Burzeltach!! Vier Jahre „aus.gelesen“

…… das ist schon eine relativ lange Zeit, auf die ich mit diesem Blog zurückschaue…. Die erste Buchbesprechung von mir war seinerzeit ein Krimi, Gisa Klönnes: Der Wald ist Schweigen… es sind viele Bücher dazu gekommen seit damals, es ist eine gewisse Entwicklung im Blog zu beobachten, da meine Art zu lesen ist anders geworden ist, auch meine Art, die Bücher zu beschreiben und hier vorzustellen (manchmal wird es ja etwas länger….), ebenso wächst der Fundus der Querverbindungen zwischen einzelnen Titel und Themen natürlich mit jedem Buch, das ich lese…

Zeit auch und ein guter Zeitpunkt, euch ein dickes, dickes „Dankeschön“ zu sagen.

Es ist nicht selbstverständlich, daß  so viele von euch meinen Blog besuchen, die Texte sind lang, es gibt keine Rätsel, Verlosungen oder Plaudereien, Stöckchen und ähnliches geht an mir vorüber. Bücher, sonst nichts. Manchmal habe ich direkt Hemmungen, wieder eine Besprechung hochzuladen, weil ich denke: oh ne, das ödet an…

Ich nenn jetzt keine Namen, ich würde sicher den einen oder anderen übersehen und das möchte ich nicht, aber ich habe durch das Schreiben viele Menschen „kennen“gelernt, die mir ans Herz gewachsen sind, auch wenn die Bekanntschaft, die Freundschaft virtuell ist und nur übers Netz läuft. Aber auch das virtuelle Leben ist real und wichtig, man sollte das nicht unterschätzen!

Bei Petra habe ich neulich gelesen: „…Der Beginn einer Reise, der erste Satz eines Buches – wir überschreiten eine Grenze, und auf einmal sind wir ganz weit weg. ..„. Genauso ist es. Ein Buch aufschlagen ist der Beginn einer Reise in ein Universum, das der Dichter, der Autor für uns aufgespannt hat. Wie eine Reise ist es ein Abenteuer, ein Buch zu lesen, Menschen kennen zu lernen mit ihren Schicksalen, in denen wir uns vllt sogar widerspiegeln…. Leser sind so wichtig.. Dantzig schreibt in seinem Buch „Wozu lesen?“ davon, daß man Leser eigentlich bezahlen müsste für´s Lesen, daß man ihnen unbegrenzte Möglichkeiten einräumen müsste, damit sie ungestört lesen und nichts als lesen könnten…. und egal, wieviel wir lesen, es wird immer mehr an Literatur geben, als wir lesen können und es wird immer Literatur geben, die gelesen werden müsste, aber die niemand liest, weil niemand sie kennt, weil sie untergeht in der Welle, dem Tsunami der Veröffentlichungen.

Auch deswegen ist es wichtig, daß wir bloggen (mögen sich die professionellen Kritiker – wie in einer aktuellen Diskussion – auch das Maul über uns zerreissen, das ist eh nur das Pfeifen im dunklen Keller aus Angst, selbst ins Nischendasein abgedrängt zu werden), daß wir ein Netzwerk bilden und uns gegenseitig anregen, daß wir auch die Bücher lesen und vorstellen, die nicht im Mainstream mitschwimmen, auf die wir nur durch Zufall stoßen, durch Glück möchte ich sagen….

In diesem Sinne:

auf das nächste Jahr und schön, daß ihr vorbeigeschaut und gelesen habt, was ich geschreibt habe…. 

Zwei Bücher zum Preis von einem… Erik Larson führt in seinem Buch (er bemerkt ausdrücklich, daß es sich nicht um einen Roman handelt) zwei parallele Handlungsstränge, die er erst ganz zum Schluss zusammenführt. Beide Handlungen werden minutiös geschildert, mit vielen exakten Angaben, was Tag und Ort betrifft, bis hin zum Preis von Namensstempeln. So ähnelt das Buch in der Tat eher einer ausführlichen (Hintergrund)Reportage als einem Roman.

Titelgebend ist die Entwicklung der drahtlosen Telegraphie, des Übermittelns von Nachrichten mittels elektromagnetischer Strahlung, also ohne Drähte oder (in der technischen Ausführung) ohne Kabel. [1, 2]. Der Autor führt uns zurück in die Endepoche des viktorianischen Zeitalters, die Jahre um den Wechsel vom 19. in das 20. Jahrhundert. Wissenschaft und Technik haben in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. In der Physik hatte der Schotte Maxwell durch seine Gleichungen ein überaus elegantes Formelsystem zur Beschreibung des Elektromagnetismus gefunden. Die Existenz elektromagnetischer Wellen wurden dann 1888 von Heinrich Hertz nachgewiesen. Wenige Jahre später gelang es erstmalig, mit solchen elektromagnetischen Wellen Informationen zu übertragen. Zwischen zwei Apparaten wurde eine unsichtbare Verbindung geknüpft, die den zweiten Apparat („Empfänger“) etwas tun ließ, z.B. klingeln, sobald man den ersten Apparat („Sender“) betätigte. Larson stellt uns eingangs den englischen Physiker Lodge vor, der schon 1894 in Vorträgen solches demonstrierte. Aber wir sind in England, in dieser Zeit, in der auch Phänomene wie Spiritismus mit Ernst behandelt werden, in denen „Medien“ auftauchen, die Verbindungen herstellen zu Verstorbenen. Und Lodge ist jemand, den dies interessiert, der sich dadurch ablenken läßt vom eigentlichen Feld, auf dem er Ruhm hätte einstreichen können. Sehr viel ziel- und ergebnisorientierter betätigt sich im Gegensatz zu ihm der junge Italiener Guglielmo Marconi [4] auf dem Gebiet. Schon 1895 gelang diesem ein Durchbruch: er konnte ein Signal über weit mehr als einen Kilometer übertragen und zwar an einen Empfänger, zu dem kein Sichtkontakt bestand.

Erst 21 Jahre alt, war Marconi jedoch schon sehr gewieft. Er wusste, daß andere Forscher, z.B. Lodge, auch an dieser Technik arbeiteten. Wollte er seinen Erfolg und seinen Vorsprung sichern, um ihn auch wirtschaftlich nutzen zu können, musste er ihn schützen. Und dazu musste er nach England gehen, denn dort gab es eine ausgefeiltes Patentwesen. Durch familiäre Verbindungen fiel es ihm nicht schwer, einflussreiche Kontakte zu knüpfen, zum Beispiel mit William Preece, dem Chefingenieur der englischen Post, der selber schon Versuche zur drahtlosen Telegraphie gemacht hatte. Die Demonstation seiner Apparatur gelang Marconi überaus überzeugend, so daß Preece den jungen Mann unter seine Fittiche nahm.

Sehr detailliert beschreibt Larson nun die Entwicklung der Marconischen Technik in den nächsten Jahren. Sie ist geprägt von visionären Plänen und von technischen Rückschlägen, von Streitigkeiten mit Konkurrenten und wirtschaftlichen Problemen. Marconi war kein Wissenschaftler, im Grunde wusste er nie, was er tat. Ein Tüftler, ein Bastler ohne theoretische Grundlage, aber mit dem Genius, trotzdem das zu tun, was notwendig war. Fortschritte wurden durch Probieren gewonnen, durch endloses Justieren aller möglichen Parameter, bis sich ein Erfolg einstellte.

Marconi war kein einfacher Mensch, er hatte Defizite im zwischenmenschlichen Bereich. Er vergrätzte Freunde, die zu Gegner wurden, er heiratete zwar, beachtete seine Frau jedoch nicht, weil er lieber arbeitete. Auch seine zweite Ehe war trotz der Kinder, die es gab, nicht glücklich. Er übertrieb und beschönigte Ergebnisse seiner Versuche, um Konkurrenten abzuschütteln und sich seinen wirtschaftlichen Erfolg zu sichern.

Seine große Vision war der Funkverkehr über den Atlantik, eine Vision, die von den Wissenschaftlern als abwegig abgetan wurde. Insofern war es gut, daß Marconi kein Wissenschaftler war, sondern daß er nur an diese Aufgabe dachte. Mit einer solchen Funkverbindung wäre es möglich, von praktisch jedem Ort aus über den Ozean zu funken und insbesondere auch einen ozeanweiten Funkverkehr mit den großen Schiffen und Ozeanriesen (sowie zwischen ihnen) einzurichten.

Die Sinnhaftigkeit dieses Vorhabens leuchtete damals nicht jedem unbedingt ein, gab es doch schon die nicht ausgelasteten Unterseekabel zwischen Amerika und Europa. Es fehlte also etwas, was die „Massen“ entzündete, begeisterte: eine Killerapplikation sozusagen.

Und damit sind wir bei der zweiten Geschichte des Buches.

Der amerikanische Arzt Hawley Crippen hat sich auf die seinerzeit in den Staaten sehr populäre Homöopathielehre des deutschen Samuel Hahnemann spezialisiert. Es ist die große Zeit von Arzneifirmen, die mit Mittelchen und Rezepturen für alle möglichen Leiden viel Geld verdienen. Für solche Firmen arbeitet Dr. Crippen. Verheiratet ist er schon in Amerika mit der Deutsch-Polin Kunigunde Mackamotzki, die sich Cora Turner nennt und die eine Karriere als Sängerin plant. Als es Dr. Crippen beruflich nach England verschlägt, nimmt Cora den Künstlernamen Belle Elmore an und wird weiter von ihrem Mann gefördert. Mangels Talent macht sie jedoch nie Karriere. Nach außen scheint die Ehe des ungleichen Paares harmonisch und ausgeglichen, sind sie alleine, drangsaliert und schikaniert Belle ihren Mann ohne Ende. So hat sie auch Affären mit anderen Männern, zumindest das Bild von einem läßt sie als stete Drohung für ihren Mann in der Wohnung stehen.

