht, mal schüttelt und dann etwas ratlos fragt: „Ein Buch?“. Nein, im Ernst, man kann beim laut lesen mit der eigenen Stimme spielen, verschiedene Personen unterschiedlich sprechen, jedesmal neu interpretieren durch Betonung und Tempo… es macht Spaß, ganz einfach Spaß.

Leider hat das mit den Gedichten dann irgendwann aufgehört, ab und an les ich noch mal welche, aber auch nicht viele. Was ich jedoch mache (und gestern abend wieder gemacht habe) ist das Anhören von Gedichten auf youtube. Eine der Seiten dort ist mir mit ihrem Sprecher [3] besonders lieb, hier mit einem Gedicht von Hesse: „Im Nebel“:

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na, auch wieder mal Lust auf ein Gedicht?

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[1] Angriff der Killerkekse
[2] http://literaturzeitschrift.blog.de/2008/11/25/lustige-gedichte-interview-drs-5103701
[3] wortlover
[4] zur Homepage
[5] Hier als Beispiel die verpodcastung zweier Gedichte von Horst A. Bruno
[6] siehe zur Bedeutung von Lyrik in Deutschland auch diesen wiki-Artikel

5 Responses to “Lyrik”

  1. Forsch Says:

    Ist eigentliche jede Idee, die ich habe, schon von jemand anderem gedacht und, viel schlimmer, von jemand weiterem viel besser als ich es könnte umgesetzt? – Ich habe mich mal an Goethe gewagt … guckst Du hier: http://www.lit-blog.de/?p=207
    Aber noch gebe ich nicht auf… ;-)

  2. Eva Says:

    Ach, danke für diesen Beitrag! Ich beschwere mich ja immer wieder mal gerne darüber, dass kein Mensch mehr Lyrik liest & dass die armen Dichter die Stiefkinder der Literatur sind, wo doch Gedichte sowas tolles sind etc…. ;)

    Was das laut lesen betrifft: Es stimmt absolut, Lyrik sollte laut gelesen werden. Ich lese mir Gedichte immer selbst laut vor (manchmal auch wie du mit Mikro und Kopfhörer, das ist dann immer lustig, sich das wieder anzuhören), und ich mag zwar keine Hörbücher, liebe ich es aber, Gedichte vorgelesen zu bekommen.
    Das mir selbst vorlesen macht mir auch sehr viel Spaß – außerdem ist es ein bisschen auch Stimmtraining bzw. Training der englischen Aussprache bei den englischsprachigen Lyrikern. Heute habe ich ein Gedicht von Sylvia Plath auswendig gelernt und es mir dann bei der Heimfahrt von der Arbeit immer wieder laut vorgesagt, deshalb musste ich auch sehr schmunzeln, als ich deinen Beitrag gelesen habe, weil er gerade perfekt passt :)

    Und vielen Dank für den Youtube-Link, der Sprecher ist wirklich toll & ich werd wahrscheinlich jetzt stundenlang noch dasitzen und mir seine Videos ansehen/hören!

    Liebe Grüße,
    Eva

  3. flattersatz Says:

    @ Forsch und @eva: erst mal sorry, keine Ahnung, warum eure Kommentare nicht sofort publiziert wurden, ihr solltet dem System eigentlich bekannt sein…

    @Forsch: ist ein schönes Video, das du da gedreht hast und wieder die Bestätigung dafür, daß man gesprochenen Texten viel besser folgen kann als wenn man sie „nur“ liest….

    liebe grüße
    fs

    @eva: das freut mich aber sehr, daß dir der beitrag gefallen hat und daß er auch so gut in deine Stimmung von gestern passte. Oje, Auswendiglernen… früher konnte ich das gut, heute fällt mir das wahnsinnig schwer. Ich bewundere die Menschen, die lange Textpassagen oder Gedichte auswendig rezitieren können, zwar komm ich mir selbst dann ziemlich dämlich vor, weil ich das nicht hinkriege, aber ich geniesse es trotzdem sehr, ein wenig neidisch vielleicht… und ärgerlich auf mich….

    (ich bin jetzt gerade rausgerannt, den Himmel anschauen: voller Schneewolken und die Sonne scheint so schwach hindurch, daß er richtig babyrosa war, wunderschön…. )

    Ich muss mal schauen, ob ich die alten mp3-files noch finde, dann lad ich vielleicht das eine oder andere, was ich mal gelesen habe, noch hoch.. ist zumindest lustig (hoffe ich).

    ich wünsch dir noch einen schönen tag
    liebe grüße aus unter einem babyrosa Himmel
    fs

    p.s.: fast noch eindringlicher wie die Goethe-Videos (bei youtube mein ich) sind ein paar Sachen von Kästner. Falls du die nicht gesehen hast (die sind glaube ich garnicht mal auf der Seite von wordlover), ich habe die auf einem separaten blog von mir verlinkt (nav-leiste: andere blogs von mir).

  4. Eva Says:

    Als wir in der Schule den „Zauberlehrling“ auswendig lernen mussten, bin ich fast daran verzweifelt, aber der hat mich eben auch nicht interessiert, deshalb konnte ich ihn mir nicht merken. Sehr lange Gedichte, Balladen oder so, könnte ich mir aber trotz Interesse nicht merken, das wäre einfach zu viel ;)

    Dein Youtube-Gedichte-Blog ist toll! Das eine Kästner-Gedicht (Einsam bist du sehr alleine) berührt mich total, obwohl ich diese Einsamkeit zu zweit gar nicht kenne (da kann ich nur hoffen, dass ich das nie so erleben werde, dann wäre das Gedicht ja gar nicht zu ertragen). Das Gedicht von Mascha Kaleko mag ich auch sehr gerne.

    Hast du kein Foto vom babyrosa Himmel gemacht?

    So, und jetzt bin ich mal sehr gespannt auf deine Morgenstern-Vertonungen! :)

    Liebe Grüße, Eva

  5. flattersatz Says:

    Ja, dieses „Aus der Wanduhr tropft die Zeit…. “ .. ich habe da regelmäßig Tränen in den Augen, kenne kaum was traurigeres als diese Zeilen, dieses Gedicht. Und die Videoisierung ist ebenfalls fantastisch. Eines meiner Lieblingsgedichte…

    Doch, ich habe ein Foto gemacht, nur noch nicht ausgelesen aus der Kamera. Im Moment läuft mir die Zeit durch die Finger, meine blogs müssen da ein wenig kürzer treten….

    Ich freu mich aber sehr, daß dir die Sachen gefallen!

    liebe grüße
    fs


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