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Stieg Larsson: Verblendung

Veröffentlicht in Bücher, Roman by flattersatz am Mai 7th, 2008


So, die knapp 700 Seiten sind geschafft, das Buch hat sich gut und leicht lesen lassen, in wenigen Tagen war es “durch”. Also auch keine Besorgnis mehr vor demnächst den nächsten beiden Bänden der Trilogie um die Zeitschrift “Millenium”.

Andererseits: als ich ca. in der Mitte des Buches war, also umfangsmäßig dort, wo andere Bücher schon dem Ende zugehen, fragte ich mich: was ist eigentlich bisher geschehen? Viel war es jedenfalls nicht, außer einleitendem Geplänkel, aber immerhin gut lesbar.

Worum geht es in dem Buch? Der integere Wirtschaftsjournalist Mikael Blomquist wird mit einer getürkten Geschichte über einen schwedischen Industriellen hereingelegt und muss nach seiner Verurteilung wegen Verleumdung die Redaktion seiner Zeitschrift verlassen. Arbeitslos geworden wird er von dem Patriarchen einer anderen, auf dem absteigenden Ast sitzenden Industriellenfamilie mit Enthüllungen über seinen Widersacher geködert und nimmt den Auftrag an, vordergründig eine Familienchronik der Vangers zu schreiben, in Wahrheit aber das rätselhafte Verschwinden von Harriet Vanger, daß mittlerweile 40 Jahre zurück liegt, noch einmal, ein letztes Mal zu untersuchen. Aufgrund der besonderen Umstände liegt sogar die Vermutung nahe, daß Harriet seinerzeit von einem Familienmitglied ermordet wurde.

Die Familie Vanger ist eine alteingesessene Familie mit einer Unzahl von Angehörigen, die Larsson uns zum großen Teil vorstellt, auch wenn sie mit der Handlung oder dem Fortgang der Geschichte nichts zu tun haben. Verstrickt in Nazi-Ideologien sind insbesondere die älteren Familienmitglieder keineswegs Sympathieträger, im Grunde ist kaum einer der Vangers als netter Zeitgenosse anzusehen. In diesem Umfeld sichtet Blomquist also die alten Unterlagen.

In einem zweiten Erzählstrang führt Larsson Lisbeth Salander in die Geschichte ein. Salander ist ein anorektisches, sozial inkompetentes Wesen mit erheblichen Defiziten, die unter Betreuung steht und stets unterschätzt wird. Sie arbeitet als freie Mitarbeiterin bei einer Sicherheitsfirma an Ermittlungen, die sie im wesentlichen durch Hacken von Computern, aber eben dadurch sehr erfolgreich, durchführt. Einschränkungen ihrer Arbeit durch Moral, Ethik oder gar das Strafgesetzbuch läßt sie nicht gelten, sie hat nicht nur ein fotographisches Gedächtnis und die Fähigkeit, Strukturen intuitiv zu erfassen, sondern eben auch ihre eigenen Regeln. So autistisch angehaucht Salander auch scheint, und so übertrieben eventuell ihre Fähigkeiten geschildert werden, ist sie für mich jedoch die interessantere der beiden Hauptpersonen.

In der zweiten Hälfte des Buches dann führt Larsson Blomquist und Salander zusammen und beide arbeiten jetzt als Team weiter. Natürlich (wie sollte es anders sein….) entwickelt sich nicht nur eine sexuelle Beziehung, sondern auch eine gegenseitige Sympathie, sogar Salander fängt an, Vertrauen zu Blomquist zu fassen.

Irgendwann findet Blomquist dann tatsächlich ein Detail auf einem alten Foto dieses Tages, das bis dato übersehen worden ist. Er verfolgt diese (und eine weitere) Spur und nach vielen Wirrungen kommt er der Lösung des Rätsels immer näher, bis er es schließlich in einer Art Show-down lüftet.

Und wie endet das Buch? Nun, die Bösen sind böse und verlieren, die Guten dürfen ein wenig böse sein, weil sie sonst die wirklich Bösen nicht fangen könnten, sind aber ansonsten gut und am Ende ist Lisbeth die Verliererin, weil der Larsson für sie kein Happy End vorgesehen hat, sondern sie mit einer Enttäuschung in den zweiten Band seiner Trilogie schickt. Irgendwie schade…

Facit: Sehr gut lesbar, kurzweilig und offensichtlich gab es auch Schweden Nazis. Warum das Buch Verblendung heißt, tja.. wer weiß das schon?

Stieg Larsson
Verblendung
Heyne, 2007
ISBN-10: 3453432452
ISBN-13: 978-3453432451

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