Im Büro Dr. Crippens fängt eine junge Frau als Sekretärin an, Ethel le Neve. Zwischen den beiden entspinnt sich eine tiefe Liebesbeziehung, die sie nur in Heimlichkeit leben können.

Nach einer Einladung der Crippens an ein befreundetes Ehepaar verabschiedet sich dieses in der Nacht nach Hause. Dies ist das letzte Mal, daß Belle lebend gesehen wird. Dr. Crippen erfindet nach außen die Geschichte, seine Frau wäre überraschend und überstürtzt in Familienangelegenheiten in die Staaten gereist. Mit dieser Lüge will er den Skandal, daß er von seiner Frau verlassen worden ist, vertuschen.

Trotzdem wird die Polizei misstrauisch und befragt ihn. Bei der wiederholten Durchsuchung des Hauses werden Teile der letzten Überreste eines Menschen gefunden, ein äußerst grausiger Fund. Dr. Crippen hat sich jedoch, bevor er festgenommen werden konnte, mit seiner als junger Mann verkleideten Geliebten auf ein Schiff Richtung Amerika geflüchtet.

Hier nun verbinden sich die beiden Geschichten des Buches. Ohne daß Crippen oder Ethel es ahnen, werden sie zu Hauptpersonen eines Dramas, das sich vor Millionen von Menschen abspielt: per Funk fiebern diese Menschen mit, ob und wie der auf einem schnelleren Schiff nachreisende Inspektor das flüchtige Paar überholen kann, um es in Amerika festzunehmen. Eine Nachricht jagt die nächste und die Menschen sind zum ersten Mal fasziniert von den Möglichkeiten der drahtlosen Telegraphie.

Was im Buch auch recht ausführlich und sehr interessant geschildert wird, sind die Lebensumstände im London ausgangs des 19. Jahrhunderts. Die Vielzahl der technischen Entwicklungen wurden schon genannt, das aufkommende Automobil verändert die Lebensumstände genauso wie der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, der es vielen Bessergestellten erlaubt, ihre Wohnungen weiter ausserhalb zu nehmen. In der Folge verarmen die inneren Bezirke der Stadt, die Bevölkerungsstruktur ändert sich. Am Horizont wird immer wieder das Augenmerk auf Deutschland gerichtet, das Anstrengungen unternimmt, als Großmacht wahrgenommen zu werden. Das Wort „Krieg“ liegt manchem auf der Zunge. Königin Viktoria stirbt, mit ihrem Tod geht eine ganze Epoche zu Ende….

„Marconis magische Maschine“ ist ein sehr interessanter Bericht über die Entwicklung einer Technik, deren Nutznießer wird heutzutage in seinerzeit ungeahntem Ausmass sind, vom Handy über den drahtlosen Internetzugang bis hin zu Funkverbindungen zu Satelliten, die wir ins Sonnensystem schicken. Dieser interessante, aber doch auch etwas langatmige dargestellte Stoff wird durch die Verknüpfung mit diesem einzigartigen Kriminalfall und die Schilderung des Menschen Marconi aufgelockert und gewinnt an Spannung. Dazu trägt natürlich auch die teilweise minutiöse Schilderung der Lebensumstände im damaligen London bei. Für mich war es eine lohnende Lektüre, aber man sollte schon ein Grundinteresse haben an technischer Historie, um das Buch geniessen zu können.

Links und Anmerkungen:

[1] Der deutsche Wortbestandteil „..funk..“ hält die Erinnerung an diese frühen Stadien der Entwicklung, war doch die Entladung der großen Induktionsapparate, mit denen die elektromagnetischen Wellen erzeugt wurden, mit einer (energieabhängig) starken Funkenentwicklung verbunden
[2] Dazu sollte man im Hinterkopf behalten, daß Amerika und Europa seit XXXX durch unterseeisch verlegte Kabel verbunden waren, drahtgebundene Telegraphie also schon seit Jahrzehnten möglich war. Stefan Zweig schildert die Bewältigung dieser technischen Herausforderung der Verlegung eines Kabels quer durch den Atlantik in seinen „Sternstunden der Menschheit“ sehr anschaulich und intensiv. Sicherlich wäre es sehr interessant, hier mal Parallelen und Unterschiede der beiden Projekte herauszuarbeiten….
[3] ein sehr interessantes online-Archiv zum Thema ist unter MarconiCalling zu erreichen…
[4] Biographie Marconis
[5] Wiki-Artikel über Dr. Crippen

Erik Larson
Marconis magische Maschine
Ein Genie, ein Mörder und die Erfindung der drahtlosen Kommunikation
übersetzt von
besprochene Ausgabe:
Originalausgabe

Die Niederlande kurz nach dem Weltkrieg, die Region um Leiden herum [siehe 1]. Der Ich-Erzähler Alexander Goudevyl erinnert sich an seine Kindheit und Jugend in dieser engen, feindlichen Welt. Er ist als Kind eines Lumpenhändlers in einem Viertel aufgewachsen, dessen Bewohner nicht über die Gleise auf der einen und das Wasser auf der anderen Seite hinauskamen. Schlecht angesehen waren sie in dem Viertel, den Lumpenhandel hatten die Eltern im Krieg übernommen von einem verschleppten jüdischen Händler… insbesondere wächst der kleine Alexander in einer von Angst geprägten Atmosphäre auf: die übrigen Kinder des Viertels haben ihn zu ihrem Objekt gemacht, das sie hänseln, triezen und quälen können, bis hin fast zum Tod. Und von Gott fühlt sich der Junge verfolgt, denn heißt es nicht in der Bibel: „Unterwegs aber, da wo er übernachtete, trat ihm der Herr entgegen und suchte ihn zu töten.“ [2 Moses 4,24]. „Er suchte ihn zu töten…“ und wenn Gott sogar Moses zu töten suchte, warum nicht auch ihn? Der Junge verzweifelt an diesem Bibelwort, zumal es am Nachmittag im Schwimmbad wahr zu werden droht durch die Nachbarkinder, die ihn unter Wasser drücken…. noch viele Jahre soll ihn dieser Bibelspruch verfolgen.

Das Elternhaus ist durchaus liebevoll, aber von einer Atmosphäre exzessiver Sparsamkeit verbunden mit tiefer Religiosität geprägt. Noch immer trauern die Eltern dem Verlust der „Erneuerten“ nach, der kirchlichen Richtung, der sie bis zu ihrem Umzug in die neue Stadt angehörten, nach. Hier gibt es sie nicht und sie müssen sich mit anderen Anschauungen abfinden, was sie (insbesondere der Vater) immer wieder wortreich bedauern.. Die höchste Freude der Eltern ist es, sich am Abend zu erzählen, was sie tagsüber alles gespart haben, wo sie kein Geld für ausgegeben haben. So kleiden sie den Jungen konsequenterweise mit noch tragfähigen und ausgebesserten Lumpen, die sie eingesammelt haben, dieser jedoch ist immer in der Sorge, irgendeiner seiner Quälgeister könne darin ein von ihm selbst dereinst weggeschmissenes Kleidungsstück erkennen. Zum großen Glück des jungen Alexander wird die Musik, die er entdeckt. In der Lagerhalle seines Vaters steht ein altes Klavier, das Spielen bringt sich der Junge selbst bei anhand eines Buches, das er dort findet und in dem alles erklärt wird.

So spielte er auch an jenem bewussten Tag, als die Missionskampagne lief und vor der Halle gepredigt wurde vom Kreuz (denn das war das wichtigste…) und er spielte laut und hielt den Knall für den üblichen Scherz seines Vaters, der ihn beim Spielen immer zu erschrecken versuchte, in dem er Tüten aufblies und zerschlug. Doch dann sah er Vroombout am Boden liegen, den Polizisten, von dem er im Sommer, wenn er am Fluss angelte, Geld dafür bekam, sich vor ihm die Hosen und die Unterhosen auszuziehen. Und einen Mann im Hut und Mantel und einem Schal vor dem Gesicht, mit brennenden Augen und auf ihn gedeuteten Fingern sah er wegrennen und er spürte die Drohung, die die Finger bedeuteten: dich erwisch ich auch!

… und suchte ihn zu töten!

Ermittlungen werden aufgenommen, natürlich. Die pädophilen Neigungen des Ermordeten geben ein erstes Motiv, aber das führt nicht weiter, die Suche nach dem Täter verläuft im Sande. Nur bei Alexander bleibt dieses Angstgefühl, das Hochschrecken des Nachts, dieser unlöschbare Wunsch, den Täter zu kennen, denn dann, so seine Hoffnung, würde seine Furcht verschwinden.

Ist ein Roman – wie groß angekündigt – schon dadurch ein Kriminalroman, daß er eine Leiche enthält, einen Mord schildert? Für mich nicht, dieses Buch Harts ist eher ein Entwicklungsroman, der das Leben (die ersten Lebensabschnitte) seines Protagonisten zum Thema hat. Dieser spürt durch seine Liebe zur Musik, daß er nicht in diese engstirnige, verbohrte Welt gehört, in die er als Kind hineingeboren wurde. Und zielsicher eröffnen sich Chancen für ihn, lernt er Menschen kennen, die sich seiner annehmen, die ihn ausbilden, fördern, unter ihre Fittiche nehmen. Die Musik hilft ihm, er lernt später bei einer Klavierlehrerin richtig spielen, und zwar richtig gut und so lernt er auch viele Menschen kennen, letztlich auch nach vielen Jahren seine Frau, die er kennenlernte als Klavierbegleiter und deren Stimme ihn überwältigte.

