bücherleben: “Das ist aber richtige Literatur!”

11. November 2008

Mir ist heute morgen eine kleine Anekdote eingefallen, die mir vor einigen Wochen in der Buchhandlung meines Vertrauens passiert ist. Ich habe mal wieder in den Regalen gestöbert, die meisten Bücher jedoch stehen dort noch in Folie eingeschweißt. Also habe ich eines, das mir ins Auge stach, herausgenommen und eine der Verkäuferinnen gefragt, ob sie mir etwas über das Buch sagen könne. Nun ja, zum Buch selbst konnte sie leider nicht allzuviel sagen, aber sie nahm es und bemerkte, als sie sah, daß es etwas Gebundenes vom S. Fischer Verlag war: “Nein, kann ich leider nicht. Aber es ist richtige Literatur!”

Leider ist mir entfallen, um welches Buch, entschuldigung, um welches Stück Literatur es sich handelte, gekauft habe ich es nach dieser abschreckenden Einstufung natürlich auch nicht… richtige Literatur… hihi… aber in gewisser Weise hatte sie natürlich schon recht. Mir ist es auch jetzt wieder aufgefallen, als ich den “Dritten Mann” von Greene las: man merkt schon recht schnell, wenn ein Autor sein Handwerk versteht und so wie ein Maler mit wenigen Pinselstrichen ein Bild malen kann, kann jener in wenigen Zeilen eine Atmosphäre schaffen, in die man als Leser eintauchen kann, ohne nur – so wie bei Büchern, die offensichtlich dann keine Literatur sind – an der Oberfläche zu paddeln.

Wie sie dies machen, wo der Unterschied liegt, ich weiß es nicht zu beschreiben, ich bin eben doch “nur” Leser, kein Literaturwissenschaftler oder Autor, aber man merkt ihn schon….

Jedenfalls hat mich die Erinnerung an diese Episode heute morgen amüsiert. Ach ja, eingefallen ist sie mir, als ich ein noch in Folie verschweißtes Buch von R. Ford aus dem S. Fischer-Verlag in meinem Regal sah….. wohl auch richtige Literatur…..

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8 Responses to “bücherleben: “Das ist aber richtige Literatur!””

  1. tinius Says:

    Nur weil ein Buch gebunden und vom Fischer Verlag ist, muß es nicht unbedingt “richtige” Literatur sein, aber immerhin ist es wahrscheinlicher. Im Grunde finde ich selbst das Unterhaltende in guter Literatur nachhaltiger als in der industriell hergestellten Massenware. LG tinius

  2. flattersatz Says:

    Natürlich hast du völlig recht und ich denke auch, das war eher so ein Ausruf des Erstaunens, den man ja manchmal selber ausstößt, wenn man überrascht ist und ohne Nachdenken handelt. Gemeint ist wohl eher der Gegensatz zwischen einem ernsthaften Roman und Werken á la “Feuchtgebiete” oder anderen.

    Was “gute” und “schlechte” Literatur ist, darüber ließe sich sowieso und bekanntermassen trefflich streiten, was nutzt mir die hochwertigste Literatur, wenn sie nicht gelesen wird, weil sie so schwer verdaulich ist und mit welchen Recht sollte man Bücher, die “nur” unterhaltsam sind, abwerten als “schlechte” Literatur… falls ein Buch natürlich weder das eine (tiefsinnig) noch das andere (unterhaltsam) ist, ja, dann…..

    liebe grüße zurück
    fs

  3. tinius Says:

