Erich Schöndorff: Feine Würze Dioxin
März 28, 2008

Der Autor, ein ehemaliger Staatsanwalt und jetzt Professor für Umweltrecht, mithin ein Fachmann auf den Gebieten, die der Roman anschneidet, erzählt hier eine haarsträubende Geschichte, die nichtsdestotrotz denkbar und möglich erscheint. Bei der Herkunft des Autors kann man davon ausgehen, daß die geschilderten Fakten und Daten stimmig sind, sie fügen sich hier zu einem erschreckendem Szenario zusammen.
Auf dem Sektionstisch der Frankfurter Gerichtsmedizin landen im Abstand weniger Wochen zwei Leichen vorgeblicher Selbstmörder, die beide die selben, seltsamen Abnormitäten aufweisen, wie zum Beispiel Haarlosigkeit und stark vergrößerte Hypophysen. Daß beide vormals beim selben Arbeitgeber, einen bekannten Chemieunternehmen, gearbeitet haben, kommt der Pathologin so verdächtig vor, daß sie die Staatsanwaltschaft informiert.
Zusammen mit einem Ermittler aus dem Umweltdezernat der Polizei werden erste Erkundigungen eingezogen. Schon bald kristallisiert sich heraus, daß die beiden Toten mit hohen Dosen Dioxin, und zwar nicht in der “natürlichen” Zusammensetzung, in Berührung gekommen sein müssen.
Der weitere Plot der Geschichte rankt sich dann um folgendes Gerüst: einem Pharmakonzern fallen gewisse Symptome von Dioxinvergiftungen auf, wie z.B. Antriebslosigkeit oder suchtartiger Heißhunger nach Fleisch. Sie versuchen jetzt, Dioxin derartig zu modifizieren, daß die lethale Wirkung auf ein “vertretbares” Maß abnimmt, um durch gezielte Gabe von Dioxin diese Symptome auszunutzen, um z.B. Hamburger zu präparieren und bei den Konsumenten ein Suchtverlangen auf gerade DIESE Hamburger hervorzurufen.
Der Roman schildert neben der Kriminalhandlung, i.e. der Aufklärung der Vorgänge, vor allem Interna aus dem Justizapparat, der dabei nicht gut abschneidet. Durch mehr oder minder offensichtliche Bestechung werden Ermittlungen niedergeschlagen oder bagatellisiert, die Aufklärung der Vorgänge wird erschwert, wo immer es geht.
Wie wirklichkeitsnah dies ist, kann ich nicht beurteilen, schlimm genug, daß man es als Leser für möglich hält, vielleicht sogar für sehr gut möglich. Jedenfalls ist das Buch flott geschrieben und auch wenn die Personen nicht sehr in die Tiefe gehend gezeichnet sind, liest sich der Krimi gut, er ist spannend und durchaus kurzweilig geschrieben.
Facit: Warum nicht mal einen Krimi lesen, der nicht in einem großen Verlag erschienen ist? Durchaus lohnenswert!
Erich Schöndorff
Feine Würze Dioxin
Bad Vilbeler Buchverlag; 2002
ISBN-10: 3000103570
ISBN-13: 978-3000103575