Wenn nur nicht diese Angst wäre… immer wieder taucht sie auf und Hart drapiert um ihn herum einen kleinen Kosmos von Menschen (das ist die Freiheit des Autoren), die alle mit dem Mord zu tun haben und deren Rolle Alexander im Lauf der Jahre (auch hier spielt der Zufall eine große Rolle) aufdeckt. Schließlich kommt er auch dahinter, was diese Menschen verbindet, untereinander und mit Vroombout, etwas, was Hart dem Leser dagegen schon in seinem Eingangkapitel erzählt. Und wie einen Showdown inszeniert Hart das Treffen zwischen Alexander und dem letzten, bis dato noch nie getroffenen Teilnehmer der Gruppe, der – so ist sich Alexander sicher, da er alle anderen ausschließen konnte – der Täter sein muss. Und auch wenn man als Leser ahnt, daß es letztlich so „einfach“ nicht sein kann, ist die Auflösung, die Hart bietet, überraschend und verschlägt einem ein wenig die Sprache, denn hinterher ist eigentlich nichts einfacher geworden….

Das Buch ist eine wunderbar einfühlsame Studie über die Entwicklung eines Menschen, über den Einfluss der Musik darauf und die Kraft, die durch sie zu schöpfen ist. Mit einer gewissen Bitterkeit widmet sich Hart dagegen der geistigen Enge in den Köpfen der Menschen, ihres religiösen Eifers, der mit der Abwertung dessen, der auf andere Art glaubt, verbunden ist, der Skepsis gegenüber allem Neuen oder Fremden. Die Handlung des Buches beginnt ja noch im Krieg und Hart beschreibt, daß es auch unter den Holländern schwarze Schafe, daß es auch hier Verrat und Korruption gab und daß die Kriegsfolgen keineswegs ausgestanden sind, wenn der Krieg vorbei ist.

Durch das ganze Buch zieht sich die Musik, verschiedenste Komponisten prägen Phasen im Leben von Alexander Goudevyl. Im Anhang gibt es eine Aufzählung der erwähnten Musikstücke, es ist sogar eine entsprechende Audio-CD auf den Markt gebracht worden. Gut, die habe ich jetzt nicht gehört, aber auch ohne ist „Das Wüten der ganzen Welt“ (jetzt schreib ich es doch: der Titel ist nicht der Kantate 80 von Bach entnommen, sondern nur an eine Textzeile angelehnt) ein sehr lesenswertes und fesselndes Stück Literatur.

mehr von Maarten´t Hart auf aus.gelesen: Der Schneeflockenbaum

Links:

[1] http://helmholtz-bi.de/projekte/deutsch/maarten/unten.htm
[2] Wiki-Artikel zum Buch (Vorsicht: explizite Inhaltsangabe)
[3] Das Buch als Predigt

Maarten’t Hart
Das Wüten der ganzen Welt
übersetzt von Marianne Holberg
diese Ausgabe: Piper TB, 416 S., 1999

Michela Murgia: Accabadora

Januar 18, 2012

Sardinien in den 50er Jahren. Die kleine Maria, vierte Tochter der verwitwten Anna Teresa Listru, ist ein Nachkömmling, unerwünscht, übersehen, ein Nichts in der Welt. Die kinderlose, nicht unvermögende und  alleinstehende Schneiderin des Ortes, Bonaria Urrai, sieht sie im kleinen Lädchen und schließt das Mädchen in ihr Herz. Ein paar Tage später macht sie der Mutter ein Angebot, das diese nicht ablehnen kann und Maria verlässt das Haus der Mutter. Als „Fill´e anima„, Kind des Herzens (wörtlich: der Seele) wohnt und lebt sie zukünftig im Haus der Schneiderin.

Diese nicht offizielle Adoption von Kindern war im Sardinien dieser Zeit nichts aussergewöhnliches. Es war ein Abkommen beider Parteien untereinander, bei dem die Kinder ihre leibliche Mutter nicht verloren. Auch Murgia, die selber eine Fill´e anima war (und ihr Buch ihren beiden Müttern gewidmet hat) läßt Maria in den folgenden Jahren immer wieder ins Haus ihrer leiblichen Mutter gehen, damit sie dort bei besonderen Anläßen helfen kann. Aber ich greife vor…

Jedenfalls ist der Abschied Marias von ihrer Mutter und der Umzug in ihr neues Heim nicht von Trauer geprägt. Natürlich, an das Leben im neuen Haus musste sich Maria gewöhnen, noch nie hatte sie mehr Platz für sich gehabt als bis zu den Grenzen des Raums, den ihre Arme aufspannten. Hier jedoch, bei Tzia Bonaria, war viel Raum um sie herum, Raum, in dem sie sich so leicht verlor, Raum, der sich auf sie stürzt, über ihr zusammenstürzt, der ihr Angst macht… es dauert eine Zeitlang und Tzia Bonaria muss die Heiligenfiguren und -bildchen aus dem Zimmer entfernen, bis Maria mit der Weite des Raumes leben lernt…

Bonaria Urrai liebt die kleine Maria. Es ist nicht die verzärtelnde Liebe, die verwöhnende, die jeden Wunsch von den Lippen ablesende Liebe, nur ein einzige Mal nennt Bonaria das Mädchen „Kind“ und nur ein einziges Mal das Kind sie „Mama“….. nein, es ist die behütet ins Leben leitende, die umsorgende Liebe, eine Liebe, die auf Vertrauen beruht und auf dem Fehlen von Geheimnissen…. dem Fehlen von Geheimnissen… nein, es gibt ein Geheimnis der Tzia gegenüber dem Kind, nie erwähnt sie, warum sie hin und wieder nachts heimlich das Haus verläßt in ihren schwarzen Röcken… doch Maria hat das nächtliche Klopfen an der Tür gehört, hat den jungen Mann gesehen, den Mann mit den breiten Schultern, den sie bald darauf wieder sieht und erkennt…

Maria wächst heran, geht auf die Schule, lernt leicht und gut. Tzia Bonaria läßt sie auf die Schule gehen, weit über die übliche 3. Klasse hinaus. Sie lehrt sie das Schneidern und den Haushalt, Maria hilft bei der Ernte des Nachbarn mit und ist viel mit dem jungen Andria Bastiú zusammen. Und sie ist es auch, die die Ereigniskette in Gang setzt, die die folgenden Jahre beherrschen soll….

Bei der Weinlese nämlich hört sie ein Winseln, ganz leicht und zart weht der Wind es heran und sie und die anderen gehen dem Laut nach und kommen zur Grenzmauer und sie sehen, daß diese versetzt ist auf ihr Gebiet, der Nachbar hat ihnen derart Land gestohlen. Und sie tragen die aus Steinen gesetzte Mauer ab und finden darin einen winselnden, noch lebenden Welpen, ein Zauber, der die Entdeckung des Betrugs verhindern soll… Nicola, der ältere Sohn der Bastiús, will diesen Diebstahl rächen, aber die Rache schlägt auf ihn zurück, schwer verletzt wird er und verzweifelt am Leben.

Nicola wie fast alle im Ort kennt das Geheimnis der Bonaria Urrai und er fleht sie an, ihm zu helfen. Sie weigert sich, natürlich, aber tief in ihr drin hütet sie ein Geheimnis aus ihrer eigenen Jugend und so nimmt dieser Gedanke, den man so geheim halten muss, daß er noch nicht einmal das Tageslicht erblicken darf, langsam, sehr langsam Gestalt an….

Andria kann starr vor Angst die Bonaria Urrai beobachten, wie sie Nicola in der Nacht zu Allerseelen, in der alle Türen offenstehen, damit die Seelen ungehindert ein- und ausgehen und von den angerichteten Speisen essen können, besucht und wieder verläßt. Sie sieht ihn nicht, aber er erkennt sie im kurzen Aufblitzen des Mondlichts zwischen den Wolken….

Auf der Beerdigung seines Bruders macht Andria Maria einen Heiratsantrag, den diese für ein Zeichen der Verwirrung und der Trauer hält und ablehnt, außerdem liebt sie diesen Jungen, zu dem sie soviel Nähe spürt, nicht. Daraufhin verrät dieser ihr, was er in der Nacht beobachtet hat.