    In Bezug auf “Feuchtgebiete” vertrete ich ja (siehe meine Rezension) eine Minderheitenposition, denn es ist in meinen Augen durchaus gelungen, auch wenn man es sicher nicht in die ganz hohe Kunst der Literatur einordnen kann, aber es ist denn doch um vieles wertvoller als chicklit, Neo – Historienschmonzetten etc. Ich bin immer geneigt, etliches am Buchmarkt zu verdammen und den Raubbau an den Wäldern zur Papier – und Buchherstellung aufs Heftigste zu verdammen. ;) Allerdings führen solche Diskussionen immer nur zu bösem Blut, sodaß ich mich allenfalls – denn eigentlich liegt es mir fern, in Pappe gebundenes Klopapier zu lesen, wenn es auf einer Rolle und perforiert um so vieles billiger ist – in einer Rezension dazu äußere. Schon twain sagte sinngemäß, es sei kein Unterschied darin, ein schlechtes oder gar kein Buch zu lesen. Literatur ist eine Minderheitenveranstaltung – und es ist die Bringschuld des Lesers, sich auf ein Buch einzulassen, nicht die des Autors, sich der mangelnden Lesefähigkeit, dem Unwillen oder dem Bildungsmangel (der Bildungsverweigerung) anzupassen. Und es werden ebenso viele Bände “Feuchtgebiete” wie von Tellkamps “Der Turm” ungelesen in den heimischen Regalen verstauben. LG tinius


  4. [...] “richtige Literatur” ist erklärt uns flattersatz in seinem Blog aus.gelesen mit einem zwinkern in den Augen. Ich [...]


  5. 1. Ich denke nicht, dass Feuchtgebiete im heimischen Regal verstauben wird. 2m Goethe, ja die kauft man zur Dekoration und Ulysses vielleicht auch. Aber die Feuchtgebiete werden doch eher gezielt eingekauft und wenn nur dazu, sich empören zu können.
    2. Merkwürdig, dass niemand hier auf die Hauptsache eingeht. Die Buchverkäuferin kannte ihre Bücher nicht – und das ist traurig.

  6. flattersatz Says:

    *lach* .. da muss ich dir jetzt doch widersprechen, bei mir verstaubt es im Regal, ich habe nach knapp der Hälfte aufgehört. Und eine Bekannte, die es geschenkt bekam, hat danach erst garnicht angefangen… Ich glaube wirklich nicht, daß soviel analfixierte Leser herumlaufen wie Feuchtgebiete verkauft wurden. Jetzt kommen sie ja langsam in der Bestenliste (Spiegel) wieder ein wenig runter.

    Ich muss auch meine Buchhandlung ein wenig in Schutz nehmen. Natürlich hätte ich es mir auch gewünscht, wenn sie mir etwas zu dem Buch hätte sagen können, und normalerweise können sie das auch, weil eine der Damen immer das betreffende Buch gelesen hat und Auskunft geben kann. Das war jetzt eben Pech…. aber die Anekdote wiegt alles wieder auf…

  7. tinius Says:

    Nach meinen Erfahrungen in etlichen Bücherforen und in Blogs wird das Buch von Roche zumeist allenfalls angelesen, dann aber recht angewidert im Regal entsorgt, als hätte man nicht glauben wollen, was über Inhalt und Tonfall in den Medien ventiliert wurde. Als ehemaliger Buchhändler kann ich nur anführen, daß man beim besten Willen nicht alle Bücher kennen kann, die derzeit auf dem Markt sind. Für 2008 wurde gerade die Zahl von 1,2 Millionen lieferbarer Titel gemeldet (boersenblatt.net), dabei sind noch nicht einmal die Bände erfasst, die nicht im VlB (Verzeichnis lieferbarer Bücher) gelistet werden (wollen), da die Aufnahme darin kostenpflichtig ist. LG tinius

  8. flattersatz Says:

    Du hast recht, ich habe mich ja selbst im Kommentar als solchen “wegleger” geoutet. Aber nicht aus Ekel, das Buch hat mich einfach gelangweilt (ich habe es ja hier auch entsprechend vorgestellt).. deine Besprechung der Feuchtgebiete habe ich gelesen, im Grunde kann ich dir in fast allem zustimmen, man kann das Buch so sehen wie du. Aber es braucht schon einer recht intensiven Auseinandersetzung mit dem Buch und einer hohen Interpretationskunst. Und über die Interpretation bekomme ich natürlich in jedes Werk Tiefe und Sinn hinein.

    Ja, die Menge der (Neu)Erscheinungen auf dem Buchmarkt erschlägt einen, schon allein, wenn man die einschlägigen Magazine liest, die Buchvorstellungen in den diversen Medien… es ist so vieles interessant. Und zur “Ehrenrettung” meiner Buchhandlung: die Bücher, die sie im eigenen Regal stehen haben, kennt zumindest einer im Laden schon…

    lg
    fs


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