aus.gelesen

10. Mai 1933

Veröffentlicht in Bücher, Verschiedenes by flattersatz am Mai 10th, 2008

ausgelesen - in einem ganz anderen Sinn. Erinnern will ich daran, auch mich selbst, schreiben dazu nichts, denn hier sprechen die Täter für sich selbst:

1. Rufer:
“Gegen Klassenkampf und Materialismus, für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Marx und Kautsky.”

2. Rufer:
“Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner. “

3. Rufer:
“Gegen Gesinnungslumperei und politischen Verrat, für Hingabe an Volk und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Friedrich Wilhelm Förster.”

4. Rufer:
“Gegen seelenzerfasernde Überschätzung des Trieblebens, für den Adel der menschlichen Seele! Ich übergebe der Flamme die Schriften des Sigmund Freud.”

5. Rufer:
“Gegen Verfälschung unserer Geschichte und Herabwürdigung ihrer großen Gestalten, für Ehrfurcht vor unserer Vergangenheit! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Emil Ludwig und Werner Hegemann.”

6. Rufer:
“Gegen volksfremden Journalismus demokratisch-jüdischer Prägung, für verantwortungsbewußte Mitarbeit am Werk des nationalen Aufbaus! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Theodor Wolff und Georg Bernhard.”

7. Rufer:
“Gegen literarischen Verrat am Soldaten des Weltkrieges, für Erziehung des Volkes im Geist der Wahrhaftigkeit! Ich, übergebe der Flamme die Schriften von Erich Maria Remarque.”

8. Rufer:
“Gegen dünkelhafte Verhunzung der deutschen Sprache, für Pflege des kostbarsten Gutes unseres Volkes! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Alfred Kerr.”

9. Rufer:
“Gegen Frechheit und Anmaßung, für Achtung und Ehrfurcht vor dem unsterblichen deutschen Volksgeist! Verschlinge, Flamme, auch die Schriften der Tucholsky und Ossietzky!”

Die Rufer waren: junge Leute in braunen Uniformen. Es waren: Studenten. Ort der Handlung: Opernplatz, 10. Mai 1933

“Das war ein Vorspiel nur. Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen” (H. Heine, 1823)

entnommen aus: Graf von Krokow: Scheiterhaufen, Größe und Elend des deutschen Geistes, Berlin, 1983

am Rande: im Juni 2006 wurde auf einem Dorffest in Sachsen-Anhalt das Tagebuch der Anne Frank öffentlich verbrannt…..

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