Zwischen den beiden Frauen kommt es zu einer Aussprache, bei der zutage tritt, daß Bonaria ein Geheimnis hat vor Maria, ein großes, wichtiges, bedeutendes Geheimnis, das sie ihr – so ihre Ausflucht – gesagt hätte, wenn es soweit gewesen wäre, das aber jetzt, da es keins mehr ist, zwischen ihnen steht. Maria fühlt sich getäuscht, tief getäuscht, ihr Vertrauen in die andere Frau ist zerbrochen, sie will und kann nicht mehr mit ihr unter einem Dach leben, denn Tzai Bonaria ist eine Accabadora, eine Frau, die – ähnlich wie eine Hebamme dem zu Gebärendem auf die Welt hilft – einem Menschen, der nicht sterben kann, obwohl seine Zeit gekommen ist, in die andere Welt hinüberhilft. Der aufs Festland Gehenden (die Lehrerin konnte ihr eine Stelle als Kindermädchen vermitteln) gibt Bonaria Urrai mit auf den Weg, daß man nie „Nie“ sagen sollte…

Nach zwei Jahren bekommt Maria die Nachricht, daß ihre Pflegemutter einen Schlaganfall gehabt hat. Sofort fährt sie zurück in das Haus, in dem sie ihre Kindheit verlebte und widmet sich aufopferungsvoll der Pflege der alten Frau, die immer weniger wird, von der immer weniger am Leben ist, an dem sie ein nicht reissen wollender Faden hält. Sag niemals „Nie“, dieser Satz lebt noch in ihr, sie weigert sich, ihn zu hören, aber immer quälender wird der Anblick der Frau, die ihre zweite Mutter ist. Schließlich ist sie bereit, das Notwendige zu tun, aber in diesem Moment, als sie die letzte Ermahnung Bonarias akzeptiert hat, wird diese durch den Tod erlöst.

Ob es die Gestalt der Accabadora wirklich gegeben hat, ist den Quellen (zumindest denen, die ich gefunden habe) nicht zu entnehmen. Eine Accabadora ist diejenige, die es „zuende bringt“, oder nüchterner gesagt, die aktive Sterbehilfe ausübt, sei es als fiktive Figur oder Legende, sei es als reale Person bis in die 50er Jahre hinein. Klar ist, daß diese Funktion sehr geheim war, nicht öffentlich praktiziert wurde und sozusagen die ultima ratio der Sarden war, wenn ein ganz offensichtlich dem Sterben geweihter nicht sterben konnte. Denn außer Maria, die nichts von dieser Frau weiß, ist ebenso die nicht aus dem Ort stammende Lehrerin unwissend. Überhaupt schildet Murgia uns das sardische Leben als archaisch, nicht nur die christlichen Symbole werden noch verehrt. Der Zugang zur Natur ist unmittelbarer als bei uns, Zeugung,  Geburt, Leben und Tod folgen aufeinander wie Frühling, Sommer, Herbst und Winter… Die Frauen haben eine starke Stellung, vllt auch, weil viele Männer im Krieg geblieben sind und sie als Witwen mit ihrem eigenen Leben zurecht kommen mussten.

„Accabadora“ ist ein wortmächtiger, intensiver kleiner Roman aus einer untergegangenen Welt einer abgeschiedenen Insel. Es ist eine Sprache voller Bilder, eine Sprache, in der der Wind zu spüren ist, der über die Hügel streicht, die Wolken zu sehen sind, die den Mond in den Nächten verdecken. Es ist auch ein Roman über das humanes, menschliches Verhalten und die Gefahr des Missbrauchs, die hier, an der äußersten Grenze des (zur Zeit und am Ort der Handlung Akzeptierten lauert. „Accabadora“ ist ein schöner Roman, unbedingt zu empfehlen.

Links und Anmerkungen:

[1] Von google aus dem italienischen übersetzter Wiki-Artikel „Accabadora
{2] http://www.mittelbayerische.de/index.cfm?pid=3090&pk=523535
[3] http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/1173247/

Michaela Murgia
Accabadora
übersetzt von
dieses Ausgabe: dtv, 176 S., 2011

Zufälle.. ich bin regelmäßig in Vallendar, in der dortigen Hochschule. Vor der Bibliothek dort sind auf einem Tisch Bücher ausgestellt, die aus irgendeinem Grund aus der Bibliothek ausgemustert worden sind. Natürlich schau ich immer mal drüber, ich habe auch schon das eine oder andere Buch mitgenommen. Letzte Woche habe dieses kleine Büchlein von Scheinhardt entdeckt, wahrscheinlich nur, weil es aufgrund seines Titels so garnicht in das ansonsten eher in den theologischen Bereich zielenden „Umfeld“ passte…

Das Büchlein „Drei Zypressen“ wurde 1984 veröffentlicht, es greift Schicksale dreier türkischer Mädchen bzw. Frauen, Gülnaz, Zümrüt und Zeynep, heraus, die aus ihrer Heimat herausgerissen nach Deutschland kamen und hier im wahrsten Sinn des Wortes entwurzelt und sprachlos strandeten. Ähnlich schildert Scheinhardt auch in „Frauen, die sterben, ohne daß sie gelebt hätten“ (1991) das Schicksal einer türkischen Frau, Suna, die in Deutschland in der Gewalt eines Mannes leben musste und am Ende nur noch einen Ausweg sah.

Ich liebe meinen Mann, ich liebe meinen Vater. Ich liebe meinen Mann wie meinen Vater. Ich verachte meinen Mann und kann es nicht laut sagen. Er ist ein Mann. Ich hasse meinen Vater und darf es nicht zeigen. Er ist ein Mann. Ich verabscheue den Meister und kann nicht weglaufen. Er ist ein Mann.

Es sind Schicksale türkischer Familien, die zerrissen sind zwischen türkischer Tradition und dem Leben, das sie gezwungen sind, in Deutschland zu führen, weil die Männer hier Arbeit gefunden haben mit der sie das Geld verdienen, um ihre Familien zu ernähren und ihre Schulden in der Türkei zu bezahlen. Die Umstände haben die Männer vertrieben aus ihrer Heimat, Arbeitslosigkeit, die übermächtigen Schulden beim Bau eines Hauses… sie gehen und lassen die Familien allein zurück: „.. Es gehörte sich, daß meine Mutter seit 18 Jahren ohen ihrem Mann im Dorf lebt, halb lebendig, halb tot, rechtlich verheiratet, körperlich verwitwet. ..“ Es sind einsame Entscheidungen, die die Männer treffen, ohne mit ihren Frauen zu reden. Diese werden nachgeholt oder auch nicht. Sie bleiben allein zurück, einmal im Jahr kommt der Mann im Urlaub, kaum ist er da, wird auch schon wieder die Rückfahrt vorbereitet.

Die Töchter müssen verheiratet werden, die Familienehre muss bewahrt bleiben. Manche junge Mädchen fliehen mit ihrem Freunden, sie werden verstoßen, sind für die Zurückbleibenden toter wie tot. Nur die Mütter vergiessen heimliche Tränen. Die jüngere Töchter der Familie wird umso schärfer bewacht, kaum noch etwas ist ihnen erlaubt. Ohne eine Erklärung befiehlt der Vater ihr, ins Auto zu steigen. Sie fahren in die Stadt, Fotos machen, Formulare ausfüllen. Schließlich erfährt sie, daß sie mit dem Vater nach Deutschland fahren muss, ihn dort zu versorgen. In Deutschland enge, kalte Zimmer, feucht und schimmelig, es stinkt nach den mitgebrachten, verderbenden Lebensmitteln wie nach der Armseligkeit der Behausung. Der Vater vertreibt sich die Zeit im Kaffeehaus, die Tochter ist allein zu hause, hat den Haushalt zu machen, kann mit keinem sprechen, sieht niemanden. Selten nur nimmt sie der Vater mit in die Wunderwelt da draußen… Nach vielen Monaten der Urlaub in der Heimat, das Wiedersehen von Mutter und Tanten und Großeltern… Brautschau und Brautwerbung, aber der Vater lehnt alle Bewerber ab. Einer läßt sich nicht ablehnen, entführt die Tochter in die Berge. Damit ist die Tochter ihre Ehre los, die Frau ist immer schuld. Entführer und Vater verhandeln, es kommt zur Hochzeit und wider Erwarten ist der Mann zärtlich und gut zu seiner Frau. Nach vielen Monaten waren sie dann alle in Deutschland, der Vater, die Tochter mit ihrem Mann und das Kind, das mittlerweile da war. Gülnaz hat jetzt für vier Menschen den Haushalt zu führen… Gülnaz arbeitet, die Familie braucht das Geld, aber ihr Mann bekommt keine Arbeit, das macht ihn mürrisch und streitbar. Bei der Schwarzarbeit wird er erwischt….

Ein Schicksal… Zümrüt hat ein anderes. Sie wurde mit 12 Jahren vom Nachbarn, der auf sie aufpassen sollte, vergewaltigt. Für den Nachbarn war es bald Gewohnheit, sich das Mädchen zu nehmen. Wem sollte sie sich anvertrauen? Im Pass des Vaters, in dem sie als Tochter eingetragen war, wurde sie älter gemacht, so konnte man sie aus der Schule nehmen und in die Fabrik schicken. Jeden Morgen nahm sie der Nachbar mit zur Arbeit und nach Feierabend holte er sie ab:

„… Jeden Tag nach Feierabend fuhr er mit mir in die umliegenden Wälder und benutzte mich, manchmal im Freien, manchmal aber auch im Auto. … Ich wehrte mich dann manchmal überhaupt nicht mehr. … ich wurde mit der Zeit gleichgültiger dem gegenüber, was mit mir geschah. ..“

Trotz allem findet Zümrüt einen Freund, der bei ihr bleibt, auch als sie sich ihm anvertraut, ihm alles erzählt. Aber der Nachbar überwacht sie, prügelt sie, auch nach der Hochzeit mit Hakan geht das weiter. Ihr Vater, dem sie irgendwann auch alles erzählt, schweigt. Weiterhin vertraut er dem Nachbarn, glaubt seinen Lügen über die Tochter. So geht es immer weiter, die Ehe zerbricht an den Umständen, das Netz, das der Nachbar mit seinen Kumplels um Zümrüt wirft, schnürt ihr immer mehr die Luft ab. Er ist durch nichts zu mäßigen. Er bestellt sie in ein Lokal, sie hat die Pistole in der Tasche, die er ihr einmal zur Aufbewahrung gab, damit man sie nicht bei ihm fände. Seine Kumpels umstellen sie in dem Lokal, sie muss das schlimmste befürchten. Sie nimmt die Pistole und schießt den Nachbarn nieder.

Zeynep, das dritte Mädchen, von dessen Schicksal wir erfahren, ist geflohen von ihrer Familie, lebt in einem Frauenhaus in einer anderen Stadt. Ein ähnliches Schicksal voller Unterdrückung, Überwachung, voller Schläge und Hass. Einer „Ehre“ willen verprügeln die eigenen Brüder zusammen mit dem Vater ein Mädchen, weil es mit Jungen gesprochen hat. Ein Suizidversuch mit Rattengift, weil es die Verhältnisse nicht mehr aushält. Hoffnung, als sie sich in einen deutschen Jungen verliebt und mit ihm zusammen auf eine Zukunft hofft. Aber schließlich kapituliert der junge Mann vor der Drohkulisse der Familie des Mädchens… Schließlich flieht das Mädchen erneut, diesmal ohne Hoffnung auf eine Zukunft, unterstützt von einer Sozialarbeiterin, in eine andere Stadt. Hier muss sie sich jetzt ihre Zukunft aufbauen…

Das Schicksal von Suna verläuft ähnlich. Sie wurde verheiratet, die Ehe lief anfangs recht harmonisch, in Deutschland wurden zwei Kinder geboren. Dann fing ihr Mann an, immer weitergehende sexuelle Ansprüche an sie zu stellen, die sie nicht erfüllen konnte und die sich der Mann dann mit roher Gewalt genommen hat. Als er dann androhte, die letzte Grenze zu überschreiten, wusste sie sich keinen anderen Weg mehr, als ihn zu töten. Sie erschlug ihn mit einer Axt, als er auf der Couch eingeschlafen war. In der Erzählung schildert die Autorin, wie Suna im Gefängnis ihr bisheriges Leben noch einmal im Geiste vor sich vorüber ziehen läßt. Nach der Entlassung muss sie um die Rückgabe ihrer Kinder an sie fürchten, schließlich aber kann sie mit ihnen einen neuen Anfang wagen….

„Natürlich“ gibt es in jeder Gesellschaft Familien, in denen die Kinder, die Frau, schlecht behandelt werden, in denen Gewalt herrscht, Prügel an der Tagesordnung sind. Was mich hier erschreckt hat, ist, daß dieses Verhalten nicht nur ein individuelles Fehlverhalten der Männer ist, sondern auch durch religiöse Vorschriften sanktioniert ist [5]. Es ist in dieser Kultur, die Scheinhardt schildert, eben so, daß Frauen den Männer gehören, nur durch die Männer eine Existenzberechtigung haben. Sie haben keine Rechte, außer dem, für die Familie zu arbeiten und zu gebären. Schwachsinn, Blindheit, Taubheit, Lahmheit: Strafen, die von Allah für Vergehen verhängt worden sind. Besudelst du dich mit deiner Hand, wird sie dir (später) abfaulen. Die Mädchen werden dumm gehalten, Bildung oder Ausbildung ist nicht nötig im Rollenverständnis der Vater/Männer. Zeigt das Mädchen Widerstand oder auch nur eine eigene Meinung, wird von allen Männern des Haushalts ein regelrechtes Zwangsregime eingerichtet, das über eine möglichst lückenlose Überwachung bis hin zu drakonischen Strafen für angebliches Fehlverhalten reicht. Liebe, Zuneigung erfahren solche Mädchen nur in der Heimlichkeit und allenfalls von der Mutter, die sich dadurch selbst ins „Unrecht“ begibt.

Man muss sich beim Lesen dieser Bücher von Scheinhardt jedoch darüber klar sein, daß sie typische Beispiele sind für eine „Betroffenheitsliteratur“ (wie auch hier [1] ausgeführt wird), die exemplarisch ausgewählte Schicksale darstellt, und es natürlich nicht bedeutet, daß solche Lebensläufe repräsentativ sind oder auch nur die Mehrheit aller türkischen Frauen betreffen. Andererseits darf man auch nicht verdrängen, daß die untergeordnete Stellung der Frau im Islam vorgegeben ist [3, 5], solche Schicksale also zwar extrem sind, aber nicht gegen die Prinzipien verstoßen, nach denen die Frau dem Mann zu gehorchen hat.

Insofern ist die Relevanz der Bücher schwierig einzustufen. Es sind erschütternde Beispiele, die Scheinhardt erzählt, die einen beim Lesen leicht zu einem pauschalen Urteil verführen, zumal ja auch in neueren Zeiten Stichworte wie „Ehrenmord“ [6] durch die Nachrichten gehen und auf unveränderte Verhaltensmuster hindeuten [4] – wie verbreitet sie sind, wie repräsentativ, auch hier die Frage. Zurecht weist Küng [siehe 5] daraufhin, daß immer auch das kulturelle Umfeld zu betrachten ist (z.B. Bildungsstand, wirtschaftliche Situation, dörfliches vs. städtisches Milieu, arabischer Islam vs. Islam z.B. in Südostasien) Denn, auch das muss man natürlich sagen, auch in anderen Kulturkreisen wie z.B. dem unsrigen, sind solche Schicksale möglich und auch bekannt. Sie sind aber eben dann nicht nur Einzelschicksale im Rahmen einer Kultur, sondern es wird in diesen Fällen auch gegen die moralischen Grundsätze der Eigenbestimmung, der Würde des Menschen und der Gleichwertigkeit von Frau und Mann verstoßen. So muss man die Lebensläufe der Frauen denke ich, als Individualschicksale erkennen und das eigentliche Problem darin sehen, daß sie – wie schon gesagt – zwar extrem sind, aber nicht den Rahmen der kulturellen Grundlage sprengen. Das Gericht formuliert dies in der Urteilsbegründung zu Sunas Fall folgendermaßen:

„.. Sie liebte ihren Mann und war ihm, ihrer strengen Erziehung entsprechend, sehr ergeben. Sie erwies ihm stets die nach türkischer Sitte gebotene Ehrerbietung, obwohl er seine männliche Vormachtstellung skrupellos ausnutzte. … „

Links und Anmerkungen:

[1] Auszugsweise Besprechung und Analyse des Buchs bei google-books: Titel
[2] Wiki-Artikel zu Saliha Scheinhardt
[3] vgl. hier im blog bei Hamed Abdel-Samad: Der Untergang der islamischen Welt
[4] insofern sind die beiden Büchlein trotz ihres Alters nicht veraltet
[5] Sure 4,34: Die Männer stehen über den Frauen, weil Gott sie (von Natur vor diesen) ausgezeichnet hat. … Und die rechtschaffenen Frauen sind (Gott) demütig ergeben. .. Und wenn ihr fürchtet, daß (irgendwelche) Frauen sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie!“ [zitiert nach Küng: Der Islam, München 2004, S. 674]. Wie Küng weiter ausführt, wird dieser Satz (obschon auch anders interpretierbar) „… von manchen Muslimen zur Rechtfertigung von Gewalttaten gegenüber ihrer Frau herangezogen. Das islamische Strafrecht geht sogar noch erheblich über den Koran hinaus und befiehlt geradezu, Ehebrecherinnen zu schlagen oder zu steinigen. Küng weist ebenfalls darauf hin, daß allen abrahamitischen Religionen die Bevorzugung des Mannes vor der Frau eigen ist, man braucht sich nur im Rahmen der katholischen Kirche den Stichworten: Zölibat und Priesterweihe für Frauen zuzuwenden….
[6] allein die Büchersuche nach „Ehrenwort“ bei amazon bringt eine Vielzahl von Treffern…
[7] Artikel in der ZEIT anläßlich der Verleihung des Literaturpreis der Stadt Offenbach an Saliha Scheinhardt

Saliha Scheinhardt
Drei Zypressen
EXpress Edition, Berlin, 1984
diese Ausgabe: Büchergilde Gutenberg, HC, S., 1986

Frauen die sterben, ohne daß sie gelebt hätten
dieses Ausgabe: Herder Verlag, TB, 124 S.,, 1993

Ein von der Kritik hochgelobtes Buch, fürwahr, fürwahr… der 29jährige spanische Kunstfachmann Alessandro Ballestero, an seiner Heimatuniversität unter seinem Professor leidend, wird von diesem nach Bella Italia geschickt, das Objekt seiner langjährigen Studien, seiner bisherigen wissenschaftlichen Karriere, im Original sich anzuschauen, Giorgiones Gemälde „La Tempesta“ …
diese Ausgangssituation ruft schon die erste Verwunderung hervor.. da soll ein Wissenschaftler fünf Jahre lang über ein Gemälde, das praktisch vor seiner Haustür im Museum ausgestellt ist, gearbeitet haben, ohne es sich auch nur einmal anzuschauen? Nun ja….

Aber zurück: dieser Professor also empfiehlt seinem Zögling in Vendig (in der dortigen Accademia nämlich ist Giorgiones Gemälde zu besichtigen) eine Pension, in der er gut unterkommen kann und just nachdem unser junger Mann, der zudem noch ehelos jedem Hinterteil, das vor seinen Augen ryhthmisch hin- und herschwingt ebenso wie von Pullovern eingezwängten Brüsten nachschaut (vom dunkelsten der Nacht, welches er aber nur in seiner leicht obsessiven Fantasie erblickt, ganz zu schweigen..), kurz gesagt, ihm ist in vielen Passagen der Geschichte eine leichte sexueller Frustration anzumerken, die er offenbar die ganzen Jahre mit dem Studium von La Tempesta kompensiert hat, just in diesem moment also beobachtet er aus dem Fenster blickend einen Kampf zweier Menschen auf dem Plaza unter ihm.

Er besucht die Stadt im frühen Jahr, kurz vor Beginn des venezianischen Karnevals, im Schneetreiben in einem an Hochwasser leidenden Venedig an, das ihn wie eine morbide, amorphe Lebensform mit eigenen Gesetzen in Empfang nimmt. In besagter Pension in des Hochwasser geschuldet durchnässter Kleidung angekommen, dem dicht vor seinen Augen schwingenden gluteus maximus der Wirtin nachsinnierend die steile Stiege des Hauses erklimmend, beobachtet er während eines ersten Telefonats mit Gilberto, dem Bewacher und Bewahrer des Gemäldes, derweil im Stockwerk über sich  seine dort wohnende Wirtin ihn ohne daß sie es ändern könnte, an den Geräuschen ihrer Toilette und ihrer Nacht teilhaben läßt, auf dem Platz vor seinem Fenster eine Auseinandersetzung zweier Menschen. Er eilt hinunter und sieht einen niedergeschossenen Mann auf dem Boden liegen, der sein Leben in seinen Armen aushaucht und eine raubvogelartige Maske, durch die ihn ein Augenpaar fixiert, bevor sie sich zur Flucht wendet.

Der dahingemeuchelte wird als Fabio Valenzin identifiziert, ein als Kunstfälscher und -hehler zu einiger Berühmtheit gekommener Venezianer, somit ist endgültig das Milieu, in dem die kriminelle Handlung spielt und dessen sich der Roman annimmt, abgesteckt: es geht um Kunst, das Fälschen derselben und das Verstehen dessen, was ein Kunstwerk aussagt.

Natürlich, die Polizei ermittelt, aber – so erfahren wir beiläufig – es gibt Weisungen von oben… solche Ermittlungen sollen nicht zu viel Wellen schlagen… auch Alessandro sucht und forscht weiter nach dem Mörder, schließlich hat er im Verhör nicht alles gesagt. Und so der sich in Gedanken zur Ehelosigkeit verdammt sehende von Ort zu Ort (obwohl ich die „Quote“ von drei Frauen (von denen eine willig gewesen wäre, eine wild darauf war und eine dem Begehr auch die Tat folgen ließ) in 4 Tagen Städtereise garnicht so schlecht finde…), wird gejagt, findet Freunde und trifft Feinde, wird belogen und belügt selber, verfällt einer jungen Frau unsterblich… zum Schluss, Jahre später, treffen wir ihn wieder, die Erinnerung an seine Liebe, die nie wahr werden konnte, hat er archiviert und jeden Tag holt er ein Stück aus dem Archiv, ein Bild des Lächelns, der Haare, des Bogens, den die Jochbeine umschließen, dort wo sie sich treffen und in den die Lippen beim Küssen sich einschmiegen…. Alessandro ist zum Wanderer, zum Mann im Bild geworden, der von Ferne sehnsüchtig auf die Schöne schaut (die leicht asymmetrische Nase, die die Schönheit jedoch in keiner Weise stört), der er einst beiwohnte und die er jetzt nie mehr erreichen kann…..

„Trügerisches Licht der Nacht “ ist ein Buch, zu dem ich zweispältig stehe. Zum einen ist es teilweise sehr langatmig, voller Gedankengänge, selbstmitleidischer meist, deren ich dann irgendwann einfach überdrüssig wurde. Dann jedoch schoß der Spannungsbogen innerhalb weniger Zeilen steil in die Höhe, Handlung setzte ein und sofort war ich gefangen im Buch und mein Vorsatz, es beiseite zu legen, kam zu den Akten… so führte mich der Roman in Wellen durch die Handlung….

Neben dem Ich-Erzähler ist Venedig die eigentliche Hauptperson des Buches, denn es wird durchaus als aktiv Handelnde dargestellt. Das Wasser, das alles überschwemmt, überall gegenschwappt, die Kanäle, die den Unrat einer Kloake gleich durch die Stadt leiten, das Verbrechen, das wie Magma in unterirdischen Gängen fließt, bis es an die Oberfläche kommt. Es ist eine morbide, bedrohliche Atmosphäre, Venedig ist eine Stadt, die  „.. die Ereignisse in der Schwebe [hält], es läßt sie still stehen und verwandelt sie in eine dückflüssige Substanz, schleppend wie ein Traum…„, eine Stadt mit Licht von der Konsistenz gelöschten Kalks und seherischer Hellsichtigkeit… Regen, Düsternis, Nebel sind die beherrschenden Elemente, die Nacht, die Masken des Karnevals, die Sonne durchdringt diese Schleier erst ganz am Ende des Romans einmal…

Es ist schwierig und…“ vielleicht stehe ich auch mit meiner Meinung allein, aber diese  stilistische Eigenheiten des Autoren haben mich zermürbt: die vielfachen Wiederholungen gleicher Satzteile, gleicher Phrasen und gleicher Bilder [2]. Mit diesem „Es ist schwierig…“ fängt das Buch gleich an, andere Wiederholungen sind solche wie „.. doch die Asymmetrie wirkt sich positiv auf die Schönheit aus...“, oder „.. Unterhosen mit braunen Schleifspuren…“ (de Prada ist nichts menschliches fremd…).

Zu den Personen noch ein Wort: mir am sympathischten war der sich von Nikotin ernährende  Kommissar, der durch einen furiosen Gewaltakt seiner Liebe eine Chance gab, der Liebe mit dem schwärzesten der Nacht, das unser eheloser Spanier nur in seinen Träumen zu erblicken bekam….. ein Mensch, an Venedig, dieser sich an die Touristen und Devisen verkaufenden Hure, leidend, ergreift die Möglichkeit, die sich ihm bietet, die Chance seines Lebens alles hinter sich zu lassen und in südländischer Sonne mit seiner Liebe aufzublühen…

Das pathetischste an einem Kunstkritiker ist nicht etwa,
daß er sich irrt und keine Kenntnisse besitzt, sondern,
daß er
Kenntnisse besitzt von etwas, das er … nicht versteht.

Die Kunst…. man kann das Buch nicht vorstellen, ohne zumindest andeutungsweise darauf einzugehen. Alessandro hat das Gemälde „La Tempesta“ über Jahre hinweg studiert, analysiert, seziert, obduziert, bis er eine neue Deutung gefunden hat für die nackte Säugende, den Wanderer, die Wolken, den Blitz und die Säulen… und Gilberto, den Gilberto zu nennen er sich weigert, zerfetzt diese Deutung in den vier Tagen, die Alessandro in Venedig ist, zerfetzt alle Deutungen des Gemäldes, weil Kunst wahrgenommen werden muss, erfasst werden muss und nicht zu Tode zu analysieren und zu deuten ist. Kunst ein Religion des Gefühls…

Facit: Ein Roman mit Höhen und Langatmigerem, mit einem weinerlichen Helden, dem schwärzesten der Nacht und zwei sich treffenden Jochbeinen, mit einem Gemälde und dem, was man darin sehen kann….

Anmerkungen

[1] Die der Bildzeile hinterlegte Abbildung des Gemäldes ist dem Wiki-Artikel entnommen
[2] de Prada gebraucht wunderschöne Bilder, die paar zitierten Beispiele illustrieren es. Ein bemerkenswertes (wennglich sehr eigenwilliges) will ich noch zitieren (btw: de Prada hat einige speichelaffine Stellen in seinem Text…): „… Es gelang mir gerade noch, ihr den letzten Kuss zu rauben, es glang mir gerade noch, ihren Widerstand zu brechen und ihr ein wenig Speichel zu rauben, der wie eine langfristig Schmerzen bereitende Fischgräte schmeckte. …

Juan Manuel de Prada
Trügerisches Licht der Nacht
übersetzt von Alexander Dobler
diverse Ausgaben, diese hier: Klett-Cotta, HC,
Originalausgabe:

I have AIDS. I am surprised that I do. … ….. ….. I have AIDS and must die. There it is. …. Really, I can say nothing further at this point. Pray for me.. [1]

Im Frühsommer 1993 leidet der amerikanische Schriftsteller und Journalist Harold Brodkey unter einer schweren Bronchitis, die er lange verschleppt. Schließlich erleidet er einen Zusammenbruch und wird durch die Ambulanz in ein Krankenhaus eingeliefert: „So endete mein Leben. Und mein Sterben begann.“ [7] Die Tests im Krankenhaus ergaben, daß Brodkey unter eine Aids-typischen Form der Lungenentzündung litt; die Diagnose war, daß er an Aids leidet.

Harold Brodkey verstarb im Herbst 1995. In der Zeit zwischen Diagnose und seinem Tod führte er ein Tagebuch, das posthum unter dem Titel „Die Geschichte meines Todes“ publiziert wurde. Diese Aufzeichnungen sind sehr genau, analysierend, sezierend vielleicht sogar, es ist der Versuch, sein Leben auch in der Rückschau dem Wesen nach, auch den Ursachen und Wirkungen nach, zu erfassen.

Ich habe dieser Buchvorstellung diesen Satz Brodkeys: „Ich habe Aids. Ich bin erstaunt darüber.“, mit dem auch das Buch beginnt, vorausgestellt. Er gibt meiner Ansicht nach zweierlei gut wieder: Zum einen ist es ein wirklich grandioses Understatement, 1993 war die Bekämpfung von Aids ja bei weitem noch nicht so weit vorangeschritten wie heutzutage und die Diagnose ein sicheres Urteil darüber, daß der Tod in nicht allzu ferner Zukunft eintreten wird. Wahrlich ein Grund, erstaunt zu sein. Zum anderen deutet der Satz schon daraufhin, daß Brodkey versucht, sich herauszunehmen, alles aus einer gewissen Distanziertheit heraus zu betrachten und zu erleben. Soweit dies möglich ist, denn die Beschwerden, die Symptomatik, unter der der Autor leidet, muss enorm gewesen sein, körperliche Schwäche bis hin zur Auszehrung, absolute Atemnot gehören zu den Begleitumständen dieser opportunistischen Infektion [4].

Die Infektion selbst liegt wohl viele Jahre zurück, Brodkey terminiert sie auf die 60er und 70er Jahre, jedenfalls vor 1977, einer Periode, in der er zeitweilig homosexuelle Beziehungen hatte, bevor er 1978 dann die Schriftstellerin Ellen Schwamm heiratete (die er aber nicht infizierte) und mit der er eine Tochter hatte. Ellen pflegt ihn die Zeit bis zum Tod aufopferungsvoll, obwohl man manchmal aus dem Beschriebenen nicht erkennt, inwieweit dies dem Kranken recht ist, sieht er sich doch als Sterbenden, der einen Gesunden Menschen an sich bindet und vom Leben abschneidet. Sterben und Tod sind wie eine Scheidung, so in etwa steht es an einer Stelle im Buch. Aber Ellen ist und wird im Lauf der Zeit immer mehr sein Bindeglied in die Welt der Lebenden.

Die Diagnose Aids stößt Brodkey in ein Zwischenreich, der sicher eintretende Tod, vllt nach noch zwei, drei guten Jahren ist so etwas wie ein „Alleinstellungsmerkmal“, daß ihn aus der Menge der Bekannten und Verwandten heraushebt. Ist der Kampf gegen das Sterben sinnvoll, ist der Tod eventuell sogar ein Freund, der manchen Stunden eine überwältligende Schönheit verleiht? Oder ist er der große Langweiler, der Schritt für Schritt näher kommt, unspektakulär, einfach so…? Die Einstellung zum Tod wechselt, ist stimmungsabhängig, abhängig vom körperlichen Befinden.

Brodkey kann kaum atmen, kaum Luft holen. Nur langsam bessert sich sein Zustand, nimmt er wieder etwas zu. Er läßt sich aus dem Krankenhaus entlassen, will unbedingt nach Hause. Barry, sein Arzt, rät ihm ob der Schwäche ab, kann sich aber auf Dauer diesem existentiellen Wunsch nicht verschließen. Entgegen dem Rat Barrys geht Brodkey offensiv mit seiner Aids-Erkrankung um [1] und gibt im New Yorker, für den er oft schreibt, Eindrücke und Berichte über sich wieder. Natürlich erfährt er die Stigmatisierung eines Aids-Kranken (damals war schließlich noch der Begriff „Schwulenseuche“ geläufig…), nicht jeder kann mit dieser Offenheit umgehen.

Die Gärtnerarbeit im Landhaus macht ihm Spaß, mit Ellen verbringt er dort viel Zeit. Fernsehen wird wichtig für ihn, die Ablenkung… Er schreibt sein Tagebuch, reist damit zurück in sein Leben, das in diesem Buch veröffentlich ist. Wir erfahren von seiner Kindheit, der Verkauf des kleinen Harold an die Cousine seines Vater, Doris und ihrem Mann Joe Brodkey, die den Kleinen adoptieren. Von Joe Brodkey wird er sexuell bedrängt und misshandelt, die Kindheit kann nicht sehr harmonisch verlaufen sein, zumal beide Adoptiveltern oft krank waren. Er schildert seine homosexuellen Beziehungen, die von seiner Seite aus eher eine Art Geschäft auf Gegenseitigkeit zu sein schienen als wirkliches Schwulsein. Mit Ellen traf er dann seine große Liebe (über seine erste Ehe hat er nichts berichtet), die für ihn den großen Sprung aus ihrem bisherigen Leben wagte. Der Schriftsteller Brodkey – natürlich läßt er auch einiges an Anmerkungen zu seinen Kollegen, zum Beruf, fallen, für uns in Deutschland ist seine Reise nach Venedig (1994, schon sehr geschwächt) interessant, auf der er seinen deutschen Verleger trifft sowie Kritiker und Übersetzer [5]. Am Ende merkt er, wie ihm das Leben langsam aus den Händen rinnt, er immer mehr abgeben muss, weil er zu immer weniger imstande ist.. so kann er irgendwann Ellen nur noch zuschauen beim Pflanzen der Blumen, beim Graben .. beim Zusammenrechen des Laubes…. nicht erst der Tod, schon das Sterbern löscht das aus, was ihn ausmachte, seine Identität.

Trotz all dieser Details stellte sich beim Lesen kaum tiefgehende Anteilnahme für Brodkey ein. Der Abstand, den er durch seine sehr intellektuelle Art des Umgangs schafft, verhindert persönliche Gefühle. Manches, was er schreibt, wirkt eingebildet bis arrogant, manche Abschnitte müsste man wohl zwei- bis dreimal Lesen, bis man versteht, was er meint. Oft meint man, Widersprüche in seinen Aussagen zu entdecken, vllt spiegeln sich hier die emotionalen Berg- und Talfahrten angesichts der ausweglosen Situation, die durch nichts zu beschönigen ist und die ihm täglich, stündlich durch seine körperlichen Einschränkungen bewusst gemacht wird.

Brodkey schreibt wenige Wochen vor seinem Tod folgende Zeilen:

„… Die Welt erscheint mir noch immer wie in großer Ferne. Und jeden dahingleitenden Moment höre ich wispiern. Und doch bin ich glücklich, sogar überdreht, richtig närrisch. Aber glücklich. Welch sonderbare Vorstellung, daß man den eigenen Tod genießen könnte! Ellen hat begonnen, über dieses Phänomen zu lachen. Wir sind grotesk, das wissen wir, aber was können wir schon tun? wir sind glücklich.“

Eine Lebens- bzw. Sterbensgeschichte mit dieser Prämisse: „Du wirst noch zwei, drei Jahre leben und dann sterben“ bringt einen automatisch dazu, sich selbst in diese Situation zu versetzen, wie würde man selbst auf so eine Ankündigung reagieren? Es ist keine unmögliche Situation, völlig unabhängig vom Alter kann das Schicksal den eigenen Lebensfaden jederzeit kürzen, stark kürzen. Sobald man geboren wird (in Wirklichkeit noch früher) ist man alt genug zum Sterben. Findet man bei alten Menschen oft eine gewisse Lebenssattheit (die nichts mir Verzweifelung oder ähnlichem zu tun hat), die einfach sagt, ich war jetzt 80, 90 Jahre auf der Welt, ich habe hier nichts mehr zu erwarten, es wird Zeit, daß der liebe Gott mich holt, ist das bei jüngeren Menschen kaum der Fall. Auch Brodkey hatte sich als „Minimalziel“ das Erleben des neuen Jahrtausends gesetzt, er wäre erst siebzig gewesen…. Was also würde man selber fühlen? Panik? Sicher, allein der Gedanke an all die Menschen, die Dinge, die einem viel bedeuten und die man zurückläßt, schnüren das Herz zu… auf wen würde sich der Zorn, die Wut, die unbändige Wut richtigen, daß man sterben muss? Und wie würde sie sich wieder mäßigen, könnte man sich selbst abfinden mit seinem Schicksal, den „..eigenen Tod geniessen..“ lernen, glücklich sein gar? Niemand weiß das und niemand kann das im Vornherein sagen….

Brodkeys Aufzeichnungen sind auch ein Versuch, den Sinn, die Essenz [6] des Todes, des eigenen Todes aufzuspüren. Es ist ein Buch, das man auf sich wirken lassen und wahrscheinlich mehr wie einmal lesen muss, um all das, was es enthält, zu erfassen. Beim ersten Lesen hält Brodkey uns auf Abstand, seine die eigenen Befindlichkeiten und die Ereignisse mit großer sprachlicher Genauigkeit erfassende Art zu berichten, lässt mehr (.. ließ für mich mehr…) nicht zu. Trotz dieser Einschränkung ist es ein absolut interessantes, lesens- und nachdenkenswertes Dokument eines Menschen, der sich selbst beim Sterben beobachtet.

Links und Anmerkungen:

[1] Harold Brodkey: To my Readers, The New Yorker, June 21, 1993
[2] Wiki-Artikel zu Harold Brodkey
[3] Autorenseite seines deutschen Verlages
[4] http://www.hivbuch.de/opportunistische-infektionen-oi.html
[5] Abstract des Berichts im New Yorker
interessanter Text zum Thema „Angst vor dem Tod
[6] Verena Lueken im FAZ Feuilleton

[7] Nachtrag: ich lese gerade noch einmal den artikel und stolpere über das erste zitat: „So endete mein Leben. Und mein Sterben begann.“ eine durchaus plakative feststellung, aber ein irrtum… sterben ist ein teil des lebens und es hilft sehr, es als solchen zu begreifen. (16.1.2012)

Harold Brodkey

Die Geschichte meines Todes
übersetzt von Angela Praesent
Rowohlt, HC, 192 S., 1997

es hat spaß gemacht, viel spaß! unsere facebook-gruppe „bücher 2011„, die sich zusammengefunden hat, um ihre lesehighlights des letzten jahres vorzustellen. es war nicht immer bierernst, aber jeder von uns hat eine ganze menge anregungen an lesestoff für das neue jahr bekommen. und natürlich (und ebenso natürlich war es mareike.. ;-) ) kam die frage auf: „das kann´s doch nicht gewesen sein?“

Und: es war es auch nicht!

Es gibt nämlich jetzt den nachfolger, der uns im jahr begleiten soll mit buchtips, mit diskussionen rund um´s buch und um´s lesen, mit blödeleien und viel spaß: „Zwischen den Zehen“ ähhh… entschuldigung, natürlich muss es heißen:

Zwischen den Zeilen

Unter diesem gruppennamen treffen wir uns und jeder, der gerne liest, sich gerne mit anderen lesern und -innen austauscht, ist herzlich willkommen!! Wir freuen uns!

Paris… jeder verbindet wohl was mit dieser Stadt, die für so vieles steht. Ich persönlich habe recht wenig Bezug zu dieser Stadt. Vor vielen Jahren, sehr vielen, als Student noch, war ich mal für ein paar Tage dort mit Kommilitonen, wir unternahmen zusammen eine Busreise. Immer noch habe ich das kleine irdene Schälchen mit dem passenden Kännchen zusammen, aus dem ich jahrelang mein Müsli löffelte und das mir jetzt noch als Topf dient, in dem ich mein Münzgeld sammele. Wo ich es gekauft habe – ich weiß es nicht mehr. Kein Bild erscheint in meiner Vorstellung, nicht vom Geschäft, nicht von Sehenswürdigkeiten, die wir sicherlich geschaut haben, einfach nichts. Ausgelöscht, die Erinnerung. Nur an die junge Frau kann ich mich erinnern, die dabei war, in sie hatte ich mich sofort verliebt. Ich weiß noch, wir schliefen in einem Mehrbettzimmer, sie zog sich abends aus und ich sah sie… sie war vergeben, gebunden. Ein oder zwei Abende hatten wir zusammen, ohne daß etwas geschah, was wir bereut hätten. Ob ich bereut habe, das nichts geschehen war? Auch das weiß ich nicht mehr, genausowenig wie ihren Namen.

Wieso erzähl ich das hier? Ganz einfach, es kam mir sofort in den Sinn, als mir dieser Bildband (nicht den ganz großen, sondern die abgespeckte Version der Hardcover-Ausgabe) wieder mal in die Hände fiel. Parisbilder aus knapp zwei Jahrhunderten, 1839 – so der dreisprachige Text – entspann sich eine Liaison zwischen dieser Stadt und der Fotographie….

Auf den alten Bildern noch die unbefestigen Straßen mit den Pferdekutschen, im Hintergrund Kuppeln und Säulen, es gibt noch Tiere in der Stadt, Ziegen spenden frische Milch, die sich ein Kunde genüsslich schmecken läßt. Bilder von Artisten, die ihre Kunst auf der Straße zeigen, von Geschäften, Läden, die misstrauisch dreinschauende Concierge. Es regnet in Paris, an den Ecken stehen Menschen, denen man ansieht, daß das Leben nicht spurlos an ihnen vorüber gegangen ist. Spuren im Schnee und dann der Frühling in den Gärten, in den Parks. Zeitunglesen, ein Picknick, ein Nickerchen auf der Bank, Runde um Runde mit dem Karussel… überhaupt, diese Stimmung.. der berühmte Kuss vor dem Rathaus. Pärchen in ihrer Zweisamkeit, sich aneinanderlehnend, in die Augen schauen, sich haltend, sich durch die Absperrung der Kabine hindurch küssend ….Bistros, Lokale, Restaurants.. wartende, beobachtende, unbeobachtete Menschen, lesende, suchende, seiende… es sind schöne, stimmungsvolle Bilder aus einer Stadt, die voller Atmosphäre ist und voller Menschen, die diese speisen, bis hin zu den starken Frauen Newtons… mir fällt die Stelle bei Miller ein („Stille Tage in Clichy„), in der er Montmatre beschreibt: „…verbraucht, verblichen, verwahrlost, nacktes Laster, käuflich, vulgär. Es ist eher abstoßend als anziehend, aber so verführerisch abstoßend wie das Laster selbst….. Dieser hinterhältige Zauber ist… zum größten Teil dem Sex zuzuschreiben, der hier unverblümt gehandelt wird. …. viel betörender und viel verführerischer als der strahlend illuminierte Broadway„. Schau ich mir diese bilder hier an, denke icdh, diese Tatsache gilt nicht nur den Sex, für Montmatre: diese Bilder zeigen keine sterile Hochglanzstadt, im Gegenteil. Sie zeigen ein Paris, auch ein vergangenes Paris, in der Menschen wohnen, einfache, arme, reiche, gepflegte und ungepflegte, Menschen, die ihrer Arbeit nachgehen oder ihrem Laster… Menschen, die sich ihres Lebens freuen, die stolz sind – oder die traurig sind, verzweifeln. Menschen, die einsam sind oder zu zweit, die in der Masse verloren scheinen oder geborgen sind.. Menschen wie sie das richtige Leben für uns bereithält……

… kurz gesagt: es war einfach schön, diesen Fotoband durchzublättern….

Jean-Claude Gautrand
Paris Mon Amour
übersetzt von Chris Miller und Verena Vannahme
Taschen-Verlag, TB, 239 S., 2007

Diese Geschichte ist ein Triumph der klischeehaften Figuren, die da wären (in bunter Reihenfolge): „lonesome wolf“ David Spandau, äußerlich ein Kerl wie ein Baum, Cowboy-Fan und ehemaliger Stuntman, jetzt Privatdetektiv, innerlich verletzlich und durch seine gescheiterte Ehe am Rande selbstmitleidischer Selbstzerstörung, des weiteren die Hollywood-Diva im Alter des versagenden Bleistifttests und damit auch jenseits des Karriereknicks, leicht suizidgefährdet und männerverschlingend, im Inneren aber nichts weiter als ein großes Mädchen auf der Suche nach der großen Liebe. Sodann lernen wir einen Zuhälter kennen, der zwar seine Mädels zu mindestens fünf Freiern die Nacht zwingt, der aber insgeheim ein Opernliebhaber ist und ansonsten das Herz auch auf dem rechten Fleck trägt. Es taucht die leicht ausgeflippte Sekretärin auf, die aber die Seele der Detektei ist und ohne die alles zusammenbrechen würde, natürlich halten die Franzosen die Amis für A**löcher (vice versa) und genauso natürlich fangen wahre Männerfreundschaften mit einer zünftigen Prügelei an…. und last not least der intelligente, aber durch eine schwere Jugend traumatisierte und von einer tyrannischen Mutter beherrschte Täter, der oben erwähnte Diva zum Objekt seiner krankhaften Begierde macht, da er und sie, sie und er, als Art göttlichen Wink beide weiland einen ähnlichen Schicksalschlag zu verwinden hatten.

Der Plot läßt sich folgendermaßen zusammenfassen: besagter, leicht verhaltensgestörter und sozialdefekter Täter hat eine Leidenschaft: Anna, die eigentlich sehr sympathische, für Hollywood langsam aber zu alte Diva. Er sammelt ihr Leben, wie es google ihm bietet, kauft die „ich-war-jung-und-brauchte-das-Geld“-nackelich-Bilder, um sich über ihnen zu ergiessen (was ihm aber ein tierisch schlechtes Gewissen bereitet) und vertraut seinem Tagebuch seinen großen Plan an, was er nämlich mit Anna noch vorhat. Bevor es aber dazu kommt trennt er sich endgültig von seiner Mutter und schlitzt, der kleine Figaro, der er ist, noch kurzerhand den schon erwähnten Opernliebhaber auf und erleichtert ihn um das Geld, das er dabei hat, feines, schönes, illegales Mafiageld …. Special, so heißt der kleine Zuhälter, ist nicht blöde und findet recht schnell heraus, wer ihn da gelinkt hat und reist ihm nach nach Cannes, wo die Filmfestspiele laufen, in deren Jury unsere Anna sitzt. Wen wunderts, daß sie sich Herrn Spandau als Leibwächter mitgenommen hat…. Und so nimmt das Schicksal jetzt an der französischen Mittelmeerküste seinen Lauf und alle, die dort nicht gestorben sind, sind weiterhin gut drauf…

Also, wirklich neues bietet das Buch nicht, die Figuren sind schablonenhaft, die Story vorhersehbar und natürlich fehlt auch eine Love-Story nicht. Trotzdem ist eine unterhaltsame Lektüre und Depp versteht es, auch noch eine gewisse Spannung in den Details zu erzeugen. Da der Autor in Hollywood Drehbücher schreibt, ist er, was dieses Biotop angeht, Insider, so findet sich manch ironisch-sarkastischer Seitenhieb auf die dort vor sich hin existierende Schauspieler-/Produzenten und-was-sonst-noch-Meschpoke… Zusammenfassend und aus eigener Erfahrung würde ich sagen, „Nächte in Babylon“ ist gut geeignet, einen verregneten Nachmittag zu überbrücken, an dem sonst nichts anliegt….

mehr von Daniel Depp bei aus.gelesen: Daniel Depp: Stadt der Verlierer

Daniel Depp:
Nächte in Babylon
übersetzt von Regina Rawlinson
carl’s books, brosch., 352 S., 2011

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